Von Pixeln, Poren und Professionalität – Ein vollständiger Guide für Einsteiger, die echte Qualität lernen wollen


Wir schreiben 2026. KI kann Gesichter generieren, die nie existiert haben. Apps versprechen „perfekte Haut“ mit einem Klick. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist handwerkliche High-End Beauty-Retusche wertvoller denn je.

Denn echter Luxus liegt nicht im Perfekten. Er liegt im perfekt Unperfekten. In Haut, die lebt. In Gesichtern, die Menschen bleiben.

High-End Beauty-Retusche ist kein Filter. Kein „Smooth Skin“-Button. Kein magischer KI-Zauberstab, der aus einem guten Foto automatisch ein Editorial macht.

High-End Beauty-Retusche ist Handwerk.

Sie ist die Kunst, ein Gesicht zu verbessern, ohne es zu verraten. Die Haut darf schöner werden, aber sie muss Haut bleiben. Poren dürfen leben. Schatten dürfen erzählen. Augen dürfen leuchten, ohne wie LED-Scheinwerfer aus einem Sci-Fi-Film zu wirken.

Dieser Artikel zeigt dir als Einsteiger den kompletten Weg: von der klassischen Handretusche in Photoshop über moderne Alternativen bis zu den intelligentesten Plugins 2026. Ohne Nebel. Ohne Weichspül-Katastrophen. Mit klarer Haltung.


Teil 1: Was High-End wirklich bedeutet

Die Definition

High-End Beauty-Retusche ist die präzise, nicht-destruktive Bearbeitung eines Portraits mit dem Ziel, Haut, Licht, Farbe, Form und Ausdruck zu veredeln, ohne die natürliche Struktur zu zerstören.

Es geht nicht darum, einen Menschen neu zu bauen. Es geht darum, das Bild auf das Niveau zu bringen, das Werbung, Editorial, Kampagne oder hochwertige Künstlerportfolios verlangen.

Gute Retusche erkennt man daran, dass man sie nicht erkennt

Das Bild wirkt sauberer, stärker, teurer, klarer. Aber niemand denkt: „Aha, Weichzeichner auf Anschlag.“

Gute Retusche ist wie perfektes Theaterlicht: Wenn es richtig sitzt, spricht niemand darüber. Aber ohne wäre die Bühne tot.

Schlechte Retusche schreit dich an

Typische Fehler 2026:

  • Haut wie Plastik, Wachs oder geschmolzener Käse
  • Komplett verschwundene Poren
  • Augen zu weiß (Alien-Modus aktiviert)
  • Radioaktiv leuchtende Zähne
  • Hautfarben in Orange, Grau oder Magenta
  • Gesichter ohne Volumen
  • Flachgebügelte Nasen
  • Matschige Haarkanten
  • Dodge & Burn macht Flecken statt Form
  • Der allseits beliebte App-Filter-Look

Die goldene Regel 2026

Retusche soll optimieren, nicht ausradieren.

Oder wie ich es formuliere:

„Der Anfänger glättet Haut. Der Profi formt Licht.“


Teil 2: Das Fundament – Photoshop von Hand

Warum überhaupt manuell?

2026 haben wir KI-Tools, die beeindruckend sind. Evoto AI kann Gesichter analysieren. Retouch4me bietet neuronale Netze für Dodge & Burn. Photoshops Firefly-Integration macht magische Dinge.

Aber: Nur händische Retusche erlaubt volle Kontrolle über die Hautstruktur.

Das Ziel ist der Erhalt der Poren-Integrität. Sobald Haut wie Plastik aussieht, hast du versagt. Punkt.

Der nicht-destruktive Grundsatz

Einsteiger machen denselben Fehler: Sie arbeiten direkt auf der Hintergrundebene. Das ist digitale Selbstverstümmelung.

Professionelle Retusche passiert nicht-destruktiv. Das bedeutet: Du kannst jeden Schritt später ändern, ausblenden, abschwächen oder löschen.

Der saubere Photoshop-Aufbau:

1. Hintergrundebene (original oder Smartobjekt)
2. RAW-Entwicklung als Basis
3. Cleanup-Ebene (Pickel, Fussel, Störungen)
4. Frequency-Separation-Gruppe (falls nötig)
5. Dodge-&-Burn-Gruppe (Mikro + Makro)
6. Farbkorrektur-Gruppe
7. Augen / Lippen / Haare (separate Gruppen)
8. Globaler Look & Kontrast
9. Finaler Schärfe-Layer
10. Export-Smartobjekt

Wichtig: Benenne deine Ebenen. Ja, es ist langweilig. Ja, du wirst dir später danken. Chaos in der Ebenenpalette ist keine Kreativität, sondern digitale Verwahrlosung mit RGB-Beleuchtung.


Teil 3: Die Retusche-Kette Schritt für Schritt

Schritt 0: RAW-Entwicklung (vor Photoshop!)

High-End-Retusche beginnt nicht mit dem Reparaturpinsel. Sie beginnt mit einem sauberen RAW.

Ziel der RAW-Entwicklung:

  • Keine ausgefressenen Hautlichter
  • Keine abgesoffenen Schatten im Gesicht
  • Neutrale Weißbalance
  • Natürliche Hautfarbe
  • NICHT zu viel Klarheit/Struktur
  • Keine extreme Vorschärfung
  • Keine aggressive Rauschreduzierung

Die Gefahr von Klarheit & Textur:

Bei Landschaften sind Klarheit und Struktur großartig. Bei Haut sind sie Gift. Sie machen Poren, Härchen und Mikrodetails brutal hart.

Für Beauty gilt:

RAW-Entwicklung ist Fundament, nicht Feuerwerk.

Empfohlene Tools 2026:

  • Capture One: Führend bei Hauttönen, Skin Tone Uniformity, seit Version 16.6 auch AI-gestützte Retouch-Faces-Funktionen
  • Lightroom Classic: Solide Basis, gute Integration
  • Camera Raw: Direkt in Photoshop, schnell

Schritt 1: Cleanup – Die Basis-Hygiene

Cleanup entfernt temporäre oder störende Elemente:

Raus damit:

  • Pickel
  • Hautschuppen
  • Fussel
  • Staub
  • Einzelne fliegende Haare
  • Make-up-Krümel
  • Kleine Rötungen
  • Sensorflecken
  • Störende Glanzpunkte

Nicht automatisch entfernen:

  • Muttermale (wenn charakteristisch)
  • Narben (wenn Teil der Identität)
  • Natürliche Poren
  • Charakteristische Linien
  • Echte Gesichtszüge

High-End braucht Respekt. Der Mensch ist kein fehlerhaftes Produktfoto.

Werkzeuge in Photoshop 2026:

  • Bereichsreparatur-Pinsel (schnell, unkompliziert)
  • Reparatur-Pinsel (präzise Kontrolle)
  • Kopierstempel (volle Macht)
  • Entfernen-Werkzeug (KI-gestützt, deutlich verbessert)
  • Ausbessern-Werkzeug (größere Flächen)

Profi-Tipp: Arbeite auf leerer Ebene mit Einstellung „Aktuelle und darunter“. Dein Original bleibt unberührt.

