Tag Archive: Dodge and Burn




Ein sauberer Überblick für Fotografen, Photoshop-Anwender, Retoucher und alle, die Hautretusche schneller, aber nicht billiger aussehen lassen wollen.

Stand des Fakten- und Linkchecks: 28.06.2026

Hinweis: Retouch4me schreibt man mit 4. Preise, Rabattbanner und Cloud-Pläne ändern sich bei Retouch4me sichtbar häufig. Dieser Artikel fasst den Stand des Checks zusammen und sagt vor allem, was im echten Workflow vernünftig ist.

Retouch4me ist eines dieser Tools, bei denen man schnell den Überblick verliert. Früher war das gefühlt: ein paar Photoshop-Plugins für Haut. Heute ist es ein kleiner Werkzeugkasten aus Einzelplugins, kostenlosen Tools, Photoshop Panel, Apex, Arams, Cloud-Retouching, Credit-Packs, Abos, Video-Plugins und Sonderaktionen. Wer da einfach wild kauft, wirft schnell Geld in den digitalen Brunnen.

Die gute Nachricht: Das System ergibt Sinn, wenn man es nach Workflow betrachtet. Nicht jeder braucht alles. Und genau da liegt der Punkt: Retouch4me ist nicht automatisch “kaufen, alles wird schön”. Es ist eher ein sehr schneller Assistent. Es macht die Routinearbeit. Den Geschmack, den finalen Look und die Retusche-Entscheidung musst du weiterhin selbst liefern. Sonst sieht auch gute KI irgendwann nach schneller KI aus.

Kurzfassung: Meine ehrliche Empfehlung

  • Für Einsteiger: zuerst die kostenlosen Tools testen – Frequency Separation und Color Match Free. Dazu Apex oder Photoshop Panel ausprobieren, bevor Geld fließt.
  • Für Portrait-Fotografen: Heal + Dodge & Burn + Skin Tone sind der sinnvollste Kern. Mattifier ist stark, wenn du viel Glanzhaut, Blitz oder Eventlicht hast.
  • Für Beauty/Fashion: zusätzlich Skin Mask, Stray Hairs und Portrait Volumes. Aber bitte immer auf Ebenen, mit reduzierter Deckkraft und manueller Schlusskontrolle.
  • Für Hochzeiten/Events: nicht einzelne Bilder denken, sondern Batch. Arams, Apex, Cloud-Credits oder das Wedding Bundle sind hier interessanter als Einzelplugin-Spielerei.
  • Für Studio, Produkt und E-Commerce: Clean Backdrop, Dust, Fabric und Crop können mehr Zeit sparen als jedes Beauty-Plugin.
  • Für Video: nur interessant, wenn du wirklich regelmäßig Video retuschierst und genug Hardware/DaVinci/Premiere-Workflow hast. Sonst ist das schnell teuerer Spieltrieb.

Was Retouch4me heute eigentlich ist

Retouch4me besteht nicht mehr nur aus einzelnen Photoshop-Filtern. Es gibt im Kern vier Ebenen:

  • Einzelplugins als klassische, dauerhafte Lizenzen: lokale Plugins für Photoshop und Standalone-Nutzung, meist mit kostenloser Demo.
  • Photoshop Panel: ein kostenloses Panel, das mehrere Retouch4me-Tools direkt in Photoshop bündelt und Ebenen ausgibt.
  • Apex: eine neuere All-in-one-Anwendung mit Cloud-Verarbeitung, Vorschau und Ebenen-Ausgabe. Pro Bild wird ein Credit berechnet, nicht pro einzelnes Modul.
  • Arams: eine Workflow-App für Analyse, Culling, Batch-Retusche und Export. Die App selbst ist kostenlos, aber für lokale Plugin-Nutzung brauchst du die gekauften Plugins; Cloud-Nutzung läuft über Credits oder Abo.

Praktisch gesagt: Wer alle paar Wochen ein Portrait macht, braucht keine Großlösung. Wer hunderte Bilder aus Events, Headshots oder Corporate-Shootings verarbeitet, sollte nicht einzeln in Photoshop herumklicken, sondern Apex/Arams und Credit-Modelle ernsthaft prüfen.

Die zentralen Programme und Panels

ToolWas es machtFür wen sinnvollWichtig
Photoshop PanelKostenloses Panel in Photoshop. Zugriff auf mehrere Retouch4me-Plugins, lokale Verarbeitung oder Cloud, Ergebnisse als editierbare Ebenen.Photoshop-Leute, die sauber auf Ebenen arbeiten wollen.Nicht alle Tools sind im Panel/Cloud-Modus verfügbar. Offiziell ausgenommen: Crop, Color Match, Face Make und Frequency Separation; Skin Mask und Dust nicht für Cloud Retouch im Panel.
ApexAll-in-one App/Plugin mit Cloud-Retusche, Echtzeit-Vorschau und Layer Support. Ein Bild = ein Credit für die komplette Apex-Verarbeitung.Fotografen, die schnell viele Portraits durch einen einheitlichen Retusche-Grundlauf schicken wollen.Cloud bedeutet: Credit-Verbrauch und Upload/Verarbeitung außerhalb des lokalen Rechners. Für sensible Kunden vorher klären.
AramsApp für automatische Fotoanalyse, Culling, Batch-Retusche, Tags und Export. Funktioniert lokal und in der Cloud.Hochzeiten, Events, Schul-/Corporate-Portraits, große Serien.Die App ist kostenlos, aber lokale Retusche benötigt gekaufte Plugins. Unterstützte Formate laut Produktseite: JPEG, PNG, TIFF, HEIC.
Frequency SeparationKostenloses Tool für visuelle Frequenztrennung mit 2- und 3-Band-Modus, Masken und Vorschau.Einsteiger und Retoucher, die manuell arbeiten und mehr Kontrolle wollen.Kein Zauberfilter. Es ist ein Werkzeug, keine Retusche-Entscheidung.
Color Match FreeKostenloses Farbtool mit LUT-Bibliothek. Die Gratisversion ist stärker auf fertige LUTs beschränkt.Schnelle Farblooks, Mood-Tests, Lernmaterial.Für eigenes Referenz-Matching und LUT-Export ist die Vollversion relevant.

Mein erster Rat: nicht mit dem teuersten Warenkorb beginnen. Retouch4me liefert Demos, kostenlose Tools und Cloud-Credits. Genau die sollte man ausnutzen. Nicht an perfekten Beispielbildern testen, sondern an den schlimmsten 20 eigenen Dateien: glänzende Haut, Mischlicht, schlechte Hautstruktur, Haare quer durchs Gesicht, Studiohintergrund mit Dreck, JPEG aus der Hölle. Wenn es dort hilft, ist es im echten Leben brauchbar.

Die Fotoplugins: was wirklich wofür gedacht ist

PluginAufgabeSinnvoll fürPraxis-Kommentar
HealEntfernt Pickel, kleine Hautfehler und Störungen am Körper.Portrait, Beauty, Headshots, EventsSehr guter erster Schritt. Danach trotzdem kontrollieren, ob Struktur falsch kopiert wurde.
Dodge & BurnGlättet Hautunebenheiten, Augenringe, Nasolabialfalten und unvorteilhafte Schatten, ohne einfach alles weichzuzeichnen.Portrait, Beauty, Hochzeit, CorporateDer Name ist etwas irreführend: es ist weniger kreatives Lichtmalen, mehr automatisches Ausgleichen von Hautproblemen.
Skin ToneFindet sichtbare Hautbereiche und gleicht den Hautton an einen Durchschnitt an.Beauty, Fashion, Sommerhaut, MischlichtVorsicht bei starkem Make-up, Tattoos, farbigem Licht oder Bodypainting. Immer auf Ebene und mit Maske prüfen.
MattifierReduziert glänzende/ölige Hautstellen und stellt natürlichere Farbe her.Event, Blitzlicht, Sommer, StudioGold wert bei Stirn/Nase/Wangen. Aber nicht komplett matt bügeln, sonst stirbt die Haut.
Skin MaskErzeugt Hautmasken für Gesicht, Körper oder getrennte Hautbereiche.Retoucher, die manuell sauber weiterarbeitenEiner der heimlichen Profi-Hebel: nicht für den schnellen Effekt, sondern für kontrollierte Ebenenarbeit.
Portrait VolumesGibt Portraits mehr Tiefe und Volumen.Beauty, Portrait, Social/PortfolioSubtil einsetzen. Zu stark wirkt es schnell nach künstlichem Instagram-Glow.
Eyes BundleReduziert rote Äderchen, Rötung und verstärkt Augenwirkung.Headshots, Beauty, HochzeitSehr nützlich, aber Augen nicht zu hell machen. Alien-Augen verkaufen selten Vertrauen.
White TeethHellt Zähne auf und soll natürliche Farbe bewahren.Hochzeit, Business, Smile-PortraitsNie auf 100 % vertrauen. Zähne dürfen hell sein, aber nicht wie Sanitärkeramik.
Stray HairsEntfernt fliegende Haare und kann manuell markierte Haare entfernen.Beauty, Fashion, Close-upsStark bei Einzelhaaren. Bei Frisuren mit Charakter nicht alles wegoptimieren.
Face MakeGesichtsform, Symmetrie, Makeup, Hauttextur und Ausdruck anpassen.Beauty, Kreativretusche, Styling-TestsMächtiges, aber heikles Tool. Bei echten Kunden sehr bewusst einsetzen, weil es Identität verändern kann.
FabricGlättet Falten in Kleidung.E-Commerce, Corporate, Hochzeit, FashionSehr unterschätzt. Spart oft mehr Zeit als Hautretusche.
Clean BackdropEntfernt Schmutz, Falten und Sensorflecken auf gleichmäßigen Studiohintergründen.Studio, Headshots, Produkt, KatalogFür Serien brutal praktisch. Bei unruhigen Hintergründen nicht erwarten, dass es zaubert.
DustEntfernt Staub und kleine Partikel von Objekten/Oberflächen.Produkt, Still Life, Makro, StudioFür Produktfotografen oft der langweilige Held. Langweilig ist hier gut.
CropAutomatischer Zuschnitt für vorgegebene Formate, u.a. Schulalben, Corporate, Kataloge.High-volume Portraits, Katalog, E-CommerceNicht sexy, aber bei 300 ähnlichen Bildern echter Zeitgewinn.
Color MatchFarblook per Referenzbild, LUT-Erzeugung und Zugriff auf LUT Cloud.Lookentwicklung, Serienangleichung, Foto/VideoNicht als Ersatz für gutes Color Grading sehen. Eher als schneller Startpunkt.

Preise, Lizenzen und Angebote: wo man aufpassen muss

Retouch4me fährt derzeit zwei grundverschiedene Kaufmodelle: dauerhafte Plugin-Lizenzen und Cloud-/Credit-Modelle. Genau hier passieren viele Fehlkäufe, weil man Einzelpreise, Rabattbanner, Bundles und Abos durcheinanderwirft.

