Tag Archive: KI und Kreativität


Ich gegen die KI



Warum ich KI nicht schlagen, sondern sinnvoll einsetzen will

Ein persönlicher Fachbeitrag über faire Vergleiche, kreative Arbeit und neue Werkzeuge

Auf Instagram sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Ein Mensch tritt gegen „die KI“ an. Die KI liefert nach einem kurzen Briefing einen Erstversuch, der Mensch zeigt nach mehreren Überarbeitungen sein Endergebnis – und erklärt sich zum Sieger. Unterhaltsam kann das sein. Ein fairer Vergleich ist es meistens nicht.

1. Was am Duell nicht stimmt

Ich nenne dieses Muster hier „Ich gegen die KI“. Einen einheitlichen Instagram-Trend mit klarer Herkunft konnte ich bei der Recherche nicht belegen. Es ist meine Beobachtung eines wiederkehrenden Formats. Den Begriff „Mensch gegen KI“ gibt es auch außerhalb von Instagram seit Jahren in Medien, Forschung und Unterhaltung.

Im Video läuft es meist so: Die KI bekommt eine Aufgabe, liefert rasch ein Ergebnis und ist damit fertig. Der Mensch denkt nach, probiert Varianten, verwirft, korrigiert und zeigt am Ende seine beste Fassung. Dass dieses Ergebnis besser sein kann, überrascht mich nicht. Verglichen werden ein Erstversuch und ein ausgearbeiteter Prozess.

Dazu fehlen oft die entscheidenden Angaben: Welche KI wurde verwendet? Welches Modell und welche Version? Wie lautete das vollständige Briefing? Gab es Referenzen, Einstellungen oder mehrere Versuche? Wie viel Zeit bekamen beide Seiten? Nach welchen Kriterien wurde bewertet? Ohne diese Informationen ist das kein nachvollziehbarer Test, sondern eine Inszenierung.

Das muss nicht böse gemeint sein. Über die Motive anderer möchte ich nicht spekulieren. Mir geht nur die Schlussfolgerung zu weit: Ein schwacher Versuch mit einem nicht näher genannten System beweist nicht, dass ein Mensch „die KI“ geschlagen hat. Er beweist nur, dass dieser Versuch schwach war.

Ein schwacher Erstversuch ist kein Beweis gegen KI. Er ist ein schwacher Erstversuch.

2. Ein Prompt ist kein Zauberspruch

Ein brauchbares Ergebnis beginnt mit einer brauchbaren Aufgabe. Zielgruppe, Zweck, Format, gewünschte Wirkung, Grenzen und Referenzen müssen klar sein. Das gilt für Menschen genauso wie für KI-Systeme.

Ein kurzer Prompt ist nicht automatisch schlecht. Midjourney empfiehlt für sein System sogar kurze, klare Formulierungen. Die eigene Dokumentation sagt aber ebenso deutlich: Weniger Details bedeuten mehr Variation und weniger Kontrolle. Wenn bestimmte Elemente wichtig sind, müssen sie genannt oder über Referenzen und Parameter gesteuert werden.

Wer Wunder erwartet, muss mehr tun als einmal auf „Generieren“ zu klicken. Man muss Ergebnisse prüfen, Varianten testen, Fehler erkennen, das passende Werkzeug wählen und weiterarbeiten. Das ist beim Fotografieren nicht anders: Eine Kamera im Automatikmodus macht mich nicht zum Starfotografen. Sie gibt mir zunächst eine Aufnahme. Was daraus wird, hängt von Wissen, Blick und Arbeit ab.

Und „die KI“ gibt es ohnehin nicht. Text-, Bild-, Video- und Audiosysteme haben unterschiedliche Modelle, Versionen und Stärken. Wer ein einzelnes Ergebnis zeigt, bewertet genau diesen Einsatz dieses Systems. Nicht die gesamte Technologie.

3. Was die Forschung tatsächlich zeigt

Die Forschung liefert weder einen Freispruch für KI noch eine Siegerurkunde für den Menschen. Sie zeigt: KI-Unterstützung kann helfen, sie kann aber auch schaden. Entscheidend sind Aufgabe, Modell und menschliche Kontrolle.

Bei Noy und Zhang bearbeiteten 453 Hochschulabsolventen berufstypische Schreibaufgaben. Mit ChatGPT sank die durchschnittliche Bearbeitungszeit um 40 Prozent; die bewertete Qualität stieg um 18 Prozent. Das gilt für diese Aufgaben und diesen Versuchsaufbau – nicht automatisch für jeden Text.

Dell’Acqua und Kollegen untersuchten 758 Beraterinnen und Berater von Boston Consulting Group. Bei 18 Aufgaben innerhalb der damaligen Leistungsgrenze von GPT-4 erledigten Teilnehmer mit KI 12,2 Prozent mehr Teilaufgaben und arbeiteten 25,1 Prozent schneller; auch die Qualität stieg. Bei einer bewusst außerhalb dieser Grenze gewählten Aufgabe waren KI-Nutzer dagegen 19 Prozentpunkte seltener korrekt.

