Painterly Grunge
Fashion Look

So baust du den kühlen, analogen High-Fashion-Look
in Lightroom und Photoshop nach

Analysiert anhand eines öffentlichen Tutorials von The Curated Lab. Der Clip arbeitet sichtbar in Capture One; hier wird die Methode praxisnah in Adobe Lightroom und Photoshop übersetzt.

Referenzclip auf Instagram ansehen

Painterly Grunge: So entsteht der kühle Fashion-Look

Dieser Look lebt nicht von einem einzelnen Preset. Er entsteht durch eine kontrollierte Spannung: tiefe, fast tintenschwarze Flächen treffen auf cyan-grüne Schatten, während Haut und wichtige Mitteltöne bewusst wärmer bleiben. Das Ergebnis wirkt zugleich modern, analog, leicht schmutzig und trotzdem hochwertig.

Im analysierten Clip passiert genau das: Die Schwarztöne werden sehr stark abgesenkt, die Schatten deutlich in Richtung Teal geschoben, die Mitteltöne mit einer warmen Gegenfarbe stabilisiert und am Ende mit grobem, unregelmäßigem Korn verdichtet. Der sichtbare Black-Regler liegt im Beispiel bei ungefähr –88. Das ist ein guter Hinweis auf die Richtung, aber kein Wert, den man blind auf jedes Foto kopieren sollte.

Was den Look ausmacht

  • Dichte, kontrolliert zulaufende Schwarztöne – ohne dass Haare und schwarze Kleidung komplett absaufen.
  • Kühle Teal- und Cyan-Töne vor allem in Schatten, Hintergrund und neutralen Flächen.
  • Wärmere, ruhigere Mitteltöne als Gegengewicht; Haut bleibt lebendig und wird nicht türkis.
  • Leicht raue Mikrokontraste, die Stoff, Haare, Make-up und Kanten stärker zeichnen.
  • Grobes, unregelmäßiges Korn statt eines feinen, sterilen Digitalrauschens.

WICHTIG  Die Werte in diesem Tutorial sind Startpunkte. Belichtung, Hautton, Lichtfarbe und Hintergrund entscheiden, wie stark du jeden Regler einsetzen kannst.

Die Ausgangsdatei

Am einfachsten funktioniert der Look mit einer RAW-Datei, klar gesetztem Licht, neutralem oder grauem Hintergrund und dunkler Kleidung. Gerade harte schwarze Stoffe, glänzende Accessoires und strukturierte Haare profitieren von der Kombination aus kühlen Schatten und rauem Korn.

  • RAW statt JPEG, wenn möglich.
  • Keine bereits extrem kontrastreiche Kameravorgabe.
  • Haut leicht unter der Clipping-Grenze belichten; Highlights nicht ausfressen lassen.
  • Der Look wirkt besonders gut bei Fashion, Beauty und charakterstarken Porträts.

Teil 1: Der Look in Lightroom

Lightroom erledigt ungefähr 80 Prozent des Looks: Tonwerte, Farbrichtung, lokale Trennung und Korn. Arbeite zuerst global und schütze die Haut erst danach mit Masken.

Schnellstart-Werte

ReglerStartwertWirkung
ProfilAdobe Neutral / Camera NeutralRuhige Basis mit Reserven
Weißabgleich5.100–5.400 K, Tonung 0 bis +4Neutral bis minimal warm
Kontrast+10 bis +20Mehr Dichte, noch kontrollierbar
Lichter–20 bis –35Haut und Glanzstellen sichern
Tiefen+5 bis +15Detail vor dem Schwarzpunkt retten
Weiß–5 bis –15Cremigere Highlights
Schwarz–65 bis –85Der zentrale Grunge-Impuls
Textur / Klarheit+15 / +8Raue, grafische Struktur
Dunst entfernen+3 bis +7Mehr Farbdichte
Korn42 / 34 / 75Menge / Größe / Unregelmäßigkeit

01   Eine neutrale Basis bauen

Wähle Adobe Neutral oder ein vergleichbar flaches Kameraprofil. Stelle Belichtung und Weißabgleich so ein, dass die Haut glaubwürdig aussieht. Das Bild darf an dieser Stelle ruhig etwas unspektakulär wirken – die Tiefe kommt später.

Startpunkt: Belichtung nach Motiv, Kontrast +15, Lichter –25, Tiefen +10, Weiß –10.

02   Die Schwarztöne verdichten

Ziehe Schwarz deutlich nach links. Beginne bei –65 und arbeite dich langsam bis etwa –85 vor. Im Referenzclip ist ungefähr –88 zu sehen. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern der Punkt, an dem schwarze Kleidung satt wirkt, aber noch Nähte, Falten und Haarstruktur besitzt.

