
Es gibt Leute, die reden über Kreativität. Und es gibt Leute, die machen einfach. Seit Jahrzehnten. Ohne zu fragen, ob das gerade Trend ist.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie.
Mein Name ist Peter Braunschmid. Die meisten kennen mich als Brownz. Und wenn ich heute zurückschaue auf das, was ich in den letzten vierzig Jahren gemacht habe, dann sieht das auf keinen Fall aus wie ein sauber ausgedruckter Business-Plan. Kein „Jahr 1 Ausbildung, Jahr 3 Praktikum, Jahr 10 Abteilungsleiter.“ Nichts davon.
Es sieht eher aus wie ein Bild, das hundertmal übermalt wurde. Jede Schicht ein Risiko. Jede Schicht eine Entscheidung. Und manche Schichten, die man erst versteht, wenn man weiter draufgemalt hat.
Das ist keine Entschuldigung. Das ist Methode.
Meine Laufbahn ist kein gerader Weg. Sie ist ein Composing. Mit Schnittkanten, Masken, Texturen – und der Fähigkeit, aus Fehlern Stil zu machen. Genau das, was ich seit Jahrzehnten mit Bildern mache, hab ich auch mit meinem Leben gemacht. Manchmal bewusst, manchmal nicht. Aber immer weiter.
1984. Ein Commodore 64. Und keine Ahnung, dass das eine Karriere wird.
Ich fange ganz vorne an.
- Ich bin jung, ich bin in Österreich, und ich sitze vor einem Commodore 64. Nach heutigen Maßstäben wäre das nicht mal ein ordentlicher Taschenrechner. Die Farbpalette ist ein schlechter Witz. Die Auflösung ist eine Beleidigung für jeden modernen Bildschirm. Die Disketten haben gerade genug Platz, dass man nachdenken muss, ob sich die Datei lohnt.
Und ich finde das großartig.
Nicht weil ich damals wusste, was daraus wird. Sondern weil mich das Ding fasziniert hat. Weil ich sehen wollte, was möglich ist. Weil es so etwas wie ein digitales Spielfeld war, das es vorher nicht gab.
Was ich in dieser Phase gelernt habe, ist etwas, das ich seitdem nie vergessen habe: Wer in einer begrenzten Umgebung arbeitet, entwickelt keine Angst vor Einschränkungen. Er lernt, sie zu nutzen. Wenn du keine Ebenen hast, baust du Ebenen im Kopf. Wenn du keine perfekten Verläufe hast, erfindest du sie mit Trick und Geduld. Wenn das Ergebnis nicht so aussieht wie der Traum – machst du trotzdem weiter.
Das klingt romantisch, ist aber schlicht Training. Und es erzeugt eine besondere Art von Stolz: nicht auf das Tool, sondern auf das Ergebnis trotz Tool.
Das ist die erste Lektion meiner Biografie. Und ich glaube, sie ist heute relevanter denn je. Weil die Leute gerade alle Werkzeuge haben, die ich mir damals nicht mal vorstellen konnte – und trotzdem oft ratlos vor dem leeren Bildschirm sitzen.
Die Szene, die niemand kannte – und die trotzdem meine erste Kreativschule war
Dann kam der Amiga.
Und mit ihm eine Welt, die heute kaum noch jemand kennt. Die Demo- und Cracking-Szene der späten 80er und frühen 90er war so etwas wie das erste Internet der Kreativen. Kein Algorithmus, keine Follower, keine Likes. Nur eine einzige Frage: Kannst du was liefern?
Ich konnte.
Ich habe in dieser Zeit digitale Bilder verkauft. An Intro- und Cracking-Gruppen, die meine Grafiken als visuelle Identität genutzt haben. Als Schaufenster. Als Erkennungszeichen. Als das, was man heute mit viel Business-Sprache „Branding“ nennen würde.
Das war Jugendkultur, ja. Aber es war auch frühe Kreativökonomie. In dieser Subkultur war Look Währung. Wer liefern konnte, gehörte dazu. Wer nicht liefern konnte, nicht.
