Peter »Brownz« Braunschmid: Fotodesign, Photoshop-Kunst, Pop Art und KI aus Österreich. Homebase: BrownzArt.com, Workshops, Video-Trainings und Coaching.
500 Prompts für kreative Arbeit: Dafür habe ich mein BROWNZ Prompt-Archiv 2026 zusammengestellt. Prompt-Sammlungen gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Das Problem dabei: Vieles klingt im ersten Moment großartig, produziert in der Praxis aber nur den üblichen KI-Einheitsbrei. Genau deshalb wollte ich eine Sammlung machen, die nicht aus 500 Varianten von „Mach mir etwas Tolles“ besteht.
Entstanden ist daraus meine BROWNZ TOP 500 AI PROMPTS 2026 – eine nach Themen sortierte Sammlung für kreative Arbeit, Fotografie, Photoshop, Synthografie, Bild- und Videogenerierung, Recherche, Text, Social Media, Blog, Kunst, Portfolio, Business und Workflow. Drinnen stecken tatsächlich 500 eindeutig nummerierte Prompts von B001 bis B500.
Als Inspirationsquelle habe ich mir unter anderem die kuratierte AInauten-Promptdatenbank angesehen und zusätzlich aktuelle offizielle Dokumentationen verschiedener Anbieter gegengeprüft. Die Beispiele wurden nicht einfach zusammenkopiert: Die Sammlung wurde eigenständig neu formuliert, vereinheitlicht und so aufgebaut, dass man sie als Arbeitswerkzeug verwenden kann.
Der Sinn der Sammlung ist nicht, einen Prompt blind zu kopieren und auf ein Wunder zu hoffen. Viel interessanter ist es, die Prompts als Baupläne zu sehen: Motiv austauschen, Stil ändern, Kamera oder Licht anpassen, eigene Referenzen einbauen und daraus etwas Eigenes machen. Genau dann wird aus Prompting ein kreativer Prozess und nicht bloß ein Glücksspiel mit Text.
Die PDF wurde außerdem auf Verständlichkeit, Wiederholungen, aktuelle Begriffe und technische Aussagen geprüft. Dabei wurden unter anderem aktuelle Dokumentationen zu Text-, Bild-, Photoshop- und Video-Workflows herangezogen. Trotzdem gilt: KI-Systeme und Funktionen ändern sich laufend. Ein guter Prompt ist deshalb keine in Stein gemeißelte Formel, sondern ein brauchbarer Startpunkt.
500 Prompts braucht wahrscheinlich niemand an einem Nachmittag. Aber als Archiv zum Nachschlagen, Weiterbauen und Experimentieren finde ich so eine Sammlung ziemlich praktisch. Vor allem dann, wenn man nicht nach dem einen „magischen Prompt“ sucht, sondern nach Ideen, wie man der Maschine genauer sagt, was man eigentlich im Kopf hat.
AI-Act / Transparenzhinweis (freiwillig): Dieser Beitrag basiert auf meiner inhaltlichen Vorgabe und wurde mit KI-Assistenz redaktionell ausgearbeitet. Recherche, Struktur und Aufbereitung der PDF wurden ebenfalls KI-gestützt erstellt und anschließend redaktionell geprüft.
„F*ck AI“ und die Kunstdebatte: Warum Handarbeit Respekt verdient, der Hass auf ein Werkzeug aber noch lange keine Kunstkritik ist.
Stand: 17. August 2026 · Links und Fakten redaktionell geprüft
Kurz gesagt: Die Hand kann ein Werk ausführen. Idee, Auswahl und Verantwortung sitzen trotzdem im Kopf. Und ein Sternchen macht aus einem Slogan noch keine differenzierte Kunsttheorie.
Seit einiger Zeit taucht in Künstler-Feeds sinngemäß immer wieder dieselbe Botschaft auf: „F*ck AI. I made this with my own hands.“ Dazu ein gemaltes Bild, ein Making-of oder eine Hand mit Farbe bis zum Ellbogen. Die Aussage ist klar: Das hier ist echt. Das hier ist menschlich. Und irgendwo außerhalb des Bildausschnitts sitzt offenbar die böse Maschine und frisst gerade einen Aquarellkasten.
Ich verstehe den Impuls. Wer jahrelang zeichnen, malen, fotografieren oder gestalten gelernt hat, darf auf sein Handwerk stolz sein. Wirklich. Nur wird aus berechtigtem Stolz sehr schnell ein moralisches Reinheitsgebot: mit der Hand gut, mit KI schlecht. Und genau da wird die Sache ungefähr so präzise wie ein Pinsel mit drei Haaren.
F*ck AI: Das Sternchen ersetzt keine Debatte
Bei meiner Recherche habe ich keinen belastbar dokumentierten zentralen Ursprung und keine einheitlich organisierte Kampagne hinter genau diesem Wortlaut gefunden. Der Spruch kursiert in verschiedenen Varianten. „F*CK AI“ ist inzwischen jedenfalls ein sichtbares kulturelles Bekenntnis; ein dokumentiertes Beispiel aus dem Musikbereich war 2025 ein vollständig von mehr als 20 Fan-Künstlern animiertes Video des Rappers bbno$. Das ist eine legitime Entscheidung für menschliche Zusammenarbeit. Es ist nur kein Beweis dafür, dass jede andere Arbeitsweise automatisch wertlos ist.