KONTROLLBLICK  Aktiviere die Tiefenwarnung. Kleine wirklich schwarze Bereiche sind erwünscht; großflächiges Clipping auf Haut, Haaren oder Kleidung ist es nicht.

03   Die Gradationskurve formen

Setze eine zurückhaltende S-Kurve: Ziehe das untere Viertel leicht nach unten und hebe die oberen Mitteltöne minimal an. Lass den absoluten Schwarzpunkt verankert. So bleibt der Look druckvoll statt milchig. Für cremigere Lichter kannst du den obersten Punkt um zwei bis vier Prozent absenken.

04   Teal in die Schatten geben

Öffne Color Grading. Die Farbrichtung entspricht der sichtbaren Methode im Clip: viel Teal in den Schatten, danach eine warme Gegenbewegung in den Mitteltönen.

BereichEinstellungZiel
SchattenFarbton 185 · Sättigung 35 · Luminanz –8Kühles Petrol/Teal
MitteltöneFarbton 35 · Sättigung 12 · Luminanz +3Warme Haut und Stofftöne
LichterFarbton 45 · Sättigung 7 · Luminanz +2Schmutzig-cremige Highlights
Mischen40–50Weicher Übergang
Balance–20Mehr Gewicht auf kühlen Schatten

Wenn der Hintergrund zu türkis wird, reduziere zuerst die Schatten-Sättigung. Wenn die Haut grünlich kippt, erhöhe nicht einfach global die Temperatur – schütze die Person mit einer Maske.

05   Farben im Farbmischer beruhigen

Der Look braucht klare Farbfamilien. Gelb und Grün dürfen sich dem Teal annähern; Orange bleibt zurückhaltend warm. Nutze diese Werte als Ausgangspunkt:

FarbeFarbtonSättigungLuminanz
Rot+5–10+5
Orange–5–12+8
Gelb–35–40–5
Grün+25–20–10
Aqua–20+15–10
Blau–15–20–15

06   Haut, Hintergrund und Kleidung getrennt behandeln

Erstelle drei Masken. Je nach Lightroom-Version stehen dir Person, Motiv, Hintergrund und Objektmasken zur Verfügung. Die Bezeichnungen können leicht abweichen.

  • Person/Haut: Temperatur +4, Tonung +2, Sättigung –4, Textur –8. Auf Augen, Lippen und Haare nicht pauschal weichzeichnen.
  • Hintergrund: Temperatur –8, Tonung –4, Dunst entfernen +4, Schwarz –8. So konzentriert sich das Teal außerhalb der Haut.
  • Kleidung/Haare: Textur +15, Klarheit +10, Schwarz –10. Nur verwenden, wenn dort noch Zeichnung vorhanden ist.

07   Das Korn als Gestaltungsmittel einsetzen

Der Clip wählt sichtbar ein grobes „Harsh Grain“. In Lightroom lässt sich das mit einer relativ hohen Unregelmäßigkeit übersetzen: Menge 42, Größe 34, Unregelmäßigkeit 75. Bei hochauflösenden Dateien darf die Größe bis etwa 40 steigen; bei kleinen JPEGs eher bei 25 bis 30 bleiben.

PROFI-TIPP  Beurteile Korn immer bei 100 Prozent. In der verkleinerten Vorschau sieht es fast immer schwächer aus als im Export.

08   Schärfen, ohne die Haut zu zerstören

Nutze Betrag 45, Radius 0,8, Detail 30 und Maskieren 70 als Startpunkt. Halte beim Maskieren-Regler Alt/Option gedrückt: Geschärft werden sollen vor allem Kanten, Haare, Augen, Stoff und Accessoires – nicht jede Pore.

Lightroom-only: Wann du hier schon aufhören kannst

Für Social Media, Reportage oder große Serien reicht die Lightroom-Version oft vollständig. Photoshop lohnt sich, wenn du Haut und Hintergrund präziser trennen, einzelne Farbbereiche kontrollieren oder die grafische Mikroschärfe gezielt aufbauen möchtest.

Teil 2: Das professionelle Photoshop-Finish

Öffne das Foto aus Lightroom als Smartobjekt in Photoshop. So bleibt der RAW-Look editierbar und du kannst später zu den Basiseinstellungen zurückkehren.

01   Retusche bewusst knapp halten

Entferne nur temporäre Hautunreinheiten, Staub und Ablenkungen. Der Look funktioniert, weil die Oberfläche real bleibt. Zu viel Frequenztrennung oder Weichzeichnung nimmt dem Bild genau die Spannung, die das Korn später verstärken soll.