Doshi und Hauser ließen 293 Personen jeweils eine kurze Geschichte mit acht Sätzen schreiben. Der Zugriff auf KI-Ideen verbesserte im Durchschnitt Bewertungen wie Neuheit und Nützlichkeit, besonders bei weniger kreativen Teilnehmern. Gleichzeitig wurden die KI-unterstützten Geschichten einander ähnlicher. Auch hier gilt: Untersucht wurden kurze Geschichten, nicht Grafikdesign, Fotografie oder Kunst allgemein.

Die klare Aussage ist daher nicht „KI gewinnt“ oder „Mensch gewinnt“. KI kann Tempo, Menge oder Qualität erhöhen. Sie kann ebenso falsche Sicherheit und Gleichförmigkeit erzeugen. Deshalb braucht sie Erfahrung, Auswahl und Kontrolle.

4. Wie ich KI tatsächlich nutze

Ich arbeite seit den frühen Midjourney-Tagen mit generativer KI – aus Neugier und aus beruflichem Interesse. Als Medienkünstler will ich wissen, was ein neues Werkzeug kann, wo es scheitert und wie ich es für meine Arbeiten und Aufträge sinnvoll einsetzen kann.

Der größte Vorteil ist für mich die Zahl der Möglichkeiten. Ich kann Ideen schneller sichtbar machen, Richtungen vergleichen und Varianten testen. Das spart nicht automatisch Arbeit. Es verlagert Arbeit in Auswahl, Beurteilung, Bearbeitung und Qualitätskontrolle.

Mein Ablauf ist einfach:

  • Ich kläre Idee, Zweck, Zielgruppe und gewünschte Wirkung.
  • Ich wähle das System passend zur Aufgabe.
  • Ich teste Varianten und verwerfe den Großteil.
  • Ich bearbeite, kombiniere und korrigiere.
  • Ich prüfe Fakten, Rechte, technische Qualität und Kundentauglichkeit.
  • Ich entscheide und übernehme die Verantwortung für das Endergebnis.

Das Werkzeug führt kein Kundengespräch, trifft keine verantwortliche Endentscheidung und unterschreibt keine Rechnung. Das mache ich. Genau darin liegt die professionelle Leistung.

5. Kritik ja. KI-Bashing nein.

An KI gibt es genug zu kritisieren: Trainingsdaten, Urheberrecht, Einwilligung, Energiebedarf, Fehler, Verzerrungen, Arbeitsplatzdruck und die Flut austauschbarer Inhalte. Diese Fragen gehören offen diskutiert.

Was ich nicht brauche, ist pauschaler Hate. Den kenne ich beruflich schon lange. Als ich in den 1980er-Jahren mit Computergrafik begann, hieß es ebenfalls: „Das ist doch keine Kunst.“ Der Computer wurde als Abkürzung oder Schummelei gesehen. Heute ist die Computergrafik selbstverständlich; der alte Vorwurf hat nur ein neues Werkzeug gefunden.

Ich habe weitergearbeitet, gelernt und neue Methoden ausprobiert. Das mache ich heute wieder. Nicht weil jede neue Technik automatisch gut ist, sondern weil ich sie erst beurteilen kann, wenn ich ernsthaft damit arbeite.

Man darf KI ablehnen und ohne KI hervorragende Arbeit machen. Die eigene Arbeit wird nur nicht wertvoller, weil daneben ein schwacher KI-Versuch liegt. Entscheidend ist das Ergebnis – und wie verantwortungsvoll es entstanden ist.

Das „Das ist doch keine Kunst“ bekommt regelmäßig ein Software-Update.

6. Was der EU AI Act dazu sagt

Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Act gelten seit 2. August 2026. Für Blogtexte gibt es keine Pauschalregel, nach der jede KI-Unterstützung zwingend gleich gekennzeichnet werden muss.

Kennzeichnungspflichten betreffen unter anderem KI-generierte oder manipulierte Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren sollen. Nach den Leitlinien der EU-Kommission müssen solche Texte nicht gekennzeichnet werden, wenn sie inhaltlich von Menschen geprüft oder redaktionell kontrolliert wurden und eine Person oder Organisation die redaktionelle Verantwortung trägt. Reine Rechtschreib- oder Grammatikkorrekturen reichen dafür nicht.

Dieser Beitrag wurde von mir inhaltlich vorgegeben, redaktionell bearbeitet, auf Quellen geprüft und freigegeben. Den KI-Hinweis am Ende setze ich trotzdem. Nicht als Alarmtafel, sondern als klare Information darüber, welches Werkzeug beteiligt war und wer verantwortlich ist.

Ob ein konkreter Inhalt kennzeichnungspflichtig ist, hängt vom Einzelfall ab. Für Deepfakes sowie bestimmte Bild-, Audio- und Videoinhalte gelten eigene Regeln. Dieser Absatz ist eine sachliche Einordnung, keine Rechtsberatung.

Faktencheck in Kürze

  • Für einen einheitlichen Instagram-Trend „Ich gegen die KI“ mit belegtem Ursprung gibt es keinen belastbaren Nachweis.
  • Die drei genannten Studien zeigen Vorteile bei passenden Aufgaben, aber auch Grenzen und Risiken. Keine davon beweist eine allgemeine Überlegenheit von Mensch oder KI.
  • Artikel 50 gilt seit 2. August 2026. Menschliche Inhaltsprüfung, redaktionelle Kontrolle und Verantwortung sind bei bestimmten Texten rechtlich relevant.