Ein Slogan muss kurz sein. Das ist sein Beruf. Problematisch wird es erst, wenn die Kürze als Argument verkleidet wird. „Ich habe das mit meinen eigenen Händen gemacht“ beschreibt einen Teil des Prozesses. Es sagt noch nichts darüber, ob die Idee gut, die Komposition stark, die Aussage eigenständig oder das Ergebnis überhaupt interessant ist. Auch eine schiefe Gartenhütte kann vollständig handgemacht sein. Der Wind respektiert das trotzdem nur begrenzt.
Die Hand ist ein Werkzeug. Der Kopf hoffentlich auch.
Nehmen wir die Fotografie. Rein technisch drückt am Ende jemand auf einen Knopf. Wenn wir dieselbe Logik anwenden, wäre Fotografie also keine kreative Leistung, sondern gepflegte Zeigefingergymnastik. Das ist natürlich Unsinn. Vor dem Knopfdruck liegen Motiv, Licht, Perspektive, Brennweite, Timing und Absicht. Danach kommen Auswahl, Entwicklung, Bearbeitung und Präsentation. Der Knopf ist nur die Stelle, an der die Kamera kurz „Ja, Chef“ sagt.
Beim Malen ist es nicht anders. Der Pinsel hatte die Idee nicht. Die Leinwand hat keine Haltung. Photoshop entscheidet nicht, welches Bild ich veröffentliche. Und ein generatives System wacht auch nicht morgens auf und denkt: Heute mache ich endlich diese Serie über Erinnerung, Verlust und einen leicht beleidigten Flamingo. Menschen geben Richtung, wählen aus, verwerfen, kombinieren, bearbeiten und übernehmen Verantwortung. Wie viel davon tatsächlich passiert, ist der entscheidende Unterschied.
Natürlich ist ein einzelner Prompt noch kein Beweis für große künstlerische Arbeit. Aber ein einzelner Pinselstrich ist es ebenfalls nicht. Das Werkzeug verrät nicht automatisch, wie viel Denken, Erfahrung und Entscheidung im Ergebnis steckt. Es verrät nur, womit gearbeitet wurde.
Der Vorwurf ist älter als die KI
Ich kenne diesen Satz nicht erst seit ChatGPT. Ich arbeite seit den 1980er-Jahren als Medienkünstler; meine öffentliche Selbstbeschreibung lautet „DIGITAL.art since 1984“. Computeranimation, digitale Bildgestaltung, 3D-Rendering, Fotografie, Photoshop-Composing, später Mixed Media und Synthografie: Die Werkzeuge haben sich verändert. Die Reaktion mancher Menschen erstaunlich wenig.
Schon früher kam zuverlässig: „Das hast du ja nicht mit deinen Händen gemacht. Das ist computergerendert. Das ist Fotografie mit Computer. Das zählt nicht richtig.“ Ich habe in diesen Bereichen gearbeitet, veröffentlicht, unterrichtet, und meine Arbeit wurde auch ausgezeichnet. Trotzdem fand sich immer jemand, der den Computer wie einen heimlichen Praktikanten behandelte, der angeblich Idee, Gestaltung und Endkontrolle ganz allein erledigt hatte. Sehr fleißiger Rechner. Nur leider ohne Telefonnummer für Rückfragen.
Der Vorwurf war damals schon schief. Der Computer hatte weder die Idee noch wählte er das Motiv, baute die Bildsprache oder entschied, wann eine Arbeit fertig war. Ein Rendering konnte stundenlang laufen; dadurch wurde es aber nicht automatisch Kunst. Umgekehrt wurde die menschliche Arbeit nicht unsichtbar, nur weil ein Prozessor beteiligt war. Heute trägt derselbe alte Vorwurf ein neues Namensschild: KI. Die Technik ist neu. Das Gatekeeping-Skript hat offenbar seit den Achtzigern kein Update bekommen.
Tron: erst angeblich geschummelt, später Filmgeschichte
Mein Lieblingsbeispiel dafür ist „Tron“ von 1982. Da muss man die oft erzählte Geschichte allerdings kurz vom Neonstaub befreien: Der Film war nicht generell von den Oscars ausgeschlossen. Er bekam sogar zwei Nominierungen, für Kostümdesign und Ton. Ausgerechnet bei den visuellen Effekten wurde er aber nicht nominiert. Regisseur Steven Lisberger beschrieb die damalige Haltung später mit dem Satz: „The Academy thought we cheated by using computers.“ Der Computereinsatz galt in dieser Logik also nicht als neue Gestaltungsmöglichkeit, sondern als verdächtige Abkürzung. Heute wirkt das ungefähr so modern wie ein Diskettenlaufwerk mit Zukunftsangst.
Die Pointe ist noch schöner: „Tron“ war gar kein Film, den der Computer heimlich allein gebaut hatte. Eine offizielle Disney-Rückschau beschreibt ihn als Hybrid aus Live-Action, klassischer Cel-Animation, Mehrfachbelichtungen und Computerbildern; nur ein kleiner Teil war tatsächlich CGI. Gerade die Arbeit, die man angeblich eingespart hatte, war in Wahrheit ein ziemlicher handwerklicher Wahnsinn. Man hatte für das Neue nur noch keine passende Schublade. Also ließ man die Schublade für visuelle Effekte vorsichtshalber zu.
Von Tron zu Avatar
Springen wir zu „Avatar“. Auch das ist kein Film, bei dem James Cameron kurz auf „Pandora erstellen“ geklickt und danach Kaffee getrunken hat. Es ist ein Zusammenspiel aus Schauspiel, Kamera, Animation und visuellen Effekten. Der Film erhielt neun Oscar-Nominierungen und gewann drei, darunter den Oscar für visuelle Effekte. Mit mehr als 2,9 Milliarden Dollar weltweitem Kinoeinspiel wurde er außerdem zum erfolgreichsten Film der Boxoffice-Geschichte, nicht inflationsbereinigt. Über die Handlung darf man selbstverständlich streiten. Über die Tatsache, dass hier Kunst, Handwerk und Technologie zusammenarbeiten, eher weniger.