ModellPreis/Logik beim CheckWann sinnvoll
Dauerhafte EinzelpluginsPhoto Plugins starten laut offizieller Preisseite bei $145. Einzelne Tools wie Dodge & Burn oder Clean Backdrop werden in offiziellen Sonderseiten/Bundles auch mit $179 regulär gelistet.Für Fotografen, die lokal arbeiten, viele Bilder retuschieren und nicht pro Bild zahlen wollen.
Kostenlose ToolsFrequency Separation und Color Match Free sind kostenlos. Photoshop Panel, Apex und Arams sind ebenfalls kostenlos installierbar, benötigen je nach Nutzung aber gekaufte Plugins oder Credits.Zum Testen und als Einstieg absolut sinnvoll.
Cloud-Abo monatlichStart: $20/Monat mit 200 Retouching Credits. Pro: $35/Monat mit 500 Credits. Business: $90/Monat mit 1500 Credits.Wenn jeden Monat regelmäßig viele Bilder kommen.
Cloud-Abo jährlichStart: $169/Jahr, Pro: $299/Jahr, Business: $759/Jahr. Jahrescredits werden laut Retouch4me sofort gutgeschrieben; ungenutzte Retouches können bei aktivem Abo bis zu 5 Jahre rollen.Für planbare Serienjobs, Studios, Hochzeiten, Teams.
Credit-Packs ohne Abo100 Credits: $24. 300 Credits: $59. 1200 Credits: $179. Credits sollen laut offizieller Pack-Seite dauerhaft verfügbar bleiben.Gut zum Testen oder für unregelmäßige Jobs.
Wedding BundleOffiziell gelistet mit Heal, Dodge & Burn, Skin Tone und Mattifier für $552.60; Bundle-Rabatt $61.40 gegenüber den dort gelisteten Einzelpreisen.Sinnvoll, wenn genau diese vier Tools gebraucht werden und keine bessere Rabattaktion greift.
MYWED PRO SpecialOffizielle Retouch4me-Seite: 30 % Rabatt für MYWED PRO Nutzer; Beispiele dort: $145 -> $101.50, $179 -> $125.30.Nur relevant, wenn man MYWED PRO wirklich hat.

Aktuelle Rabattlage beim Check

Beim Linkcheck am 28.06.2026 zeigte die offizielle Seite unter anderem eine 25-%-Aktion auf Dodge & Burn mit Countdown sowie mehrere Seiten mit dem Banner “6 Years of Retouching Evolution – 20% off”. Auf einzelnen Produktseiten waren z.B. Eyes Bundle, White Teeth und Mattifier mit $116 statt $145 sichtbar. Solche Angebote sind live und können sich ändern. Deshalb: vor dem Kauf immer Warenkorb rechnen, nicht nur Banner glauben.

Mein Tipp: Wenn du nur ein Tool brauchst, kauf es nicht aus Rabattpanik. Wenn du mehrere Tools brauchst, teste zuerst, lege die Favoriten in den Warenkorb und prüfe dann: Einzelkauf mit aktuellem Sale, Bundle, MYWED-Special, offizieller Promo-Code oder Credit-Modell. Der günstigste Weg ist nicht immer der auffälligste Button.

Für wen ist was am vernünftigsten?

TypSinnvoller EinstiegWarum
Einsteiger / HobbyFrequency Separation, Color Match Free, Demo-Versionen, kleine Credit-PacksDu lernst erst, wo Retouch4me hilft und wo du selbst ran musst. Kein Plugin wird mangelndes Retusche-Verständnis ersetzen.
Portrait-FotografHeal, Dodge & Burn, Skin Tone, optional MattifierDas ist der Retusche-Kern: Haut säubern, Haut ruhiger machen, Ton angleichen, Glanz kontrollieren.
Beauty / FashionHeal, Dodge & Burn, Skin Mask, Stray Hairs, Portrait Volumes, optional Face MakeHier zählt Kontrolle. Retouch4me als Basis, danach manuelles Finish. Alles andere wirkt schnell zu automatisch.
Hochzeit / EventArams oder Apex + Credits/Abo, Wedding Bundle als KaufvarianteBei 500 Bildern ist Geschwindigkeit wichtiger als Einzelbild-Romantik. Trotzdem finale Auswahl manuell prüfen.
Corporate / HeadshotHeal, D&B, Mattifier, White Teeth, Eyes Bundle, Clean Backdrop, CropSehr starker Use Case: gleiche Lichtsetzung, gleiche Hintergründe, viele Gesichter.
E-Commerce / ProduktDust, Clean Backdrop, Fabric, Crop, Color MatchHier spart Retouch4me an den stumpfen Routinearbeiten. Genau dort tut Automatisierung am wenigsten weh.
Retoucher mit ErfahrungSkin Mask, Heal, D&B, Frequency Separation, Panel/Apex mit EbenenNicht als Ersatz für dich, sondern als Vorarbeit. Das ist der Sweet Spot.
VideografHeal OFX, Dodge & Burn OFX/Premiere, Dust OFX, Color Match OFXNur kaufen, wenn du wirklich Videos retuschierst. Die Video-Tools sind hardware- und workflow-lastiger.

Praxis-Workflow: so würde ich es in Photoshop einsetzen

Der größte Fehler ist, Retouch4me wie einen finalen Beauty-Filter zu behandeln. Die bessere Denkweise lautet: Retouch4me baut mir eine saubere Grundlage, Photoshop macht daraus ein gutes Bild.

  • RAW-Entwicklung zuerst neutral halten. Keine extreme Klarheit, keine wilden Looks vor der Hautarbeit.
  • Bild in Photoshop öffnen und sauber duplizieren. Retouch4me nie destruktiv auf der einzigen Ebene laufen lassen.
  • Zuerst Heal für kleine Hautfehler. Danach bei 100 % kontrollieren, ob die Textur plausibel bleibt.
  • Dann Dodge & Burn für unruhige Hautpartien. Deckkraft reduzieren, wenn das Gesicht zu glatt oder flach wird.
  • Skin Tone nur dort, wo Mischlicht, Körper/Gesicht-Unterschiede oder fleckige Hautfarbe stören. Maske prüfen.
  • Mattifier nur auf Glanzstellen. Nicht das ganze Gesicht tot mattieren.
  • Skin Mask als Profi-Hilfe nutzen: damit Kurven, Farbkorrekturen oder Dodge-&-Burn-Feinschliff gezielt auf Haut greifen.
  • Am Ende erst Look/Color Grading. Retusche vor Look ist meistens sauberer als Look vor Retusche.

Geheimtipp: Wenn ein Plugin grundsätzlich gut arbeitet, aber zu stark wirkt, ist nicht das Plugin schlecht. Dann ist deine Ebene zu stark. Retouch4me + 40 bis 70 % Deckkraft ist oft schöner als Retouch4me auf 100 %.

Batch-Workflow für viele Bilder

Für Hochzeiten, Schulportraits, Corporate-Headshots und Events ist die Frage nicht: “Welches Plugin ist am schönsten?”, sondern: “Wie bekomme ich 300 Bilder auf ein sauberes Grundniveau, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren?”

  • Culling zuerst: Arams kann Bilder analysieren, nach Ähnlichkeit gruppieren, Fehlfokus und Blinzeln markieren und Metadaten/XMP nutzen.
  • Dann Grundretusche: Apex verarbeitet ein Bild mit einem Credit und stellt mehrere Retusche-Module zur Auswahl. Vorteil: du zahlst nicht pro aktiviertem Werkzeug, sondern pro Bildverarbeitung.
  • Layer-Ausgabe nutzen: Wenn du aus Photoshop kommst, ist Layer-Support der Unterschied zwischen “KI hat entschieden” und “ich entscheide weiter”.
  • Aktionen sauber aufnehmen: Für Photoshop-Actions empfiehlt Retouch4me bei Apex die Apex Automation unter File – Automate, wenn Layer zuverlässig entstehen sollen.
  • Finale Kontrolle: Batch ist kein Freibrief. Die besten 10 % der Bilder händisch nachziehen, die schwächeren sauber, aber nicht überarbeiten.

Lässige Tipps, die in der Praxis wirklich helfen

  • Teste immer mit Problemdateien. Beispielbilder auf Herstellerseiten sind nett, aber dein Alltag besteht aus Mischlicht, Glanz, schlechter Haut, Haaren und Zeitdruck.
  • Kaufe keine 10 Plugins auf Verdacht. Starte mit Heal + Dodge & Burn. Wenn du danach noch immer manuell zu viel Hautfarbe korrigierst, nimm Skin Tone. Wenn Glanz dein Feind ist, Mattifier.
  • Skin Mask ist kein Anfänger-Spielzeug, sondern ein Geheimtipp für saubere Profi-Arbeit. Eine gute Hautmaske spart dir mehr Zeit als ein übermotivierter Beauty-Filter.
  • Bei Beauty: Retouch4me vor Frequency-Separation-Finish einsetzen. Erst maschinell grob aufräumen, dann manuell mit Geschmack finalisieren.
  • Bei Business-Headshots: Clean Backdrop und Crop nicht unterschätzen. Hintergrundputzen und Zuschnitt fressen mehr Lebenszeit, als man zugeben will.
  • Bei Rabatten: Nicht nur Prozent ansehen. Ein 30-%-Rabatt auf vier falsche Plugins ist teurer als ein einzelnes richtiges Tool zum Vollpreis.
  • Bei Cloud: Datenschutz klären. Lokale Plugins sind für sensible Kunden oft angenehmer. Cloud ist schneller und bequem, aber eben Cloud.
  • Bei Updates: Vor großen Photoshop-/macOS-Updates nicht mitten im Kundenjob aktualisieren. Erst testen, dann produzieren. Langweilig, aber rettet Nerven.

Was Reviews und Foren ungefähr sagen

Der Community-Puls ist recht eindeutig, aber nicht blind euphorisch: Viele Fotografen loben Zeitersparnis und natürlichere Hautstruktur als bei typischen Weichzeichner-AI-Tools. Gleichzeitig tauchen die üblichen Warnungen auf: Demo testen, Dateiformate/Workflow klären, nach Photoshop-Updates mit möglichen Plugin-Problemen rechnen und Ergebnisse manuell prüfen.

BereichZusammenfassung
Positive StimmenFstoppers kam 2026 zum Schluss, dass Retouch4me Stunden sparen kann. Digital Photography School beschrieb schon früher, dass die Plugins Retusche deutlich beschleunigen und einfach zu bedienen sind. Auf Reddit schreibt ein High-End-Retoucher sinngemäß: erst Retouch4me laufen lassen, dann manuell finishen.
Kritische PunkteEin Reddit-Thread zeigt auch die andere Seite: nicht jeder ist nach Demos sofort beeindruckt; dazu kommen Fragen zu Dateiformaten und Workflow. Ein weiterer Thread nennt Probleme nach einem Photoshop-Update. Das ist kein Drama, aber ein reales Studio-Thema.
Support-EindruckTrustpilot ist keine Laborprüfung, aber viele aktuelle Einträge loben Support und schnelle Hilfe. Gleichzeitig sieht man dort auch Update-/Aktivierungsprobleme, die dann offenbar über Support gelöst wurden.
Mein Fazit darausRetouch4me ist am stärksten als Assistent vor der finalen Retusche. Wer einen “ein Klick und High-End fertig”-Knopf erwartet, wird enttäuscht. Wer Zeit sparen und trotzdem auf Ebenen kontrollieren will, bekommt ein starkes Werkzeug.