7. Mein Fazit

Wer sich nach einem KI-Duell zum Sieger erklären möchte, kann das tun. Die KI wird es verkraften. Über kreative Arbeit lernen wir dabei wenig.

Mich interessiert, wie ich Erfahrung, Blick und Verantwortung mit neuen Werkzeugen verbinde. Für meine Kunst, für Aufträge, für Kunden – und selbstverständlich auch, um mit meiner Arbeit Geld zu verdienen.

Ich muss KI nicht schlagen. Ich muss wissen, wann sie hilft, wann sie in die Irre führt und wann ich sie besser ausgeschaltet lasse. Das ist weniger spektakulär als ein Duell im Hochformat. Dafür ist es ehrliche Arbeit.

Nicht ich gegen die KI. Ich mit Werkzeug, Erfahrung und Verantwortung.

Quellen und weiterführende Links

Alle Links und Zahlen wurden am 15. August 2026 erneut geprüft. Die Studien gelten für konkrete Aufgaben, Modelle und Versuchsanordnungen; sie sind keine allgemeine Qualitätsgarantie.

Noy & Zhang: Experimental evidence on the productivity effects of generative artificial intelligence — https://doi.org/10.1126/science.adh2586
Peer-reviewte Studie in Science zu professionellen Schreibaufgaben: 453 Teilnehmer, weniger Bearbeitungszeit und höhere bewertete Qualität mit ChatGPT.

Dell’Acqua et al.: Navigating the Jagged Technological Frontier — https://doi.org/10.1287/orsc.2025.21838
Peer-reviewte Feldstudie in Organization Science mit 758 Wissensarbeitern zu Nutzen und Risiken von KI innerhalb und außerhalb ihrer Leistungsgrenze.

Doshi & Hauser: Generative AI enhances individual creativity but reduces the collective diversity of novel content — https://doi.org/10.1126/sciadv.adn5290
Peer-reviewte Studie in Science Advances zu KI-Ideen beim Schreiben kurzer Geschichten: höhere Einzelbewertungen, aber ähnlichere Ergebnisse in der Gesamtheit.

Midjourney-Dokumentation: Prompt Basics — https://docs.midjourney.com/hc/en-us/articles/32023408776205-Prompt-Basics
Offizielle Erklärung zu kurzen, klaren Prompts sowie zum Verhältnis zwischen Detailgrad, Variation und Kontrolle.

Europäische Kommission: Transparency obligations under Article 50 of the AI Act — https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/transparency-obligations-under-article-50-ai-act
Aktuelle FAQ vom 24. Juli 2026 zu Kennzeichnung, menschlicher Prüfung, redaktioneller Kontrolle und Geltungsbeginn.

AI Act Service Desk: Artikel 50 — https://ai-act-service-desk.ec.europa.eu/en/ai-act/article-50
Offizieller Artikeltext und Überblick zu den Transparenzpflichten.

Transparenzhinweis

Bei Recherche, Struktur und sprachlicher Ausarbeitung dieses Artikels wurde generative KI unterstützend eingesetzt. Inhaltliche Position, Quellenprüfung, redaktionelle Bearbeitung und finale Freigabe liegen bei Brownz.



RADIKALE
REDUKTION

Warum Weglassen im Zeitalter des unendlichen Mehrs
wieder wichtig wird

Peter „BROWNZ“ Braunschmid  ·  Linz  ·  August 2026

Mehr ist billig geworden. Entscheiden ist teuer.

Wir leben in einer Welt des Mehr. Mehr Varianten, mehr Programme, mehr Bilder, mehr Meinungen – und sicherheitshalber noch drei Versionen davon. Die KI hat diesen Wasserhahn nicht erfunden. Sie hat ihn nur voll aufgedreht.

Mit ein paar Eingaben entstehen in kurzer Zeit Texte, Bilder, Musik, Präsentationen, Videos und Konzepte. Technisch beeindruckend. Aber Menge ist keine Bedeutung. Tausend Bilder sind noch keine Bildwelt.

Mein Gegenentwurf heißt radikale Reduktion. Nicht als Mode. Nicht als leeres weißes Wohnzimmer mit einsamer Vase. Sondern als harte kreative und persönliche Entscheidung.

Radikal heißt: an die Wurzel

Radikale Reduktion beginnt nicht beim Aufräumen. Sie beginnt mit einer einfachen Frage: Worum geht es hier eigentlich?

Was trägt die Idee? Was ist nur Dekoration? Was ist aus Gewohnheit da? Was bleibt, wenn ich alles entferne, das zwar möglich, aber nicht notwendig ist? Und vor allem: Wozu sage ich ab jetzt Nein?

Das Nein ist der schwierige Teil. Hinzufügen kann fast jeder. Weglassen verlangt Urteilskraft. Man legt sich fest, schließt Türen und macht eine Richtung sichtbar. Damit wird sie natürlich auch angreifbar.

Reduktion ist für mich keine Schwächung. Sie ist Konzentration. Weniger Lärm, damit das Wesentliche wieder eine Stimme bekommt.

KI produziert Varianten. Entscheiden muss ich.