Es gab keinen Business-Coach, der mir erklärt hätte, wie das funktioniert. Es gab keinen Algorithmus, der mir gesagt hätte, was gerade gut ankommt. Es gab nur: Auge, Szene, Anerkennung. Oder eben nicht.
Rückblickend war das meine erste kreative Schule. Nicht im romantischen Sinn, sondern im harten Sinn: Du wirst bewertet. Deine Arbeit zählt. Und wenn sie nicht zählt, weißt du es sofort.
Dann kam die Amiga-Zeit mit Spielegrafiken, mit Experimenten, mit Projekten, die nicht immer fertig wurden. Das sage ich bewusst so. Nicht alle Projekte wurden fertig. Ich hab das früher vielleicht als Schwäche gesehen. Heute sehe ich es anders.
„Nicht fertig werden“ ist oft Forschung. Du gehst rein, du lernst, du nimmst das Material mit. Und manchmal baust du Jahre später aus diesem unfertigen Material etwas, das du vorher nicht hättest bauen können.
Der Wechsel: Von der Chemie in die Bilderwelt
Jetzt kommt der Teil meiner Geschichte, über den ich manchmal schmunzeln muss.
Ich bin ausgebildeter Chemielaborant.
Ja, wirklich.
Und dann habe ich 1997 den Schritt gemacht, der alles verändert hat. Ich bin in die Film- und Agenturwelt gewechselt. Montevideo-Film, Monte-Projects, Event- und Werbeagenturarbeit, Museumsprojekte.
Das Jahr 1997 steht deshalb auf meinem Blog als Zeitstempel: „Fine Digital Art since 1997.“ Das ist kein nostalgischer Slogan. Das ist eine Ortsangabe. Eine Markierung, die sagt: Hier hat sich was entschieden.
1997 war „digital“ noch nicht bequem. Photoshop war in Österreich mehr Mythos als Alltag. Es gab kein YouTube mit Tutorials, kein Reddit mit Tipps, kein Instagram mit Inspiration auf Abruf. Wenn du nicht wusstest, wie was ging, musstest du es rausfinden. Durch Ausprobieren. Durch Scheitern. Durch Weitermachen.
Und die Agenturen haben mir das auf ihre eigene, manchmal brutale Art beigebracht.
Weil Agenturarbeit das größte Missverständnis über Kreativität zerstört: dass Ideen das Problem seien.
Ideen sind billig. Umsetzung ist teuer.
Umsetzung bedeutet: saubere Kanten, stimmige Lichtlogik, konsistente Farben, glaubwürdige Perspektiven. Es bedeutet, dass das Bild nicht nur im Kopf funktioniert, sondern auch im Druck, im Banner, im Museumssaal, in der Präsentation vor Menschen, die nicht fragen, wie schön dein Prozess war, sondern ob es „passt.“
Der Kunde will das morgen früh. Das Licht stimmt nicht. Die Perspektive passt nicht. Der Hintergrund ist falsch. Und du löst es trotzdem.
Wer solche Jahre überlebt, hat ein anderes Verhältnis zum Wort „Look.“ Look ist dann nicht Geschmack, sondern eine Reihe von Entscheidungen unter Druck.
Das war meine eigentliche Ausbildung. Nicht der Lehrplan, nicht die Schule, nicht die Zertifikate. Sondern diese Jahre in Agenturen, wo jemand auf dich zeigt und sagt: Ich brauch das bis morgen.
Und du lieferst.
Die Community-Zeit: Bevor irgendjemand Likes kannte
Anfang der 2000er passiert etwas Seltsames.
Menschen fangen an, Bilder ins Internet zu stellen. Ohne zu wissen, was das bedeutet. Ohne Plan, ohne Strategie, ohne Social-Media-Manager im Hintergrund.
Ich bin dabei. Auf U-Boot – für alle, die den Namen nicht kennen: eine Plattform, die von 1999 bis 2013 existiert hat und zwischenzeitlich Millionen registrierter Nutzer im deutschsprachigen Raum hatte. Profile, Gästebücher, Bildalben, Foren. Heute klingt das wie Archäologie. Damals war es revolutionär.