Die ehrlichen Grenzen

  • Retouch4me versteht nicht automatisch deine Bildidee. Es erkennt Muster, Haut, Staub, Glanz, Haare, Tonwerte. Das ist viel, aber keine künstlerische Entscheidung.
  • Harte Problemfälle bleiben harte Problemfälle: extrem schlechtes Licht, falscher Fokus, kaputte JPEGs, starkes Makeup, Bodypaint, verdeckte Gesichter, komplexe Haare.
  • Zu viel Automatik macht Bilder generisch. Wenn alle dieselben Tools zu stark einsetzen, sieht irgendwann alles nach demselben Studio-Katalog aus.
  • Face Make ist mächtig, aber heikel. Sobald Gesichtszüge verändert werden, bist du im Bereich Identität, nicht mehr nur Retusche.
  • Cloud ist bequem, aber nicht für jeden Kunden passend. Bei vertraulichen Jobs lokale Workflows bevorzugen oder Freigaben klären.

Mein Gesamturteil

Retouch4me ist 2026 kein kleines Plugin mehr, sondern ein ernstzunehmendes Retusche-System. Es ist besonders stark, wenn es die langweiligen, wiederholbaren Teile übernimmt: Hautfehler weg, Haut ruhiger, Glanz kontrollieren, Haare entschärfen, Hintergrund reinigen, Kleidung glätten, Serien beschneiden.

Das Vernünftigste ist nicht “alles kaufen”, sondern den eigenen Engpass kaufen. Wenn du dauernd Haut säuberst: Heal. Wenn du dauernd Augenringe und unruhige Haut glättest: Dodge & Burn. Wenn du dauernd Farbe im Gesicht/Körper angleichen musst: Skin Tone. Wenn du Serien fotografierst: Arams/Apex/Credits. Wenn du Studio machst: Clean Backdrop, Dust, Fabric. So wird daraus ein Werkzeug und kein teurer Plugin-Friedhof.

Meine kurze Kaufempfehlung: Erst testen. Dann Kern kaufen. Dann erweitern. Und immer auf Ebenen arbeiten. Retouch4me soll dir Zeit zurückgeben, nicht deinen Geschmack ersetzen.

Faktencheck und Linkcheck

Für diesen Überblick wurden fünf Prüfebenen verwendet:

  • Offizielle Produkt- und Preisseiten von Retouch4me.
  • Einzelne Produktseiten für Funktion, Update-Stand, Systemanforderungen, Lizenzlogik und Layer-/Cloud-Hinweise.
  • Abo- und Credit-Pack-Seiten für laufende Kosten und Cloud-Logik.
  • Sonderseiten und sichtbare Rabatt-Hinweise, z.B. MYWED PRO Special, Wedding Bundle und aktuelle Banner/Countdowns.
  • Externe Reviews, Foren und Bewertungsplattformen, um den Herstellertext mit Praxiseindruck abzugleichen.

Alle folgenden Links wurden beim Erstellen dieses Dokuments geöffnet oder geprüft. Preise und Angebote können sich nach dem Check ändern.

Offizielle Retouch4me Startseite: https://retouch4.me/ — Herstellerseite und zentraler Einstieg.

Offizielle Produktliste: https://retouch4.me/products/test/list?lng=en — Apps, Plugins, Free Tools und Produktübersicht.

Offizielle Preise: https://retouch4.me/pricing — Perpetual License, Photo Plugins, Video Plugins und Free Tools.

Retouch4me Subscription: https://retouch4.me/subscription?lng=en — Cloud-Abos mit Retouching Credits und Culling Credits.

Retouch4me Credit Packs: https://retouch4.me/subscription/packs?lng=en — Einmalige Cloud-Credit-Pakete.

Photoshop Panel: https://retouch4.me/products/retouch-plugins/300?lng=en — Panel, Photoshop-Version, Layer und Einschränkungen.

Apex: https://retouch4.me/products/retouch-plugins/123?lng=en — All-in-one-App, Cloud, Credits, Ebenen.

Arams: https://retouch4.me/products/retouch-plugins/400?lng=en — Culling, Batch, lokale/Cloud-Retusche.

Frequency Separation: https://retouch4.me/frequencyseparation — Kostenloses Frequenztrennungs-Tool.

Color Match Free: https://retouch4.me/products/retouch-plugins/117?lng=en — Kostenlose Farb-/LUT-Version.

Wedding Bundle: https://retouch4.me/products/bundles/550?lng=en — Bundle mit Heal, D&B, Skin Tone und Mattifier.

MYWED PRO Special: https://retouch4.me/mywedspecial30en — Offizielle 30-%-Sonderseite für MYWED PRO User.

Video Retouch Übersicht: https://retouch4.me/products/video-retouch?lng=en — OFX/Premiere/Video-Tools.

Fstoppers Review 2026: https://fstoppers.com/originals/retouching-know-it-over-putting-retouch4me-test-901331 — Aktueller externer Praxiseindruck.

ePHOTOzine Heal Review: https://www.ephotozine.com/article/retouch4me-heal-review-36862 — Externer Review mit hilfreicher Einordnung von D&B, Mattifier, White Teeth.

Digital Photography School Review: https://digital-photography-school.com/retouch4me-review/ — Workflow-Review zu mehreren Plugins.

Reddit Photoshop Erfahrungsbericht: https://www.reddit.com/r/photoshop/comments/yi3qyx/retouch_via_ai_plugins_retouch4me_in_photoshop_my/ — Community-Stimme aus High-End-Retusche-Sicht.

Reddit Dateiformat/Workflow Frage: https://www.reddit.com/r/photography/comments/1d9qjqb/retouch4me_file_format/ — Kritischer Community-Punkt zu Demo/Workflow.

Reddit Photoshop Update Problem: https://www.reddit.com/r/photoshop/comments/1lh3p6u/retouch4me_plugin_not_working_after_photoshop/ — Beispiel für mögliche Plugin-Probleme nach Updates.

Trustpilot Retouch4me: https://www.trustpilot.com/review/retouch4.me — Aktuelle Kundenstimmen, vor allem Support- und Workflow-Eindruck.

Redaktioneller Hinweis: Externe Reviews, Reddit und Trustpilot sind keine wissenschaftlichen Messungen. Sie sind hier als Praxisstimmen eingeordnet, nicht als absolute Wahrheit. Die belastbarsten Fakten zu Preisen, Funktionen und Systemanforderungen stammen von den offiziellen Retouch4me-Seiten.



Ein praxisorientierter Einsteiger-Leitfaden

Stand: Mai 2026
Geprüft und aktualisiert für Lightroom Classic 15.3 und Photoshop 2026 / Version 27.6


Inhaltsübersicht

  1. Warum Schwarzweiß-Fotografie gerade bei Portraits funktioniert
  2. Voraussetzungen und benötigte Software
  3. Das richtige Ausgangsmaterial
  4. Phase 1: RAW-Entwicklung in Lightroom Classic
  5. Phase 2: Feinarbeit in Photoshop
  6. Typische Fehler und wie man sie vermeidet
  7. Drei komplette Beispiel-Workflows
  8. Weiterführende Techniken
  9. Qualitätscheckliste
  10. Quellen und Ressourcen

1. Warum Schwarzweiß-Fotografie gerade bei Portraits funktioniert

Ein gutes Schwarzweiß-Portrait ist kein Farbfoto ohne Farbe. Es ist ein Bild, das über Licht, Tonwerte, Kontrast, Hautstruktur, Blick und Form erzählt. Farbe kann manchmal ablenken – Schwarzweiß reduziert auf das Wesentliche.

Der häufigste Anfängerfehler: Sättigung auf -100 ziehen und fertig. Technisch ist das monochrom, künstlerisch oft nur graue Suppe. Professionelle Schwarzweiß-Konversion bedeutet: Sie steuern bewusst, welche ursprünglichen Farben hell oder dunkel werden. Haut, Lippen, Haare, Kleidung und Hintergrund bekommen dadurch gezielt getrennte Tonwerte.

Schwarzweiß funktioniert besonders gut, wenn das Ausgangsbild klare Lichtführung besitzt: erkennbare Schatten, interessante Texturen, einen durchdachten Tonwertaufbau. Flaches Licht ist nicht automatisch unbrauchbar, braucht aber in der Entwicklung deutlich mehr Modellierung. Seitenlicht, Rembrandt-Beleuchtung, Loop-Lighting oder gutes Fensterlicht geben Ihnen bereits vor der Bearbeitung die halbe Wirkung.


2. Voraussetzungen und benötigte Software

Software

Dieser Workshop bezieht sich auf die aktuellen Creative-Cloud-Versionen:

  • Adobe Lightroom Classic 15.3 (Stand April/Mai 2026)
  • Adobe Photoshop 2026 / Version 27.6

Ältere Versionen wie Lightroom 6 (letzte Standalone-Kaufversion) weichen erheblich ab und verfügen beispielsweise nicht über KI-basierte Personenmasken oder das moderne Farbgraduations-Panel.

Grundkenntnisse

Sie sollten bereits grundlegende Erfahrung mitbringen:

  • Import und Organisation von Fotos in Lightroom Classic
  • Grundlegende Bedienung des Entwickeln-Moduls
  • Ebenen und Masken in Photoshop (Grundverständnis)
  • Nicht-destruktives Arbeiten (Einstellungsebenen, Masken)

Falls diese Grundlagen noch unsicher sind, empfiehlt sich zunächst ein allgemeiner Photoshop-Einsteigerkurs.

Hardware-Empfehlungen

  • Monitor: Idealerweise kalibriert oder zumindest neutral eingestellt – besonders wichtig für die Beurteilung von Tonwerten in Schwarzweiß
  • Arbeitsspeicher: Mindestens 16 GB, besser 32 GB für 16-Bit-Dateien mit mehreren Ebenen
  • Grafiktablett: Optional, erleichtert aber präzise Retusche und Dodge & Burn erheblich

3. Das richtige Ausgangsmaterial

Was macht ein gutes Ausgangsfoto aus?

Nicht jedes Portrait eignet sich gleichermaßen für Schwarzweiß-Konversion. Idealerweise besitzt Ihr Ausgangsbild:

Klare Lichtführung: Diffuses, flaches Licht funktioniert in Schwarzweiß oft problematisch. Bilder mit erkennbarer Lichtrichtung, mit Highlights und Schatten, erzeugen Tiefe und Plastizität.

Strukturen und Texturen: Hautstruktur, Haare, Kleidungstexturen – all das gewinnt in Schwarzweiß an Bedeutung, da die Farbe als Unterscheidungsmerkmal wegfällt.

Tonwertreichtum: Das Ausgangsbild sollte möglichst viele unterschiedliche Helligkeitswerte enthalten, nicht nur Mittelgrau. Ein gutes Histogramm zeigt Verteilung über den gesamten Tonwertbereich.