Mit KI kann ich in Minuten Varianten erzeugen, für die ich früher Stunden oder Tage gebraucht hätte. Für bestimmte Aufgaben lässt sich der Zeitgewinn sogar messen: In einem randomisierten Experiment mit 453 Berufstätigen wurden klar umrissene Schreibaufgaben mit ChatGPT im Durchschnitt 40 Prozent schneller erledigt; die bewertete Qualität stieg um 18 Prozent. Das gilt für diese Aufgaben. Nicht automatisch für Arbeit überhaupt und schon gar nicht für Kunst.

Die wichtige Frage lautet deshalb nicht nur: Was kann ich erzeugen? Sondern: Was davon darf bleiben?

Eine Studie mit kurzen Geschichten zeigte 2024 die andere Seite. KI-Ideen verbesserten die Bewertung einzelner Texte, vor allem bei den im Vortest weniger kreativen Teilnehmenden. Gleichzeitig ähnelten sich die KI-unterstützten Geschichten stärker. Individuell besser, gemeinsam ähnlicher. Kein Todesurteil für KI. Aber ein brauchbares Warnschild.

Wenn Millionen Menschen dieselben Modelle nach denselben spektakulären Dingen fragen, bekommen wir sehr viel Oberfläche und erstaunlich oft denselben Brei. Alles leuchtet. Überall schweben Partikel. Jedes Gesicht war offenbar beim selben digitalen Hautarzt.

Ich bin weder KI-Verweigerer noch automatisches Bilderfließband. BROWNZ ART ist kein Prompt-Kiosk. Prompt rein, Bild raus, Hirn aus – das ist kein Arbeitsprozess. KI liefert Rohmaterial. Ich wähle, kombiniere und retuschiere. Die Richtung kommt von mir.

Die KI macht mehr. Ich entscheide, was bleibt.

In meiner Kunst: Nicht alles bleibt

Ich sammle viel. Fotos, Skizzen, Handyfotos, Zeichnungen, Texturen, Archivsplitter, digitale Zufälle und Erinnerungsreste können Rohstoff sein. Das klingt zunächst nicht nach Reduktion. Ist es aber.

Sammeln ist der Anfang, nicht das Ergebnis. Nicht alles bleibt. Ein Bild mutiert, wird gebaut, zerlegt, neu zusammengesetzt, gedruckt, überarbeitet und manchmal wieder zerstört. Ich arbeite daran, bis es nicht mehr nach Rohmaterial aussieht.

Dabei fliegen auch gute Dinge hinaus. Eine schöne Textur kann das falsche Bild schöner machen. Dann muss sie trotzdem weg. Ein Effekt kann technisch toll sein und die Aussage ruinieren. Ein Bild ist keine Demokratie. Nicht jedes Element hat Bleiberecht.

Am Ende zählt nicht, wie viele Ebenen in der Photoshop-Datei liegen. Es zählt, ob das Bild trägt. Idee, Stimmung, Oberfläche, Entscheidung. Ein Werk. Eine Wand. Ein Sammler. Dazwischen darf der Weg ruhig wild sein. Das Ergebnis braucht Klarheit.

In Photoshop, Synthografie und Wissen

Seit den Achtzigern arbeite ich digital, Coachings und Workshops gebe ich seit 1997. Ich habe Programme kommen, wachsen, umbenannt werden und wieder verschwinden sehen. Jede neue Version verspricht mehr. Mehr Funktionen, mehr Automatismen, mehr Abkürzungen.

In Coachings merke ich aber immer wieder: Den meisten fehlt nicht die nächste Funktion. Ihnen fehlt die nächste klare Entscheidung. Wo liegt der Blick? Was soll das Licht tun? Welche Farbe führt? Warum ist die Figur überhaupt im Bild? Und wann ist Schluss?

In einem Coaching schütte ich nicht mein gesamtes Archiv über jemanden aus. Das wäre Wissen als Lawine. Ich reduziere, bis der nächste sinnvolle Schritt sichtbar wird. Verständlich machen, ohne dumm zu machen. Zeigen, was wirkt – und genauso klar sagen, was nicht funktioniert.

Wer eine Taste sucht, die automatisch Geschmack erzeugt, wird weiterhin enttäuscht. Das ist wahrscheinlich gesund.

Mehr Auswahl lähmt – stimmt das überhaupt?

An dieser Stelle wird gern die Marmeladenstudie aus dem Jahr 2000 erzählt: 24 Sorten zogen mehr Aufmerksamkeit an, bei sechs Sorten wurde aber häufiger gekauft. Daraus entstand die praktische Schlagzeile, zu viel Auswahl mache uns handlungsunfähig.

Nur ist die Wissenschaft weniger dekorativ als die Schlagzeile. Eine Meta-Analyse von 50 veröffentlichten und unveröffentlichten Experimenten fand 2010 im Durchschnitt praktisch keinen allgemeinen Choice-Overload-Effekt – aber große Unterschiede zwischen den Studien. Mehr Auswahl kann belasten. Manchmal tut sie es nicht. Der Kontext entscheidet.

Mein Plädoyer für radikale Reduktion ist daher kein Naturgesetz nach dem Motto: Drei Möglichkeiten sind gut, vier machen krank. So einfach ist es nicht.

Reduktion wird dort wertvoll, wo Möglichkeiten das Ziel verdecken. Wo wir nur noch vergleichen, statt zu entscheiden. Wo die Produktion weiterläuft, obwohl die Aussage längst fertig wäre. Sie ist keine neurologische Zauberformel. Sie ist eine bewusste Arbeitsweise.