Die Zoom-Regel:

Arbeite wechselnd:

  • 50–100% für Gesamtwirkung
  • 100–200% für Detailarbeit
  • Selten höher, nur bei echten Problemstellen

Wer bei 400% jedes Porenatom verhandelt, verliert das Bild.

Schritt 2: Frequency Separation – Skalpell, kein Vorschlaghammer

Frequency Separation (FS) trennt Bildinformationen in zwei Ebenen:

  • Low Frequency: Farbe, Helligkeit, Tonwert, weiche Übergänge
  • High Frequency: Textur, Poren, feine Details

Wann FS sinnvoll ist:

✅ Gut für:

  • Fleckige Hauttöne
  • Unruhige Make-up-Übergänge
  • Leichte Schatten- oder Farbstörungen
  • Kleine Texturprobleme
  • Beauty/Fashion mit sauberem Ausgangsmaterial

❌ Nicht ideal für:

  • Komplette Hautglättung
  • Schlechte Lichtsetzung retten
  • Extreme Pickelretusche allein
  • Porenlos-Matsch erzeugen
  • Anfänger ohne Auge für Hautstruktur

Der größte FS-Fehler 2026:

Low-Frequency-Ebene weichpinseln, bis das Gesicht aussieht wie Vanillepudding im Beautyblender.

Einsteigerfreundlicher FS-Workflow:

  1. Erstelle zwei Kopien deiner Basis
  2. Untere Ebene: „Low Frequency“
  3. Obere Ebene: „High Frequency“
  4. Low: Gaußscher Weichzeichner (so weit, dass Poren verschwinden, aber Formen bleiben)
  5. High: Bildberechnung zur Textur-Isolation (Subtrahieren, Skalieren 2, Versatz 128)
  6. High-Ebene auf „Lineares Licht“ setzen
  7. Vorsichtig arbeiten
  8. Deckkraft reduzieren, wenn zu stark

Wichtig für Einsteiger: FS ist kein Pflichtschritt. Viele Profis nutzen sie sparsam oder gar nicht. Das eigentliche Königswerkzeug bleibt Dodge & Burn.

Schritt 3: Dodge & Burn – Das Herz der High-End-Retusche

Dodge & Burn bedeutet Aufhellen und Abdunkeln. In der Beauty-Retusche wird damit Haut geglättet, ohne Textur zu zerstören.

Das Prinzip:

Statt Poren weichzuzeichnen, korrigierst du kleine Helligkeitsunterschiede:

  • Dunkle Flecken leicht aufhellen
  • Helle Flecken leicht abdunkeln
  • Übergänge harmonisieren
  • Gesicht formen
  • Volumen erhalten
  • Lichtführung verbessern

Das ist langsamer als ein Plugin. Aber es sieht besser aus.

Warum D&B so wichtig ist:

Viele Hautprobleme sind keine Texturprobleme, sondern Helligkeitsprobleme. Ein Pickel, Schatten oder eine Delle fällt auf, weil sie heller oder dunkler ist als die Umgebung.

Wenn du diese Helligkeitsunterschiede kontrolliert ausgleichst, bleibt die Hautstruktur erhalten. Genau deshalb wirkt gute D&B-Retusche natürlicher als Weichzeichner.

Zwei bewährte Methoden:

Methode 1: Kurven-Ebenen (Profi-Standard)

  1. Erstelle zwei Gradationskurven
  • Eine Kurve zum Aufhellen (Mitte nach oben ziehen)
  • Eine Kurve zum Abdunkeln (Mitte nach unten ziehen)
  1. Beide bekommen schwarze Masken (Alt + Maske klicken)
  2. Male mit weichem weißem Pinsel dezent in die Masken

Empfohlene Pinselwerte für Einsteiger:

  • Fluss: 1–5% (Das ist der Schlüssel!)
  • Deckkraft: 100%
  • Härte: 0%
  • Größe: klein bis mittel

Der niedrige Fluss ist entscheidend. Du baust Wirkung langsam auf. Wie Lasurmalerei. Nicht wie Presslufthammer.

Methode 2: 50%-Grau-Ebene (Einsteiger-Freundlich)

  1. Neue Ebene erstellen
  2. Mit 50% Grau füllen (Bearbeiten > Fläche füllen > 50% Grau)
  3. Ebenenmodus auf „Weiches Licht“ oder „Ineinanderkopieren“
  4. Mit Schwarz (abdunkeln) und Weiß (aufhellen) malen

Diese Methode ist einfacher, aber weniger flexibel. Für Lernzwecke okay. Für präzise High-End-Arbeit sind Kurven sauberer.

Mikro- vs. Makro-Dodge & Burn:

Mikro-D&B:

  • Kleine Flecken, Poren-Schatten, Mini-Unregelmäßigkeiten
  • Sehr nah dran, sehr fein
  • Macht Haut sauber

Makro-D&B:

  • Große Lichtformen: Wangen, Stirn, Nase, Kiefer, Hals, Dekolleté
  • Nicht Hautfehler, sondern plastische Form
  • Macht das Bild teuer

Beides ist wichtig. Mikro macht sauber. Makro macht luxuriös.

Die Gold-Standards 2026:

Mit 1%-Fluss-Pinseln hellen wir Mikro-Schatten auf und dunkeln helle Stellen ab, um die Haut ebenmäßig zu machen, ohne die Textur zu berühren. Es ist zeitaufwendig, aber unerreicht.

Schritt 4: Hautfarbe – Der unterschätzte Profi-Faktor

Viele Retuschen scheitern nicht an der Hautstruktur, sondern an der Farbe.

Haut besteht nicht aus einer Farbe. Sie hat Rot-, Gelb-, Orange-, Braun-, Oliv- und manchmal Blauanteile. Wangen sind anders als Stirn. Nase anders als Hals.

High-End bedeutet nicht, alles auf denselben Ton zu bügeln. Es bedeutet, störende Farbflecken zu reduzieren und natürliche Variation zu erhalten.

Typische Farbprobleme:

  • Rote Nase
  • Grauer Mundbereich
  • Gelbliche Stirn
  • Fleckiges Make-up
  • Dunkle Augenpartie
  • Unterschiedliche Farbe Gesicht/Hals
  • Hände passen farblich nicht zum Gesicht

Werkzeuge in Photoshop:

  • Farbton/Sättigung
  • Selektive Farbkorrektur
  • Gradationskurven
  • Camera Raw Filter
  • Verlaufsumsetzung (sehr subtil!)
  • Mischmodi: Farbe, Weiches Licht
  • Präzise Masken

Einsteiger-Tipp: Farbe separat denken

Arbeite getrennt:

  1. Helligkeit und Form über Dodge & Burn
  2. Farbe über Farbkorrektur-Ebenen
  3. Textur über Cleanup oder FS

Das ist wie ein Orchester: Wenn alle gleichzeitig stimmen, klingt es nach Bahnhof. Wenn jede Gruppe sauber arbeitet, entsteht Musik.