Ruhiger oder tonwertlich trennbarer Hintergrund: Bunte, unruhige Hintergründe können in Farbe funktionieren, in Schwarzweiß aber mit Hauttönen verschmelzen oder störend wirken.

RAW-Format: Arbeiten Sie nach Möglichkeit mit RAW-Dateien. Sie enthalten deutlich mehr Informationen für tonale Korrekturen als JPEG – gerade in Lichtern und Schatten.

Übungsbild fotografieren

Falls Sie noch kein geeignetes Portrait haben:

  • Fensterlicht von schräg vorne (Rembrandt- oder Loop-Lighting)
  • Neutraler oder dunkler, ruhiger Hintergrund
  • Blende f/2.8 bis f/5.6 (angenehme Hintergrundunschärfe)
  • ISO so niedrig wie möglich (saubere Hauttöne)
  • Fokus auf dem vorderen Auge
  • RAW-Format

Wichtig: Scharfe Augen sind entscheidend. Unscharfe Augen bleiben unscharf – Photoshop kann Unschärfe nicht magisch reparieren.


4. Phase 1: RAW-Entwicklung in Lightroom Classic

Die entscheidende Arbeit für ein überzeugendes Schwarzweiß-Portrait geschieht bereits in Lightroom. Hier legen wir die tonale Grundlage, bevor später in Photoshop Feinheiten bearbeitet werden.

Schritt 1: Import und erste Sichtung

Importieren Sie Ihr Portrait in Lightroom Classic. Bewerten Sie es zunächst in Farbe:

  • Ist die Grundbelichtung akzeptabel?
  • Gibt es ausgebrannte Lichter im Gesicht?
  • Sind die Schatten völlig zugelaufen (keine Zeichnung mehr)?
  • Stimmt der Fokus auf den Augen?

Falls grundlegende technische Probleme existieren, sollten diese zuerst analysiert werden. Manche Bilder lassen sich retten, andere nicht.

Schritt 2: Grundlegende Korrekturen (noch in Farbe)

Bevor wir in Schwarzweiß konvertieren, korrigieren wir das Bild zunächst in Farbe.

Weißabgleich: Stellen Sie einen neutralen oder bewusst gewählten Weißabgleich ein. Auch wenn Sie später in Schwarzweiß arbeiten – der Weißabgleich beeinflusst die Farbinformationen, die später in Tonwerte umgerechnet werden.

Belichtung: Korrigieren Sie die Grundbelichtung so, dass:

  • Gesichtshöhen (Stirn, Nase, Wangen) gut durchgezeichnet sind
  • Keine wichtigen Bereiche ausfressen (komplett weiß ohne Zeichnung)
  • Schatten noch Zeichnung enthalten (nicht absaufen)

Lichter und Tiefen:

  • Lichter: Oft etwas zurücknehmen (-20 bis -40), um Hautdetails in hellen Bereichen zu bewahren
  • Tiefen: Vorsichtig aufhellen (+10 bis +30), aber nicht so stark, dass Schatten grau und flach werden

Weiß und Schwarz:

  • Halten Sie die Alt/Option-Taste gedrückt beim Verschieben des Weiß-Reglers – Sie sehen dann eine Schwellenwertansicht, die anzeigt, wo Bereiche anfangen auszufressen
  • Dasselbe für Schwarz – hier sehen Sie, wo Details verloren gehen
  • Setzen Sie bewusst Weiß- und Schwarzpunkt, aber mit Augenmaß

Objektivkorrekturen: Aktivieren Sie Profilkorrekturen und Chromatische Aberration entfernen. Das ist technische Hausarbeit – nicht glamourös, aber wichtig für saubere Ergebnisse.

Schritt 3: Konversion in Schwarzweiß

Jetzt wird es interessant. Der Fehler wäre, einfach nur die Sättigung auf -100 zu ziehen.

Stattdessen gehen wir so vor:

Schwarzweiß-Konversion:

  1. Klicken Sie im Entwickeln-Modul auf „Schwarzweiß“ (oder drücken Sie V)
  2. Lightroom zeigt nun im Panel „Schwarzweiß-Mix“ (im Englischen „B&W Mix“)
  3. Hier sehen Sie Regler für verschiedene Farbbereiche: Rot, Orange, Gelb, Grün, Aquamarin, Blau, Lila, Magenta

Entscheidend zu verstehen: Diese Regler steuern, wie hell oder dunkel die ursprünglichen Farbbereiche in der Schwarzweiß-Darstellung erscheinen. Das ist der Kern professioneller Schwarzweiß-Konversion.

Für Portraits besonders wichtig:

  • Rot und Orange: Steuern hauptsächlich Hauttöne. Höhere Werte (+20 bis +40) hellen die Haut auf und mildern optisch Hautunreinheiten
  • Gelb: Beeinflusst ebenfalls Hauttöne, besonders in helleren, wärmeren Bereichen
  • Blau: Beeinflusst häufig blaue Augen und manche Kleidungsstücke
  • Grün/Aquamarin: Wirken oft auf Hintergründe oder kühle Farbtöne

Praktischer Tipp: Nutzen Sie das Zielauswahl-Werkzeug (kleines Fadenkreuz-Symbol oben links im Schwarzweiß-Mix-Panel). Klicken Sie damit auf einen Hautbereich und ziehen Sie die Maus nach oben (aufhellen) oder unten (abdunkeln). Lightroom passt automatisch die relevanten Farbregler an.

Typische Starteinstellungen für Portraits:

  • Rot: +10 bis +30
  • Orange: +15 bis +40
  • Gelb: 0 bis +20
  • Restliche Regler: je nach Bild individuell anpassen

Wichtige Warnung: Übertreiben Sie nicht! Extreme Werte wie +80 oder -80 können unnatürliche Ergebnisse erzeugen – sogenannte Tonwertsäume, besonders dort, wo Haut an Kleidung oder Hintergrund grenzt. Arbeiten Sie moderat und prüfen Sie bei 100% Ansicht die Übergänge.

Schritt 4: Feinabstimmung der Tonwerte

Jetzt haben wir ein Schwarzweiß-Bild, aber es braucht noch tonale Feinabstimmung.

Kontrast: Der globale Kontrast-Regler sollte bei Portraits behutsam eingesetzt werden. Empfehlung: eher niedrige Werte (+5 bis +15). Zu viel Kontrast lässt Haut schnell hart und unnatürlich wirken.

Struktur (entspricht dem englischen „Texture“):

  • Beeinflusst mittelgroße Details ohne großflächige Tonwerte zu verändern
  • Sehr nützlich für selektive Hautretusche: Negative Werte (-10 bis -20) glätten Haut, ohne sie matschig zu machen
  • Kann auch positiv eingesetzt werden (+5 bis +20) für Haare, Stoffe, männliche Portraits

Klarheit (englisch „Clarity“):

  • Verstärkt Mitteltonkontrast
  • Positive Werte (+10 bis +25): Betonen Strukturen, gut für männliche Portraits oder bewusst raue Looks
  • Negative Werte (-10 bis -20): Weichere Haut, klassischer Beauty-Look
  • Vorsicht: Zu viel Klarheit erzeugt Heiligenscheine um Kanten und kann unnatürlich wirken

Dunst entfernen (englisch „Dehaze“):

  • Für Portraits meist nicht empfehlenswert, da es sehr aggressiv Kontrast und Mikrokontrast erhöht
  • Nur in Sonderfällen sinnvoll

Wichtig: In Lightroom Classic gibt es nicht zwei separate Regler „Textur“ und „Struktur“. Der deutsche Begriff „Struktur“ entspricht dem englischen „Texture“-Regler. Daneben existieren Klarheit und Dunst entfernen als eigenständige Werkzeuge.

Schritt 5: Lokale Anpassungen mit Masken

Globale Anpassungen reichen für hochwertige Portraits nicht aus. Jetzt arbeiten wir mit lokalen Korrekturen.

Moderne Maskierung in Lightroom Classic 15.x:

Lightroom Classic bietet seit mehreren Versionen KI-basierte Personenmasken. Diese sind enorm hilfreich, müssen aber immer kontrolliert und gegebenenfalls nachkorrigiert werden.

  1. Öffnen Sie das Maskierung-Panel (Taste O oder über Menü)
  2. Wählen Sie „Person auswählen“
  3. Lightroom erkennt automatisch Personen im Bild
  4. Sie können nun gezielt auswählen:
  • Gesichtshaut
  • Körperhaut
  • Augenweiß
  • Iris/Pupille
  • Lippen
  • Zähne
  • Haare
  • Kleidung

Wichtig: Prüfen Sie die Maske als Overlay (aktivieren Sie die Option „Maskenüberlagerung einblenden“). KI-Masken sind sehr gut, aber nicht perfekt. Korrigieren Sie mit „Hinzufügen“ oder „Subtrahieren“, wo nötig.

Augen aufhellen und schärfen:

  1. Maske für Iris/Pupille erstellen
  2. Einstellungen:
  • Belichtung: +0.2 bis +0.4 (dezent!)
  • Klarheit: +15 bis +25
  • Schärfe: +20 bis +30
  • Struktur: +10 bis +20
  1. Separate Maske für Augenweiß (falls nötig):
  • Belichtung: +0.1 bis +0.3 (sehr vorsichtig – zu weiß wirkt unnatürlich!)

Warnung: Übertrieben helle oder weiße Augen sind ein klassischer Anfängerfehler und wirken wie aus der Puppenklinik.

Gesichtshöhen betonen:

  1. Neue Maske erstellen (Pinsel oder über „Person > Gesichtshaut“)
  2. Mit Pinsel gezielt über Stirn, Nasenrücken, obere Wangen malen (dort, wo Licht natürlich auftrifft)
  3. Einstellungen:
  • Belichtung: +0.2 bis +0.4
  • Struktur: -5 bis -10 (für weichere Haut)
  • Klarheit: -5 bis -10 (optional)

Haare:

  1. Maske für Haare (Person > Haare oder manuell)
  2. Einstellungen:
  • Struktur: +10 bis +20
  • Klarheit: +10 bis +20 (betont Haarstruktur)
  • Schwarzwerte: leicht nach links schieben (dunkelt Haare ab, gibt Tiefe)

Hintergrund abdunkeln und beruhigen:

  1. Maske für Hintergrund (inversiert zur Personenmaske oder manuell)
  2. Einstellungen:
  • Belichtung: -0.3 bis -0.7
  • Klarheit: -10 bis -20 (weicherer Hintergrund lenkt weniger ab)
  • Optional: Struktur -10 bis -15

Schritt 6: Vignette und Körnung

Vignette:

Im Panel Effekte finden Sie die Vignettierung:

  • Betrag: -10 bis -25 (dunkelt Bildecken ab, lenkt Blick zur Mitte)
  • Mittelpunkt: +20 bis +40 (größerer Wirkungsbereich)
  • Weiche Kante: 50-70 (sanfter Übergang)
  • Rundheit: nach Bedarf anpassen

Eine dezente Vignette hilft, den Blick auf das Gesicht zu lenken, ohne aufdringlich zu wirken.

