
Warum ein Werkzeug weder Kunst macht noch Kunst entwertet
Sobald ein Künstler KI verwendet, ist er plötzlich kein Künstler mehr. Diesen Satz höre ich inzwischen fast jede Woche. Und ich sage es gleich direkt: Diese Sichtweise greift für mich deutlich zu kurz.
Ich bin seit den tiefsten 80er-Jahren kreativ unterwegs – malerisch und digital. Seit den 90ern mache ich das hauptberuflich, arbeite für Agenturen und habe in dieser Zeit so ziemlich alles verwendet, was mir geholfen hat, Bilder zu entwickeln, zu bearbeiten und fertig zu bauen.
Heute gehört auch KI zu diesen Werkzeugen. Das entwertet weder meine Erfahrung noch meine Arbeit. Es löscht auch nicht plötzlich die Jahrzehnte davor aus. So funktioniert Kunst nicht. Und ehrlich gesagt: So funktioniert auch kein anderer kreativer Beruf.
Ein Prompt allein erklärt noch keine künstlerische Arbeit
Natürlich kann heute jemand einen kopierten Prompt in ChatGPT oder irgendein anderes System werfen, ein Foto hochladen und danach sagen, er arbeite jetzt als KI-Künstler. Das ist erst einmal seine Sache. Für mich sagt ein einzelner Prompt aber noch wenig darüber aus, wie viel eigene Idee, Auswahl und Bearbeitung im Ergebnis steckt.
Nur: Das ist kein neues Problem.
Wenn sich früher jemand eine teure Kamera gekauft und dreimal ein Model aus einer Modelkartei fotografiert hat, war er deshalb auch nicht automatisch Star-Fotograf. Die neueste Sony, Canon oder Schieß-mich-tot-Kamera hat aus niemandem über Nacht einen guten Fotografen gemacht.
Die Kamera macht nicht das Bild. Der Fotograf macht das Bild.
Und die KI macht nicht die Kunst. Der Künstler macht die Kunst.
Ein Werkzeug kann Möglichkeiten eröffnen. Es kann Abläufe beschleunigen, Fehler ausgleichen, Ideen anstoßen oder Dinge möglich machen, die vorher sehr aufwendig waren. Aber es liefert dir nicht automatisch Haltung, Geschmack, Bildgefühl, Erfahrung, Auswahl, Konsequenz und eine eigene Handschrift. Genau dort beginnt die eigentliche Arbeit.
Wir müssen endlich unterscheiden, worüber wir reden
Was mir an vielen KI-Diskussionen fehlt, ist die Differenzierung. Da wird oft alles, was irgendwo KI berührt hat, in denselben Kübel geworfen. Das wird den unterschiedlichen Arbeitsweisen nicht gerecht – genauso wenig, wie man jedes Bild, das jemals durch Photoshop gelaufen ist, automatisch gleich beurteilen würde.
Schauen wir uns das einmal vernünftig an. Es gibt zum Beispiel:
- ein vollständig generiertes Bild, das nur aus einem Textprompt entstanden ist,
- ein generiertes Bild mit eigenen Fotos, Skizzen oder Gemälden als Bild-Input,
- eine Bildidee, die über viele Varianten, Auswahlen und gezielte Eingriffe entwickelt wurde,
- ein Composing, bei dem KI nur einzelne Teile ergänzt oder ersetzt,
- klassische Bildbearbeitung, bei der KI Hautmakel, Kabel oder störende Personen entfernt,
- eine Mischform aus Fotografie, Malerei, Photoshop, Zeichnung, Synthografie und Handarbeit.
Diese Aufzählung ist keine Rangliste. Sie sagt nicht besser oder schlechter. Sie zeigt nur, dass Menschen auf sehr unterschiedliche Weise mit KI arbeiten.
Das sind unterschiedliche Arbeitsweisen mit unterschiedlichen Anteilen an eigener Vorbereitung, Auswahl, Bearbeitung und Ausführung. Keine davon wird allein durch ein Etikett automatisch gut oder schlecht. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Bei mir gibt es praktisch kein reines Prompt-Bild
Ganz am Anfang, als ich Midjourney ausprobiert habe, gab es natürlich diese Phase: Prompt eingeben, schauen, was passiert, staunen, fluchen, noch einmal probieren. Das gehört zum Kennenlernen eines neuen Werkzeugs dazu.
Ich habe aber sehr schnell nach Möglichkeiten gesucht, mit eigenen Bildern und eigenem Material zu arbeiten. Mich interessiert weniger, was ein System ohne meinen eigenen Bild-Input erzeugt. Mich interessiert, wie ich ein Ergebnis in meine Bildwelt bekomme.