Schritt 5: Augen – Ohne Alien-Lampen

Augen sind wichtig. Aber Augen werden oft brutal überarbeitet.

Schlechte Augenretusche:

  • Zu weißes Augenweiß
  • Übertriebene Reflexe
  • Künstlich scharfe Iris
  • Unnatürliche Sättigung
  • Glasiger Puppenblick

Saubere Augenretusche:

✅ Sinnvoll:

  • Kleine rote Äderchen reduzieren (nicht komplett entfernen!)
  • Schatten im Augenweiß leicht ausgleichen
  • Iris minimal kontrastreicher machen
  • Catchlights sauber halten
  • Wimpern und Augenrand dezent schärfen

❌ Gefährlich:

  • Augenweiß komplett entsättigen
  • Iris knallbunt machen
  • Reflexe malen, die nicht zum Licht passen
  • Beide Augen exakt gleich hell machen

Ein Auge lebt von Tiefe. Zu viel Retusche nimmt genau diese Tiefe weg.

Der 3-Schritte-Plan für strahlende Augen:

  1. Weißes in den Augen:
  • Neue Ebene
  • Weicher weißer Pinsel (5% Deckkraft)
  • Nur über das Augenweiß malen
  • Deckkraft reduzieren bis natürlich
  1. Iris betonen:
  • Hintergrundebene duplizieren
  • Unscharf maskieren (Stärke: 70%, Radius: 1px)
  • Maske: nur Iris sichtbar
  1. Catchlights verstärken:
  • Neue Ebene: „Negativ multiplizieren“
  • Mit weißem Pinsel über bestehende Lichtreflexe
  • Oder neue hinzufügen (passend zur Lichtquelle!)

Schritt 6: Lippen, Zähne, Make-up

Lippen:

Bei Lippen geht es um Form, Farbe und Textur. Entferne trockene Hautschuppen, aber nicht jede Linie. Lippen ohne Linien wirken künstlich.

✅ Sinnvoll:

  • Kontur leicht sauberer machen
  • Glanzpunkte kontrollieren
  • Trockene Stellen reduzieren
  • Farbe harmonisieren
  • Lippenvolumen über D&B betonen

Zähne:

Zähne sollen sauber wirken, nicht radioaktiv.

❌ Einsteigerfehler:

  • Zähne zu stark aufhellen
  • Gelb komplett entfernen
  • Struktur verlieren
  • Zahnfleisch ignorieren

✅ Besser:

  • Gelbanteil leicht reduzieren
  • Helligkeit moderat anheben
  • Natürliche Schatten erhalten
  • Keine reinweißen Flächen

Make-up:

Make-up-Retusche ist heikel. Du retuschierst die Arbeit eines Make-up-Artists.

Achte auf:

  • Saubere Kanten
  • Gleichmäßige Übergänge
  • Korrigierte Krümel
  • Symmetrische Linien (aber nicht steril!)
  • Erhaltene Pinsel- oder Produktstruktur

Schritt 7: Haare – Geduld und Realität

Haare sind der Retusche-Endgegner. Besonders fliegende Haare vor komplexem Hintergrund.

Was raus sollte:

  • Einzelne ablenkende Haare im Gesicht
  • Haare quer über Auge oder Mund (wenn störend)
  • Fussel und Staub
  • Extreme Ausreißer am Rand

Was nicht übertrieben werden sollte:

Wenn du jedes einzelne Haar perfekt sortierst, sieht das Bild künstlich aus. Haare dürfen leben. Besonders bei Beauty, Fashion und Editorial ist kontrolliertes Chaos oft schöner als Helmfrisur.

Werkzeuge:

  • Reparatur-Pinsel
  • Kopierstempel
  • Entfernen-Werkzeug (2026 deutlich verbessert!)
  • Masken
  • Pinsel auf separater Ebene
  • D&B für Glanz und Tiefe

Wichtig: Haare brauchen Richtung. Wenn du mit dem Stempel quer zur Haarstruktur arbeitest, sieht man es sofort.

Fliegende Haare entfernen:

  • Patch-Tool für größere Bereiche
  • Kopierstempel für Präzisionsarbeit
  • Separate Ebenen für Flexibilität

Haare verdichten:

  1. Haarbereiche mit Lasso wählen
  2. Auf neue Ebene kopieren (Cmd/Strg + J)
  3. Transformieren und über dünne Stellen platzieren
  4. Mit Masken und Deckkraft anpassen

Schritt 8: Liquify – Mit Verantwortung

Der Verflüssigen-Filter ist mächtig. Und gefährlich.

High-End-Retusche kann kleine Formkorrekturen enthalten:

✅ Okay:

  • Asymmetrische Kleidung korrigieren
  • Make-up-Kanten ausgleichen
  • Haarform verbessern
  • Leichte Perspektivverzerrung korrigieren
  • Kleine Dellen in Kleidung/Pose reduzieren

❌ Nicht okay:

  • Körper beliebig umbauen
  • Gesichtszüge komplett verändern
  • Unrealistische Schönheitsnormen erzwingen

2026 ist verantwortungsvolle Retusche wichtiger denn je.

Einsteigerregel:

Wenn die Person danach nicht mehr wie sie selbst aussieht, war es zu viel.

Nutze Liquify subtil. Speichere vorher. Blende aus und ein. Wenn du den Unterschied aus fünf Metern siehst, ist er wahrscheinlich zu stark.


Teil 4: Der Hybrid-Workflow 2026

Einsteiger sollten heute den „hybriden“ Weg wählen: KI für Fleißarbeit, Hand für Kunst.

Der optimale Workflow für verschiedene Szenarien

Beauty-Editorial (höchste Qualität)

Zeit: 45–90 Minuten pro Bild

  1. RAW in Capture One (Hauttöne, Grundkorrektur)
  2. Export als 16-Bit TIFF
  3. Photoshop: Cleanup
  4. Frequency Separation (falls nötig)
  5. Dodge & Burn (manuell, Kurven-Methode)
  6. Farbanpassungen
  7. Augen/Lippen/Details
  8. Finale Schärfung (High-Pass-Filter)

KI-Unterstützung: Minimal, maximal für erste Unreinheiten

Hochzeit/Portrait (gute Qualität, moderate Zeit)

Zeit: 10–20 Minuten pro Bild

  1. RAW in Lightroom/Capture One
  2. Evoto AI oder Retouch4me für Basis (70–80% Stärke)
  3. Photoshop: Manuelle Nacharbeit Problemzonen
  4. Leichtes D&B
  5. Augenoptimierung
  6. Finale Anpassungen

KI-Unterstützung: Moderate Nutzung für Zeitersparnis

Social Media/E-Commerce (Geschwindigkeit)

Zeit: 3–8 Minuten pro Bild

  1. Evoto AI oder Luminar Neo: Komplettlösung
  2. Export nach Photoshop für Feinheiten
  3. Schnelle manuelle Korrekturen
  4. Leichte D&B mit Kurven-Ebenen
  5. Schärfen

KI-Unterstützung: Maximale Nutzung

Check Layers: So sehen Profis Fehler

Check Layers sind temporäre Hilfsebenen, die Fehler sichtbar machen.