Körnung:

Analoge Filmkörnung kann Schwarzweiß-Portraits Charakter verleihen:

  • Stärke: 10-25 (dezent beginnen)
  • Größe: 20-35 (mittlere Korngröße)
  • Rauheit: 40-60 (bestimmt Kornstruktur)

Hinweis: Körnung ist Geschmackssache. Moderne Portraits funktionieren oft auch völlig ohne. Körnung ist Gewürz, kein Schotterbelag.

Schritt 7: Tonwertkurve (für leicht Fortgeschrittene)

Die Tonwertkurve ist eines der mächtigsten Werkzeuge in Lightroom, wird aber von Anfängern oft gemieden. Dabei ist sie weniger kompliziert als befürchtet.

Grundprinzip:

  • Horizontale Achse: Ursprüngliche Tonwerte (links = dunkel, rechts = hell)
  • Vertikale Achse: Neue Tonwerte (unten = dunkel, oben = hell)
  • 45-Grad-Diagonale: Keine Änderung

Klassische S-Kurve für Portraits:

  1. Öffnen Sie das Tonwertkurven-Panel
  2. Wählen Sie die Punkt-Kurve
  3. Setzen Sie Punkte:
  • Einen Punkt im unteren Viertel leicht nach unten ziehen (dunkelt Schatten minimal)
  • Einen Punkt im oberen Viertel leicht nach oben ziehen (hellt Lichter minimal auf)
  1. Das erzeugt eine sanfte S-Form, die Kontrast erhöht, aber weicher und kontrollierbarer als der globale Kontrast-Regler wirkt

Alternativen:

  • Faded-Look: Schwarzpunkt (linke untere Ecke) leicht nach oben ziehen – erzeugt aufgehellte, nicht komplett schwarze Schatten (Vintage-Look)
  • Low-Key: Mitteltöne nach unten, nur Gesicht bleibt durch lokale Masken hell

Tipp: Arbeiten Sie subtil. Extreme Kurven erzeugen schnell unnatürliche oder posterisierte Ergebnisse.

Schritt 8: Farbgraduation (modernes Toning)

Das alte Split-Toning-Panel wurde in modernen Lightroom-Versionen durch Farbgraduation (englisch „Color Grading“) ersetzt.

Für getonte Schwarzweiß-Portraits:

  1. Öffnen Sie das Farbgraduation-Panel
  2. Sie sehen drei Farbräder: Schatten, Mitteltöne, Lichter
  3. Klassischer Look: Warme Lichter, kühle Schatten
  • Lichter: Leicht in Richtung Orange/Gold ziehen, Sättigung 3-8
  • Schatten: Leicht in Richtung Blau ziehen, Sättigung 3-10

Wichtig: Bleiben Sie subtil. Schwarzweiß darf atmen und muss nicht krampfhaft nach Teal-Orange-Instagram-Preset aussehen. Sättigungswerte über 15 sind meist bereits zu viel.

Schritt 9: Export für Photoshop

Wenn Sie mit der Lightroom-Entwicklung zufrieden sind:

Externe Bearbeitung einrichten:

  1. Bearbeiten > Voreinstellungen > Externe Bearbeitung (Windows) bzw. Lightroom Classic > Einstellungen > Externe Bearbeitung (Mac)
  2. Empfohlene Einstellungen:
  • Dateiformat: TIFF (empfohlen von Adobe für Kompatibilität und Kompression) oder PSD
  • Farbraum: ProPhoto RGB (behält maximale Tonwertinformationen)
  • Bittiefe: 16 Bit (sehr wichtig für Schwarzweiß, verhindert Tonwertabrisse)
  • Komprimierung: ZIP (verlustfrei, guter Kompromiss)

Bild in Photoshop öffnen:

  1. Rechtsklick auf das Bild in Lightroom
  2. „Bearbeiten in“ → „In Adobe Photoshop bearbeiten“
  3. Bei RAW-Dateien: Lightroom öffnet das entwickelte Bild direkt in Photoshop
  4. Bei TIFF/JPEG/PSD: Wählen Sie „Kopie mit Lightroom-Anpassungen bearbeiten“

Lightroom erstellt automatisch eine 16-Bit-TIFF- oder PSD-Datei und öffnet sie in Photoshop. Nach dem Speichern in Photoshop erscheint die bearbeitete Version automatisch neben dem Original im Lightroom-Katalog.


5. Phase 2: Feinarbeit in Photoshop

In Photoshop verfeinern wir Details, die in Lightroom schwieriger oder unmöglich sind: präzise Hautretusche, gezieltes Dodge & Burn, lokale Kontrastverstärkung und finale selektive Schärfung.

Schritt 1: Arbeitsoberfläche vorbereiten

  1. Speichern Sie das Dokument sofort: Datei → Speichern als → PSD (mit aussagekräftigem Namen)
  2. Duplizieren Sie die Hintergrundebene: Strg/Cmd + J
  3. Benennen Sie Ebenen sinnvoll: z.B. „Basis“, „Retusche“, „Dodge & Burn“

Grundprinzip: Arbeiten Sie nicht-destruktiv. Nutzen Sie Ebenen, Masken, Einstellungsebenen. Je weniger Sie direkt und unwiderruflich verändern, desto mehr Kontrolle behalten Sie.

Schritt 2: Hautretusche – Frequenztrennung korrekt

Frequenztrennung (Frequency Separation) trennt Farb-/Toninformationen (niedrige Frequenzen) von Texturen (hohe Frequenzen). Das erlaubt Retusche ohne Zerstörung der Hautstruktur.

Wichtig: Die in vielen Tutorials gezeigte Methode „Hochpass + Lineares Licht“ ist nicht die saubere, professionelle Frequenztrennung für 16-Bit-Dateien.

Korrekte Methode für 16-Bit:

  1. Duplizieren Sie die Basis-Ebene zweimal (Sie haben jetzt drei Ebenen übereinander)
  2. Benennen Sie sie:
  • Oberste Ebene: „High Frequency“ (Textur)
  • Mittlere Ebene: „Low Frequency“ (Farbe/Ton)
  • Unterste bleibt als Original-Backup
  1. Low-Frequency-Ebene bearbeiten:
  • Wählen Sie die „Low Frequency“-Ebene
  • Filter → Weichzeichnungsfilter → Gaußscher Weichzeichner
  • Radius: So wählen, dass Hautstruktur (Poren) verschwindet, aber Formen/Übergänge sichtbar bleiben
  • Typisch: 3-8 Pixel (abhängig von Auflösung und Hautdetails)
  • Ziel: Glatte Haut ohne Details, aber mit korrekten Tonwerten
  1. High-Frequency-Ebene bearbeiten:
  • Blenden Sie die „High Frequency“-Ebene aus (Auge-Symbol)
  • Wählen Sie die „High Frequency“-Ebene
  • Bild → Bildberechnungen (Apply Image)
  • Einstellungen für 16-Bit:
    • Quelle: Ihr Dokument
    • Ebene: „Low Frequency“
    • Kanal: RGB
    • Invertieren: ✓ (aktiviert!)
    • Füllmethode: Addieren
    • Deckkraft: 100%
    • Skalieren: 2
    • Versatz: 0
  • Klicken Sie OK
  1. High-Frequency-Mischmodus:
  • Blenden Sie die „High Frequency“-Ebene wieder ein
  • Ändern Sie den Mischmodus auf „Lineares Licht“
  • Das Bild sollte jetzt wieder exakt wie das Original aussehen

Hinweis für 8-Bit-Dateien: Bei 8-Bit-Dokumenten lauten die Apply-Image-Einstellungen anders: Füllmethode „Subtrahieren“, Skalieren 2, Versatz 128. Da wir aber mit 16-Bit arbeiten, gelten die oben genannten Werte.

Jetzt retuschieren:

  • Auf der Low-Frequency-Ebene:
  • Mit Reparatur-Pinsel (J) oder Kopierstempel (S) großflächige Tonwertunterschiede ausgleichen
  • Fleckige Bereiche, unterschiedliche Hautfarbtöne, Schatten harmonisieren
  • Arbeiten Sie bei niedriger Pinsel-Deckkraft (20-40%) in mehreren Durchgängen
  • Auf der High-Frequency-Ebene:
  • Mit Kopierstempel bei niedriger Deckkraft (20-30%) einzelne Unreinheiten entfernen
  • Pickel, Hautporen-Unregelmäßigkeiten, kleine Störungen
  • Härte: 0%, Größe passend zur Struktur

Wichtig: Zerstören Sie nicht die gesamte Hautstruktur. Retusche soll korrigieren, nicht in Plastik verwandeln. Hautporen dürfen sichtbar bleiben – entfernen Sie nur störende Elemente.

Nach der Retusche: Optional können Sie die Deckkraft der High-Frequency-Ebene leicht reduzieren (80-90%), um Haut minimal zu glätten, ohne sie komplett weichzuzeichnen.

Alternative für Einsteiger: Falls Frequenztrennung zu komplex erscheint, arbeiten Sie mit dem Reparatur-Pinsel auf einer duplizierten Ebene bei niedriger Deckkraft. Weniger präzise, aber weniger fehleranfällig.

Schritt 3: Dodge & Burn – Licht modellieren

Dodge & Burn (Abwedeln & Nachbelichten) ist die klassische Dunkelkammer-Technik zur Lichtmodulation. In Schwarzweiß-Portraits besonders wirkungsvoll.

Methode: 50%-Grau-Ebene

  1. Neue Ebene erstellen: Umschalt + Strg/Cmd + N
  2. Name: „Dodge & Burn“
  3. Modus: Weiches Licht oder Ineinanderkopieren (probieren Sie beide)
  4. Mit neutraler Farbe für Modus füllen: Häkchen setzen (füllt automatisch mit 50% Grau)
  5. Klicken Sie OK

Alternative manuelle Methode:

  1. Neue leere Ebene erstellen
  2. Bearbeiten → Fläche füllen → Inhalt: 50% Grau
  3. Mischmodus: Weiches Licht oder Ineinanderkopieren

Jetzt malen:

  • Weiße Farbe (Vordergrundfarbe): Hellt auf (Dodge)
  • Schwarze Farbe: Dunkelt ab (Burn)
  • Pinsel-Einstellungen:
  • Weiche Kante: Härte 0%
  • Deckkraft: 5-10% (sehr wichtig – arbeiten Sie subtil!)
  • Durchfluss: 100%
  • Größe: Angemessen zum bearbeiteten Bereich

Was aufhellen (Dodge):

  • Stirnhöhen (dort, wo Licht natürlich auftrifft)
  • Nasenrücken
  • Obere Wangenknochen
  • Kinnspitze (falls von Licht getroffen)
  • Lichtreflexe in den Augen (Catchlights)
  • Lichtseite des Gesichts generell verstärken

Was abdunkeln (Burn):

  • Schatten unter Wangenknochen
  • Schattenseite der Nase
  • Tiefere Augenpartie (vorsichtig, für mehr Tiefe)
  • Kieferkontur und Halsschatten
  • Haaransatz und Haarkonturen
  • Bildränder (verstärkt Vignette)

Technik und Philosophie:

  • Malen Sie in mehreren sanften Durchgängen, nicht mit einem Klick
  • Vergrößern Sie auf 100% für präzise Arbeit an Details
  • Verkleinern Sie auf 50% zur Beurteilung der Gesamtwirkung
  • Denken Sie in Lichtlogik: Dodge & Burn soll vorhandenes Licht verstärken und modellieren, nicht ein völlig neues Lichtszenario erfinden
  • Reduzieren Sie gelegentlich die Ebenen-Deckkraft auf 0% und wieder hoch, um den Vorher-Nachher-Effekt zu prüfen

Warnung: Dodge & Burn ist enorm wirkungsvoll, aber auch verführerisch. Subtilität ist der Schlüssel. Wenn jemand Ihr Bild ansieht und sofort „starkes Dodge & Burn“ denkt, war es vermutlich zu viel.

