
Ich sitze hier und versuche, meine Gedanken zu sortieren. Weil 2026 für mich in Sachen Bildbearbeitung ein seltsames Jahr ist. Einerseits war es noch nie so einfach, technisch saubere Bilder zu kriegen. Rauschen weg, Schärfe rein, Hintergrund raus – alles in Sekunden. Andererseits ertappe ich mich dabei, wie ich manchmal vor meinen eigenen Bildern sitze und denke: Ist das noch meins?
Das klingt vielleicht melodramatisch. Ist es wahrscheinlich auch. Aber ich glaube, da steckt was drin, worüber man reden sollte.
Ich will hier bewusst keine Tools aufzählen. Keine Vergleiche, keine Empfehlungen. Das ändert sich eh alle paar Monate, und darum geht es mir nicht. Mir geht es um die Frage, wie man mit dem ganzen Zeug umgeht, ohne sich dabei selbst zu verlieren.
Das Problem mit der Geschwindigkeit
Was mich am meisten erwischt hat, ist nicht die Qualität. Die ist beeindruckend, keine Frage. Was mich erwischt hat, ist die Geschwindigkeit.
Früher hab ich bei jedem Bild überlegt: Braucht das wirklich mehr Schärfe? Will ich das Rauschen da haben oder nicht? Ist diese Falte im Gesicht ein Problem oder Teil der Geschichte?
Das waren echte Entscheidungen. Die haben Zeit gekostet. Aber in dieser Zeit ist auch was passiert – ich hab über das Bild nachgedacht.
Jetzt klicke ich auf einen Button und es ist fertig. Zack. Weiter zum nächsten. Und irgendwann merke ich, dass ich gar nicht mehr richtig hinschaue. Nicht weil ich faul bin, sondern weil der Prozess so schnell ist, dass kein Raum mehr bleibt.
Ich hab neulich eine Serie bearbeitet und erst hinterher gemerkt, dass alle Bilder irgendwie gleich aussahen. Technisch super. Aber austauschbar. Und dann saß ich da und dachte: Das bin ja gar nicht ich. Das ist der Algorithmus.
„Besser“ ist nicht so einfach, wie es klingt
Der Begriff Bildverbesserung nervt mich. Weil er so tut, als gäbe es ein objektives Besser. Gibt es aber nicht.
Mehr Schärfe ist nicht automatisch besser. Manchmal will ich, dass ein Bild weich ist. Manchmal ist das Rauschen genau das, was die Stimmung ausmacht. Manchmal sind es die Schatten, die Geschichte erzählen – und wenn die KI die aufhellt, ist die Geschichte weg.
Aber die KI weiß das nicht. Die kennt nur Daten. Millionen von Bildern, aus denen sie gelernt hat, was „gut“ ist. Und gut heißt für sie: Durchschnitt. Norm. Was die meisten Leute als korrekt empfinden.
Das ist nicht böse gemeint. So funktioniert die Technik halt. Aber es bedeutet, dass jede automatische Verbesserung eine Interpretation ist. Und wenn ich die nicht hinterfrage, übernehme ich eine Interpretation, die nicht meine ist.
Der Unterschied zwischen Reparieren und Erfinden
Was ich inzwischen gelernt habe: Man muss unterscheiden zwischen KI, die repariert, und KI, die erfindet.
Wenn ich ein Bild entrausche oder die Schärfe verbessere, dann arbeitet die KI mit dem, was da ist. Sie holt Details raus, die im Rauschen versteckt waren. Das ist Restaurierung. Das Bild bleibt mein Bild.
Aber wenn ich den Hintergrund erweitern lasse oder Objekte hinzufüge oder Gesichter verändere, dann erfindet die KI etwas Neues. Das ist nicht mehr Fotografie. Das ist was anderes.
Beides kann okay sein. Aber es ist nicht dasselbe. Und ich finde, man sollte ehrlich sein – zu sich selbst und zu anderen – was davon man gerade macht.
Ich hab Bilder gesehen, die als Fotos verkauft werden, die aber zu 40 Prozent erfunden sind. Das stört mich. Nicht weil Erfinden schlecht wäre. Sondern weil das Nicht-Sagen irgendwie unehrlich ist.
Dieser eine Look, der überall ist
Mir fällt was auf, wenn ich durch Instagram scrolle oder Portfolios anschaue. Vieles sieht gleich aus. Nicht identisch, aber irgendwie… verwandt.
Alles ist sauber. Alles ist korrekt belichtet. Alles hat diese bestimmte Schärfe, diese bestimmte Hauttextur, diese bestimmten Farben.
Und nichts bleibt hängen.
Das ist nicht die Schuld der Fotografen. Das ist der KI-Standard, der sich leise eingeschlichen hat. Weil alle dieselben Tools benutzen mit denselben Presets und denselben Automatiken.
Stil entsteht aber nicht durch Korrektheit. Stil entsteht durch Entscheidungen. Durch bewusstes Abweichen. Durch den Mut zu sagen: Ich will das so, auch wenn der Algorithmus das anders machen würde.
Ein bisschen Unschärfe, die irritiert. Ein Schatten, der zu dunkel ist. Korn, das da sein darf. Das sind keine Fehler. Das sind Unterschriften.