Das ist kein Naturgesetz, nach dem jede neue Technik automatisch gut und jeder Kritiker automatisch rückständig wäre. Aber das Muster wiederholt sich auffällig oft: Zuerst heißt das neue Werkzeug Betrug, Abkürzung oder Untergang. Später wird es Unterrichtsstoff, Standard und gewinnt manchmal genau den Oscar, für den es anfangs nicht einmal nominiert wurde. Darum lohnt es sich, beim ersten Empörungsreflex kurz zu warten, bis der digitale Nebel aus der Maschine gezogen ist. Kritik ja. Kulturkrieg aus Gewohnheit eher nein.
Kreative Arbeit wurde schon immer delegiert
Der Leiter einer Werbeagentur baut nicht jede Reinzeichnung selbst. Ein Art Director setzt Stil, Botschaft und Richtung, wählt aus, korrigiert und genehmigt. Das offizielle Berufsprofil des US Bureau of Labor Statistics beschreibt genau das: Art Directors entwickeln den übergeordneten Look und leiten andere an, die Grafiken und Layouts ausarbeiten. Wenn nur Handarbeit zählen würde, müsste der Art Director beim Kunden sagen: „Die Kampagne ist von mir – außer den Teilen, die sichtbar sind.“
Beim Film wird es noch deutlicher. Regie, Kamera, Licht, Ausstattung, Schnitt, Ton und Effekte arbeiten gemeinsam. Nicht einmal die Person, die das Bild gestaltet, muss zwingend die Kamera selbst bedienen. Trotzdem käme niemand auf die Idee, den Film abzumelden, weil der Regisseur die Kulisse nicht persönlich gezimmert und danach noch schnell die Geige eingespielt hat.
Wenn wir die Handarbeitslogik konsequent durchziehen, wird es ohnehin sportlich. Dann müssten wir Agenturleiter, Art Directors, Regisseurinnen, Architekten, Komponistinnen und Bildhauer verurteilen, sobald andere Menschen einen Teil ihrer Idee ausführen. Fotografen wären verdächtig, weil die Kamera das Licht aufzeichnet. Digitalkünstler sowieso. Und ganz sauber wäre am Ende nur noch, wer seine Pigmente selbst aus dem Berg kratzt, den Pinsel bindet und vorsichtshalber auch den Computer lötet. Kann man machen. Der Abgabetermin wird dann allerdings interessant.
Auch die Kunstgeschichte kennt Delegation nicht erst seit gestern. Sol LeWitts Wandzeichnungen wurden und werden nach seinen Anweisungen von Assistentinnen, Assistenten und lokalen Teams ausgeführt. Die National Gallery of Art dokumentiert bei „Wall Drawing #65“ ausdrücklich, dass ein Team das Werk umsetzte und LeWitts Wandzeichnungen üblicherweise von anderen ausgeführt werden. Die Hände waren real. Ebenso real war die Urheberschaft der Idee. Beides kann gleichzeitig stimmen, ohne dass die Kunstpolizei ausrücken muss.
KI ist trotzdem kein Mitarbeiter mit Kaffeetasse
Jetzt bitte nicht falsch verstehen: Ein KI-System ist kein menschlicher Kollege. Es hat keine Biografie, keinen eigenen künstlerischen Willen und keine Verantwortung für das Ergebnis. Es kann nicht erklären, warum ihm ein Bild wichtig ist. Auch nervös beim Kunden sitzen kann es nicht, wenn die Kampagne schiefgeht. Das bleibt zuverlässig am Menschen hängen.
Darum ist die Nutzung eines Modells nicht dasselbe wie die Zusammenarbeit mit einer Illustratorin, einem Fotografen oder einem 3D-Artist. Menschen bringen Erfahrung, Rechte, Interessen, Interpretation und eine eigene Perspektive ein. Genau deshalb müssen faire Bezahlung, Einwilligung, Datenherkunft und kreative Kontrolle ernst genommen werden. KI ist ein anderes Werkzeug und wirft andere Fragen auf. Nur folgt daraus nicht, dass jede Arbeit damit geistlos sein muss.
Die brauchbare Frage lautet also nicht: „Hat eine Hand jeden Pixel persönlich berührt?“ Sie lautet: Wer hatte die Idee, wer traf die Entscheidungen, wer hat verändert, wer trägt die Verantwortung – und wurde jemand dabei übergangen oder getäuscht? Das ist weniger plakatfähig. Dafür passt es näher an die Wirklichkeit.
Warum der Slogan „F*ck AI“ so gut klebt
Erstens berührt generative KI die berufliche und persönliche Identität. Wer viel Zeit in ein Handwerk investiert hat, erlebt einen schnellen Maschinenoutput leicht als Entwertung der eigenen Mühe. Das ist menschlich. Forschung zur Wahrnehmung von KI-Kunst zeigt tatsächlich einen Etiketteneffekt: In zwei Studien wurden dieselben KI-erzeugten Bilder zufällig als „menschlich geschaffen“ oder „KI-geschaffen“ bezeichnet. Die menschlich etikettierten Werke wurden im Durchschnitt positiver bewertet; wahrgenommene Geschichte, Bedeutung und menschlicher Aufwand spielten dabei eine Rolle.