02   Farbtrennung mit Farbbalance verfeinern

Lege eine Farbbalance-Einstellungsebene an und aktiviere „Luminanz erhalten“. Nutze folgende Werte als Startpunkt:

TonwertRegler 1Regler 2Regler 3
TiefenCyan/Rot –15Magenta/Grün +5Gelb/Blau +8
MitteltöneCyan/Rot +8Magenta/Grün 0Gelb/Blau –5
LichterCyan/Rot +3Magenta/Grün 0Gelb/Blau –4

Wenn die Haut zu kühl wird, male mit einem weichen schwarzen Pinsel bei 20–30 Prozent Deckkraft in die Ebenenmaske. Der Hintergrund darf deutlich stärker reagieren als das Gesicht.

03   Painterly Microcontrast aufbauen

Erzeuge eine zusammengefasste Kopie auf einer neuen Ebene und konvertiere sie in ein Smartobjekt. Wende den Hochpassfilter mit 2,0 bis 3,0 Pixeln an und stelle die Ebene auf „Weiches Licht“ bei 25 bis 35 Prozent Deckkraft. Maskiere die Wirkung auf Haaren, Kleidung, Make-up-Kanten und Accessoires ein; auf glatter Haut bleibt sie sehr schwach.

WARUM DAS FUNKTIONIERT  Der Hochpass erzeugt keine gemalte Fläche. Er trennt nur ausgewählte Kanten stärker vom ruhigen Hintergrund – genau diese kontrollierte Kantenzeichnung lässt das Bild grafischer und „painterly“ wirken.

04   Optionaler Teal-Glaze mit Verlaufumsetzung

Lege eine Verlaufumsetzung an: Schatten #092F31, Mitteltöne #7A6E62, Lichter #F0DDD0. Stelle die Ebene auf „Farbe“ oder „Weiches Licht“ und reduziere die Deckkraft auf 10 bis 20 Prozent. Schütze die Haut über die Ebenenmaske. Dieser Schritt ist optional – er hilft vor allem, wenn Hintergrund und Schwarzflächen noch farblich auseinanderfallen.

05   Dodge & Burn für die Editorial-Dichte

Nutze zwei Kurven-Einstellungsebenen: eine leicht heller, eine leicht dunkler. Male mit weichem Pinsel bei fünf bis zehn Prozent Fluss. Helle Wangenknochen, Augen, Schmuck und Stoffkanten subtil auf; vertiefe Konturen, Falten und den äußeren Bildrand. Das Ziel ist Form, nicht Beauty-Retusche.

06   Grobes Korn in Photoshop ergänzen

Wenn das Lightroom-Korn nicht ausreicht, lege eine neue Ebene mit 50 Prozent Grau an und stelle sie auf „Ineinanderkopieren“. Wende „Rauschen hinzufügen“ mit 8 bis 12 Prozent, Gaußsche Normalverteilung und „Monochromatisch“ an. Danach Gaußscher Weichzeichner mit 0,3 bis 0,5 Pixeln. Reduziere die Ebenendeckkraft auf 35 bis 55 Prozent.

Vermeide doppeltes Korn: Wenn Lightroom bereits stark arbeitet, nutze die Photoshop-Ebene nur sehr zurückhaltend oder lasse sie weg.

07   Finale Kontrolle und Export

  • Haut bei 100 Prozent prüfen: keine cyanfarbenen Schatten an Nase, Augen oder Kiefer.
  • Schwarze Kleidung prüfen: mindestens an wichtigen Kanten muss noch Zeichnung sichtbar sein.
  • Korn in Originalgröße und in der geplanten Webgröße kontrollieren.
  • Für WordPress als sRGB-JPEG exportieren; lange Kante meist 2.000–2.500 Pixel, Qualität 80–88.
  • Für ein Retina-Hero lieber 3.000 Pixel lange Kante, sofern Dateigröße und Theme es erlauben.