Und diese Zeit hat mich geprägt auf eine Art, die ich damals nicht mal benennen konnte.
In dieser Community habe ich begriffen, dass Wissen keine Einbahnstraße ist. Dass wenn du zeigst, wie du was machst, das nicht dein Können schmälert. Sondern vermehrt.
Die Leute wollten wissen: Welche Ebenen? Welche Maske? Wie hast du das gemacht? Welche Technik steckt dahinter?
Und ich habe geantwortet. Immer. Weil ich selbst so angefangen habe – von anderen zu lernen, Sachen nachzumachen, zu verstehen, bevor ich es selbst gemacht habe.
Das ist der Ursprung von allem, was später kommt. Das Teilen von Wissen ist nicht Altruismus bei mir. Es ist Überzeugung. Wer sein Handwerk wirklich beherrscht, hat keine Angst davor, es zu zeigen. Im Gegenteil.
Und in dieser Phase entstehen auch die ersten richtigen Gemeinschaften. Nicht im Social-Media-Sinn. Sondern im echten Sinn: Menschen, die zusammen etwas entwickeln. Zusammen besser werden. Zusammen eine Ästhetik schaffen.
Das waren die Vorfahren heutiger Creator-Communities. Nur ohne den Business-Layer drüber.
Photoshop, CorelDRAW und die Frage, welches Werkzeug das richtige ist
Mit dem PC verschiebt sich meine Geschichte von Szene zu Beruf. CorelDRAW ist eine Zwischenstation. Dann kommt Photoshop.
Und Photoshop bleibt.
Nicht weil ich keinen anderen gewählt hätte. Sondern weil Photoshop in dieser Zeit das war, was ich brauchte: ein Werkzeug, das mit meiner Denkweise übereinstimmt. Ebenen, Masken, Blendmodi, Schichten. Ich denke in Schichten. Ich habe immer in Schichten gedacht, auch bevor es Photoshop gab. Der Commodore 64 hat mich gelehrt, Ebenen im Kopf zu bauen. Photoshop hat mir gezeigt, dass man das auch auf dem Bildschirm machen kann.
Das klingt simpel. Aber es ist eigentlich alles.
Wer Photoshop wirklich versteht, versteht es nicht als Programm. Er versteht es als Denkmodell. Als eine Art, Probleme zu lösen. Als eine Sprache, in der man visuelle Behauptungen formuliert.
Und ich formuliere seitdem täglich in dieser Sprache.
Vom Forum zur DVD: Als Content noch auf Plastik gebrannt wurde
Um 2005, 2006 beginne ich, Videotrainings ernst zu nehmen.
Nicht weil jemand gesagt hat, dass das eine gute Idee ist. Sondern weil die Fragen aus der Community nicht weniger werden. Weil das Bedürfnis nach strukturiertem Wissen wächst. Weil ich merke, dass ein Forum-Post nicht ausreicht, um wirklich zu erklären, wie etwas funktioniert.
2013 erscheint dann das erste große Video-Training unter dem Label Galileo Press: „Faszinierende Photoshop-Welten mit Peter Brownz Braunschmid.“ DVD-ROM, Komplettworkshop, alles auf einem Datenträger.
Das klingt heute nach Archäologie. DVD-ROM. Ich weiß.
Aber die DVD-Ära hat mich etwas gelehrt, das ich nicht missen möchte: Sie hat mich gezwungen, Dinge zu Ende zu denken.
Wenn du ein Training auf Datenträger veröffentlichst, kannst du nicht am nächsten Tag einen Patch nachliefern. Kein Update, kein „in der nächsten Version erklären wir das besser.“ Du musst Inhalte so bauen, dass sie ohne Kontext bestehen. Dass jemand die Scheibe einlegt, alleine zu Hause sitzt, und trotzdem versteht.