Zweitens verwenden wir Aufwand gern als Abkürzung für Qualität. Je länger etwas gedauert hat, desto wertvoller muss es sein. Nur ist dieser sogenannte Effort Heuristic kein Naturgesetz. Eine große, vorregistrierte Replikation mit insgesamt 1.405 Personen fand gemischte Ergebnisse: teilweise beeinflusste angenommener Aufwand Gefallen und Qualitätsurteile, beim Geldwert aber nicht stabil. Anders gesagt: Mühe kann unsere Wahrnehmung färben. Sie ersetzt nicht die Beurteilung des Werks. Auch zwölf Stunden an einer schlechten Idee bleiben zwölf Stunden an einer schlechten Idee. Das ist traurig, aber demokratisch.
Drittens liebt Social Media klare Feindbilder. Eine Studie in Science Advances untersuchte 12,7 Millionen Tweets von 7.331 Nutzern sowie kontrollierte Experimente. Positive Reaktionen auf moralische Empörung erhöhten die Wahrscheinlichkeit, später wieder empört zu posten. Das beweist nicht, dass jeder „F*ck AI“-Post kalkulierter Ragebait ist. Es erklärt aber, warum ein wütendes Lagerfeuer häufiger herumgereicht wird als der Satz: „Das hängt vom konkreten Workflow, den Rechten und der redaktionellen Verantwortung ab.“
Die Kritik ist nicht erfunden
Wer jetzt glaubt, ich möchte KI einen Heiligenschein aufsetzen, darf sich wieder entspannen. Es gibt reale Probleme: ungeklärte oder umstrittene Trainingspraktiken, fehlende Einwilligung, faire Vergütung, Stilkopien, Täuschung, Deepfakes, Massenproduktion von austauschbarem Inhalt, ökologische Kosten und wirtschaftlichen Druck auf Kreativberufe. UNESCO nennt unter anderem Urheberrechtsverletzungen, unfaire Vergütung, unautorisierte Nutzung von Werken, Bias und Umweltauswirkungen als dringende Themen im Kulturbereich. Das ist kein eingebildetes Problem von Menschen, die zu wenig gepromptet haben.
Beim Energieverbrauch lohnt sich Genauigkeit. Laut Internationaler Energieagentur verbrauchten Rechenzentren 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom, etwa 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. Das war nicht alles KI. Bis 2030 erwartet die IEA im Basisszenario rund 945 Terawattstunden und nennt KI den wichtigsten Wachstumstreiber – neben anderen digitalen Diensten. Das ist ein reales Thema für Infrastruktur, Stromnetze und Umwelt. Die Behauptung, ein einzelner Prompt habe gerade persönlich einen See leergekocht, hilft bei der Lösung allerdings ungefähr so viel wie ein wütendes Emoji.
Trainingsdaten und menschliche Urheberschaft
Auch die Trainingsdaten sind keine Nebensache. Die EU verlangt von Anbietern bestimmter KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck nach Artikel 53 unter anderem eine Strategie zur Einhaltung des EU-Urheberrechts und eine öffentlich zugängliche, ausreichend detaillierte Zusammenfassung der Trainingsinhalte. Damit sind noch lange nicht alle Streitfragen zu Einwilligung, Vergütung und Herkunft gelöst. Aber schon die Regelung zeigt: Das Thema ist konkret, berechtigt und regulierungsbedürftig – ganz ohne Kulturkampf mit Bastelschere.
Auch die Rechtslage ist differenziert. Das US Copyright Office hält fest: Rein maschinell bestimmte Ausdruckselemente sind in den USA nicht urheberrechtlich geschützt; ausreichend menschlich bestimmte Gestaltung, kreative Anordnung oder Überarbeitung kann dagegen geschützt sein. Die bloße Nutzung von KI schließt Schutz also nicht automatisch aus, ein Prompt allein reicht nach dieser US-Position aber nicht. Das ist US-Recht und keine Weltformel – zeigt jedoch sehr schön, dass selbst Behörden zwischen Werkzeughilfe und menschlicher Autorschaft unterscheiden.
Man darf konkrete Modelle, Firmen, Datensätze, Geschäftspraktiken und Anwendungen hart kritisieren. Man soll es sogar, wenn etwas unfair oder täuschend ist. Genau dort liegt die wichtige Debatte: Trainingsdaten, Rechte, Vergütung, Energie, Täuschung, Macht und Verantwortung. Nur „F*ck AI“ wirft seriöse Bildbearbeitung, generative Skizzen, Deepfakes, Assistenzfunktionen und komplett automatisierten Content-Müll in denselben Kübel. Der Kübel ist dann zwar schnell voll, aber die Analyse bleibt leer. Und der Vergleich „Hand gleich gut, nicht Hand gleich böse“ ist von all diesen Fragen wirklich die uninteressanteste.
Handgemacht darf ein Wert sein. Nur kein Reinheitsgebot.
Ein handgemaltes Original hat eine materielle Geschichte. Man sieht Schichten, Spuren, Fehler, Entscheidungen und manchmal auch den Moment, in dem der Ärmel durch die Farbe gezogen wurde. Das kann einen echten künstlerischen und wirtschaftlichen Wert haben. Wer bewusst ohne generative KI arbeitet, darf das sagen. Transparenz ist gut. Stolz ist auch gut.