Typische Check Layers:

  • Schwarzweiß-Check: für Helligkeitsflecken
  • Solar Curve: für Unregelmäßigkeiten
  • Kontrastverstärkung: für Hautflecken
  • Farbcheck: für unruhige Hauttöne
  • Spiegelung: für Kompositionskontrolle

Warum so wertvoll:

Unser Auge gewöhnt sich an Fehler. Nach 30 Minuten siehst du Flecken nicht mehr. Check Layers reißen die Tarnkappe runter.

Besonders D&B profitiert davon.

Aber Vorsicht: Check Layers sind Werkzeuge, keine Religion. Wenn du nur noch nach Check-Layer-Fehlern retuschierst, optimierst du für ein technisches Kontrollbild, nicht für das echte Foto.


Teil 5: Photoshop 2026 – Was ist neu und relevant?

Photoshop bleibt der Industriestandard für High-End-Retusche, vor allem wegen:

  • Ebenen & Masken
  • Smartobjekte
  • Retuschewerkzeuge
  • Farbkontrolle
  • Plugin-Ökosystem
  • Professioneller Standard

Besonders relevant 2026:

Photoshop 2026 ist nicht nur wegen klassischer Retuschewerkzeuge relevant, sondern auch wegen:

Neue nicht-destruktive Adjustment-Layer:

  • Clarity/Dehaze und Grain als Einstellungsebenen
  • Mehr Flexibilität im Workflow

Entfernen-Werkzeug:

  • KI-gestützte Objektentfernung, deutlich verbessert
  • Gut für Störstellen
  • Bei Haut kontrollieren!

Generative Fill & Expand (Firefly):

  • Verbesserte Modelle
  • Hintergrund erweitern
  • Komplexe Retuschefälle
  • Mit Vorsicht bei Haut!

Reference Image:

  • Neue Funktion für visuelle Referenzen
  • Hilfreich für Look-Entwicklung

Harmonize:

  • Automatische Farbanpassung zwischen Elementen
  • Nützlich für Compositing

Auswahl & Maskierung:

  • Photoshop kann Personen und bestimmte Körper- beziehungsweise Gesichtsbereiche automatisch erkennen und auswählen
  • Nützlich für selektive Korrekturen an Haut, Haaren, Kleidung
  • Mikrodetails wie Poren, Hauttextur und feine Übergänge bleiben klassische Handarbeit

Wann KI in Photoshop sinnvoll ist:

  • Hintergrund erweitern
  • Störende Objekte entfernen
  • Grobe Ablenkungen beseitigen
  • Auswahlmasken vorbereiten
  • Retuschevorschläge testen

Wann KI gefährlich ist:

  • Hautstruktur automatisiert glätten
  • Gesichtszüge verändern
  • Augen/Mund neu interpretieren
  • Identität verfälschen
  • Beauty-Look generisch machen

Der Satz für 2026:

KI darf assistieren. Die Entscheidung bleibt beim Retuscheur.

Für Beauty gilt: KI und Automatik sind Werkzeuge, keine Geschmacksinstanz.


Teil 6: Alternative Programme zu Photoshop

Capture One

Capture One ist besonders stark im:

  • RAW-Workflow
  • Farben (beste Hauttöne!)
  • Tethering
  • Studioarbeit
  • Selektive Anpassungen

2026-Features:

  • Skin Tone Uniformity
  • Seit Version 16.6 AI-gestützte Retouch-Faces-Funktionen
  • Erweiterte Repairing Layers
  • Heal Tool
  • Workflow-Beschleunigung bei Serien

Gut für:

  • Studio-Workflow
  • Tethered Shooting
  • Farbkontrolle
  • Schnelle Vorretusche
  • Serienbearbeitung
  • Beauty- und Fashion-Sets

Nicht ideal als Ersatz für:

  • Komplexe High-End-Hautretusche
  • Tiefes D&B
  • Aufwendige Composings
  • Extrem feine Pixelarbeit

Fazit: Capture One ist stark vor Photoshop und teilweise neben Photoshop. Für komplette High-End-Retusche bleibt Photoshop meist überlegen.

Affinity Photo

Affinity Photo ist eine ernsthafte Alternative:

Stärken:

  • Ebenen, Masken, Retuschewerkzeuge
  • Liquify
  • Frequency Separation möglich
  • Photoshop-ähnliche Bedienung
  • Professionelle Funktionen

Aktuelle Situation 2026:

Affinity wurde nach der Canva-Übernahme als neue All-in-one-Plattform für Windows und Mac kostenlos neu positioniert. Die älteren Affinity-V2-Apps waren klassische Kaufsoftware und funktionieren bei bestehenden Nutzern weiter.

Nachteile:

  • Weniger Industriestandard
  • Kleineres Plugin-Ökosystem
  • Manche Workflows unterschiedlich
  • Weniger verbreitet in Agenturen

Fazit: Für Künstler, Fotografen und Einsteiger eine attraktive Option. Wer nicht zwingend Adobe braucht, kann damit weit kommen.

GIMP

GIMP 3.0 (veröffentlicht 2025) ist deutlich moderner:

Stärken:

  • Kostenlos
  • Modernisierte nicht-destruktive Filter
  • Bessere PSD-Kompatibilität
  • Verbesserte Farbraum-Unterstützung
  • Heal Tool, Clone Tool
  • Ebenen, Masken
  • Grundlegende Retuschefunktionen

Nachteile:

  • Weniger elegant als Photoshop
  • Weniger komfortabler High-End-Workflow
  • Andere Bedienlogik
  • Weniger professionelle Plugin-Integration

Fazit: Nicht die bequemste High-End-Lösung, aber brauchbarer Einstieg. Wer lernen will, kann wichtige Prinzipien üben: Ebenen, Masken, Heilen, Klonen, sauberes Sehen.


Teil 7: Plugins & KI-Tools für Beauty-Retusche

Evoto AI – Eine starke KI-Lösung 2026

Evoto AI gehört 2026 zu den stärksten spezialisierten KI-Tools für schnelle Portrait-, Event-, Headshot- und Serienretusche.

Stärken:

  • Kombiniert Culling, Farblooks, Portrait-Retusche, Hintergrundbearbeitung und Batch-Verarbeitung
  • Erkennt Hautunreinheiten und Körpermerkmale präzise
  • Besonders bei großen Bildmengen massiv zeitsparend
  • Gut für: Hochzeiten, Events, Headshots, E-Commerce, Serienretusche
  • Standalone oder Plugin

Wichtig:

Evoto kann bei Serien, Hochzeiten, Events und Headshots sehr viel Basisarbeit beschleunigen. Für echte High-End-Beauty-Editorials sollte das Ergebnis aber immer manuell kontrolliert und bei Bedarf in Photoshop finalisiert werden.