Die Philosophen und Gestalter waren früher dran

Henry David Thoreau schrieb 1854 in „Walden“, das Leben werde durch Einzelheiten zerrieben, und forderte: „Simplify, simplify.“ Er kannte weder Smartphones noch generative KI. Den Mechanismus offenbar schon.

Der Designer Dieter Rams formulierte später: „Less, but better.“ Gutes Design sei so wenig Design wie möglich, weil es sich auf das Wesentliche konzentriert. Das ist kein Auftrag, alles hübsch leer zu machen. Es ist ein Auftrag, das Unnötige nicht mit Bedeutung zu verwechseln.

Herbert Simon, Nobelpreisträger und früher KI-Forscher, beschrieb unsere begrenzte Rationalität. Menschen optimieren nicht endlos. Sie suchen, bis eine tragfähige Lösung erreicht ist. Er nannte das „Satisficing“.

Das klingt nach „gut genug“. In einer Welt voller Varianten ist „gut genug und entschieden“ manchmal die reifere Leistung als noch eine Runde auf der Suche nach dem perfekten Ergebnis.

Mein radikaler Reduktions-Test

Dieser Test funktioniert für ein Bild, einen Text, ein Angebot, einen Workshop, einen Social-Media-Post oder eine Entscheidung im Alltag. Sieben Fragen reichen:

  1. Was ist der eine Satz? Wenn ich nicht knapp sagen kann, worum es geht, ist die Idee noch nicht scharf genug.
  2. Was ist nur möglich, aber nicht notwendig? Neue Funktionen und Varianten sind Angebote, keine Befehle.
  3. Was kann weg, ohne dass die Wirkung kleiner wird? Wenn nach dem Entfernen nichts fehlt, war es Ballast.
  4. Welche Aufgabe hat jedes Werkzeug? Ein Werkzeug ohne klare Aufgabe produziert meist nur sichtbare Beschäftigung.
  5. Welche Variante gewinnt – und warum? „Sie schaut cool aus“ ist manchmal ehrlich, aber selten eine ausreichende Endredaktion.
  6. Was veröffentliche ich bewusst nicht? Verwerfen ist kein Scheitern. Es ist Qualitätsarbeit.
  7. Kann ich für das Übriggebliebene meinen Namen hergeben? Wenn ja, ist Schluss. Sonst fehlt nicht zwingend mehr Material, sondern eine klarere Entscheidung.

Reduktion ist kein Rückzug

Ich will nicht zurück in eine angeblich bessere Zeit mit drei Fernsehprogrammen und einem Pinsel. Ich mag neue Werkzeuge, Archive, Experimente und Mutationen. Die Explosion darf in der Werkstatt stattfinden. Sie muss nur nicht ungefiltert an die Wand, auf die Website oder in den Kopf anderer Menschen gekippt werden.

Radikale Reduktion heißt nicht, weniger neugierig zu sein. Sie heißt, die Neugier zu bündeln. Nicht weniger lernen, sondern gezielter. Nicht weniger machen, sondern weniger Halbgares veröffentlichen. Mehr Technik verlangt mehr Verantwortung. Punkt.

Weniger, damit wieder etwas sichtbar wird

Die Welt wird nicht leerer. KI wird mehr Varianten und mehr Tempo liefern. Damit steigt nicht der Wert dessen, der noch mehr produziert, sondern dessen, der auswählt, begrenzt, verbindet, verwirft und zuspitzt.

Ich will nicht alles zeigen, was möglich war. Ich will zeigen, was trägt. Ein Bild. Ein Gedanke. Eine Entscheidung.

Nicht weniger Leben.
Weniger von dem, was uns davon abhält.

Faktencheck und weiterführende Links

Stand der Quellenprüfung: 14. August 2026. Philosophische und gestalterische Positionen sind als Positionen gekennzeichnet; empirische Aussagen werden nicht über ihren Untersuchungsbereich hinaus verallgemeinert.

Iyengar & Lepper (2000) — Drei Experimente zum möglichen Choice-Overload-Effekt; darunter das häufig zitierte Marmeladen-Experiment. Quelle öffnen

Scheibehenne, Greifeneder & Todd (2010) — Meta-Analyse von 63 Bedingungen aus 50 Experimenten (N = 5.036): mittlerer Effekt nahezu null, deutliche Unterschiede je nach Kontext. Quelle öffnen

Noy & Zhang (2023), Science — Randomisiertes Experiment mit 453 Berufstätigen bei klar umrissenen professionellen Schreibaufgaben: im Mittel 40 % weniger Zeit und 18 % höhere bewertete Qualität mit ChatGPT. Quelle öffnen

Doshi & Hauser (2024), Science Advances — KI-Ideen verbesserten im Experiment die Bewertung kurzer Geschichten; KI-unterstützte Geschichten ähnelten einander zugleich stärker. Quelle öffnen

Herbert A. Simon (1978) — Nobelpreisvortrag zu begrenzter Rationalität, selektiver Suche und Satisficing. Quelle öffnen

Henry David Thoreau: Walden (1854) — Primärtext bei Project Gutenberg; philosophischer Bezug zur bewussten Vereinfachung. Quelle öffnen

Dieter Rams: Zehn Thesen für gutes Design — „Less, but better“ und der Grundsatz, gutes Design auf das Wesentliche zu konzentrieren. Quelle öffnen

Transparenzhinweis zur Entstehung dieses Beitrags

Dieser Text ist im Zwiegespräch entstanden, nicht mit einem einzelnen Prompt. Über Monate habe ich Gedanken, Erfahrungen und Positionen direkt eingesprochen. Daraus ist ein Gesprächs- und Arbeitsarchiv gewachsen, auf das bei diesem Beitrag zurückgegriffen wurde.

