
Ich zahle seit Jahren monatlich an Adobe. Jeden Monat. Automatisch. Der Betrag wird abgebucht, ich arbeite weiter, und meistens denk ich nicht groß drüber nach.
Aber letztens hab ich mal nachgerechnet. Richtig nachgerechnet. Mit Taschenrechner und allem.
Und dann hab ich eine Weile auf die Zahl gestarrt.
Und dann hab ich angefangen, diesen Text zu schreiben.
Was ich bezahlt habe – und was ich dafür bekommen habe
Ich bin seit ungefähr 2013 im Creative-Cloud-Abo. Das sind, Stand heute, über zwölf Jahre. Der Preis hat sich in dieser Zeit mehrfach erhöht. Aber nehmen wir mal grob einen Durchschnitt von sagen wir sechzig Euro pro Monat – das ist noch konservativ geschätzt, weil ich zeitweise das komplette Paket hatte.
Sechzig Euro mal zwölf Monate mal zwölf Jahre.
Das sind 8.640 Euro.
Achtundsechszig Hundert Euro. Für Software. Die mir nicht gehört.
Wenn ich morgen kündige, habe ich nichts. Keine Dateien, die ich öffnen kann. Keine Programme, die laufen. Nichts. Ich könnte meine eigenen PSD-Dateien nicht mehr bearbeiten, weil das Programm, das sie erstellt hat, nicht mehr läuft.
Ich hab für über achteinhalb Tausend Euro eingekauft und besitze null Produkte.
Ist das fair? Oder wurden wir verarscht?
Wie das alles angefangen hat
Um das zu verstehen, muss man zurückgehen. Zu Adobe CS – Creative Suite. Einmalzahlung, Software gehört dir, fertig.
Photoshop CS6 hat damals etwa 999 Dollar gekostet. Einmal. Dann war es deins. Du konntest es zehn Jahre lang nutzen, ohne einen Cent mehr zu zahlen. Klar, du bekamst keine neuen Features. Aber was du hattest, hat funktioniert.
Ich hab noch Kollegen, die mit CS6 arbeiten. Heute. Im Jahr 2026. Das Programm hat keine neuen Features seit vierzehn Jahren – und es tut, was es tun soll.
Dann kam 2013. Adobe kündigt an: Keine Kaufversionen mehr. Nur noch Abo. Creative Cloud für alle.
Die Reaktion war, gelinde gesagt, nicht begeistert. Es gab Proteste, Petitionen, wütende Forenbeiträge. Adobe hat das alles ignoriert und es durchgezogen.
Warum? Weil sie konnten. Weil sie das Monopol hatten. Und weil sie wussten, dass wir letztendlich mitmachen würden.
Und wir haben mitgemacht. Alle.
Das Argument, das Adobe immer bringt
Adobe hat für das Abomodell immer dieselben Argumente gehabt.
Ihr bekommt ständig Updates. Ihr habt immer die neueste Version. Ihr zahlt nicht auf einmal viel, sondern in kleinen Häppchen. Ihr bekommt Cloud-Speicher dazu. Es ist fair und transparent.
Klingt gut. Stimmt auch teilweise.
Aber lass mich das mal auseinandernehmen.
Ständige Updates: Ja, es gibt Updates. Aber hand aufs Herz: Wie viele der Features, die Adobe in den letzten fünf Jahren rausgebracht hat, nutzt du wirklich? Ich hab mal nachgezählt. Von den neuen Funktionen der letzten drei Jahre nutze ich vielleicht fünf regelmäßig. Den Rest nicht. Nie. Ich zahle für Features, die ich nicht brauche, die für andere gemacht wurden.
Immer die neueste Version: Stimmt. Aber was wenn die neueste Version schlechter ist? Was wenn ein Update mein Workflow kaputt macht, meine Plugins nicht mehr kompatibel sind, Dinge sich verschieben, die ich nicht verschoben haben will? Mit dem Kaufmodell konnte ich entscheiden: Diese Version ist gut, ich bleib dabei. Mit dem Abo entscheide ich nicht mehr. Adobe entscheidet.