Schritt 4: Finale Kontrast- und Tonwertanpassung mit Kurven

Für abschließende tonale Feinabstimmung nutzen wir Gradationskurven als Einstellungsebenen.

Globale Kontrast-S-Kurve:

  1. Ebene → Neue Einstellungsebene → Gradationskurven
  2. Erstellen Sie eine sanfte S-Kurve:
  • Setzen Sie einen Punkt im unteren Viertel, ziehen Sie ihn leicht nach unten (Schatten dunkler)
  • Setzen Sie einen Punkt im oberen Viertel, ziehen Sie ihn leicht nach oben (Lichter heller)
  1. Falls zu stark: Reduzieren Sie die Deckkraft der Einstellungsebene (z.B. auf 40-60%)

Erweitert: Selektive Anpassung mit Luminanzmasken

Luminanzmasken wählen Bereiche nach Helligkeit aus – ideal für getrennte Bearbeitung von Lichtern, Mitteltönen und Schatten.

Einfache moderne Methode (Photoshop 2023+):

  1. Erstellen Sie eine Kurven-Einstellungsebene
  2. Wählen Sie die Ebenenmaske
  3. Im Eigenschaften-Panel: Klicken Sie auf „Bereich auswählen“
  4. Wählen Sie „Tonalität“
  5. Ziehen Sie die Regler, um nur bestimmte Tonwertbereiche auszuwählen (z.B. nur Lichter oder nur Schatten)

Klassische Methode (alle Versionen):

  1. Auswahl → Farbbereich
  2. Auswählen: Lichter, Mitteltöne oder Tiefen
  3. Bereichsregler anpassen
  4. OK → Auswahl wird geladen
  5. Mit aktiver Auswahl Einstellungsebene erstellen → Auswahl wird automatisch zur Maske

Anwendungsbeispiel:

  • Kurven-Einstellungsebene nur für Schatten: Schatten leicht aufhellen oder abdunkeln, ohne Lichter zu beeinflussen
  • Kurven-Einstellungsebene nur für Lichter: Highlights kontrollieren

Schritt 5: Selektive Schärfung

Grundregel: Schärfen Sie niemals das gesamte Bild gleichmäßig, besonders nicht Haut.

Methode:

  1. Erstellen Sie eine vereinte Ebene aller sichtbaren Ebenen:
  • Strg/Cmd + Alt + Umschalt + E
  • Das erstellt eine neue Ebene, die alle darunter liegenden Ebenen zusammenfasst
  1. Benennen Sie diese Ebene: „Schärfung“
  2. Wählen Sie einen Scharfzeichnungsfilter:

Option A: Unscharf maskieren

  • Filter → Scharfzeichnungsfilter → Unscharf maskieren
  • Einstellungen für Portraits:
  • Stärke: 80-120%
  • Radius: 0.8-1.2 Pixel
  • Schwellenwert: 2-4

Option B: Selektiver Scharfzeichner (empfohlen)

  • Filter → Scharfzeichnungsfilter → Selektiver Scharfzeichner
  • Einstellungen:
  • Stärke: 100-150%
  • Radius: 1.0-1.5 Pixel
  • Rauschen reduzieren: 5-10%
  • Entfernen: Gaußscher Weichzeichner
  1. Kritisch: Schwarze Maske hinzufügen
  • Alt/Option-Klick auf das Symbol „Ebenenmaske hinzufügen“
  • Das erstellt eine schwarze Maske = komplette Schärfung ist ausgeblendet
  1. Selektiv freimalen:
  • Wählen Sie den Pinsel (B)
  • Vordergrundfarbe: Weiß
  • Deckkraft: 100%, weiche Kante
  • Malen Sie nur über:
    • Augen (besonders Iris, Wimpern, Augenbrauen)
    • Lippen (Kontur, vorsichtig)
    • Haare (selektiv, nicht flächig)
    • Schmuck, Accessoires (falls vorhanden)

Nicht schärfen:

  • Haut (außer bei bewusst rauem, strukturiertem Look)
  • Hintergrund
  • Bereits unscharfe Bereiche (Schärfung verstärkt keine Unschärfe, sie betont nur vorhandene Kanten)

Beurteilung:

  • Bei 100% Ansicht: Schärfe prüfen, aber nicht paranoid werden
  • Bei 50% Ansicht: Gesamtwirkung beurteilen
  • Bei 200% Ansicht: Nur zur Pixel-Paranoia, nicht zur realistischen Beurteilung

Schritt 6: Finale Vignette (optional)

Falls Sie die Vignette aus Lightroom verstärken oder eine sehr spezifische Vignette erstellen möchten:

Methode mit Einstellungsebene:

  1. Ebene → Neue Einstellungsebene → Belichtung
  2. Belichtung: -0.5 bis -1.0 (abdunkeln)
  3. OK
  4. Wählen Sie die Ebenenmaske
  5. Filter → Weichzeichnungsfilter → Gaußscher Weichzeichner
  • Radius: 100-200 Pixel (sehr weich)
  1. Optional: Mit schwarzem Pinsel das Gesicht zusätzlich schützen
  2. Deckkraft der Ebene anpassen (30-60%), um Stärke zu kontrollieren

Alternative: Camera Raw Filter

  1. Vereinte Ebene erstellen (Strg/Cmd + Alt + Umschalt + E)
  2. Filter → Camera Raw-Filter
  3. Im Reiter EffekteVignettierung
  4. Betrag und Mittelpunkt anpassen
  5. OK
  6. Optional Deckkraft reduzieren

Schritt 7: Speichern und zurück zu Lightroom

Für Lightroom-Rückkehr:

  1. Datei → Speichern (Strg/Cmd + S)
  2. Schließen Sie Photoshop
  3. Das bearbeitete TIFF/PSD erscheint automatisch neben dem Original in Lightroom

Für Archivierung:

  • Behalten Sie die PSD/TIFF-Datei mit allen Ebenen
  • So können Sie später jederzeit Anpassungen vornehmen

Für Export/Veröffentlichung:

Zurück in Lightroom:

  1. Wählen Sie die fertig bearbeitete Version
  2. Datei → Exportieren
  3. Für Web/Social Media:
  • Format: JPEG
  • Farbraum: sRGB (wichtig für Webanzeige!)
  • Qualität: 80-90%
  • Größe: Je nach Plattform (Instagram z.B. 1080px lange Kante)
  1. Für Druck:
  • Format: TIFF oder hochqualitatives JPEG
  • Farbraum: Nach Druckerei-Vorgabe (oft Adobe RGB oder spezifisches Profil)
  • Auflösung: 300 dpi
  • Größe: Nach Druckgröße

6. Typische Fehler und wie man sie vermeidet

Fehler 1: Einfache Entsättigung statt Schwarzweiß-Mix

Problem: Sättigung auf -100 reduzieren statt echte Schwarzweiß-Konversion.

Warum falsch: Dabei gehen alle Steuerungsmöglichkeiten verloren. Haut, Himmel, Kleidung – alles wird gleich behandelt.

Lösung: Immer den Schwarzweiß-Mix nutzen, um Farbbereiche gezielt in Tonwerte umzuwandeln.


Fehler 2: Übertriebene Orange/Rot-Werte im Schwarzweiß-Mix

Problem: Orange und Rot auf +70 oder +80 hochziehen, weil „Haut soll hell sein“.

Warum problematisch: An Übergängen zwischen Haut und Kleidung/Hintergrund können unnatürliche Tonwertsäume oder Halos entstehen, besonders wenn diese Bereiche ähnliche ursprüngliche Farben haben.

Lösung: Moderat arbeiten (+10 bis +40), bei 100% Ansicht Übergänge kontrollieren, gegebenenfalls lokale Masken in Lightroom nutzen statt extremer globaler Verschiebung.


Fehler 3: Zu harter Kontrast

Problem: Globaler Kontrast-Regler auf +40 oder mehr, oder extreme S-Kurven.

Warum problematisch: Haut wirkt verhärtet, unnatürlich. Details in Lichtern und Schatten gehen verloren.

Lösung: Mehrere subtile Kontrastanpassungen kombinieren (sanfte Kurve, moderate Klarheit, gezieltes Dodge & Burn) statt einer brutalen globalen Erhöhung.


Fehler 4: Zerstörte Hautstruktur durch falsche Retusche

Problem: Haut wird komplett weichgezeichnet oder mit zu aggressiver Frequenztrennung bearbeitet.

Resultat: Plastik-Haut, künstlicher Wachs-Look.

Lösung: Frequenztrennung korrekt anwenden, Hautstruktur erhalten, nur störende Elemente entfernen. Beauty-Retusche bedeutet nicht „keine Poren“, sondern „harmonische Haut“.


Fehler 5: Überschärfung

Problem: Schärfung über das gesamte Bild oder zu starke Schärfung.

Resultat: Heiligenscheine, betonte Hautunreinheiten, unnatürliche Kanten.

Lösung: Selektiv schärfen (nur Augen, Haare, Details), Maske nutzen, moderate Einstellungen, bei 100% kontrollieren.


Fehler 6: Tonwertabrisse

Problem: Durch extreme Bearbeitung entstehen sichtbare Stufen statt sanfter Verläufe (Posterisierung).

Ursachen:

  • 8-Bit-Bearbeitung statt 16-Bit
  • Extreme Reglerbewegungen
  • Mehrfache harte Korrekturen

Lösung:

  • Immer in 16-Bit arbeiten
  • Histogramm regelmäßig prüfen (Lücken zeigen Tonwertabrisse)
  • Subtile, nicht-destruktive Anpassungen

Fehler 7: Ignorierte Lichtrichtung

Problem: Dodge & Burn ohne Logik – irgendwo aufhellen, irgendwo abdunkeln.

Resultat: Bild wirkt flach oder chaotisch, Licht macht keinen Sinn mehr.

Lösung: Existierende Lichtrichtung analysieren und verstärken, nicht neu erfinden. Licht sollte glaubwürdig bleiben.


Fehler 8: Augen wie Zombies oder Puppen

Problem: Augenweiß zu stark aufgehellt, Iris übertrieben bearbeitet.

Resultat: Unnatürlicher, gestellter Look.

Lösung: Subtile Aufhellung (maximal +0.3 bis +0.5 für Augenweiß), natürliche Catchlights, moderate Klarheit für Iris.


Fehler 9: Körnung wie Schotter

Problem: Körnung-Stärke auf 60+, Größe auf Maximum.