Das ist didaktisches Handwerk. Und didaktisches Handwerk ist verwandt mit Bildhandwerk.
Beides ist Struktur. Beides ist die Fähigkeit, Komplexität so zu organisieren, dass jemand anderes sie benutzen kann. Beides verlangt, dass du weißt, was wichtig ist und was nicht. Dass du Prioritäten setzt. Dass du weglässt, was ablenkt.
Wer das kann, kann auch Bilder machen. Und wer Bilder machen kann, kann das meistens auch erklären.
DOCMA und die Fachmedien: Eine lange Zusammenarbeit
Parallel dazu entstehen die Artikel. In DOCMA, der wichtigsten deutschsprachigen Fachzeitschrift für digitale Bildbearbeitung. In DigitalPHOTO. In Photoshop-Magazinen bei falkemedia.
DOCMA ist für mich mehr als ein Publikationsort. Es ist eine Verbindung zur Gemeinschaft der Menschen, die das, was ich mache, wirklich verstehen. Die nicht fragen, ob das „KI“ ist oder „echte Kunst“, weil sie wissen, dass diese Frage die falsche ist.
Mein Porträt-Workflow wird in DOCMA auf drei Grundschritte heruntergebrochen: Raw-Entwicklung, Textur-Überlagerung, Detailverstärkung. Dazu kommen Downloadpakete mit Presets, Texturen, Videos. Ganze Heftausgaben tragen meinen Workflow als Titelthema.
In DOCMA 98 erscheint „Brownz‘ Porträt-Workflow.“ In DOCMA 99 die „Brownz-Vorgaben.“ In DOCMA 100 gibt es dann einen Blick zurück – mit einem augenzwinkernden Verweis auf „100 Jahre Brownz-Art.“
Das ist kein Jubiläumswitz. Das ist eine Anerkennung, die ich nicht als selbstverständlich nehme. Brownz ist in dieser Szene nicht Gast. Er ist Bestandteil. Das stimmt, und das bedeutet mir was.
In DOCMA werden außerdem „Brownz-Vorgaben“ und Workflows dokumentiert, teils als Gratis-Inhalte, teils als Premium-Pakete. Das ist die Fortsetzung dessen, was in den Community-Foren begann: Wissen in Umlauf bringen. Nicht als Marketing, sondern als Haltung.
In DigitalPHOTO erscheint am 18. November 2016 ein Artikel von mir: „So erstellen Sie ein surreales Fantasy Composing.“ Ich beschreibe darin sehr konkret meine Vorgehensweise. Inspiration sammeln – ein Ordner als Ideenfundus. Austausch mit dem Model, weil das Bild ohne diesen Dialog nicht funktioniert. Shooting in zwei Teilen, weil ich Model und andere Elemente getrennt fotografiere und getrennte Elemente später mehr Freiheit geben. Fotografieren vor grauem Hintergrund, damit das Freistellen sauber wird.
Das klingt nicht glamourös. Soll es auch nicht. Das ist Produktionsrealität. Und wer meine Arbeit verstehen will, muss verstehen, dass bei mir Planung und Ausführung zusammengehören. Das Bild fängt nicht in Photoshop an. Es fängt mit einem Ordner voller Inspiration und einem Gespräch mit dem Model an.
In der falkemedia-Photoshop-Ausgabe 04/2013 gibt es einen Making-of-Workshop zu einem „Photoshop-Wolpertinger“ – eine Montage aus zwei Tierfotos als Einstieg in Ebenen und Masken. Was lustig klingt, ist eigentlich der Kern meines Ansatzes: Ich nehme zwei Dinge, die nicht zusammengehören, und mache sie so glaubwürdig, dass dein Gehirn kurz Ja sagt. Das ist Compositing. Das ist das Handwerk hinter den Bildern.
Wie ein Brownz-Bild wirklich entsteht
Ich möchte an dieser Stelle kurz innehalten und erklären, wie mein Workflow wirklich aussieht. Nicht als Geheimnistuerei, sondern weil ich glaube, dass das Verstehen des Prozesses genauso wichtig ist wie das Ergebnis.