Kleine Häppchen: Das ist psychologischer Trick Nummer eins aus dem Marketing-Handbuch. Sixty Euro pro Monat fühlt sich weniger an als 720 Euro pro Jahr. Ist aber dasselbe. Und über zwölf Jahre ist es über achttausend Euro. Für Software, die mir nicht gehört.
Cloud-Speicher: Den nutze ich kaum. Ich hab meine eigene Backup-Lösung. Ich brauche Adobes Cloud nicht. Ich zahle trotzdem dafür.
Die Preiserhöhungen – die stille Enteignung
2013 hat Adobe Creative Cloud mit etwa dreißig Euro pro Monat für Einzelanwendungen gestartet. Photoshop und Lightroom zusammen waren lange für etwa dreizehn Euro zu haben – das Photography-Paket.
Das war fair. Das hab ich damals sogar verteidigt.
Aber dann kamen die Erhöhungen. Schritt für Schritt. Nicht dramatisch auf einmal, sondern so, dass man sich jedes Mal denkt: Okay, ist noch akzeptabel.
Das Photography-Paket kostet heute in Österreich und Deutschland deutlich mehr als früher. Das komplette Paket ist für viele Einzelselbstständige inzwischen ein echter Kostenblock im Budget.
Und was hat Adobe als Begründung geliefert? KI-Features. Firefly. Generative Fill. Neue Möglichkeiten.
Aber ich hab niemanden gefragt, ob ich diese KI-Features will. Ob ich bereit bin, mehr zu zahlen dafür. Ich wurde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt: Das kostet jetzt mehr. Friss oder stirb.
Was wäre passiert, wenn ich gesagt hätte: Ich will die KI-Features nicht, ich zahl den alten Preis?
Nichts wäre passiert. Weil ich diese Option nicht habe.
Das Monopol-Problem
Und hier liegt der eigentliche Kern der Sache.
Adobe kann das alles machen, weil sie ein faktisches Monopol haben. Nicht juristisch im technischen Sinne, aber praktisch.
PSD ist der Standard. Jeder schickt PSDs. Jede Druckerei versteht PSDs. Jeder Kollege hat Photoshop. Jeder Kurs lehrt Photoshop. Jeder Workflow ist auf Photoshop ausgerichtet.
Wenn du aussteigst, steigst du nicht nur aus einem Programm aus. Du steigst aus einem Ökosystem aus. Aus Kompatibilität, aus Zusammenarbeit, aus Konventionen.
Das ist die eigentliche Falle. Nicht das Abo selbst, sondern die Tatsache, dass das Abo unausweichlich ist.
Ich kann mich beschweren so viel ich will. Adobe weiß: Ich bleibe. Weil meine Alternative ist, meinen gesamten Workflow umzubauen, alle Kollegen zu konvertieren, alle Kunden zu erklären, warum ich jetzt anders arbeite.
Das Monopol macht uns gefügig. Und Adobe weiß das.
Die Sache mit Firefly und dem KI-Training
Jetzt kommt der Teil, bei dem ich wirklich unruhig werde.
Adobe hat Firefly – seine KI – mit Bildern trainiert. Mit Bildern aus Adobe Stock, mit gemeinfreien Werken, mit Material, für das Rechte gesichert wurden, das war die offizielle Aussage.
Aber dann kamen die Berichte. Über Metadaten, über Opt-out-Verfahren, über die Frage, ob Adobes Nutzungsbedingungen ihnen erlauben, hochgeladene Dateien für das KI-Training zu verwenden.
Adobe hat mehrfach dementiert, User-Uploads für das Training zu nutzen. Aber die Nutzungsbedingungen haben viele von uns nicht gelesen. Weil sie fünfzig Seiten lang sind, in Juristendeutsch geschrieben, und weil Adobe weiß, dass niemand sie liest.
