
Mein erster kompletter Plakatversuch am Handy – mit brauchbarem Ergebnis, ein paar Fehltritten und angenehm viel Badewasser.
| MEIN KURZFAZIT KI liefert keine automatische Gestaltung. Sie liefert Material. Mit Erfahrung, Geschmack und ein paar freundlichen Korrekturschleifen kann daraus trotzdem etwas Ordentliches werden – sogar am Handy. |
Fast jeden Tag spült mir Instagram irgendwelche AI-Hate-Videos herein. Da werden misslungene ChatGPT-Plakate hergezeigt, Grafiker schütteln dramatisch den Kopf und am Ende lautet die Botschaft: KI kann nichts, alles schaut furchtbar aus – als hätte eine schlecht gesetzte Überschrift gerade das Abendland beendet.
Ganz ehrlich: Diese Rechnung ist mir zu billig. Eine KI ist ein Werkzeug. Wenn ich zum ersten Mal eine Kamera in die Hand nehme, im Automatikmodus einmal auf den Auslöser drücke und das Foto ist schlecht, kann ich auch nicht ernsthaft behaupten, die Kamera sei schuld. Vielleicht waren mein Bild, mein Licht oder meine Idee noch nicht besonders gut. Der Automatikmodus ist schließlich keine Geschmackstaste.
Also habe ich es selbst ausprobiert
Ich arbeite seit über 30 Jahren im Agentur- und Medienbereich. Gestaltung, Fotografie, Photoshop, Composing, Druck und Bildaufbereitung sind für mich keine exotischen Fremdwörter. Deshalb wollte ich wissen, was passiert, wenn man so ein sogenanntes ChatGPT-Plakat nicht als Ein-Klick-Wunder behandelt, sondern wie einen normalen Gestaltungsauftrag.
Das Briefing war bewusst einfach und komplett fiktiv: COFFEE BROWNZ, ein Kaffeeladen in Linz, bewirbt seine Summer-Special-Matcha-Wochen. Modern, minimalistisch, viel Freiraum, keine Fantasieadresse, keine Schrift, die irgendwo am Glas klebt, und keine typografische Geisterbahn. Die visuelle Richtung: ruhig, klar und eher Apple als Jahrmarkt.
Und ja: Das war mein allererster Versuch, einen kompletten Plakat-Workflow auf diese Art durchzuspielen. Nicht im Studio. Nicht am großen Rechner. Sondern am iPhone, während ich in der Badewanne lag. Die Arbeitsbedingungen waren also zumindest hervorragend klimatisiert.
Ich prompte nicht. Ich diskutiere.
Ich tippe keine kilometerlangen Zaubersprüche in ein Prompt-Feld und hoffe danach auf göttliche Erleuchtung. Ich rede mit ChatGPT so, wie ich mit einem Assistenten reden würde. Ich erkläre die Idee, schaue mir das Ergebnis an, sage, was nicht funktioniert, verwerfe Varianten und lasse nacharbeiten.
Genau so lief auch dieses Experiment. Die erste Vorlage war zu beliebig. Dann tauchte eine nicht bestätigte Adresse auf – weg damit. An anderer Stelle stand die Typografie zu knapp am Matcha-Glas. Also Abstand korrigieren. Die Wortmarke musste ruhiger werden. Das Layout musste sauberer werden. Und selbst in der späteren Workshop-PDF gab es noch eine Seite, auf der eine Überschrift in die nächste Spalte ragte. Auch das wurde korrigiert.
Das ist für mich keine Niederlage der KI, sondern ein völlig normaler Gestaltungsprozess: ansehen, Nein sagen, ändern, noch einmal ansehen. Das ist kein Weltuntergang, sondern Dienstag in jeder halbwegs normalen Gestaltung.
Was technisch dahintersteckte
Der gesamte Ablauf lief in ChatGPT im Work Mode. Dabei kamen auch verbundene Adobe-Werkzeuge und Bildgenerierung zum Einsatz. ChatGPT war die Zentrale für Briefing, Varianten, Auswahl, Korrekturen, Dokumentation und Ausgabe. Das ist wichtig, weil solche Integrationen nicht einfach magisch auf alles zugreifen: Sie funktionieren nur mit den jeweils verfügbaren Fähigkeiten, Berechtigungen und verbundenen Konten.
Der eigentliche Punkt ist aber nicht, welche App an welcher Stelle im Hintergrund gearbeitet hat. Entscheidend war, dass ich den Prozess geführt habe. Die KI hat Vorschläge und Dateien geliefert. Ich habe Richtung, Auswahl, Abstände, Text, Hierarchie und Qualität beurteilt.
4K ist kein magisches Drucksiegel
Beim Thema Druck wird besonders gerne durcheinandergeredet. 4K beschreibt zunächst nur eine bestimmte Pixelmenge beziehungsweise eine gebräuchliche Auflösungsklasse. Ob eine Datei drucktauglich ist, hängt vom Endformat, der tatsächlichen Pixelzahl, der effektiven Pixeldichte, dem Betrachtungsabstand, dem Druckverfahren, dem Farbprofil und der Druckerei ab.
Für kleinere hochwertige Drucke sind rund 300 ppi ein üblicher Richtwert. ppi bedeutet Pixel pro Zoll und beschreibt vereinfacht gesagt, wie dicht die vorhandenen Bildpunkte im Druck sitzen. Bei sehr großen Formaten, die aus mehreren Metern Entfernung betrachtet werden, kann deutlich weniger ausreichen. Genau deshalb kann ein sauber aufbereitetes Motiv auch auf sechs mal vier Metern funktionieren, ohne dass dafür üblicherweise 300 ppi über die gesamte Fläche nötig sind. Vor Produktion gilt trotzdem: Endformat festlegen, Druckerei fragen, Datei prüfen und einen Proof machen.