Nur sollte aus „Ich habe mich für diesen Prozess entschieden“ nicht automatisch „Alle anderen betrügen“ werden. Eine analoge Fotografin ist nicht moralisch besser als ein digitaler Fotograf. Ein Illustrator mit Bleistift ist nicht automatisch origineller als jemand mit Grafiktablett. Und ein Mensch mit KI ist weder automatisch Künstler noch automatisch Hochstapler. Das Ergebnis, der Prozess und die Verantwortung müssen gemeinsam betrachtet werden. Ja, das ist komplizierter als ein Sharepic. Das Leben ist manchmal ausgesprochen schlecht für quadratische Parolen.
Wer hat es gemacht? Die brauchbare Antwort
Statt ein Reinheitsabzeichen zu verteilen, kann man den eigenen Prozess konkret beschreiben. Fünf Fragen reichen meistens schon:
Woher kam die Idee? Von einer Person, einem Auftrag, einer Erfahrung oder nur aus dem Zufallsgenerator?
Welche Werkzeuge wurden eingesetzt? Pinsel, Kamera, Photoshop, 3D, generative KI – gern ohne Theaternebel.
Welche Entscheidungen traf der Mensch? Konzept, Auswahl, Komposition, Varianten, Überarbeitung und Veröffentlichung.
Welche Teile wurden delegiert oder generiert? An Mitarbeitende, Freelancer, Software oder Modelle.
Wer übernimmt die Verantwortung? Für Aussage, Rechte, Kennzeichnung, Qualität und mögliche Fehler.
Damit bekommt das Publikum Information statt Gruppenzugehörigkeit. Danach kann jeder selbst entscheiden, was er schätzt, kauft oder ausstellt. Genau so sollte es sein. Kunst braucht keine zentrale Geschmackspolizei – weder mit Pinselabzeichen noch mit Promptführerschein.
Damit das Sternchen keine Fakten frisst: zwölf geprüfte Punkte
Für den genauen Spruch ließ sich kein belastbar dokumentierter zentraler Ursprung oder eine einheitliche Organisation finden; er kursiert als variierende Social-Media-Parole.
„F*CK AI“ wird nachweislich als kulturelles Statement eingesetzt, unter anderem 2025 im Umfeld eines von zahlreichen menschlichen Animatorinnen und Animatoren produzierten Musikvideos.
Art Directors entwickeln den übergeordneten visuellen Stil und leiten andere an, die konkrete Grafiken und Layouts umsetzen. Delegation ist Teil des offiziellen Berufsbilds.
Sol LeWitts Wandzeichnungen werden häufig von Teams nach seinen Anweisungen ausgeführt. Kreative Urheberschaft und manuelle Ausführung sind daher nicht zwangsläufig identisch.
„Tron“ war bei den Oscars 1983 nicht generell ausgeschlossen: Der Film erhielt Nominierungen für Kostümdesign und Ton, jedoch keine für visuelle Effekte. Regisseur Steven Lisberger führte diese Auslassung später auf die damalige Wahrnehmung von Computereinsatz als „Schummeln“ zurück.
„Avatar“ erhielt neun Oscar-Nominierungen und gewann unter anderem für visuelle Effekte. Mit mehr als 2,9 Milliarden US-Dollar weltweitem Kinoeinspiel gilt der Film ohne Inflationsbereinigung als erfolgreichster Film der Boxoffice-Geschichte.
Bewertung, Ressourcen und Rechte
Studien zeigen, dass die Kennzeichnung „menschlich geschaffen“ die Bewertung derselben Bilder gegenüber „KI-geschaffen“ verbessern kann. Das Label beeinflusst also mit.
Wahrgenommener Aufwand kann Qualitätsurteile erhöhen, der Effekt ist laut vorregistrierten Replikationen aber kontextabhängig und nicht für alle Werturteile stabil.
Online-Belohnungen wie Likes und Shares können moralische Empörung verstärken. Das wurde in großen Beobachtungsdaten und Experimenten gezeigt.
Rechenzentren verbrauchten laut IEA 2024 rund 415 Terawattstunden beziehungsweise 1,5 Prozent des weltweiten Stroms. Das ist nicht mit reinem KI-Verbrauch gleichzusetzen; KI ist laut IEA aber der wichtigste Treiber des erwarteten Wachstums bis 2030.
Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck müssen nach Artikel 53 des EU AI Act unter anderem eine Urheberrechtsstrategie und eine ausreichend detaillierte öffentliche Zusammenfassung der Trainingsinhalte vorlegen. Das schafft Transparenz, löst aber nicht automatisch sämtliche Rechte- und Vergütungsfragen.
Nach Position des US Copyright Office schließt KI-Unterstützung Urheberrechtsschutz nicht automatisch aus; entscheidend sind ausreichend menschlich bestimmte Ausdruckselemente. Artikel 50 des EU AI Act enthält daneben seit 2. August 2026 bestimmte Transparenzpflichten. US-Urheberrecht und EU-Transparenzrecht sind dabei nicht dasselbe und dürfen nicht vermischt werden.
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Weniger Lagerfeuer, mehr Werkstatt
Ich habe überhaupt kein Problem mit dem Satz: „Das habe ich mit meinen eigenen Händen gemacht.“ Im Gegenteil. Zeig den Prozess, die Skizzen, die verworfenen Versuche und die Farbe unter den Fingernägeln. Das ist spannend. Mein Problem beginnt erst beim unausgesprochenen Nachsatz: „… und deshalb sind alle anderen weniger wert.“ Den kann man getrost weglassen. Er macht weder das Bild besser noch die Debatte klüger.