Die Frage, die sich mir stellt: Wenn mein kreatives Werk in der Adobe Cloud liegt, was passiert damit? Was darf Adobe damit machen? Was macht Adobe damit?
Ich weiß es nicht mit Sicherheit. Und das ist das Problem.
Vertrauen ist die Basis einer Geschäftsbeziehung. Und Adobe hat dieses Vertrauen in den letzten Jahren systematisch beschädigt.
Der Subscription-Trap im Detail
Lass mich erklären, wie der Trap wirklich funktioniert. Für alle, die das noch nicht so klar sehen.
Wenn du fünf Jahre lang in Photoshop arbeitest, baust du etwas auf. Voreinstellungen. Workflows. Aktionen. Brushsets. Plugins. Aber vor allem: Dateien. Tausende von PSD-Dateien, die deine Arbeit enthalten, dein Archiv, deine Geschichte.
Diese Dateien sind in einem Format, das dir gehört – theoretisch. Aber in der Praxis kannst du sie nur öffnen, wenn du Adobe zahlst.
Das ist wie wenn eine Bank sagt: Dein Geld gehört dir. Aber um dranzukommen, brauchst du unsere App. Und wenn du die App nicht mehr abonnierst, kommst du an dein Geld nicht mehr ran.
Technisch gesehen ist das ein Lock-in. Im Volksmund nennt man das eine Falle.
Und Adobe hat diese Falle sehr bewusst und sehr gezielt aufgebaut. Jedes Feature, das tiefere Integration schafft, jedes Cloud-abhängige Tool, jede Funktion, die Daten in Adobes Ökosystem hält – das ist kein Zufall. Das ist Strategie.
Die Antitrust-Klage und was sie bedeutet
2023 hat das US-Justizministerium Adobe verklagt. Nicht wegen dem Abo-Modell direkt, sondern wegen der geplanten Übernahme von Figma.
Adobe wollte Figma kaufen – den wichtigsten Konkurrenten im Design-Bereich, vor allem für UI/UX-Design. Für zwanzig Milliarden Dollar. Der Deal wurde von den Regulatoren blockiert.
Die Begründung: Adobe würde damit ein Monopol in einem wichtigen Kreativbereich zementieren.
Das ist ein Gericht, das offiziell bestätigt hat: Adobe hat eine marktdominierende Stellung und versucht, Konkurrenz aufzukaufen, statt sie zu bekämpfen.
Das sagt alles.
Nicht über ein Unternehmen, das seine Produkte verbessern will. Sondern über eines, das seinen Graben tiefer machen will. Das Kontrolle ausweiten will. Das sichergehen will, dass wir keine Alternativen haben.
Was Adobe wirklich verkauft
Ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich glaube: Adobe verkauft nicht Software.
Adobe verkauft Abhängigkeit.
Das klingt hart. Aber überleg mal.
Das Ziel einer guten Software wäre: Dir das beste Werkzeug geben, das dir hilft. Wenn irgendwann eine andere Software besser ist, gehst du dahin.
Das Ziel von Adobes Strategie ist: Sicherstellen, dass du nirgendwo hingehen kannst. Dass der Wechsel so teuer, so schmerzhaft, so kompliziert ist, dass du bleibst, egal was.
Dafür werden Dateiformate proprietär gehalten. Dafür werden Integrationen so tief gebaut, dass man sie nicht einfach rauszieht. Dafür werden Preise schrittweise erhöht, nie auf einmal.
Das ist kein Produkt. Das ist ein Käfig. Ein sehr komfortabler, sehr gut designter Käfig. Mit hübschen Icons und guten Filtern.
Aber ein Käfig.
Bin ich trotzdem noch drin? Ja. Warum?
Hier muss ich ehrlich sein. Nach allem, was ich gerade geschrieben habe.