Schwächen:

  • Kostet (Abo-Modell)
  • Ergebnisse müssen kontrolliert werden
  • Nicht jedes Motiv funktioniert gleich gut

Beste Nutzung:

  • Als Basis für schnelle Workflows
  • Ergebnis auf separater Ebene
  • Deckkraft reduzieren
  • Manuell nacharbeiten

Retouch4me – Die KI-Plugin-Suite

Retouch4me bietet spezialisierte KI-Plugins:

Module:

  • Heal: Hautunreinheiten automatisch
  • Dodge & Burn: Automatisches Konturieren (nutzt neuronale Netze für D&B-Pfade)
  • Eye Brilliance: Augenoptimierung
  • White Teeth: Zahnaufhellung
  • Clean Backdrop: Hintergrundbereinigung
  • Skin Tone: Hautfarbkorrektur
  • Portrait Volumes: Gesichtsform
  • Stray Hairs: Fliegende Haare

Stärken:

  • Schnell
  • Oft natürlicher als simple Smoothing-Tools
  • Gut für große Bildmengen
  • In Photoshop-Workflows einbindbar
  • Kostenlose Photoshop-Panel-Komponente

Schwächen:

  • Kostenpflichtig
  • Ergebnisse müssen kontrolliert werden
  • Kein Ersatz für finale Handretusche

Preismodell:

Retouch4me arbeitet mit einzelnen Kauf-Plugins sowie Cloud-/Credit-Optionen. Die Preise unterscheiden sich je nach Modul und Nutzungsmodell. Aktuelle Preise direkt beim Hersteller prüfen.

Workflow-Empfehlung:

  1. Heal (70% Stärke)
  2. Manuell nacharbeiten mit FS
  3. Dodge & Burn als Grundlage (50% Stärke)
  4. Manuell verfeinern
  5. Eye Brilliance subtil (30% Stärke)

Die KI-Ergebnisse IMMER als Ebene ausgeben und Deckkraft reduzieren!

Beauty Retouch Panel

Beauty Retouch Panel (von Retouching Academy Lab) ist ein Photoshop-Panel mit Ein-Klick-Aktionen.

Stärken:

  • Frequency Separation automatisiert
  • D&B-Vorlagen
  • Check Layers vorbereitet
  • Beschleunigt professionelle Workflows
  • Spart Zeit bei wiederkehrenden Schritten

Schwächen:

  • Ersetzt kein Verständnis
  • Kann Anfänger zu mechanischer Anwendung verführen
  • Photoshop bleibt Voraussetzung

Preis: Je nach Version/Upgrade-Modell; aktuelle Preise auf der Herstellerseite prüfen.

Beste Nutzung: Als Workflow-Beschleuniger, sobald du verstehst, was die einzelnen Schritte bewirken.

Portraiture 4 by Imagenomic

Portraiture 4 ist intelligente Hautglättung.

Stärken:

  • Sehr natürliche Ergebnisse
  • Präzise Masken
  • Gute Texturerhaltung

Workflow: Nach manueller Unreinheiten-Entfernung anwenden

Preis: Offiziell als Einzelplugin um 199,95 US-Dollar geführt; Bundlepreise variieren.

Einsteiger-Tipp: Stelle „Detail Smoothing“ auf minimal, nutze vor allem Tonwert-Glättung.

Luminar Neo

Luminar Neo bietet KI-basierte Gesichts- und Hautverbesserung.

Stärken:

  • Face AI und Skin AI beeindruckend
  • Kreative Looks
  • Schnelle Ergebnisse
  • Als Plugin in Photoshop oder standalone

Schwächen:

  • Kann übertreiben
  • Für echte High-End-Editorial begrenzt

Preis: Abo- und Lizenzmodelle mit häufig wechselnden Aktionen; aktuelle Preise direkt bei Skylum prüfen.

Einsteiger-Tipp: „Face AI“ und „Skin AI“ subtil einsetzen!

DxO Nik Collection

Nik Collection ist eher kreatives Plugin- und Look-System.

Module:

  • Viveza: Selektive Farb- und Tonwertarbeit
  • Color Efex: Kreative Effekte
  • Silver Efex: Schwarzweiß

Gut für:

  • Lookentwicklung
  • Selektive Farb- und Tonwertarbeit
  • Kreative Bildwirkung
  • Finishing

Nicht ideal für:

  • Saubere Hautretusche von Grund auf
  • Pixelgenauigkeit
  • Komplexe Ebenenretusche

Fazit: Eher Finishing-Werkzeug als Hautretusche-Fundament.

Der Merksatz für alle Plugins

Ein Panel kann dir die Bühne bauen. Tanzen musst du selbst.

Plugins sind Werkzeuge. Keine Künstler.


Teil 8: Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

❌ Fehler 1: Übermäßige Hautglättung

Symptom: Haut wie Plastik, Wachs oder Porzellan
Lösung: Arbeite mit Ebenenmasken und reduzierter Deckkraft. Bei 100% muss noch Hautstruktur sichtbar sein.

❌ Fehler 2: Zu helle Augen

Symptom: Augen sehen unnatürlich weiß oder leuchtend aus
Lösung: Augenweiß sollte NIE reines Weiß sein. Ziel: Aufhellen, nicht bleichen.

❌ Fehler 3: Inkonsistente Lichtrichtung

Symptom: D&B passt nicht zur originalen Beleuchtung
Lösung: Analysiere die Lichtquelle. Verstärke existierende Highlights/Schatten, erfinde keine neuen.

❌ Fehler 4: Überschärfung

Symptom: Halos um Kanten, unnatürlich knackige Details
Lösung: Schärfe nur auf separater Ebene, maskiere Hautbereiche aus, arbeite mit reduzierter Deckkraft.

❌ Fehler 5: KI-Ergebnisse unverändert übernehmen

Symptom: Unnatürliche Effekte, inkonsistente Bereiche
Lösung: KI ist Werkzeug, kein Ersatz. IMMER manuell nacharbeiten.

❌ Fehler 6: Haut weichzeichnen

Symptom: Matschige, leblose Haut
Lösung: Weichzeichnen ist nicht Retusche. Weichzeichnen ist Kapitulation mit Gaußschem Nebel.

❌ Fehler 7: Zu stark zoomen

Symptom: Bei 300% sieht jeder aus wie Mondlandschaft
Lösung: Retuschiere für das Ausgabeformat, nicht für die Pixel-Peeping-Olympiade.

❌ Fehler 8: Zu weiße Zähne

Symptom: Radioaktives Leuchten
Lösung: Natürliches Weiß ist nie reines Weiß. Subtilität!

❌ Fehler 9: Alles symmetrisch machen

Symptom: Unheimliche Perfektion
Lösung: Gesichter leben von kleinen Asymmetrien.

❌ Fehler 10: Zu spät pausieren

Symptom: Betriebsblindheit
Lösung: Nach 20 Minuten 5 Minuten Pause. Pausen sind Qualitätskontrolle.

❌ Fehler 11: Keine Referenzen verwenden

Symptom: Orientierungslosigkeit
Lösung: Studiere Beauty-Kampagnen, Editorials, hochwertige Magazine, seriöse Retusche-Portfolios.

❌ Fehler 12: Technik über Geschmack

Symptom: Seelenlose Bilder
Lösung: FS, D&B, Plugins, KI – alles egal, wenn das Bild am Ende keine Seele hat.