Jeder darf sein Betätigungsfeld wählen. Manche malen analog, andere arbeiten digital, manche fotografieren, bauen 3D-Szenen, führen Teams oder kombinieren Werkzeuge. Entscheidend ist, ob jemand eine eigene Absicht verfolgt, sauber arbeitet, transparent bleibt und Verantwortung übernimmt. Wir müssen daraus keinen Glaubenskrieg machen. Die Kunstwelt hat bereits genug Nebelmaschinen.
Mein Vorschlag für das nächste Schild: F*ck Schubladen. Ich habe nachgedacht – mit meinem eigenen Kopf.
Disney D23: Über 40 Jahre Tron — Offizielle Rückschau zur hybriden Herstellung aus Live-Action, Handanimation und Computerbildern sowie zur ausgebliebenen Nominierung für visuelle Effekte.
Steven Lisberger über Tron und den Oscar — Interview mit dem Regisseur über die frühen CGI-Verfahren und die damalige Wahrnehmung des Computereinsatzes als „Schummeln“.
Academy Awards 1983: Tron — Offizielle Oscar-Dokumentation der beiden Nominierungen für Kostümdesign und Ton sowie der damaligen Kategorie visuelle Effekte.
Academy Awards 2010: Avatar — Offizielle Oscar-Dokumentation: neun Nominierungen und drei Auszeichnungen, darunter visuelle Effekte.
Walt Disney Company: Avatar — Aktuelle Einordnung des weltweiten Einspielergebnisses von mehr als 2,9 Milliarden US-Dollar sowie der Oscar-Bilanz.
UNESCO: AI and culture — Überblick zu Chancen sowie Risiken für Rechte, Vergütung, Bias, Umwelt und kreative Arbeit.
Internationale Energieagentur: Energy and AI — Offizielle Zahlen zum weltweiten Stromverbrauch von Rechenzentren 2024 und zur Entwicklung bis 2030; KI wird als wichtigster Wachstumstreiber eingeordnet.
Die Grundidee, persönliche Haltung, langjährige Erfahrung mit Fotografie, Photoshop und generativen Bildwerkzeugen sowie die zentralen Argumente dieses Artikels stammen von BROWNZ. ChatGPT wurde unterstützend eingesetzt, um die Gedanken zu strukturieren, Gegenpositionen zu prüfen, aktuelle Quellen zu recherchieren, Formulierungen auszuarbeiten und den Text redaktionell zu verdichten. Die inhaltliche Auswahl, künstlerische Position, Beispiele, Bewertung und Endredaktion liegen bei BROWNZ. Externe Quellen wurden nur für überprüfbare rechtliche, wissenschaftliche und berufskundliche Fakten herangezogen und sind oben direkt verlinkt. Der Artikel ist damit selbst ein Beispiel für die vertretene Haltung: KI als Werkzeug – der Mensch als Ideengeber, Entscheider und verantwortlicher Autor. Dieser Transparenzhinweis dient der nachvollziehbaren Offenlegung der Arbeitsweise. Er stellt keine individuelle Rechtsberatung und keinen automatischen Nachweis vollständiger Konformität mit sämtlichen Anforderungen des EU AI Act dar. Offizielle Erläuterungen der Europäischen Kommission
Warum Weglassen im Zeitalter des unendlichen Mehrs wieder wichtig wird
Peter „BROWNZ“ Braunschmid · Linz · August 2026
Mehr ist billig geworden. Entscheiden ist teuer.
Wir leben in einer Welt des Mehr. Mehr Varianten, mehr Programme, mehr Bilder, mehr Meinungen – und sicherheitshalber noch drei Versionen davon. Die KI hat diesen Wasserhahn nicht erfunden. Sie hat ihn nur voll aufgedreht.
Mit ein paar Eingaben entstehen in kurzer Zeit Texte, Bilder, Musik, Präsentationen, Videos und Konzepte. Technisch beeindruckend. Aber Menge ist keine Bedeutung. Tausend Bilder sind noch keine Bildwelt.
Mein Gegenentwurf heißt radikale Reduktion. Nicht als Mode. Nicht als leeres weißes Wohnzimmer mit einsamer Vase. Sondern als harte kreative und persönliche Entscheidung.
Radikal heißt: an die Wurzel
Radikale Reduktion beginnt nicht beim Aufräumen. Sie beginnt mit einer einfachen Frage: Worum geht es hier eigentlich?
Was trägt die Idee? Welche Elemente sind nur Dekoration oder aus Gewohnheit da? Und was bleibt, wenn ich alles entferne, das zwar möglich, aber nicht notwendig ist? Und vor allem: Wozu sage ich ab jetzt Nein?
Das Nein ist der schwierige Teil. Hinzufügen kann fast jeder. Weglassen verlangt Urteilskraft. Man legt sich fest, schließt Türen und macht eine Richtung sichtbar. Damit wird sie natürlich auch angreifbar.
Reduktion ist für mich keine Schwächung. Sie ist Konzentration. Weniger Lärm, damit das Wesentliche wieder eine Stimme bekommt.
KI produziert Varianten. Entscheiden muss ich.
Mit KI kann ich in Minuten Varianten erzeugen, für die ich früher Stunden oder Tage gebraucht hätte. Für bestimmte Aufgaben lässt sich der Zeitgewinn sogar messen: In einem randomisierten Experiment mit 453 Berufstätigen wurden klar umrissene Schreibaufgaben mit ChatGPT im Durchschnitt 40 Prozent schneller erledigt; die bewertete Qualität stieg um 18 Prozent. Das gilt für diese Aufgaben. Nicht automatisch für Arbeit überhaupt und schon gar nicht für Kunst.