Es fängt mit Sammeln an.
Immer.
Ich habe Ordner mit Inspirationsbildern. Nicht weil ich keine eigenen Ideen hätte, sondern weil Kombinieren die Grundgeste von Kreativität ist. Wer einen Fundus hat, ist nicht mehr abhängig vom Moment. Er kann kombinieren, schichten, übersetzen. Das ist keine Schwäche. Das ist Methode.
Dann kommt der Dialog. Mit dem Model, mit dem Motiv, mit der Idee. Ich habe das in DigitalPHOTO geschrieben und ich sage es hier nochmal: Der Austausch ist wichtig. Nur so kann das Bild funktionieren. Eine Pose, die das Model nicht trägt, trägt auch das Bild nicht. Eine Stimmung, die nicht verhandelt wurde, wirkt im Bild aufgesetzt. Ich nehme mir diese Zeit. Immer.
Dann das Shooting. Meistens getrennte Elemente. Model hier, weiteres Material da, beides vor grauem Hintergrund, damit das Freistellen sauber wird. Das klingt unromantisch – und das ist es auch. Es ist Investition in spätere Freiheit. Wer jetzt sauber arbeitet, kann später alles machen. Wer jetzt schludert, kämpft nachher mit jeder Maske.
Danach erzeuge ich nicht eine Raw-Entwicklung, sondern mehrere. Verschiedene Stimmungen, verschiedene Klimata, verschiedene Richtungen. Und dann schichte ich sie. Ebenen, Blendmodi, Masken. Das ist nicht „einen Look anwenden.“ Das ist Regie. Das ist das Entscheiden, was im Bild wichtig sein darf und was nicht.
Dann Textur. Bei mir ist Textur keine Dekoration. Sie ist Atmosphäre. Sie ist die unsichtbare Schicht, die ein Bild von „clean“ zu „lebt“ kippt. Eine gute Textur macht ein Bild nicht komplizierter. Sie macht es echter.
Dann Detailverstärkung. Mikrokontrast, lokale Schärfe, Akzente da, wo das Auge hingehen soll. Das ist die Phase, in der das Bild aufwacht.
Und dann die entscheidende Frage, die ich mir bei jedem Bild stelle: Stimmt die Physik?
Passt das Licht? Kommen die Schatten von der richtigen Seite? Ist die Perspektive glaubwürdig? Funktioniert das Bild, wenn man es sich vorstellt, als wäre es eine Fotografie?
Diese Frage ist der Kern. Wer sie nicht stellt, baut Effekte. Ich baue Bilder.
Synthografie: Was das Wort bedeutet und warum ich es brauche
Irgendwann brauchte ich ein Wort für das, was ich mache.
Nicht „Fotomontage“ – zu eng. Nicht „digitale Kunst“ – zu weit. Nicht „KI-Kunst“ – komplett falsch.
Synthografie.
Hybrid aus Fotografie, Malerei, digitalen Tools, KI-Komponenten und Photoshop-Kontrolle. Ein Begriff, der sagt: Das hier ist eine Synthese. Nicht eine Sache, sondern viele Dinge zusammen, die erst gemeinsam das werden, was sie sein sollen.
Auf Threads beschreibe ich mich so: „Photoshop & Synthography. DigiArt. DarkArt. Der aus der DOCMA.“
Das ist ein kurzer Satz. Aber er enthält alles: Technik, Verfahren, Genre, Reputation.
Ich verwende KI als Schicht, nicht als Ersatz. Ich nutze generative Tools da, wo sie helfen – und behalte die Kontrolle da, wo sie entscheidet. Der Output interessiert mich nur, wenn er Entscheidungen trägt. Wenn ich sehen kann, dass da jemand – ich – etwas gewollt hat.
Das unterscheidet Synthografie von dem, was viele „KI-Kunst“ nennen.
KI-Kunst ist oft: Prompt rein, Bild raus, posten.