Teil 9: Der Unterschied zwischen Beauty, Portrait und Editorial

Portrait-Retusche

Ziel: Natürliche, glaubwürdige Verbesserung

Typisch:

  • Weniger Eingriff
  • Haut bleibt realistisch
  • Linien und Alter dürfen bleiben
  • Persönlichkeit > Perfektion

Beauty-Retusche

Ziel: Makellose, aber lebendige Haut

Typisch:

  • Mehr Präzision
  • Saubere Haut
  • Perfektere Übergänge
  • Starke Kontrolle von Farbe und Form
  • Produkt/Make-up/Licht im Zentrum

Editorial-Retusche

Ziel: Stil, Haltung, Geschichte

Typisch:

  • Look > Perfektion
  • Charakter darf dominieren
  • Haut muss nicht klinisch sauber sein
  • Künstlerische Entscheidung zählt
  • Kann bewusst rau, filmisch, dreckig sein

Für künstlerische Bildwelten gilt:

High-End muss nicht steril sein. High-End kann dunkel, roh, poetisch, dreckig und trotzdem technisch exzellent sein.


Teil 10: Ausgabe – Web, Print, Fine Art

Für Instagram und Web

  • Details werden kleiner wahrgenommen
  • Zu feine Retusche geht verloren
  • Kontrast und Klarheit dürfen etwas stärker sein
  • Haut aber nicht überschärfen!

Export:

  • In sRGB exportieren
  • Passende Pixelmaße wählen
  • Sinnvolle Kompression und Dateigröße
  • Der dpi-Wert ist für die Bildschirmdarstellung praktisch zweitrangig

Für Print

  • Fehler werden gnadenlos sichtbar
  • Tonwerte müssen sauber sein
  • Hautstruktur braucht natürliche Schärfe

Export:

  • 300 ppi als Ausgangspunkt
  • Korrektes ICC-Profil verwenden
  • Softproof nutzen, wenn möglich
  • RGB oder CMYK hängt vom Dienstleister und Druckverfahren ab
  • Viele Fine-Art-Printer und Fotolabore arbeiten lieber mit RGB-Dateien (oft Adobe RGB oder spezifisches ICC-Profil)
  • CMYK ist eher relevant für Druckerei/Offset/Layouts

Für große Fine-Art-Prints

Was am Handy sexy aussieht, kann auf 60 × 90 cm plötzlich aussehen wie ein Unfall mit Poren, Stempelspuren und falschem Hautton.

Für große Prints gilt:

  • Weniger aggressive Schärfung
  • Sauberere Übergänge
  • Keine sichtbaren Retuschekanten
  • Farbmanagement ernst nehmen
  • Testdrucke machen!

Teil 11: Mini-Workflow für absolute Einsteiger

Wenn du neu bist, starte nicht mit 50 Techniken gleichzeitig.

Der Einsteiger-Workflow:

  1. RAW sauber entwickeln
  2. In Photoshop öffnen
  3. Cleanup auf leerer Ebene
  4. Leichte Hautflecken mit D&B korrigieren
  5. Augen und Zähne minimal verbessern
  6. Farbe harmonisieren
  7. Gesamtlook setzen
  8. Exportieren

Lass Frequency Separation am Anfang weg. Lerne zuerst sehen. Technik kommt danach.

Die wichtigste Übung

Nimm ein Portrait und retuschiere es zweimal:

  • Version A: Schnell mit Hautglättung
  • Version B: Langsam mit Cleanup und D&B

Dann vergleiche bei 100% und als Gesamtbild.

Du wirst sehen: Die langsame Version hat mehr Leben.


Teil 12: Empfohlene Lernreihenfolge

Stufe 1: Grundlagen

  • Ebenen
  • Masken
  • Einstellungsebenen
  • Reparaturpinsel
  • Kopierstempel
  • Smartobjekte

Stufe 2: Hautretusche

  • Cleanup
  • Einfache Farbkorrektur
  • Grundlagen D&B
  • Check Layers

Stufe 3: Beauty

  • Mikro-D&B
  • Makro-D&B
  • FS kontrolliert einsetzen
  • Augen, Lippen, Haare
  • Hautfarb-Harmonisierung

Stufe 4: Professioneller Workflow

  • Retusche für Serien
  • Plugin-Integration
  • Printkontrolle
  • Farbmanagement
  • Eigene Presets und Aktionen
  • Konsistente Looks

Teil 13: Hardware-Empfehlungen

Auch die beste Technik nützt nichts ohne das richtige Equipment.

Monitor-Kalibrierung ist PFLICHT

Ohne kalibrierten Monitor arbeitest du im Nebel.

Empfohlene Monitore:

  • BenQ SW-Serie (z.B. SW270C, SW321C)
  • EIZO ColorEdge (CS/CG-Serie)
  • Dell UltraSharp UP-Serie

Kalibrierungs-Tools 2026:

  • Calibrite ColorChecker Display (Nachfolger der X-Rite-Fotolinie)
  • Calibrite Display Pro HL
  • Calibrite Display Plus HL
  • Datacolor SpyderX

Regel: Regelmäßig kalibrieren — für professionelle Retusche mindestens monatlich, bei farbkritischen Jobs zusätzlich vor wichtigen Print- oder Kundenabgaben.

Grafiktablett für präzise Arbeit

Für ernsthafte High-End-Retusche ist ein Grafiktablett dringend empfehlenswert. Mit Maus geht es theoretisch, aber langsam, unpräzise und unnötig qualvoll.

Die Drucksensitivität ist beim D&B dein wichtigstes Werkzeug.

Empfehlungen:

  • Einsteiger: Wacom Intuos (ab 80€), XP-Pen Deco
  • Fortgeschritten: Wacom Intuos Pro (ab 300€)
  • Profi: Wacom Cintiq (Display-Tablet, ab 800€)
  • Budget-Alternative: Huion, XP-Pen (funktionieren gut!)

Warum ein Tablet? Druckempfindlichkeit ermöglicht natürlichere Retusche. D&B mit der Maus ist wie Malen mit einem Ziegelstein.

Workflow-Beschleuniger

Loupedeck / Stream Deck:

  • Konsolen zur Beschleunigung von Photoshop-Befehlen
  • Programmierbare Tasten
  • Drehegler für Pinselgröße, Deckkraft
  • Spart enorm Zeit

Teil 14: Professionelle Tipps aus der Praxis

Tipp 1: Erstelle eine Kontroll-Ebene

Erstelle eine Schwarzweiß-Einstellungsebene ganz oben. Schalte sie regelmäßig ein, um Tonwert-Probleme zu sehen, die in Farbe verborgen bleiben.

Tipp 2: Die 50/50-Regel

Nach der Retusche: Reduziere die Deckkraft ALLER Retusche-Ebenen um 50%. Wenn es jetzt zu wenig ist, gehe auf 70%. Du wirst überrascht sein, wie oft 50% perfekt ist.

Tipp 3: Pausen einlegen

Nach 20 Minuten intensiver Retusche gewöhnt sich dein Auge an Änderungen. 5-Minuten-Pause = frischer Blick.

