
Das Internet ist ein seltsamer Ort. Es vergisst nichts, aber es erklärt auch nicht immer, was sich verändert hat. Manchmal stoßen Leute auf meine alten Tutorials, sehen Bilder von Workshops aus einer ganz anderen Zeit oder finden Beiträge, die vor zehn Jahren viral gingen. Und dann taucht diese Frage auf. Sie ist nie böse gemeint, meistens eher neugierig oder sogar nostalgisch:
„Sag mal, was macht der eigentlich heute? Gibt’s noch Workshops? Kann man ihn buchen? Oder hat er sich zur Ruhe gesetzt?“
Da diese Fragen in letzter Zeit wieder häufiger in meinem Postfach landen, dachte ich mir: Es ist Zeit für ein Update. Ohne Marketing-Sprech, ohne künstliche Verknappung, einfach Tacheles. Denn das Leben als Kreativer ist kein statischer Zustand, sondern eine ständige Metamorphose.
Hier also ein paar ehrliche Antworten auf die Fragen, die euch beschäftigen.
Die Sache mit den Workshops: Kommst du noch zu uns?
Die kurze, schmerzlose Antwort lautet: Eher nicht.
Die lange Antwort hat viel mit der Realität da draußen zu tun.
Früher war das mein täglich Brot. Ich war viel unterwegs, in Deutschland, in Österreich, manchmal darüber hinaus. Wir hatten volle Räume, tolle Energie, von kleinen Intensiv-Gruppen bis zu großen Seminaren. Es ging um Photoshop, um Composing, um den „Brownz-Look“. Das waren großartige Zeiten, an die ich mich gerne erinnere.
Aber Workshops sind Kraftakte. Sie bedeuten Vorbereitung, Reisezeit, Technik-Schleppen und vor allem: Energie halten für zwanzig Leute gleichzeitig. Dann kam Corona und hat die Landschaft der Veranstalter ziemlich brutal umgepflügt. Viele Locations gibt es nicht mehr, Budgets sind geschrumpft, und die Prioritäten haben sich verschoben.
Heute bekomme ich zwar noch Anfragen – und darüber freue ich mich –, aber oft scheitert es an der Realität. Wenn wir über Honorare, Reisekosten und Logistik sprechen, wird es oft still. Und – Hand aufs Herz – ich habe auch einfach keine Lust mehr auf das Abenteuer „Deutsche Bahn“. Wer regelmäßig fährt, weiß, dass Pünktlichkeit dort eher ein theoretisches Konzept ist. Wenn ich einen Workshop geben soll, will ich entspannt und fokussiert sein, nicht gestresst, weil ich sechs Stunden auf einem Gleis stand.
Heißt das „nie wieder“? Nein. Wenn ein Veranstalter ein wirklich professionelles, faires Paket schnürt, bei dem alles passt, bin ich gesprächsbereit. Aber ich jage dem nicht mehr aktiv hinterher.
Einzelcoachings: Ja, aber nach meinen Regeln
Hier ist die Tür weit offen: Ja, es gibt noch Coachings.
Aber ich habe das Konzept radikal vereinfacht. Ich reise dafür nicht mehr durch die Gegend. Wer mit mir arbeiten will, kommt zu mir nach Linz.
Warum? Weil ich hier meine gewohnte Umgebung habe, meine Technik, meine Ruhe. Wir treffen uns, maximal zu zweit (denn Coaching bedeutet für mich individuelle Betreuung, keine Massenabfertigung), und dann gehen wir ans Eingemachte.
Was wir da tun, liegt komplett an dir. Manche wollen Photoshop-Workflows zerlegen, andere brauchen Hilfe bei der Portfolio-Strategie oder wollen wissen, wie sie ihren eigenen Stil finden. Oft sitzen wir einfach stundenlang vor Bildern, analysieren, optimieren und reden über Kunst. Das ist intensiv, das ist ehrlich und es bringt meistens mehr als jedes Online-Tutorial.
Und es gibt eine gute Nachricht für alle Interessenten: Ich habe den Preis für die Tagescoachings dauerhaft um 100 Euro gesenkt. Nicht, weil das Wissen weniger wert ist, sondern weil ich möchte, dass es zugänglich bleibt. Die Zeiten sind für alle teurer geworden, da muss ich nicht auch noch an der Preisschraube drehen.
Die Frage aller Fragen: Fotografierst du noch?
Das hier überrascht die meisten am stärksten: Eigentlich nicht mehr.