Synthografie ist: Konzept, Dialog, Shooting, Rohmaterial, Entwicklung, Schichtung, Textur, Kontrolle, Verfeinerung, Entscheidung.
Der Unterschied ist nicht das Tool. Der Unterschied ist der Anspruch.
Und in einer Zeit, in der jeder ein Bild generieren kann, ist dieser Anspruch das, was zählt.
Physische Werke in einer digitalen Welt: Warum ich Unikate baue
Jetzt wird es für manche vielleicht überraschend.
Ich, der Mann, der seit 1984 digital arbeitet, der Photoshop kennt wie seine Hosentasche, der KI-Tools einsetzt bevor die meisten wussten, wie man das buchstabiert – ich verkaufe meine Arbeiten als physische Unikate.
Auf brownzart.com sind die Werke keine digitalen Dateien. Sie sind Objekte. Synthografie-Basis, aus Handzeichnungen und Foto-Inputs entwickelt, anschließend mit Acryl veredelt. Fine-Art-Print auf William Turner Büttenpapier. Meistens 60 x 90 cm. Handsigniert. Mit Echtheitszertifikat.
Und dann dieser Satz, der alles sagt: „Kein Reprint. Kein zweites Mal.“
Das ist eine bewusste Entscheidung. Eine Gegenbewegung.
In einer Welt, in der alles endlos kopierbar ist, in der ein digitales Bild millionenfach geteilt werden kann ohne dass es sich verändert oder erschöpft, baue ich Seltenheit. Nicht über Blockchain-Rhetorik, nicht über NFT-Spielchen, nicht über künstliche Verknappung.
Sondern über das simpelste Prinzip: Es existiert als Objekt. Einmal. Und wenn es weg ist, ist es weg.
Das klingt altmodisch. Und genau deshalb funktioniert es.
Dazu kommt das Format, das ich „Limited. Iconic. XOXO.“ nenne. Ein Werk, einen Monat, dann weg. Keine zweite Chance, kein Reprint, keine spätere Edition. Das zwingt zur Entscheidung. Und Entscheidungen sind das, was digitale Beliebigkeit meistens nicht produziert.
Ich baue damit etwas, das in der digitalen Kunstwelt selten geworden ist: Vergänglichkeit. Das Gefühl, dass etwas jetzt da ist und nachher nicht mehr. Das ist kein Trick. Das ist eine Aussage über den Wert von Dingen.
Das Wissen als Ökosystem
Neben den Unikaten gibt es das Wissen.
Was früher DVD war, ist heute der Brownz Hub. Ein Jahresabo. Ein „lebendiger Dropbox-Ordner“, der sich ständig füllt. Presets, Texturen, Pinsel, PSD-Strukturen, Videos. Über 400 GB Arbeitsdaten.
Das ist nicht Content im üblichen Sinn. Das ist Produktionskapital.
Der Unterschied ist wichtig: Tutorials schaut man sich an und vergisst sie. Werkzeuge benutzt man jahrelang. Presets, Texturen, Pinsel, PSD-Strukturen – das sind Dinge, die in neuen Bildern immer wieder auftauchen. Die sich verbinden mit neuen Ideen und neuen Projekten. Die mit einem wachsen.
Auf brownzart.com gibt es konkrete Optionen: Digitaler Zugang für 49 Euro, klassisch auf DVDs oder USB-Stick für 69 Euro, und ein „Brownz XXL Archiv“ von über 400 GB auf einer 500-GB-USB-Festplatte für 250 Euro.
Das sind keine abstrakten Pakete. Das sind Archive. Bibliotheken. Ich denke in Datenschichten, nicht nur in Bildschichten. Wissen ist bei mir nicht nur ein Video. Wissen ist ein Bestand. Und wer in einer kreativen Arbeit wirklich produktiv sein will, braucht Bestände, auf die er zurückgreifen kann.
Das Coaching-Angebot ist die dritte Säule: Ein Tag Personal Coaching in Linz, 10 bis 16 Uhr, inklusive über 400 GB Arbeitsdaten und allen BrownzArt Videos für 444 Euro. Für Wiederholungstäter oder Menschen, die das Archiv schon haben, gibt es günstigere Optionen.