Resultat: Bild sieht aus wie auf grobem Sandpapier gedruckt.

Lösung: Körnung dezent einsetzen (Stärke 10-25), passende Größe wählen, Rauheit moderat halten.


Fehler 10: Fehlende Qualitätskontrolle

Problem: Bild wird in der 50%-Ansicht beurteilt, bei der weder Details noch Fehler sichtbar sind.

Lösung:

  • Bei 100% Details prüfen (Schärfe, Retusche, Halos)
  • Bei 50% Gesamtwirkung beurteilen
  • Auf verschiedenen Geräten ansehen (zweiter Monitor, Smartphone, Tablet)
  • Nach einer Pause mit frischem Blick erneut ansehen

7. Drei komplette Beispiel-Workflows

Workflow A: Helles Beauty-Portrait (High-Key)

Ausgangssituation:
Weibliches Portrait, Softbox-Beleuchtung, helle Hauttöne, neutraler Hintergrund, Beauty-Ästhetik gewünscht.

Lightroom Classic:

  1. Grundeinstellungen:
  • Weißabgleich: Auto oder leicht warm (+5)
  • Belichtung: +0.3 bis +0.5 (High-Key)
  • Lichter: -30 (Details bewahren)
  • Tiefen: +20 (Schatten aufhellen)
  • Weiß: +15
  • Schwarz: +10 (aufgehellter Look)
  1. Schwarzweiß-Konversion:
  • Schwarzweiß aktivieren (V)
  • B&W-Mix:
    • Rot: +30
    • Orange: +40
    • Gelb: +25
    • Rest: 0 oder je nach Hintergrund
  1. Tonwerte:
  • Kontrast: +5 (sehr zurückhaltend)
  • Struktur: -15 (weiche Haut)
  • Klarheit: -10 (zusätzliche Weichheit)
  1. Lokale Masken:
  • Person > Gesichtshaut: Struktur -20, Klarheit -15
  • Person > Iris: Belichtung +0.3, Klarheit +20, Schärfe +25
  • Person > Augenweiß: Belichtung +0.2 (dezent!)
  • Person > Haare: Struktur +15
  • Hintergrund: Belichtung +0.5 (sehr hell), Klarheit -10
  1. Effekte:
  • Vignette: Betrag -15 (sanft)
  • Körnung: Optional minimal (Stärke 10-15)
  1. Farbgraduation (optional):
  • Lichter: Leicht warmtonig, Sättigung 3-5
  • Schatten: Neutral oder minimal kühl

Photoshop:

  1. Retusche:
  • Frequenztrennung: Gaußscher Weichzeichner Radius 5-6
  • Sehr sanfte Hautretusche auf Low Frequency
  • Minimale Texturkorrektur auf High Frequency
  1. Dodge & Burn:
  • 50% Grau-Ebene, Weiches Licht
  • Pinsel-Deckkraft: 5%
  • Dodge: Stirn, Nase, obere Wangen, Kinn (sehr sanft)
  • Burn: Minimal, nur seitliche Gesichtspartien leicht modellieren
  1. Kontrast:
  • Kurven-Einstellungsebene: Sehr flache S-Kurve
  • Deckkraft: 30-40%
  1. Schärfung:
  • Selektiver Scharfzeichner: Stärke 100%, Radius 1.0
  • Schwarze Maske, nur Augen und Wimpern freimalen
  1. Finale Anpassung:
  • Optional: Leichte Gesamtaufhellung (Belichtungs-Einstellungsebene +0.1 bis +0.2)

Ergebnis: Heller, freundlicher Beauty-Look mit sehr weicher, makelloser Haut und luftiger Anmutung.


Workflow B: Charakterportrait mit Struktur-Betonung

Ausgangssituation:
Männliches Portrait, seitliches Fensterlicht, markante Gesichtszüge, Bart, dunkler Hintergrund, charaktervoller Look gewünscht.

Lightroom Classic:

  1. Grundeinstellungen:
  • Weißabgleich: Neutral
  • Belichtung: -0.2 (etwas dunkler für Dramatik)
  • Lichter: -20
  • Tiefen: +15 (moderate Aufhellung, Schatten sollen Tiefe behalten)
  • Weiß: +5
  • Schwarz: -15 (tiefere Schwarzwerte)
  1. Schwarzweiß-Konversion:
  • B&W-Mix:
    • Rot: +15
    • Orange: +25
    • Gelb: +10
    • Blau: -20 (falls blaue Augen, für Kontrast)
    • Rest nach Bedarf
  1. Tonwerte:
  • Kontrast: +15
  • Struktur: +15 (betont Details)
  • Klarheit: +20 (markanter Look)
  1. Lokale Masken:
  • Person > Gesichtshaut: Struktur +10 (männliche Haut darf Struktur zeigen)
  • Person > Iris: Belichtung +0.3, Klarheit +30
  • Person > Haare/Bart: Struktur +25, Klarheit +15
  • Hintergrund: Belichtung -0.8, Klarheit -20 (sehr dunkel und weich)
  1. Effekte:
  • Vignette: Betrag -30 (deutlich)
  • Körnung: Stärke 20-25, Größe 25-30 (Film-Look)
  1. Tonwertkurve:
  • Sanfte S-Kurve mit etwas kräftigerem Kontrast als bei Beauty

Photoshop:

  1. Retusche:
  • Frequenztrennung: Radius 3-4 (weniger Weichzeichnung)
  • Minimale Hautretusche (nur wirklich störende Elemente)
  • Bart/Bartstoppeln: Nicht retuschieren, Struktur ist gewollt
  1. Dodge & Burn:
  • 50% Grau-Ebene, Ineinanderkopieren
  • Pinsel-Deckkraft: 8%
  • Dodge: Stirn, Nasenrücken, Wangenknochen, Kinnkontur (kräftiger als bei Beauty)
  • Burn: Augenpartie, unter Wangenknochen, Kieferschatten, Halsschatten, Haaransatz
  1. Kontrast:
  • Kurven: Kräftigere S-Kurve als bei Beauty
  • Optional: Zweite Kurve nur für Schatten (Luminanzmaske), Schatten leicht abdunkeln
  1. Schärfung:
  • Selektiver Scharfzeichner: Stärke 120%, Radius 1.2
  • Schwarze Maske: Augen, Bart, Haare, Kleidungsdetails freimalen
  1. Finale Anpassungen:
  • Vignette eventuell in Photoshop zusätzlich verstärken
  • Gesamtkontrast prüfen

Ergebnis: Dramatischer, strukturierter Look mit starken Kontrasten, betonten Gesichtszügen und Film-Ästhetik.


Workflow C: Weiches Rembrandt-Portrait

Ausgangssituation:
Portrait mit klassischer Rembrandt-Beleuchtung (charakteristisches Lichtdreieck auf der Schattenseite der Wange), neutraler Hintergrund, zeitloser klassischer Look.

Lightroom Classic:

  1. Grundeinstellungen:
  • Weißabgleich: Leicht warm (+10, klassischer Portrait-Look)
  • Belichtung: 0 bis +0.2
  • Lichter: -25
  • Tiefen: +25 (Rembrandt-Schatten sollen Zeichnung behalten, nicht absaufen)
  • Weiß: 0
  • Schwarz: -10
  1. Schwarzweiß-Konversion:
  • B&W-Mix:
    • Rot: +25
    • Orange: +35
    • Gelb: +15
    • Rest je nach Hintergrund/Kleidung
  1. Tonwerte:
  • Kontrast: +10 (moderat)
  • Struktur: 0 bis -5
  • Klarheit: 0 bis +5 (sehr zurückhaltend)
  1. Lokale Masken:
  • Person > Gesichtshaut: Struktur -10, Klarheit -5
  • Person > Iris: Belichtung +0.3, Klarheit +25
  • Rembrandt-Dreieck gezielt:
    • Pinsel-Maske über das Lichtdreieck auf der Schattenseite
    • Belichtung +0.2 bis +0.3 (damit es nicht zu dunkel wird, aber erkennbar bleibt)
  • Lichtseite des Gesichts: Belichtung +0.3
  • Hintergrund: Belichtung -0.5, Klarheit -10
  1. Effekte:
  • Vignette: Betrag -20
  • Körnung: Optional, Stärke 15
  1. Tonwertkurve:
  • Klassische S-Kurve
  • Optional: Schwarzpunkt leicht angehoben (Faded-Look in Schatten)

Photoshop:

  1. Retusche:
  • Frequenztrennung: Radius 4-5
  • Moderate, natürliche Hautretusche
  1. Dodge & Burn:
  • 50% Grau-Ebene, Weiches Licht
  • Pinsel-Deckkraft: 6%
  • Wichtig: Lichtführung respektieren
  • Dodge: Lichtseite verstärken (Stirn, Nase, Wange auf Lichtseite), Rembrandt-Dreieck sanft betonen
  • Burn: Schattenseite vertiefen, aber Dreieck nicht zerstören, Haaransatz, Kieferkontur
  1. Spezielle Anpassung für Rembrandt-Dreieck:
  • Mit Lasso-Werkzeug (weiche Kante 50-80 Pixel) Dreieck auswählen
  • Kurven-Einstellungsebene: Leicht aufhellen, damit Dreieck sichtbar bleibt
  • Deckkraft anpassen (30-50%)
  1. Kontrast:
  • Kurven: Sanfte S-Kurve mit Fokus auf Mitteltöne
  1. Schärfung:
  • Selektiver Scharfzeichner: Stärke 100%, Radius 1.0
  • Schwarze Maske: Augen, Kontur des Rembrandt-Dreiecks (sanft), Haare
  1. Finale Tonwertanpassung:
  • Gesamtbild prüfen: Dreieck erkennbar? Lichtführung logisch?

Ergebnis: Klassischer, zeitloser Portrait-Look mit erkennbarer, aber sanfter Rembrandt-Lichtführung, weichen Tonwerten und natürlicher Anmutung.


8. Weiterführende Techniken

Sobald Sie die Grundlagen sicher beherrschen, können Sie mit folgenden Techniken experimentieren:

Orton-Effekt für verträumten Look

Der Orton-Effekt erzeugt einen weichen, glühenden Look – benannt nach dem Fotografen Michael Orton.

Photoshop-Methode:

  1. Duplizieren Sie die Hintergrundebene zweimal
  2. Oberste Ebene:
  • Filter → Weichzeichnungsfilter → Gaußscher Weichzeichner (Radius 20-40)
  • Mischmodus: Negativ multiplizieren oder Ineinanderkopieren
  • Deckkraft: 30-50%
  1. Mittlere Ebene:
  • Belichtung leicht erhöhen (Kurven: +0.3 bis +0.5)
  • Mischmodus: Normal
  • Deckkraft: 20-30%

Funktioniert besonders gut bei femininen Portraits oder emotional-verträumten Aufnahmen. In Schwarzweiß sehr subtil einsetzen.


Cross-Processing-Look

Simuliert den analogen Look von Farbfilm, der in falschen Chemikalien entwickelt wurde – erzeugt unkonventionelle Tonwertkurven.