Ich wähle aus. Ich verwerfe. Ich kombiniere. Ich übermale. Ich retuschiere. Ich verändere Licht, Farbe, Form, Ausdruck und Komposition. Ich gehe zurück in Photoshop, baue weiter, nehme wieder etwas heraus und fange manchmal von vorne an. Das Ergebnis muss zu mir passen – nicht zur Standardeinstellung irgendeines Systems.
Man kann diese Arbeit mögen oder nicht mögen. Völlig legitim. Aber zu behaupten, sie sei keine künstlerische Arbeit mehr, nur weil an irgendeiner Stelle KI beteiligt war, greift für mich zu kurz.
Technik war noch nie der Künstler
Die Kunstgeschichte ist voll mit neuen Werkzeugen, Techniken und Produktionsweisen, über die zuerst geschimpft wurde. Fotografie, digitale Bildbearbeitung, 3D, Compositing, Filter, automatische Retusche – jedes Mal wurde irgendwo der Untergang der echten Kunst ausgerufen.
Das Werkzeug verändert den Prozess. Manchmal verändert es auch die Bildsprache. Aber es ersetzt nicht automatisch die Person, die Entscheidungen trifft.
Genau da liegt für mich der entscheidende Punkt: Wer führt? Wer entscheidet? Wer erkennt, dass ein Bild funktioniert oder eben nicht? Wer hat die Idee, die Erfahrung und den Mut, etwas wegzuwerfen, obwohl es technisch beeindruckend aussieht?
Wenn die Antwort darauf immer nur die Software ist, wird das Ergebnis wahrscheinlich ziemlich austauschbar. Wenn aber ein erfahrener kreativer Mensch das Werkzeug bewusst einsetzt, dann bleibt es ein Werkzeug. Ein mächtiges, manchmal nerviges, manchmal großartiges – aber eben ein Werkzeug.
Kritik an KI ist trotzdem berechtigt
Damit wir uns richtig verstehen: Ich finde nicht automatisch alles großartig, nur weil KI draufsteht. Ganz im Gegenteil.
Der Energie- und Wasserverbrauch großer Rechenzentren ist ein reales Thema. Das taugt mir auch nicht. Ich halte nichts davon, berechtigte ökologische Fragen mit ein bisschen Technikbegeisterung zuzudecken. Gleichzeitig sollte man auch hier sauber bleiben: Nicht jeder Rechenzentrumsverbrauch ist KI, und der tatsächliche Wasserbedarf hängt stark von Standort, Strommix, Kühlung, Hardware und Auslastung ab.
Pauschale Horrorzahlen pro Prompt oder pro Bild klingen gut in Überschriften, sagen aber oft weniger aus, als man glaubt. Die Belastung ist real. Die Berechnung ist kompliziert. Beides kann gleichzeitig stimmen.
Und wenn morgen jemand die KI abschaltet? Dann mache ich meine Bilder trotzdem weiter.
Ich habe rund 30 Jahre lang ohne generative KI gearbeitet. Photoshop läuft auch lokal. Malerei funktioniert erstaunlicherweise noch immer ohne Rechenzentrum. Fotografie, Zeichnung, Composing und all die anderen Dinge verschwinden nicht, nur weil ein neues Werkzeug wegfällt.
KI ist für mich keine künstlerische Überlebensmaschine. Sie ist eine zusätzliche Möglichkeit.
Nein, KI nimmt mir meine Vergangenheit nicht weg
Wenn mir jemand sagt: „Du machst jetzt KI, also bist du kein Künstler mehr“, dann ist das ungefähr so, als würde man einem Fotografen nach Jahrzehnten Berufserfahrung erklären, er sei kein Fotograf mehr, weil seine neue Kamera einen Augenautofokus hat.
Meine Erfahrung ist nicht plötzlich weg. Mein Blick ist nicht weg. Meine Bildsprache ist nicht weg. Meine Kunden und Sammler sind übrigens auch noch da. Die Arbeiten verkaufen sich weiterhin. Ich lebe noch. Und ich habe nicht vor, wegen solcher Diskussionen meine künstlerische Arbeit infrage zu stellen.
Man darf KI-Kunst ablehnen. Man darf sie hässlich finden. Man darf reine Prompt-Bilder wenig interessant finden. Man darf Fragen zu Urheberrecht, Trainingsdaten, Transparenz, Energie und Wasser stellen. Das ist alles notwendig.
Aber man sollte trotzdem in der Lage sein, zwischen einem Knopfdruck, einem komplexen Workflow und jahrzehntelanger kreativer Erfahrung zu unterscheiden.