„FULL SCALE PHOTOSHOP. 100% Brownz. NO SECRETS.“
Das ist kein Werbeslogan. Das ist eine Haltung. Die Haltung eines Handwerkers, der weiß, dass Geheimnisse nichts bringen. Weil Qualität sowieso keine Frage von Tricks ist. Weil das Handwerk für jeden lernbar ist, der es wirklich lernen will.
Und weil ich selbst so angefangen habe: von anderen lernen, nachfragen, nachbauen, verstehen.
Das Archiv als Superkraft
Es gibt etwas in meiner Arbeitsweise, das ich lange nicht bewusst benennen konnte, das aber vielleicht das Wichtigste ist: Ich denke in Archiven.
Nicht nur in Werken. In Beständen.
Das sieht man an den Zahlen – 400 GB Arbeitsdaten sind kein Zufall. Das sieht man an der Sprache meines Blogs – „Archiv“, „Ordner“, „Bibliothek.“ Das sieht man an der Asset-Mentalität auf DeviantArt, wo ich als „BrownzArt“ mit umfangreichen Galerien präsent bin, darunter Serien zu „Angels“, „Stock and Freeloads“ und Fantasy-Arbeiten, also nicht nur fertige Werke, sondern auch Texturen, PSDs, Backdrops. Dinge, die andere benutzen können.
Das ist eine alte Szene-Haltung, die ich nie abgelegt habe: Wenn eine Ästhetik leben soll, muss sie in Umlauf gehen.
Und für mich persönlich bedeutet das: Ich muss nicht bei jedem Projekt bei Null anfangen. Ich beginne bei Schicht 37. Und Schicht 37 ist meistens spannender als Schicht 1.
Das ist eine stille Superkraft. Wer ein Archiv hat, hat immer Ausgangsmaterial. Wer immer Ausgangsmaterial hat, kann immer weiterbauen. Das macht dich in gewisser Weise unkaputtbar.
Der Blog als Atelier
Mein Blog brownz.art ist dabei mehr als „Blog.“
Er ist eine Werkzeugkiste. Mit Kategorien wie BildLooks, Texturen, Brushes, Plugins, PS Actions, Tools, Making-of. Und daneben die essayistischen Rubriken Kontext und Gelebt. Das ist nicht die Struktur eines Portfolios. Das ist die Struktur eines Ateliers, das neben Leinwänden auch Schubladen hat. Und jede Schublade enthält Dinge, die man später wieder braucht.
In der Kategorie „Art Of Brownz“ sind Werk und Erzählung eng verwoben. Nicht nur Bildposts, sondern auch Texte über Fanprojekte, über Chaos als Methode, über Nächte am Rechner.
In einem Beitrag über „Star Wars Madness“ – einem Fanvideo, das ich in einer Nachtschicht zusammengebaut habe – schreibe ich: „Das Chaos ist nicht der Bug. Das Chaos ist das Feature.“
Das ist, nebenbei, eine sehr zeitgenössische Aussage über generative KI. Wer mit diesen Tools arbeitet, kennt das Chaos. Die Frage ist nur, ob man es wegretuschiert oder in Stil verwandelt.
Ich wähle immer Stil.
Und in einem meiner programmatischen Texte formuliere ich die Grundhaltung, die das alles zusammenhält: „Alles ist Input.“
Damit meine ich kein leeres Motivations-Mantra. Ich meine eine konkrete Praxis: sammeln, archivieren, verdichten. Ein Werbeplakat, das halb abgerissen ist. Eine Textur von einer Wand. Ein Lichtreflex am Asphalt. Ein Foto, das technisch „misslungen“ ist, aber eine Stimmung hat. Alles kann später Schicht werden.
Diese Haltung hat eine Nebenwirkung: Sie macht dich unkaputtbar. Wer immer Input hat, hat immer Ausgangsmaterial. Wer immer Ausgangsmaterial hat, kann immer weiterbauen. Und wer immer weiterbauen kann, kommt nie wirklich zum Stillstand.