Zumindest nicht so, wie man sich das klassisch vorstellt. Der Cut kam schleichend, aber konsequent um das Jahr 2015 herum. Bis dahin war ich im klassischen Rhythmus: Model suchen, Termin finden, Location scouten, Shooting durchziehen.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich das Organisatorische auffrisst. Terminabsprachen, spontane Absagen, Missverständnisse, Erwartungshaltungen – das ganze Drumherum wurde mir zu mühsam. Ich habe gemerkt, dass ich kein Dienstleister bin, der Wünsche erfüllt, sondern ein Künstler, der eine Vision hat. Und das verträgt sich oft schwer mit dem klassischen Shooting-Alltag.
Ich liebe die Fotografie immer noch. Aber ich muss nicht mehr jedes Wochenende hinter der Kamera stehen. Wenn sich heute eine Kooperation ergibt, dann auf einer ganz anderen Ebene: „Ich mag deine Kunst, du magst meine Kunst, lass uns was zusammen erschaffen.“ Das ist Partnerschaft, keine Dienstleistung. Und nur so macht es mir heute noch Spaß.
Das legendäre XXL-Archiv
Viele von euch kennen noch mein XXL-Archiv mit Texturen, Presets und Tutorials. Früher war das ein offizielles Produkt im Shop. Das ist vorbei.
Offiziell gibt es das Archiv nicht mehr zu kaufen. Aber es ist nicht aus der Welt. Wer zum Einzelcoaching kommt, kann sich die Daten einfach mitnehmen. Und für alle anderen habe ich eine Lösung gefunden, die mir sehr am Herzen liegt: Vertrauen.
Wer etwas Bestimmtes sucht, ein altes Tutorial braucht oder Daten haben möchte, schreibt mir einfach eine Mail. Wir regeln das dann auf freiwilliger Spendenbasis via PayPal. Es gibt keinen festen Preis. Du gibst das, was es dir wert ist.
Und wisst ihr was? Das funktioniert fantastisch. Ich habe damit nur positive Erfahrungen gemacht. Es ist erstaunlich, wie fair Menschen sind, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet. Viele nutzen das sogar als „Mini-Coaching“ per Mail und schicken mir danach eine Spende als Dankeschön. Dafür bin ich wirklich dankbar. Es zeigt mir, dass die Community intakt ist.
Wovon lebst du dann eigentlich?
Eine berechtigte Frage, wenn man keine Workshops und keine Shootings mehr macht. Die Antwort ist unspektakulär solide: Ich arbeite in Teilzeit für eine Firma. Dort betreue ich Webseiten, produziere Videos, kümmere mich um einen Online-Campus und erstelle Content.
Das ist der perfekte Mix für mich. Es gibt mir finanzielle Sicherheit und Bodenhaftung, aber da es „nur“ Teilzeit ist, bleibt mir das Wichtigste erhalten: Zeit.
Zeit für meine Kunst. Zeit für Experimente. Zeit, um mich mit neuen Themen wie Synthografie und KI zu beschäftigen, die gerade die gesamte kreative Welt auf den Kopf stellen. Ich bin heute experimenteller und freier in meiner Arbeit als je zuvor, weil ich nicht mehr davon abhängig bin, dass ein Shooting am Wochenende die Miete zahlt.
Ein kleines Danke zum Schluss
In den letzten Monaten sind die ersten Kunst-Bestellungen aus Deutschland eingetrudelt. Alles hat reibungslos geklappt – Versand, Zoll, Abwicklung. Das freut mich riesig.
Kunst zu verkaufen ist ein seltsames, wunderbares Geschäft. Man arbeitet monatelang im stillen Kämmerlein an einem Bild, und dann, oft Monate später, findet dieses Bild genau die eine Person, für die es gemacht wurde. Das ist kein Algorithmus-Ding, das ist ein menschlicher Moment. Wenn jemand Geld in die Hand nimmt, um sich etwas von mir an die Wand zu hängen, ist das die größte Ehre, die man mir erweisen kann.
Also, zusammengefasst:
Ich bin noch da. Ich bin aktiv. Aber ich habe meinen Fokus verschoben. Weg vom Dienstleister, hin zum Künstler und Mentor im kleinen Kreis.
Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir. Ich bin kein Konzern, ich habe keine Hotline – ich bin nur ein Typ, der gerne Mails liest und versucht zu helfen, wo er kann.
Wir sehen uns – online oder vielleicht mal in Linz.
— Brownz
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