Die wichtige Frage lautet deshalb nicht nur: Was kann ich erzeugen? Sondern: Was davon darf bleiben?
Eine Studie mit kurzen Geschichten zeigte 2024 die andere Seite. KI-Ideen verbesserten die Bewertung einzelner Texte, vor allem bei den im Vortest weniger kreativen Teilnehmenden. Gleichzeitig ähnelten sich die KI-unterstützten Geschichten stärker. Individuell besser, gemeinsam ähnlicher. Kein Todesurteil für KI. Aber ein brauchbares Warnschild.
Wenn Millionen Menschen dieselben Modelle nach denselben spektakulären Dingen fragen, bekommen wir sehr viel Oberfläche und erstaunlich oft denselben Brei. Alles leuchtet. Überall schweben Partikel. Jedes Gesicht war offenbar beim selben digitalen Hautarzt.
Ich bin weder KI-Verweigerer noch automatisches Bilderfließband. BROWNZ ART ist kein Prompt-Kiosk. Prompt rein, Bild raus, Hirn aus – das ist kein Arbeitsprozess. KI liefert Rohmaterial. Ich wähle, kombiniere und retuschiere. Die Richtung kommt von mir.
Die KI macht mehr. Ich entscheide, was bleibt.
In meiner Kunst: Nicht alles bleibt
Ich sammle viel. Fotos, Skizzen, Handyfotos, Zeichnungen, Texturen, Archivsplitter, digitale Zufälle und Erinnerungsreste können Rohstoff sein. Das klingt zunächst nicht nach Reduktion. Ist es aber.
Sammeln ist der Anfang, nicht das Ergebnis. Nicht alles bleibt. Ein Bild mutiert, wird gebaut, zerlegt, neu zusammengesetzt, gedruckt, überarbeitet und manchmal wieder zerstört. Ich arbeite daran, bis es nicht mehr nach Rohmaterial aussieht.
Dabei fliegen auch gute Dinge hinaus. Eine schöne Textur kann das falsche Bild schöner machen. Dann muss sie trotzdem weg. Ein Effekt kann technisch toll sein und die Aussage ruinieren. Ein Bild ist keine Demokratie. Nicht jedes Element hat Bleiberecht.
Am Ende zählt nicht, wie viele Ebenen in der Photoshop-Datei liegen. Es zählt, ob das Bild trägt. Idee, Stimmung, Oberfläche, Entscheidung. Ein Werk an einer Wand, für einen Sammler. Dazwischen darf der Weg ruhig wild sein. Das Ergebnis braucht Klarheit.
In Photoshop, Synthografie und Wissen
Seit den Achtzigern arbeite ich digital, Coachings und Workshops gebe ich seit 1997. Ich habe Programme kommen, wachsen, umbenannt werden und wieder verschwinden sehen. Jede neue Version verspricht mehr. Mehr Funktionen, mehr Automatismen, mehr Abkürzungen.
In Coachings merke ich aber immer wieder: Den meisten fehlt nicht die nächste Funktion. Ihnen fehlt die nächste klare Entscheidung. Wo liegt der Blick? Was soll das Licht tun? Welche Farbe führt? Warum ist die Figur überhaupt im Bild? Und wann ist Schluss?
In einem Coaching schütte ich nicht mein gesamtes Archiv über jemanden aus. Das wäre Wissen als Lawine. Ich reduziere, bis der nächste sinnvolle Schritt sichtbar wird. Verständlich machen, ohne dumm zu machen. Zeigen, was wirkt – und genauso klar sagen, was nicht funktioniert.
Wer eine Taste sucht, die automatisch Geschmack erzeugt, wird weiterhin enttäuscht. Das ist wahrscheinlich gesund.
Mehr Auswahl lähmt – stimmt das überhaupt?
An dieser Stelle wird gern die Marmeladenstudie aus dem Jahr 2000 erzählt: 24 Sorten zogen mehr Aufmerksamkeit an, bei sechs Sorten wurde aber häufiger gekauft. Daraus entstand die praktische Schlagzeile, zu viel Auswahl mache uns handlungsunfähig.
Nur ist die Wissenschaft weniger dekorativ als die Schlagzeile. Eine Meta-Analyse von 50 veröffentlichten und unveröffentlichten Experimenten fand 2010 im Durchschnitt praktisch keinen allgemeinen Choice-Overload-Effekt – aber große Unterschiede zwischen den Studien. Mehr Auswahl kann belasten. Manchmal tut sie es nicht. Der Kontext entscheidet.
Mein Plädoyer für radikale Reduktion ist daher kein Naturgesetz nach dem Motto: Drei Möglichkeiten sind gut, vier machen krank. So einfach ist es nicht.
Reduktion wird dort wertvoll, wo Möglichkeiten das Ziel verdecken. Wo wir nur noch vergleichen, statt zu entscheiden. Wo die Produktion weiterläuft, obwohl die Aussage längst fertig wäre. Sie ist keine neurologische Zauberformel. Sie ist eine bewusste Arbeitsweise.
Die Philosophen und Gestalter waren früher dran
Henry David Thoreau schrieb 1854 in „Walden“, das Leben werde durch Einzelheiten zerrieben, und forderte: „Simplify, simplify.“ Er kannte weder Smartphones noch generative KI. Den Mechanismus offenbar schon.
Der Designer Dieter Rams formulierte später: „Less, but better.“ Gutes Design sei so wenig Design wie möglich, weil es sich auf das Wesentliche konzentriert. Das ist kein Auftrag, alles hübsch leer zu machen. Es ist ein Auftrag, das Unnötige nicht mit Bedeutung zu verwechseln.