Das Ding mit der Haut
Worüber ich lange nachgedacht habe: Hautretusche.
Die KI ist da mittlerweile unfassbar gut. Ein Klick und die Haut ist perfekt. Keine Poren, keine Fältchen, keine Unreinheiten. Technisch makellos.
Aber irgendwann hab ich gemerkt, dass ich Menschen nicht mehr erkenne. Nicht buchstäblich – aber emotional. Da sitzt jemand vor mir, der dreißig Jahre gelebt hat, und im Bild sieht die Haut aus wie bei einem Zwanzigjährigen in einer Werbung.
Das stimmt dann nicht mehr. Die Geschichte fehlt. Die Müdigkeit fehlt. Das Leben fehlt.
Ich bin da jetzt vorsichtiger geworden. Haut darf Haut bleiben. Mit Textur. Mit Charakter. Die KI bietet mir die perfekte Glätte an, und ich sag meistens: Nee, lass mal.
RAW-Bearbeitung und die Versuchung des Perfekten
Auch bei der RAW-Entwicklung passiert was Komisches. Die KI kann aus Schatten Details rausholen, die ich mit bloßem Auge kaum sehe. Beeindruckend, wirklich.
Aber wenn ich das bei jedem Bild mache, sehen alle Bilder gleich aus. Alles durchgezeichnet, alles sichtbar, alles ausbalanciert.
Und manchmal will ich das gar nicht. Manchmal soll der Schatten dunkel bleiben. Manchmal soll das Licht ausfressen. Weil das die Stimmung ist. Weil das der Moment war.
Ich hab angefangen, die KI-Vorschläge als Startpunkt zu nehmen, nicht als Endergebnis. Gucken, was sie macht. Und dann oft die Hälfte wieder zurücknehmen. Weil zu viel Optimierung den Charakter killt.
Wenn die KI meine Bilder aussortiert
Ein Feature, das mich fasziniert und beunruhigt gleichzeitig: KI kann Bildserien vorsortieren. Nach Schärfe, nach Ausdruck, nach was auch immer.
Das spart Zeit. Massiv. Statt 500 Bilder durchzugucken, zeigt mir die Maschine die „besten“ 50.
Aber wer sagt, was das Beste ist?
Manche meiner liebsten Bilder sind technisch nicht perfekt. Leicht unscharf, komisch geschnitten, Moment zwischen den Momenten. Genau deshalb sind sie gut. Weil sie echt sind. Weil da was passiert ist, das nicht geplant war.
Die KI hätte die aussortiert. Weil sie nicht in die Norm passt.
Also nutze ich das Feature, aber ich schau trotzdem noch selbst durch. Nicht alles, aber genug, um die Bilder zu finden, die die Maschine nicht versteht.
Was ich mir abgewöhnt habe
Ich hab aufgehört, alles automatisch laufen zu lassen. Klingt banal, aber es hat gedauert.
Früher hab ich Bilder in die Pipeline geworfen und am Ende kam was Fertiges raus. Schnell, effizient, bequem.
Jetzt mache ich mehr Schritte manuell. Nicht alle, aber die wichtigen. Die Entscheidungen, die das Bild zu meinem Bild machen.
Das kostet Zeit. Aber die Zeit hat einen Wert. In dieser Zeit verstehe ich, was ich tue. In dieser Zeit passiert das, was man wohl „Handschrift“ nennt.
Die eigentliche Frage
Am Ende geht es nicht darum, welche KI man benutzt. Es geht darum, wo man sie stoppt.
Was darf automatisch passieren? Was muss durch mich durch?
Das ist für jeden anders. Und es verändert sich wahrscheinlich auch mit der Zeit. Aber die Frage muss man sich stellen. Sonst stellt sie irgendwann jemand anderes – und die Antwort gefällt einem nicht.
Ich hab für mich ein paar Linien gezogen. Technische Sachen – Rauschen, Grundschärfe, Objektivkorrekturen – da darf die KI ran. Aber sobald es um Gesichter geht, um Stimmung, um das, was das Bild eigentlich sagen soll – da will ich selbst entscheiden.
Ob das richtig ist, weiß ich nicht. Aber es fühlt sich richtig an. Und das muss erstmal reichen.
Was bleibt
KI ist kein Feind. Ist auch kein Retter. Ist ein Werkzeug. Ein ziemlich mächtiges.
Aber wie jedes Werkzeug verstärkt es das, was man reintut. Wenn ich gedankenlos arbeite, macht die KI mich schneller gedankenlos. Wenn ich bewusst arbeite, gibt sie mir Zeit für die Dinge, die zählen.
2026 trennt sich nicht die Leute, die KI nutzen, von denen, die es nicht tun. Es trennt sich die Leute, die wissen, warum sie was machen, von denen, die einfach klicken.
Ich versuche, zur ersten Gruppe zu gehören. Klappt nicht immer. Aber ich versuch’s.
Weil am Ende gilt, was schon immer galt: Technik kann Bilder besser machen. Aber nur ich kann sie zu meinen machen.
Wie dieser Text entstanden ist
Dieser Text ist aus meinen Sprachmemos entstanden, roh und ungefiltert. Die Aufnahmen wurden transkribiert und anschließend mit KI in eine lesbare Form gebracht.
