Meine persönliche Sicht – nicht die einzig wahre Wahrheit
Ich sage nicht, dass meine Meinung die einzig richtige ist. Das ist meine Sicht der Dinge, entstanden aus vielen Jahren Praxis mit Malerei, Fotografie, Photoshop, Agenturarbeit, digitaler Kunst und inzwischen eben auch KI.
Ich benutze als kreativer Mensch die Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Nicht blind. Nicht kritiklos. Aber so, wie sie zu meiner Arbeit und zu meinen Bildern passen.
Am Ende interessiert mich nicht, ob jemand das Werkzeug moralisch oder modisch findet. Mich interessiert, ob das Bild funktioniert. Ob es eine Haltung hat. Ob es nach mir aussieht. Und ob ich dahinterstehen kann.
Das war’s.
Wenn du deinen eigenen KI-Workflow entwickeln willst
Wer nicht nur irgendeinen Prompt kopieren, sondern KI sinnvoll in den eigenen kreativen Workflow einbauen möchte, kann weiterhin zu mir ins Personal Coaching nach Linz kommen.
Wir arbeiten dort nicht nach einem starren KI-Rezept. Wir schauen uns deine Bilder, deine Fragen und deine Arbeitsweise an. Photoshop, Composing, Retusche, Synthografie, Bildideen und KI dort, wo sie tatsächlich etwas bringt. Nicht mehr und nicht weniger.
Du bringst deine Themen mit. Wir bauen gemeinsam einen Workflow, der zu dir passt. Ohne Geheimniskrämerei und ohne die Vorstellung, ein Prompt allein wäre schon der ganze kreative Prozess.
Alle Infos: Personal Coaching bei BROWNZ in Linz
Kurzer Faktencheck
Stromverbrauch: Die Internationale Energieagentur bezifferte den Anteil von Rechenzentren am weltweiten Stromverbrauch für 2024 auf rund 1,5 Prozent. KI ist dabei nur eine von mehreren Anwendungen. Die IEA erwartet gleichzeitig einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Die ökologische Kritik ist also nicht erfunden – pauschal jeden Rechenzentrumsverbrauch der generativen KI zuzurechnen wäre aber falsch.
Wasserverbrauch: Rechenzentren können direkt für die Kühlung und indirekt über die Stromerzeugung Wasser beanspruchen. Wie viel, unterscheidet sich extrem nach Standort, Klima, Kühlsystem, Strommix, Servereffizienz und Auslastung. Eine Untersuchung des Lawrence Berkeley National Laboratory zeigt bei einzelnen Workloads Unterschiede um mehr als den Faktor 10.000. Eine allgemeingültige Literzahl pro KI-Bild wäre daher unseriös.
Menschliche Gestaltung und Urheberrecht: Das U.S. Copyright Office unterscheidet ausdrücklich zwischen bloßem Prompting und ausreichender menschlicher Gestaltung, Auswahl, Anordnung oder Bearbeitung. KI-Unterstützung schließt Schutz dort nicht automatisch aus. Das ist eine interessante internationale Einordnung, aber keine Rechtsauskunft für Österreich.
Quellen und weiterführende Links
- International Energy Agency – Energy and AI: https://www.iea.org/reports/energy-and-ai – Bericht zu Strombedarf, Rechenzentren und KI
- IEA – Understanding the energy-AI nexus: https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/understanding-the-energy-ai-nexus – Einordnung des globalen Stromverbrauchs von Rechenzentren
- Lawrence Berkeley National Laboratory – Water use of data center workloads: https://eta.lbl.gov/publications/water-use-data-center-workloads – Studie zu den starken Unterschieden beim Wasserverbrauch
- U.S. Copyright Office – Copyright and Artificial Intelligence, Part 2: https://www.copyright.gov/newsnet/2025/1060.html – Einordnung zu Prompting, menschlicher Gestaltung und Schutzfähigkeit
- BROWNZ ART – offizielle Homepage: https://www.brownzart.com/
- Coaching & Workshops: https://www.brownzart.com/coachings
- Personal Coaching in Linz: https://brownz.art/2026/06/27/personal-coaching-bei-brownz-in-linz/
- Kontakt: https://www.brownzart.com/kontakt
Linkprüfung: Alle angeführten Links wurden am 9. August 2026 auf Erreichbarkeit und Zielseite geprüft.
Dieser Beitrag basiert auf meiner gesprochenen Originalaussage und meiner persönlichen Erfahrung. Für Redaktion, Struktur und Faktenprüfung wurde KI als Werkzeug eingesetzt. Haltung, Beispiele und Endentscheidung stammen von mir.
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