Ich zahle immer noch. Jeden Monat.
Warum?
Weil ich feststecke. Weil mein Workflow auf Adobe aufgebaut ist. Weil meine Kunden PSDs erwarten. Weil meine Plugins für Photoshop gemacht sind. Weil Capture One zwar besser für RAW ist, aber ich für alles andere Photoshop brauche. Weil ich nicht drei Monate meines Lebens damit verbringen will, umzulernen.
Das ist genau das, was Adobe bezweckt hat.
Ich weiß, dass ich in einem Käfig sitze. Ich seh die Gitterstäbe. Und ich sitze trotzdem drin.
Das ist vielleicht das Frustrierendste an der ganzen Sache. Nicht dass Adobe uns verarscht hat. Sondern dass wir es wissen und trotzdem mitmachen.
Was sich ändern könnte
Ich wäre kein ehrlicher Kommentator, wenn ich nur klagen würde, ohne zu sagen, was ich mir anders wünsche.
Eine faire Kaufoption. Nicht für jeden User, nicht für alle Features. Aber für die, die eine stabile Version kaufen wollen und nicht jede neue KI-Funktion brauchen. Adobe hat das abgeschafft. Sie sollten es zurückbringen.
Echte Transparenz bei den Nutzungsbedingungen. Was passiert mit meinen Dateien? Was darf Adobe mit hochgeladenem Material machen? In einem Satz, nicht in fünfzig Seiten Juristendeutsch.
Offene Dateiformate. PSD sollte ein offener Standard sein. Kein proprietäres Format, das nur Adobe vollständig lesen kann. Das würde echten Wettbewerb ermöglichen.
Faire Preismodelle für verschiedene Märkte. Was für einen amerikanischen Großkonzern erschwinglich ist, ist für einen Freelancer in Wien oder Graz eine andere Rechnung. Das berücksichtigt Adobe nicht.
Das Fazit, das kein schönes Fazit ist
Wurden wir verarscht?
Ja. Teilweise.
Nicht in dem Sinn, dass Adobe nicht liefert, was es verspricht. Die Software ist gut. Photoshop ist immer noch das beste Bildbearbeitungsprogramm, das es gibt. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.
Aber wir wurden verarscht in dem Sinn, dass uns eine Wahl genommen wurde. Dass ein Monopol ausgenutzt wurde. Dass Preise erhöht wurden, weil es keine echte Alternative gibt. Dass Abhängigkeit systematisch aufgebaut wurde.
Und wir haben mitgemacht. Weil wir keine Wahl hatten. Weil die Alternative – komplett aussteigen, alles neu lernen, alle Kunden neu erziehen – für die meisten von uns schlimmer ist als monatlich zu zahlen.
Das ist das eigentliche Geschäftsmodell von Adobe.
Nicht Photoshop verkaufen.
Sondern sicherstellen, dass du nicht aufhören kannst, dafür zu zahlen.
Eine letzte Sache
Ich hab vorhin Affinity Suite erwähnt. Und DaVinci Resolve. Und Capture One.
Das sind keine perfekten Alternativen. Das sind Alternativen. Die existieren, funktionieren, und verbessern sich ständig.
Je mehr von uns die nutzen – als Ergänzung, als Backup, als echte Alternative – desto mehr Druck entsteht auf Adobe.
Monopole leben davon, dass wir denken, wir haben keine Wahl.
Vielleicht haben wir mehr Wahl, als wir denken.
Vielleicht ist der erste Schritt, damit aufzuhören, so zu tun, als hätten wir keine.
Wie dieser Text entstanden ist
Meine Blogartikel entstehen aus Sprachmemos – dieser hier aus einem Abend mit einem Taschenrechner und steigender Frustration. Wird transkribiert und mit KI aufgeräumt. Die Rechnung und die Wut sind zu hundert Prozent meine eigenen.





