ChatGPT half beim Ordnen, Gegenprüfen, Recherchieren und Kürzen. Die KI war Gesprächspartner, Recherchehilfe und Werkzeug. Nicht der Künstler. Nicht der Autor mit eigener Haltung.

Die Haltung, die persönlichen Erfahrungen, die Beispiele und die Entscheidung über die Veröffentlichung liegen bei mir. Es gab viele Möglichkeiten. Übrig bleibt diese Fassung. Passt zum Thema.

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KI ist keine Kunst.
Und genau deshalb kann sie ein Werkzeug für Kunst sein.

Warum ich generative KI nutze – ohne Kreativität, Urheberschaft und Verantwortung an die Maschine abzugeben

Ein persönlicher, faktengeprüfter Standpunkt
Stand: 27. Juli 2026

Meine Position in einem Satz: KI nimmt mir die Kreativität nicht ab. Sie zwingt mich nur noch deutlicher zu zeigen, wo meine Kreativität beginnt: bei Idee, Auswahl, Haltung, Bearbeitung und Verantwortung.

Ausgangspunkt für diesen Text war ein Instagram-Beitrag von @vivalunaar. Auf einer der Tafeln steht: „AI isn’t art. It’s a tool.“ Das trifft auch meine Haltung – allerdings nur, wenn man den Satz nicht als bequeme Ausrede benutzt, sondern als Beginn einer ernsthaften Diskussion. [1]

Denn die Frage „Wurde das mit KI gemacht?“ sagt für sich genommen erstaunlich wenig. Wichtiger ist: Gibt es eine Idee? Trifft das Ergebnis eine bewusste Aussage? Berührt es, erklärt es etwas, irritiert es, bleibt es im Kopf? Und vor allem: Wer hat die Entscheidungen getroffen und wer steht dafür ein?

Ein Werkzeug ist kein Künstler

Eine Kamera ist kein Fotograf. Ein Schnittprogramm ist kein Regisseur. Ein Pinsel ist kein Maler. Und ein generatives Modell ist kein Künstler. Werkzeuge erzeugen Möglichkeiten; Kunst entsteht durch Absicht, Auswahl und Formgebung. Das bedeutet nicht, dass jedes KI-Bild automatisch Kunst ist. Im Gegenteil: Ein schnell erzeugtes Bild kann schlicht Content sein – austauschbar, ohne Haltung und ohne erkennbaren Gedanken dahinter.

Ich würde deshalb auch nicht behaupten, KI sei „dafür gebaut worden“, Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen und niemals zu ersetzen. Eine solche einheitliche Absicht gibt es nicht. Systeme werden von unterschiedlichen Unternehmen für unterschiedliche Geschäftsmodelle entwickelt. Manche Anwendungen erweitern kreative Möglichkeiten; andere werden sehr wohl mit dem Ziel eingesetzt, Personal- oder Produktionskosten zu senken. Die Technik ist ein Werkzeug. Wie dieses Werkzeug in Märkten eingesetzt wird, ist eine menschliche und politische Entscheidung.

Meine Zustimmung zum Ausgangspost ist deshalb keine Technikverehrung. Sie ist eine Erinnerung daran, die menschliche Leistung am richtigen Ort zu suchen: nicht in der blossen Existenz eines Outputs, sondern in der Richtung, die ihm gegeben wurde.

Mehr Geschwindigkeit ist real – aber nicht automatisch

Dass generative KI Arbeit beschleunigen kann, ist keine reine Marketingbehauptung. In einem Experiment mit 444 berufserfahrenen, akademisch ausgebildeten Personen erledigten Teilnehmende typische Schreibaufgaben mit ChatGPT im Durchschnitt rund 40 Prozent schneller; die Qualität der Ergebnisse wurde etwa 18 Prozent höher bewertet. Wichtig ist die Begrenzung: Untersucht wurden klar umrissene, mittlere berufliche Schreibaufgaben – nicht Kreativität als Ganzes. [2]

Auch eine Feldstudie mit mehr als 5.000 Support-Mitarbeitenden fand im Durchschnitt einen Produktivitätszuwachs von rund 14 Prozent. Besonders profitierten weniger erfahrene Kräfte. Das spricht dafür, dass KI vorhandenes Wissen schneller zugänglich machen und Routine entlasten kann. [3]

Aber die Gegenprobe ist genauso wichtig: In einer randomisierten Studie mit 16 sehr erfahrenen Open-Source-Entwicklern und 246 realen Aufgaben benötigten die Teilnehmenden mit frühen 2025er-KI-Werkzeugen 19 Prozent mehr Zeit. Bemerkenswert war, dass sie sich trotzdem schneller fühlten. Das Ergebnis ist nicht auf Design oder Kunst übertragbar, zeigt aber sehr klar: Ein Werkzeug kann den Arbeitsfluss auch stören, Kontrollaufwand erzeugen und falsches Tempo vortäuschen. [4]