Herbert Simon, Nobelpreisträger und früher KI-Forscher, beschrieb unsere begrenzte Rationalität. Menschen optimieren nicht endlos. Sie suchen, bis eine tragfähige Lösung erreicht ist. Er nannte das „Satisficing“.
Das klingt nach „gut genug“. In einer Welt voller Varianten ist „gut genug und entschieden“ manchmal die reifere Leistung als noch eine Runde auf der Suche nach dem perfekten Ergebnis.
Mein radikaler Reduktions-Test
Dieser Test funktioniert für ein Bild, einen Text, ein Angebot, einen Workshop, einen Social-Media-Post oder eine Entscheidung im Alltag. Sieben Fragen reichen:
Was ist der eine Satz? Wenn ich nicht knapp sagen kann, worum es geht, ist die Idee noch nicht scharf genug.
Was ist nur möglich, aber nicht notwendig? Neue Funktionen und Varianten sind Angebote, keine Befehle.
Was kann weg, ohne dass die Wirkung kleiner wird? Wenn nach dem Entfernen nichts fehlt, war es Ballast.
Welche Aufgabe hat jedes Werkzeug? Ein Werkzeug ohne klare Aufgabe produziert meist nur sichtbare Beschäftigung.
Welche Variante gewinnt – und warum? „Sie schaut cool aus“ ist manchmal ehrlich, aber selten eine ausreichende Endredaktion.
Was veröffentliche ich bewusst nicht? Verwerfen ist kein Scheitern. Es ist Qualitätsarbeit.
Kann ich für das Übriggebliebene meinen Namen hergeben? Wenn ja, ist Schluss. Sonst fehlt nicht zwingend mehr Material, sondern eine klarere Entscheidung.
Reduktion ist kein Rückzug
Ich will nicht zurück in eine angeblich bessere Zeit mit drei Fernsehprogrammen und einem Pinsel. Ich mag neue Werkzeuge, Archive, Experimente und Mutationen. Die Explosion darf in der Werkstatt stattfinden. Sie muss nur nicht ungefiltert an die Wand, auf die Website oder in den Kopf anderer Menschen gekippt werden.
Radikale Reduktion heißt nicht, weniger neugierig zu sein. Sie heißt, die Neugier zu bündeln. Nicht weniger lernen, sondern gezielter. Nicht weniger machen, sondern weniger Halbgares veröffentlichen. Mehr Technik verlangt mehr Verantwortung. Punkt.
Weniger, damit wieder etwas sichtbar wird
Die Welt wird nicht leerer. KI wird mehr Varianten und mehr Tempo liefern. Damit steigt nicht der Wert dessen, der noch mehr produziert, sondern dessen, der auswählt, begrenzt, verbindet, verwirft und zuspitzt.
Ich will nicht alles zeigen, was möglich war. Ich will zeigen, was trägt. Ein Bild, ein Gedanke, eine Entscheidung.
Nicht weniger Leben. Weniger von dem, was uns davon abhält.
Stand der Quellenprüfung: 14. August 2026. Philosophische und gestalterische Positionen sind als Positionen gekennzeichnet; empirische Aussagen werden nicht über ihren Untersuchungsbereich hinaus verallgemeinert.
Iyengar & Lepper (2000) — Drei Experimente zum möglichen Choice-Overload-Effekt; darunter das häufig zitierte Marmeladen-Experiment. Quelle öffnen
Scheibehenne, Greifeneder & Todd (2010) — Meta-Analyse von 63 Bedingungen aus 50 Experimenten (N = 5.036): mittlerer Effekt nahezu null, deutliche Unterschiede je nach Kontext. Quelle öffnen
Noy & Zhang (2023), Science — Randomisiertes Experiment mit 453 Berufstätigen bei klar umrissenen professionellen Schreibaufgaben: im Mittel 40 % weniger Zeit und 18 % höhere bewertete Qualität mit ChatGPT. Quelle öffnen
Doshi & Hauser (2024), Science Advances — KI-Ideen verbesserten im Experiment die Bewertung kurzer Geschichten; KI-unterstützte Geschichten ähnelten einander zugleich stärker. Quelle öffnen
Herbert A. Simon (1978) — Nobelpreisvortrag zu begrenzter Rationalität, selektiver Suche und Satisficing. Quelle öffnen
Henry David Thoreau: Walden (1854) — Primärtext bei Project Gutenberg; philosophischer Bezug zur bewussten Vereinfachung. Quelle öffnen
Dieter Rams: Zehn Thesen für gutes Design — „Less, but better“ und der Grundsatz, gutes Design auf das Wesentliche zu konzentrieren. Quelle öffnen
Transparenzhinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Dieser Text ist im Zwiegespräch entstanden, nicht mit einem einzelnen Prompt. Über Monate habe ich Gedanken, Erfahrungen und Positionen direkt eingesprochen. Daraus ist ein Gesprächs- und Arbeitsarchiv gewachsen, auf das bei diesem Beitrag zurückgegriffen wurde.
ChatGPT half beim Ordnen, Gegenprüfen, Recherchieren und Kürzen. Die KI war Gesprächspartner, Recherchehilfe und Werkzeug. Nicht der Künstler. Nicht der Autor mit eigener Haltung.
Die Haltung, die persönlichen Erfahrungen, die Beispiele und die Entscheidung über die Veröffentlichung liegen bei mir. Es gab viele Möglichkeiten. Übrig bleibt diese Fassung. Passt zum Thema.