Die Brownz-Sprache: Halb Manifest, halb Augenzwinkern
Es gibt noch etwas, das ich erwähnen möchte. Nicht als Eigenlob, sondern als ehrliche Reflexion.
Ich habe über die Jahre eine eigene Sprache entwickelt. Eine Stimme. Die sich durch alles zieht, was ich schreibe und zeige.
Auf meiner „Limited. Iconic. XOXO.“-Seite steht wörtlich: „Kein Reprint. Kein NFT.“ Und danach: weg.
Das ist keine Hochglanz-Galerie-Sprache. Das ist kein akademischer Kunsttext. Das ist direktes Reden. Mit Haltung und mit einem Augenzwinkern. Ich nehme die eigene Kunst ernst, aber ich nehme die Kultur, in der sie verkauft wird, nicht als sakral.
Ich nenne mich selbst manchmal „Der Brownz.“ Weil dieser Name eine Figur ist, die größer ist als mein bürgerlicher Name. Weil Brownz eine Haltung hat, die Peter Braunschmid manchmal erst entwickeln musste.
Und ich glaube, dass genau diese Sprache einen Unterschied macht. In einer Branche, in der alle versuchen, „professionell“ zu klingen, klingt jemand, der einfach redet, wie er denkt, heraus. Nicht laut. Aber klar.
Das zieht Menschen an, die nicht wissen wollen, welche Blendmodes ich verwendet habe, sondern ob das Bild ihnen etwas gibt. Und dann, für die Menschen, die es wissen wollen, liefere ich die Blendmodes gleich mit. Als Presets, als Download, als Coaching.
Das ist das Modell. Und es funktioniert, weil die drei Säulen sich nicht kannibalisieren: Das Kunstwerk bleibt rar und wertig, das Wissen bleibt zugänglich und lebendig, und der direkte Kontakt beim Coaching bleibt das Premium. Jede Säule stützt die anderen.
Warum das 2026 wichtig ist
Zum Schluss möchte ich noch etwas sagen, das über meine persönliche Geschichte hinausgeht.
In der Gegenwart ist Bildproduktion so leicht geworden, dass viele Menschen den Wert von Bildproduktion vergessen. Ein Prompt, ein Klick, ein Output. Doch je leichter das Erzeugen wird, desto wichtiger wird das Kuratieren. Nicht jedes Bild ist ein Werk. Nicht jeder Output ist eine Entscheidung.
Mein Modell – Unikat-Logik, Asset-Kultur, Workflow-Disziplin – ist eine Antwort auf diese Entwertung. Ich setze nicht auf Masse, sondern auf Autorenschaft.
Das ist nicht nostalgisch. Das ist zeitgemäß.
Weil die Frage, die alle stellen – „Kann ich das auch mit KI machen?“ – die falsche Frage ist. Die richtige Frage ist: „Weiß ich, was ich will, bevor das Tool anfängt?“
Wer das weiß, kann jedes Tool benutzen. Wer das nicht weiß, wird vom Tool benutzt.
Ich nutze Tools. Seit 1984. C64, Amiga, PC, Photoshop, CorelDRAW, KI-Generatoren, JSON-Programmierung im Dialog. Jedes davon war ein Werkzeug, das ich eingesetzt habe, um etwas zu sagen. Nie umgekehrt.
Das ist, glaube ich, das Einzige, das wirklich zählt.
Nicht wie lange man dabei ist. Nicht wie viele Tools man kennt. Nicht wie viele Follower man hat.
Sondern ob man weiß, was man sagen will. Und ob man es sagt.
Ich sage es seit 1984. Und ich habe nicht vor aufzuhören.
Peter „Brownz“ Braunschmid ist unter brownzart.com und brownz.art zu finden. Wer tiefer einsteigen will: Der Brownz Hub, die Coachings und die Unikat-Galerie sind dort dokumentiert. Kontakt: brownz@brownz.art
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