Mein Fazit daraus ist einfach: KI ist kein automatischer Produktivitätsknopf. Sie hilft dort, wo Aufgabe, Werkzeug und Anwender zusammenpassen. Beim Ideensammeln, bei Varianten, beim Freistellen, beim Strukturieren oder bei ersten Visualisierungen kann sie Produktionsgrenzen senken. Bei komplexer Stilentwicklung, konsistenter Erzählung, Präzision oder sensiblen Details kann sie zusätzliche Schleifen verursachen. Die gesparte Zeit entsteht nicht durch das Wort „KI“, sondern durch einen gut geführten Prozess.

Was weiterhin menschlich bleibt

Jeder kann heute in wenigen Sekunden ein Bild generieren. Aber nicht jeder erzeugt etwas, das Menschen anhält, berührt oder erinnert. Darin hat der Instagram-Beitrag recht: Zugangsbarrieren sinken, während Geschmack, Urteilskraft und Erzählfähigkeit nicht automatisch mitgeliefert werden.

Komposition, Farbwelt, Rhythmus, Motiv, Perspektive, Ton und Aussage können durch ein Modell vorgeschlagen werden. Entscheidend ist aber, ob ein Mensch diese Elemente bewusst steuert, verwirft, kombiniert, weiterbearbeitet und in einen eigenen Zusammenhang stellt. Ein einzelner Prompt ist noch keine belastbare kreative Handschrift. Eine Serie von Entscheidungen, eine erkennbare Konzeption und substanzielle Nachbearbeitung können dagegen sehr wohl eine menschliche Leistung bilden.

Das passt auch zur Rechtslage, soweit man sie heute seriös zusammenfassen kann. In Oesterreich lautet der Grundsatz des Urheberrechts: „Urheber eines Werkes ist, wer es geschaffen hat.“ Eine Maschine ist keine Person und damit keine Urheberin. Wie viel menschliche Gestaltung bei einem konkreten KI-gestützten Werk für Schutz ausreicht, bleibt eine Einzelfallfrage. [5]

Aehnlich argumentiert das US Copyright Office – für die USA, also nicht als unmittelbar österreichisches Recht: Prompts allein genügen in der Regel nicht. Schutzfähig können aber menschlich bestimmte Ausdruckselemente, kreative Auswahl und Anordnung oder substanzielle Veränderungen sein. Gerade deshalb ist es sinnvoll, Entstehungsprozess, Auswahl und Bearbeitung zu dokumentieren. [6]

Die Einwände sind nicht technikfeindlich

Wer KI als Werkzeug verteidigt, sollte die berechtigten Einwände nicht kleinreden. Trainingsdaten können urheberrechtlich geschützte Inhalte enthalten. Kreative fürchten Einkommensverluste, Stilkopien und einen Markt, der immer mehr Bilder, Texte und Musik zu immer geringeren Preisen verlangt. Dazu kommen unklare Kennzeichnung, synthetische Desinformation und die Frage, wer profitiert, wenn die Arbeit vieler in ein kommerzielles Modell einfliesst.

Auch beim Arbeitsmarkt ist „KI ersetzt niemanden“ zu absolut. Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass weltweit etwa jede vierte Beschäftigung in einem Beruf liegt, der in irgendeinem Ausmass generativer KI ausgesetzt ist; in einkommensstarken Ländern ist der Anteil höher. Die ILO betont zugleich, dass Transformation wahrscheinlicher ist als die vollständige Ersetzung ganzer Berufe. Das ist weder Entwarnung noch Apokalypse: Aufgaben verschieben sich, manche Rollen gewinnen, andere geraten unter Druck, und die Verteilung der Produktivitätsgewinne ist eine Gestaltungsfrage. [7]

In der EU gelten seit August 2025 Pflichten für Anbieter allgemeiner KI-Modelle: Sie müssen unter anderem eine Strategie zur Einhaltung des EU-Urheberrechts vorsehen und eine ausreichend detaillierte Zusammenfassung der Trainingsinhalte veröffentlichen. Das löst nicht jeden Konflikt, schafft aber mehr Transparenz und macht deutlich, dass „Werkzeug“ nicht „regelfreier Raum“ bedeutet. [8]

Und auch die Infrastruktur ist nicht immateriell. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden steigt und sich damit gegenüber 2022 mehr als verdoppelt. Nicht jede Kilowattstunde ist „KI-Strom“, doch KI ist ein wesentlicher Wachstumstreiber. Wer KI verantwortungsvoll nutzt, sollte deshalb nicht jeden möglichen Entwurf erzeugen, nur weil es technisch billig erscheint. [9]

Meine Regeln für einen verantwortlichen Einsatz

Ich nutze KI gern – aber nicht gedankenlos. Für mich ergeben sich daraus einige klare Regeln:

  • Ich nenne KI-Unterstützung dort, wo sie für das Verständnis oder die Bewertung eines Werks relevant ist.
  • Ich übernehme keine ungeprüften Fakten, Bilder oder Formulierungen. Die Verantwortung bleibt bei mir.
  • Ich vermeide die gezielte Imitation lebender Künstlerinnen und Künstler, wenn keine Zustimmung vorliegt.
  • Ich dokumentiere bei wichtigen Arbeiten Idee, Auswahl, Bearbeitung und verwendete Werkzeuge.
  • Ich behandle Effizienz nicht automatisch als Einladung, Menschen aus dem Prozess zu streichen.
  • Ich frage nicht nur, ob etwas schneller geht, sondern ob das Ergebnis besser, ehrlicher und sinnvoller wird.