Tipp 4: Vor/Nach-Vergleich richtig machen

Statt Ebenen ein/auszuschalten (verwirrt das Auge), arbeite mit Schnappschüssen im Protokoll. Springe zwischen „Vorher“ und „Nachher“.

Tipp 5: Referenzen sammeln

Erstelle eine Sammlung von High-End-Beauty-Bildern, die dir gefallen. Analysiere sie: Wie ist die Hautstruktur? Wie stark sind D&B? Das schult deinen Blick.

Tipp 6: Spiegle dein Bild

Spiegle das Bild horizontal (Bild > Bildrotation > Arbeitsfläche horizontal spiegeln). Fehler werden plötzlich brutal sichtbar.

Tipp 7: Arbeite in 16-Bit

Wenn möglich, arbeite in 16-Bit-Farbtiefe. Mehr Tonwertabstufungen = sauberere Übergänge.

Tipp 8: Speichere regelmäßig Versionen

Speichere verschiedene Entwicklungsstufen als separate PSD-Dateien. Du kannst so jederzeit zurück.


Teil 15: Weiterbildung und Ressourcen

YouTube-Kanäle (kostenlos)

Phlearn:

  • Umfassende Photoshop-Tutorials
  • Viele Beauty-Retusche-Techniken
  • Einsteigerfreundlich

Pratik Naik (Solstice Retouch):

  • High-End-Techniken
  • Professioneller Workflow
  • Kurse und Tutorials

Piximperfect:

  • Unverzichtbare, einsteigerfreundliche Photoshop-Tutorials
  • Sehr klare Erklärungen

Julia Kuzmenko McKim:

  • Beauty-Retusche-Spezialistin
  • Professionelle Techniken

Nino Batista:

  • Spezialist für Hauttöne
  • High-End-Workflows

Kostenpflichtige Kurse

Udemy:

  • „Advanced Portrait Retouching“ und weitere Kurse
  • Viele deutschsprachige Optionen
  • Oft im Angebot

KelbyOne:

  • Abo-Modell mit hunderten Retusche-Tutorials
  • Scott Kelby und andere Top-Instruktoren

RGG EDU:

  • Professionelle Retusche-Kurse von Branchenexperten
  • Sehr detailliert

PRO EDU:

  • High-End-Kurse
  • Workflow-Optimierung
  • Panels und Presets

Bücher

„Professional Portrait Retouching Techniques for Photographers“ – Scott Kelby

  • Der Klassiker
  • Schritt-für-Schritt-Anleitungen
  • Für Photoshop

„The Adobe Photoshop Lightroom Classic CC Book“ – Scott Kelby

  • Für RAW-Entwicklung
  • Wichtige Basis

Inspiration / Portfolio

Behance (Retouching):


Teil 16: Meine klare Empfehlung für 2026

Wenn du High-End-Beauty-Retusche wirklich lernen willst, arbeite primär in Photoshop von Hand.

Nicht, weil Photoshop magisch ist. Sondern weil du dort maximale Kontrolle hast.

Nutze KI und Plugins als Assistenten, nicht als Chef.

Ein realistischer Profi-Workflow 2026

  1. RAW in Capture One oder Camera Raw entwickeln
  2. Photoshop für echte Retusche
  3. Evoto AI / Retouch4me optional für Vorarbeit
  4. Hand-D&B für Qualität
  5. Farblook mit Photoshop, Camera Raw oder Nik
  6. Finaler Export für Web oder Print

Die Zukunft gehört…

…nicht den Leuten, die jeden Button kennen. Sie gehört den Leuten, die sehen können.

Denn Beauty-Retusche ist am Ende nicht Softwarewissen. Es ist Bildgefühl mit chirurgischer Disziplin.

Oder anders gesagt:

Der Anfänger glättet Haut. Der Profi formt Licht.


Zusammenfassung: Dein Weg zur perfekten Beauty-Retusche

Für Einsteiger:

  1. Starte mit dem manuellen Workflow in Photoshop
  2. Lerne Frequency Separation als Grundlage (aber nicht übertreiben!)
  3. Experimentiere mit einem KI-Tool (z.B. Luminar Neo oder Evoto) für schnelle Erfolge
  4. Investiere Zeit in Dodge & Burn – das macht den größten Unterschied
  5. Weniger ist mehr: Subtilität ist der Schlüssel

Für Fortgeschrittene:

  1. Kombiniere manuelle Techniken mit KI-Beschleunigern
  2. Baue dir einen personalisierten Workflow auf
  3. Investiere in Plugins, die zu deinem Stil passen
  4. Experimentiere mit Capture One für bessere Hauttöne
  5. Entwickle deinen eigenen, wiedererkennbaren Look

Das goldene Prinzip:

„Perfektioniere die Person, nicht das Pixel. Dein Ziel ist es, die beste Version der realen Person zu zeigen, nicht eine computergenerierte Fantasie.“

Die Technologie entwickelt sich rasant weiter, und 2026 haben wir unglaubliche KI-Tools zur Verfügung.

Aber die Grundlagen bleiben zeitlos:

  • Ein trainiertes Auge
  • Verständnis für Licht und Form
  • Respekt vor dem natürlichen Aussehen

Schluss: High-End ist kein Effekt, sondern Haltung

2026 ist Retusche schneller geworden. Bequemer. Automatisierter. Man kann mit einem Klick Dinge tun, für die man früher Stunden gebraucht hat.

Aber genau deshalb wird echtes Handwerk wertvoller.

Jeder kann Haut weichzeichnen. Jeder kann KI über ein Gesicht laufen lassen. Jeder kann ein Plugin kaufen.

Nicht jeder kann entscheiden, wann genug ist.

High-End-Beauty-Retusche bedeutet:

  • Kontrolle
  • Respekt
  • Präzision
  • Geschmack

Du entfernst nicht das Menschliche. Du entfernst nur das, was vom Bild ablenkt.

Die Haut bleibt Haut. Das Licht wird geführt. Die Farbe wird beruhigt. Die Form wird veredelt.

Und am Ende steht kein neues Gesicht, sondern ein stärkeres Bild.

Das ist der Unterschied zwischen Bearbeitung und Kunsthandwerk.

Und genau dort beginnt die echte Retusche.

In einer Welt, die mit generischen, glattgebügelten KI-Gesichtern überflutet wird, ist die manuelle, charaktererhaltende Retusche wertvoller denn je.

Echte High-End-Retusche bedeutet heute nicht „perfekt aussehen“, sondern „echt aussehen – an einem absolut fantastischen Tag“.


Viel Erfolg bei deiner Retusche-Reise! 🎨


Über den Autor:

Brownz Art arbeitet seit Jahren mit digitaler Bildbearbeitung, Photoshop, Synthography, Composing und künstlerischer Retusche. Dieser Artikel verbindet praktische Bildbearbeitungserfahrung mit aktueller Recherche zum Stand 2026.