Die Ebenenstruktur in Photoshop

EbeneNameFunktion
06KornOverlay, 35–55 %
05Dodge & BurnZwei Kurven mit Masken
04Teal-GlazeVerlaufumsetzung, 10–20 %
03Painterly MicrocontrastHochpass, Weiches Licht
02FarbbalanceKühle Tiefen, warme Mitteltöne
01RetuscheSeparat und reversibel
00Lightroom-SmartobjektRAW-Basis

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

ProblemUrsacheLösung
Haut wird türkisColor Grading global zu starkPersonenmaske wärmen; Teal aus Haut ausmaskieren
Schwarz ist nur noch ein LochBlack-Regler ohne Kontrolle abgesenktTiefen leicht öffnen; lokale Kleidungmaske
Bild wirkt digital überschärftKlarheit und Hochpass überallMikrokontrast nur auf Kanten und Textilien
Korn sieht nach Handyfilter ausZu fein oder zu gleichmäßigGröße und Unregelmäßigkeit erhöhen; Menge reduzieren
Teal dominiert allesKeine warme GegenfarbeMitteltöne dezent orange/cremig balancieren
Look passt nur auf ein FotoBelichtung/WB im Preset gespeichertDiese Werte vom Preset ausschließen

Als Lightroom-Preset speichern

Speichere ein Benutzer-Preset, aber hake nur die stilbildenden Einstellungen an: Gradationskurve, Color Grading, Farbmischer, Effekte, Detail und gegebenenfalls Kalibrierung. Belichtung, Weißabgleich, Zuschnitt, Objektivkorrektur und motivabhängige Masken sollten normalerweise nicht fest im Preset landen.

PRESET-NAME  BROWNZ · Painterly Grunge Fashion · Base

Die 60-Sekunden-Rezeptur

  • Neutrales Profil und saubere Hautbelichtung einstellen.
  • Schwarz auf etwa –70 bis –85 ziehen, Tiefen leicht öffnen.
  • Teal in die Schatten, warmes Orange in die Mitteltöne.
  • Haut mit Personenmaske schützen, Hintergrund kühler ziehen.
  • Textur +15, Klarheit +8, Dunst entfernen +5.
  • Korn etwa 42 / 34 / 75.
  • In Photoshop Farbbalance, gezielten Hochpass und lokale Formkorrektur ergänzen.

FAQ

Funktioniert der Look auch mit JPEG?

Ja, aber vorsichtiger. Reduziere die Stärke von Schwarz, Color Grading und Klarheit um ungefähr ein Drittel. JPEG-Dateien reagieren schneller mit Tonwertabrissen und unruhigen Hautfarben.

Brauche ich einen grauen Hintergrund?

Nein. Ein neutraler Hintergrund macht die Farbrichtung nur leichter kontrollierbar. Bei bunten Locations solltest du Gelb, Grün und Blau im Farbmischer zurückhaltender behandeln und den Hintergrund stärker maskieren.

Kann Lightroom den kompletten Look allein erzeugen?

Ja, für viele Anwendungen. Photoshop wird erst dann wichtig, wenn du die Farbbalance präzise aus Haut und Hintergrund trennen, die Kantenwirkung lokal steuern oder ein besonders sauberes High-Fashion-Finish aufbauen willst.

Warum sieht derselbe Wert auf jedem Bild anders aus?

Weil RAW-Profil, Kamera, Weißabgleich, Licht, Hautton und Hintergrund die Ausgangsfarben verändern. Der Look ist deshalb ein System aus Beziehungen – kühle Schatten gegen warme Mitteltöne – und kein starres Zahlenpaket.

Fazit

Der Painterly-Grunge-Look funktioniert dann am besten, wenn er nicht nach Effekt aussieht. Die Schwarztöne dürfen tief sein, das Teal darf deutlich spürbar sein und das Korn darf rau wirken – aber Haut, Augen und wichtige Stoffdetails brauchen weiterhin Kontrolle. Genau diese Balance macht aus einem schnellen Social-Media-Look ein glaubwürdiges Fashion-Finish.

KURZ GESAGT  Dichte Schwarztöne. Kühles Teal in den Schatten. Warme Mitteltöne. Hautschutz. Grobes Korn. Präzise Kanten statt flächiger Überschärfung.

Quellen und technische Hinweise

The Curated Lab – „How to get the Painterly Grunge Fashion Look“ (öffentlicher Instagram-Clip)

Adobe: Einführung in Adobe Camera Raw und nichtdestruktive RAW-Verarbeitung

Adobe: Masken und lokale Korrekturen in Camera Raw

Adobe: Presets in Camera Raw erstellen und aktualisieren

Adobe: Filtereffekte in Photoshop

Hinweis zur Übertragung: Der Referenzclip zeigt eine Bearbeitung in Capture One. Die im Artikel genannten Lightroom- und Photoshop-Werte sind eine fachliche Übersetzung der sichtbaren Methode und bewusst als anpassbare Startwerte formuliert.

Transparenzhinweis zum EU AI Act

Inhalt, fachliche Vorgaben und redaktionelle Verantwortung stammen vom Brownz-Art-Team. Die Ausformulierung dieses Artikels wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft.


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