In Lightroom (Tonwertkurve):

  • RGB-Kanal: Normale oder inverse S-Kurve
  • Optional zusätzliche Kanal-Anpassungen (bei Schwarzweiß weniger relevant)
  • Kontrast erhöhen
  • Schwarzpunkt leicht anheben (gebrochene Schwarzwerte)

Auch in Schwarzweiß interessant für unkonventionelle, kantige Looks.


Lokale Schwarzweiß-Anpassungen in Photoshop

Manchmal möchten Sie verschiedene Bildbereiche unterschiedlich konvertieren – etwa Gesicht weicher, Hintergrund härter.

Methode mit mehreren Schwarzweiß-Ebenen:

  1. Ebene → Neue Einstellungsebene → Schwarzweiß
  2. Passen Sie die Farbregler für das Gesicht an (z.B. viel Orange für weiche Haut)
  3. Ebene → Neue Einstellungsebene → Schwarzweiß (zweite Ebene)
  4. Passen Sie die Regler anders an (z.B. für kontrastreichen Hintergrund)
  5. Nutzen Sie Ebenenmasken, um festzulegen, wo welche Anpassung wirkt

So erreichen Sie maximale Kontrolle über verschiedene Bildbereiche.


Selektive Farbakzente in Schwarzweiß

Klassischer Effekt: Bild überwiegend schwarzweiß, ein Element bleibt farbig (z.B. rote Lippen).

Einfache Methode:

  1. Schwarzweiß-Einstellungsebene erstellen
  2. Ebenenmaske wählen
  3. Mit schwarzem Pinsel über den Bereich malen, der farbig bleiben soll

Achtung: Dieser Effekt wird oft überstrapaziert und wirkt schnell kitschig. Sehr sparsam und bewusst einsetzen.


9. Qualitätscheckliste

Nutzen Sie diese Checkliste vor dem finalen Export:

Technische Prüfung

  • [ ] RAW-Datei korrekt belichtet? Keine komplett ausgebrannten Lichter oder abgesoffenen Schatten?
  • [ ] Fokus auf den Augen? Vorderes Auge scharf?
  • [ ] Weißabgleich vor Schwarzweiß-Konversion geprüft?
  • [ ] 16-Bit-Workflow eingehalten? (Lightroom → Photoshop in 16 Bit, erst für Export auf 8 Bit reduzieren)
  • [ ] Histogramm ohne Tonwertabrisse? (Keine großen Lücken im Histogramm)

Schwarzweiß-Konversion

  • [ ] Schwarzweiß-Mix bewusst gesteuert statt nur entsättigt?
  • [ ] Orange/Rot nicht überzogen? (Keine Halos oder Tonwertsäume an Hautgrenzen)
  • [ ] Tonwerte über den gesamten Bereich verteilt? (Nicht nur Mittelgrau)
  • [ ] Bei 100% geprüft: Saubere Übergänge zwischen verschiedenen Tonwertbereichen?

Lokale Anpassungen

  • [ ] People-Masken geprüft und nachkorrigiert? (KI ist gut, aber nicht perfekt)
  • [ ] Augen natürlich aufgehellt? (Nicht übertrieben weiß oder grell)
  • [ ] Hintergrund vom Gesicht getrennt? (Tonwertlich unterscheidbar)

Retusche und Modellierung

  • [ ] Hautstruktur erhalten? (Keine Plastik-Haut)
  • [ ] Frequenztrennung korrekt angewendet? (16-Bit-Einstellungen bei Apply Image)
  • [ ] Dodge & Burn folgt Lichtlogik? (Verstärkt vorhandenes Licht, erfindet nicht neu)
  • [ ] Retusche subtil? (Wenn man Vorher/Nachher vergleicht: Ist der Effekt angemessen oder übertrieben?)

Schärfung

  • [ ] Schärfung nur auf Details? (Augen, Haare – nicht Haut, nicht Hintergrund)
  • [ ] Keine Überschärfung? (Keine Heiligenscheine, keine übertriebenen Kanten)
  • [ ] Bei 100% kontrolliert?

Export

  • [ ] Für Web: sRGB-Farbraum? (Wichtig für korrekte Darstellung in Browsern)
  • [ ] Für Druck: Korrektes Profil? (Nach Druckerei-Vorgabe)
  • [ ] Dateiname sinnvoll? (Nicht „DSC_8492_final_wirklich_final_v3.jpg“)
  • [ ] Auf verschiedenen Geräten geprüft? (Zweiter Monitor, Smartphone, Tablet)
  • [ ] Nach Pause mit frischem Blick angesehen?

Künstlerische Prüfung

  • [ ] Bildwirkung klar? Wohin wird der Blick gelenkt?
  • [ ] Stimmung konsistent? (High-Key freundlich, Low-Key dramatisch etc.)
  • [ ] Keine störenden Elemente? (Im Eifer der technischen Bearbeitung übersehen)
  • [ ] Funktioniert das Bild auch verkleinert? (Instagram-Größe, Thumbnail)

10. Quellen und Ressourcen

Hinweis: Die folgenden Quellen wurden im Mai 2026 geprüft und waren zum Zeitpunkt der Erstellung aktuell und zugänglich.

Offizielle Adobe-Dokumentation

Lightroom Classic – Release Notes:
https://helpx.adobe.com/lightroom-classic/help/whats-new/release-notes.html
Aktuelle Versionsinfos und neue Funktionen

Lightroom Classic – Schwarzweiß-Konversion:
https://helpx.adobe.com/lightroom-classic/help/image-tone-color.html
Offizielle Dokumentation zu Tonwerten, Farben und B&W-Mix

Lightroom Classic – Maskierung:
https://helpx.adobe.com/lightroom-classic/help/masking.html
Dokumentation zu Masken, inkl. KI-basierter Personenmasken

Lightroom Classic – Externe Bearbeitung:
https://helpx.adobe.com/lightroom-classic/help/external-editing-preferences.html
Einstellungen für Lightroom-Photoshop-Workflow

Lightroom Classic – Photoshop-Integration:
https://helpx.adobe.com/lightroom-classic/help/editing-photoshop.html
Wie man Bilder zwischen LR und PS übergibt

Photoshop – Release Notes:
https://helpx.adobe.com/photoshop/desktop/whats-new/photoshop-on-desktop-release-notes.html
Aktuelle Photoshop-Versionen und Features

Photoshop – Schwarzweiß-Einstellungsebene:
https://helpx.adobe.com/de/photoshop/using/converting-color-image-to-black-white.html
Offizielle Anleitung zur Schwarzweiß-Konversion in Photoshop

Photoshop – Nicht-destruktive Bildbearbeitung:
https://helpx.adobe.com/de/photoshop/using/nondestructive-editing.html
Grundprinzipien des nicht-destruktiven Arbeitens

Photoshop – Frequency Separation:
https://www.adobe.com/products/photoshop/frequency-separation.html
Adobe-Ressource zu Frequenztrennung

Photoshop – Unscharf maskieren:
https://helpx.adobe.com/de/photoshop/desktop/effects-filters/smart-filters/sharpen-images-with-unsharp-mask.html

Photoshop – Selektiver Scharfzeichner:
https://helpx.adobe.com/at/photoshop/desktop/effects-filters/smart-filters/sharpen-controls-with-smart-sharpen.html

Photoshop – Farbbereich-Auswahl:
https://helpx.adobe.com/de/photoshop/desktop/make-selections/freehand-selections/select-a-color-range-in-photoshop.html
Für Luminanzmasken und tonwertbasierte Auswahlen

Community und Praxisquellen

The Lightroom Queen:
https://www.lightroomqueen.com/
Ausgezeichnete Praxisressource, oft schneller und verständlicher als offizielle Dokumentation

Adobe Community Forums:
https://community.adobe.com/
Hilfe bei spezifischen Problemen, realistische Einschätzung von Funktionen

Julieanne Kost (Adobe Evangelist):
https://jkost.com/blog/
Hochwertige Tutorials und Tipps von Adobe-Insider

Weiterführende Literatur (Klassiker)

Während die digitalen Techniken modern sind, basieren viele Prinzipien auf klassischer Schwarzweiß-Fotografie:

  • Ansel Adams: „The Print“ – Klassiker über Tonwertsteuerung in der Dunkelkammer, viele Prinzipien übertragbar auf digitale Entwicklung
  • Michael Freeman: „The Photographer’s Eye“ – Bildgestaltung und visuelles Denken
  • Bruce Barnbaum: „The Art of Photography“ – Tiefgreifend über Ästhetik und Technik

Schlusswort

Schwarzweiß-Portrait-Entwicklung ist Handwerk und Kunstform zugleich. Die hier vorgestellten Techniken sind bewährte, professionelle Workflows – aber kein starres Regelwerk.

Jedes Gesicht ist anders. Jedes Licht ist anders. Manche Portraits brauchen harten Kontrast und starke Strukturen, andere leben von Weichheit und zurückhaltenden Tonübergängen. Manche funktionieren mit Körnung und Vintage-Anmutung, andere mit klarer, moderner Ästhetik.

Das Wichtigste: Schauen Sie Ihr Bild an, nicht nur Ihre Regler. Technische Perfektion ist wertlos, wenn das Bild keine emotionale Wirkung entfaltet. Die beste Schwarzweiß-Konversion ist die, die dem Bild dient – nicht die mit den extremsten Einstellungen.

Mit den Techniken aus diesem Workshop haben Sie solides Handwerkszeug. Was Sie daraus machen – welchen Stil Sie entwickeln, welche Stimmungen Sie erzeugen, welche Geschichten Sie erzählen – liegt an Ihrem Blick, Ihrer Sensibilität und Ihrer Übung.

Experimentieren Sie. Machen Sie Fehler. Lernen Sie daraus. Und vor allem: Behalten Sie den Respekt vor dem Wesentlichen – dem Menschen vor Ihrer Kamera und dem Licht, das ihn formt.

Viel Erfolg bei Ihren Schwarzweiß-Portraits.


Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2026
Geprüft für: Lightroom Classic 15.3, Photoshop 2026 / Version 27.6
Technische Prüfung: Frequenztrennung 16-Bit, Personenmasken, moderne UI-Begriffe


Wichtiger Hinweis: Software-Oberflächen und Menübezeichnungen können sich mit Updates ändern. Die grundlegenden Konzepte – Tonwertsteuerung, Schwarzweiß-Mix, Masken, Frequenztrennung, Dodge & Burn – bleiben jedoch konstant. Falls Menüpunkte in Ihrer Version leicht anders heißen, suchen Sie nach dem beschriebenen Prinzip – die Funktion existiert weiterhin, möglicherweise unter anderem Namen.

AMAZON LINKS:
https://amzn.to/42NGyMM – Lightroom Classic: das Workshop-Buch für Einsteiger und Fortgeschrittene. Schritt für Schritt zu perfekten Fotos
https://amzn.to/4v5Mi0G – Adobe Photoshop für Fotograf*innen: Der perfekte Einstieg für Lightroom-Anwender. Grundlagen, fortgeschrittene Techniken, effiziente Workflows
https://amzn.to/43kjLIz – Wacom Intuos Pro Large Zeichentablett – Innovatives Grafiktablett inkl. Wacom Pro Pen 3