Nicht das Werkzeug verdient das letzte Wort

Ich glaube nicht, dass KI Kunst abschafft. Ich glaube aber auch nicht, dass die Technik von selbst eine faire kreative Zukunft hervorbringt. Beides wäre zu bequem. Werkzeuge verändern, was möglich ist, wer Zugang hat, wie schnell produziert wird und welchen Preis Märkte akzeptieren. Deshalb müssen wir ihre Regeln, Datenquellen und Geschäftsmodelle mitdiskutieren.

Trotzdem bleibt mein Ausgangspunkt positiv: KI kann Menschen helfen, Ideen sichtbar zu machen, die sonst an Zeit, Geld, Technik oder fehlenden Produktionsmitteln scheitern würden. Sie kann Routine verkleinern und den Raum für Konzeption vergrößern. Sie kann ein Skizzenbuch, ein Sparringspartner, ein Rohmaterial oder ein Teil einer größeren Produktion sein.

Aber Bedeutung entsteht nicht, weil ein Modell etwas ausgibt. Bedeutung entsteht, weil ein Mensch etwas damit meint. Genau dort beginnt für mich Kreativität – und genau dort endet die Ausrede, die Maschine sei für das Ergebnis verantwortlich.

Faktencheck zum Ausgangspost

„KI ist ein Werkzeug, keine Kunst.“

Das ist eine begriffliche und normative Position, keine naturwissenschaftlich prüfbare Tatsache. Sie ist gut begründbar, solange zwischen System, Output und menschlich gestalteter Werkform unterschieden wird.

„KI wurde nicht geschaffen, um Kunstschaffende zu ersetzen.“

So pauschal nicht belegbar. Es gibt keinen einheitlichen Zweck aller KI-Systeme. In der Praxis werden sie sowohl zur Unterstützung als auch zur Automatisierung und Kostensenkung eingesetzt.

„KI macht Produktion schneller und billiger.“

Für klar abgegrenzte Aufgaben gut belegt, aber nicht universell. Studien zeigen deutliche Zugewinne bei bestimmten Schreib- und Supportaufgaben; andere reale Aufgaben wurden mit KI langsamer.

„KI nimmt repetitive Arbeit ab und schafft mehr Raum für Kreativität.“

Plausibel und in vielen Workflows beobachtbar, aber abhängig von Aufgabe, Werkzeugkompetenz, Kontrollaufwand und Organisationspraxis. Gesparte Zeit wird nicht automatisch zu kreativer Zeit.

„Der Mensch entscheidet Komposition, Farbe, Stimmung und Botschaft.“

Das trifft auf bewusst geführte, kuratierte und bearbeitete Prozesse zu. Bei einer nahezu unveränderten Einmal-Generierung kann der menschliche Anteil deutlich kleiner sein.

„KI ersetzt Kreativität nicht, sondern verstärkt sie.“

Als Leitbild überzeugend, als allgemeine Tatsachenbehauptung zu stark. KI kann kreative Fähigkeit erweitern, aber auch Standardisierung, Nachahmung und wirtschaftlichen Verdrängungsdruck verstärken.

Quellen und Linkprüfung

Alle nachstehenden Links wurden am 27. Juli 2026 auf Ziel, Titel und Erreichbarkeit geprüft. Fachverlage und einzelne Institutionen können automatisierte Vorschauen blockieren; die verlinkten DOI- und Originalseiten selbst sind gültige, auflösbare Quellen. Der Instagram-Beitrag war ohne Anmeldung einsehbar.

[1] Ausgangspost von @vivalunaar auf Instagram

[2] Noy & Zhang (Science, 2023): Experimental evidence on the productivity effects of generative artificial intelligence

[3] Brynjolfsson, Li & Raymond (NBER): Generative AI at Work

[4] METR (2025): Measuring the Impact of Early-2025 AI on Experienced Open-Source Developer Productivity

[5] Österreichisches Rechtsinformationssystem: Urheberrechtsgesetz Paragraph 10

[6] U.S. Copyright Office (2025): Copyright and Artificial Intelligence, Part 2 – Copyrightability

[7] International Labour Organization (2025): Generative AI and Jobs – Refined Global Index

[8] Europäische Kommission: General-Purpose AI Models in the AI Act – Questions & Answers

[9] International Energy Agency (2025): Energy and AI – Executive Summary

Redaktionelle Hinweise

Der Beitrag ist als persönlicher Meinungsartikel formuliert. Zahlen und Rechtsaussagen wurden auf den angegebenen Stand geprüft. Die urheberrechtliche Einordnung ersetzt keine Rechtsberatung; Schutzfähigkeit und Haftung hängen vom konkreten Werk, Prozess, Vertrag und anwendbaren Recht ab.