Auch ein Upscaler ist kein Zauberstab, der verlorene Originaldetails aus dem Nichts zurückholt. Ein gutes Werkzeug kann Kanten, Strukturen und wahrgenommene Schärfe überzeugend rekonstruieren. Ob das Ergebnis wirklich sauber ist, muss aber wieder ein Mensch beurteilen. 4K sagt zunächst etwas über die Pixelmaße aus – noch nicht darüber, wie groß, wie nah und mit welchem Verfahren später gedruckt wird. Nach meiner eigenen Praxiserfahrung bereite ich seit Jahren eigene Arbeiten sowie Daten für Kunden und Agenturen auf, auch bei sehr alten oder zu kleinen Bildern. Bei meinen regulären Kunstwerken starte ich mindestens mit einem nativen 4K-Ausgang. AI-modifizierte Elemente habe ich bereits in Fine-Art-Prints auf Büttenpapier eingesetzt. Der Grund, warum das funktioniert, ist nicht Magie, sondern ein kontrollierter Workflow.
Dasselbe gilt für PDFs: Eine PDF ist nicht automatisch druckfertig und auch nicht automatisch vollständig editierbar. Vektortext, eingebettete Schriften, Bilder, Beschnitt, Farbprofil und Exportstandard müssen geprüft werden. Die hier angebotene Workshop-PDF dokumentiert den Ablauf. Vor einer echten Produktion würde ich die konkrete Plakatdatei immer noch einmal händisch in der vorgesehenen Druckgröße kontrollieren.
Die KI hat keinen Geschmack. Den müssen wir mitbringen.
Ich kann das permanente Ablästern über KI deshalb nur bedingt nachvollziehen. Natürlich produziert KI jede Menge Schrott. Menschen produzieren aber ebenfalls jede Menge Schrott – mit Photoshop, Kameras, Layoutprogrammen, Pinseln und vermutlich auch mit Kartoffeldruck. Das Werkzeug garantiert keine Ästhetik. Es beschleunigt nur ziemlich zuverlässig das, was man damit macht – im Guten wie im etwas schief geratenen Matcha-Grün.
Wer gestalten will, braucht weiterhin Grundwissen: Hierarchie, Typografie, Bildaufbau, Abstand, Farbe, Material, Ausgabe und vor allem ein Auge dafür, wann etwas noch nicht fertig ist. KI nimmt einem diese Entscheidungen nicht ab. Sie kann den Weg aber deutlich schneller machen.
Mein Vorschlag an Agenturmenschen und Grafiker ist daher ziemlich simpel: Anschauen und einmal ernsthaft ausprobieren – idealerweise länger als bis zum ersten schiefen Entwurf. Vielleicht ist nicht alles brauchbar. Vielleicht ist aber genug dabei, um schneller zu arbeiten oder sogar einen neuen Service daraus zu machen. Nach meiner eigenen Erfahrung verdiene ich unter anderem mit sauberer Bildaufbereitung und Upscaling Geld, weil ich neue Werkzeuge sinnvoll in meinen vorhandenen Workflow einbaue.
Die komplette Workshop-PDF
Damit das Experiment nachvollziehbar bleibt, habe ich den kompletten Ablauf als einsteigerfreundliche Workshop-PDF zusammengefasst: vom gesprochenen Briefing über Varianten, Fehler und Korrekturen bis zur finalen Gestaltung und zum technischen Druckcheck. Auch diese Dokumentation entstand im Dialog mit ChatGPT – und ebenfalls am Handy.
Mein Ergebnis ist nicht: KI kann jetzt alles. Mein Ergebnis ist: Wer weiß, was er will, sauber schaut und konsequent korrigiert, kann mit diesen Werkzeugen bereits sehr brauchbare Arbeit herstellen. Sogar am Telefon. Sogar in der Badewanne. Der Mensch bleibt dabei nicht überflüssig. Er darf weiterhin hinschauen, auswählen und gelegentlich auch sehr entschieden Nein sagen.
Und weil es gerade so schön konsequent ist: Auch dieser Blogbeitrag entstand in der Badewanne. Ich habe ihn frei ins Handy gesprochen. ChatGPT hat aus der Aufnahme einen lesbaren Text gemacht, die Fakten und Links geprüft und das Ganze als Word-Dokument aufgebaut. Ich tippe solche Beiträge nicht. Ich bespreche sie.
Faktencheck und weiterführende Links
- OpenAI: Apps in ChatGPT
- Adobe: Auflösungsvorgaben für den Druck
- Adobe: Bilder für den professionellen Druck vorbereiten
- EU-Kommission: Transparenzpflichten nach Artikel 50 des AI Act
EU-AI-Act-Transparenzhinweis
Dieser Beitrag entstand auf Grundlage meiner frei gesprochenen Angaben. ChatGPT unterstützte bei Transkription, sprachlicher Struktur, Faktencheck und Erstellung des Word-Dokuments. Das Plakat-Experiment und die begleitende PDF entstanden ebenfalls im Dialog mit ChatGPT unter Einsatz verbundener Adobe-Werkzeuge und Bildgenerierung. Inhalt, Haltung, Auswahl, Korrekturen und finale Freigabe stammen von mir.