Canvas-Dokument: Kuratierte Linkliste High-End Beauty-Retusche 2026

Software (Main)

ToolLinkBeschreibung
Adobe Photoshopadobe.com/photoshopIndustriestandard mit Firefly-KI (GenFill, Expand), Neural Filters, umfassende Retusche-Tools, neue nicht-destruktive Adjustment-Layer
Affinity Photoaffinity.serif.comNach Canva-Übernahme als neue All-in-one-Plattform kostenlos positioniert; ältere V2-Apps bei Bestandskunden weiter nutzbar
Capture Onecaptureone.comFührend bei RAW-Workflow, Hauttönen (Skin Tone Uniformity), Tethering, seit V16.6 AI-gestützte Retouch-Faces-Funktionen
GIMP 3.0gimp.orgKostenlose Open-Source-Alternative, modernisiert 2025 mit nicht-destruktiven Filtern, besserer PSD-Kompatibilität

Adobe Photoshop – Spezielle Features & Tutorials

FeatureLinkBeschreibung
Entfernen-Werkzeughelpx.adobe.com/photoshop/remove-toolKI-gestützte Objektentfernung, 2026 deutlich verbessert
Frequency Separationadobe.com/frequency-separationOffizielles Adobe-Tutorial zur Frequenztrennung
High Pass Filteradobe.com/high-pass-filterSchärfung mit High-Pass-Filter erklärt

Capture One – Retusche-Features

FeatureLinkBeschreibung
Heal Tool / Repairing Layerssupport.captureone.com/heal-toolRepairing Layers im Detail
Repairing Layers Übersichtsupport.captureone.com/repairing-layersKomplette Übersicht Repairing Layers
Retouching & Session Toolscaptureone.com/whats-newNeueste Retusche-Features inkl. AI-Funktionen
Release Notessupport.captureone.com/release-notesAktuelle Release Notes mit neuen Features

Affinity Photo – Features & Hilfe

RessourceLinkBeschreibung
Produktseiteaffinity.serif.comOffizielle Produktseite, neue kostenlose Plattform
Frequency Separationaffinity.studio/frequency-separationFrequency Separation in Affinity Photo

GIMP – Features & Plugins

RessourceLinkBeschreibung
GIMP 3.0 User Manualdocs.gimp.org/3.0Komplettes Handbuch GIMP 3.0
Heal Tooldocs.gimp.org/heal-toolHeal Tool erklärt
Resynthesizer Plugingithub.com/resynthesizerHeal Selection Plugin für GIMP

KI-Retusche (Standalone)

ToolLinkBeschreibung
Evoto AIevoto.aiSpezialisierte KI-Lösung für Portrait-, Event-, Headshot- und Serienretusche; kombiniert Culling, Farblooks, Batch-Verarbeitung
Luminar Neoskylum.com/luminarKI-basierte Gesichts- und Hautverbesserung (Face AI, Skin AI); Abo-/Lizenzmodelle variieren

Plugins & Panels für Photoshop

Plugin/PanelLinkBeschreibung
Retouch4meretouch4.meKI-Plugin-Suite: Heal, Dodge & Burn, Eye Brilliance, White Teeth, Stray Hairs etc.; Preise nach Modul/Nutzungsmodell
Retouch4me Produkteretouch4.me/productsKomplette Plugin-Liste
Beauty Retouch Panelretouchingacademylab.com/br-uxpProfessionelles Panel von Retouching Academy Lab mit Ein-Klick-Aktionen; Preise auf Herstellerseite prüfen
DxO Nik Collectionnikcollection.dxo.comKreative Plugin-Suite: Viveza (selektive Farb-/Tonwertarbeit), Color Efex, Silver Efex
Nik Vivezanikcollection.dxo.com/vivezaSelektive Farb- und Tonwertarbeit
Nik What’s Newnikcollection.dxo.com/whats-newNeueste Features Nik Collection
Portraiture 4imagenomic.com/portraitureIntelligente Hautglättung, präzise Masken; offiziell 199,95 USD (Einzelplugin), Bundlepreise variieren

Hardware

ProduktLinkBeschreibung
Wacom Intuoswacom.com/intuosEinsteiger-Grafiktablett, ab ca. 80€
Wacom Intuos Prowacom.com/intuos-proFortgeschrittenen-Tablet, ab ca. 300€
Wacom Cintiqwacom.com/cintiqDisplay-Tablet für Profis, ab ca. 800€
Loupedeckloupedeck.comKonsolen zur Beschleunigung von Photoshop-Befehlen
Calibrite ColorChecker Displaycalibrite.comProfessionelle Monitor-Kalibrierung (Nachfolger X-Rite Fotolinie)
Datacolor SpyderXdatacolor.com/spyderxMonitor-Kalibrierung

Lernen & Tutorials (kostenlos)

Kanal/RessourceLinkBeschreibung
Phlearn (YouTube)youtube.com/phlearnUmfassende Photoshop-Tutorials, Beauty-Retusche, einsteigerfreundlich
Piximperfect (YouTube)youtube.com/piximperfectUnverzichtbare, einsteigerfreundliche Photoshop-Tutorials, sehr klare Erklärungen
Pratik Naik (Solstice Retouch)solsticeretouch.comHigh-End-Techniken, professioneller Workflow, Tutorials, Workshops
Nino Batistaninobatista.comSpezialist für Hauttöne, High-End-Workflows
Julia Kuzmenko McKimjuliakuzmenkomckim.comBeauty-Retusche-Spezialistin, professionelle Techniken

Lernen & Tutorials (kostenpflichtig)

Plattform/KursLinkBeschreibung
KelbyOnekelbyone.comAbo-Modell mit hunderten Retusche-Tutorials, Scott Kelby und Top-Instruktoren
RGG EDUrggedu.comProfessionelle Retusche-Kurse von Branchenexperten, sehr detailliert
PRO EDUproedu.comHigh-End-Kurse, Workflow-Optimierung, Panels und Presets
Udemy Portrait Retouchingudemy.comDiverse Kurse zur Portrait-Retusche, oft im Angebot, auch deutschsprachig

Inspiration & Community

PlattformLinkBeschreibung
Behance (Retouching)behance.net/retouchingPortfolio-Plattform, aktuelle Trends der Branche
Instagram #beautyretouchinginstagram.com/explore/tags/beautyretouchingCommunity, Inspiration, Trends

Bücher (Empfehlungen)

BuchAutorBeschreibung
„Professional Portrait Retouching Techniques for Photographers Using Photoshop“Scott KelbyDer Klassiker, Schritt-für-Schritt-Anleitungen
„The Adobe Photoshop Lightroom Classic CC Book for Digital Photographers“Scott KelbyRAW-Entwicklung, wichtige Basis

Hinweis zu Preisen: Software- und Plugin-Preise ändern sich regelmäßig durch Aktionen, Updates und regionale Unterschiede. Alle Preisangaben sind Richtwerte Stand 2026. Bitte aktuelle Preise direkt auf den Herstellerseiten prüfen.

Kuratiert: Diese Liste verbindet praktische Erfahrung mit aktueller Recherche zum Stand 2026.

Lizenz: Alle Links führen zu offiziellen Quellen oder renommierten Anbietern.


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