
Ein Praxis-Guide für Profis und ambitionierte Creator
Photoshop hat sich auch 2025 weiterentwickelt. Die Verschmelzung von klassischen Pixelmanipulations-Tools mit KI-gestützten Funktionen hat eine Filter-Landschaft geschaffen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar war.
Nach über 30 Jahren täglicher Arbeit mit Photoshop zeige ich Dir heute die zehn Filter, die Du wirklich beherrschen solltest – und wie Du sie optimal einsetzt.
1. Neural Filters – Das Schweizer Taschenmesser
Wo Du ihn findest: Filter → Neural Filters
Was 2021 als experimentelles Feature begann, ist 2025 zum mächtigsten Werkzeug im gesamten Photoshop-Universum gereift.
Die wichtigsten Module:
- Smart Portrait: Gesichtsausdrücke, Alter, Blickrichtung und Haardichte mit beeindruckender Präzision anpassen
- Landscape Mixer: Tageszeiten, Jahreszeiten und Wetterbedingungen in Landschaftsaufnahmen transformieren
- Style Transfer: Künstlerische Stile bekannter Gemälde auf Deine Fotos übertragen
- Depth Blur: Tiefenunschärfe auf Basis automatisch erkannter Tiefenkarten
- Photo Restoration: Alte, beschädigte Fotos automatisch rekonstruieren
Mein Profi-Tipp: Wende Neural Filters immer auf Smart-Objekte an. So bleibst Du non-destruktiv und kannst jederzeit nachbessern. Beachte, dass einige Filter Cloud-Verarbeitung erfordern – plane entsprechend Zeit ein.
2. Generative Fill (Firefly Integration)
Wo Du ihn findest: Bearbeiten → Generative Füllung (oder über die kontextbezogene Taskleiste)
Die Integration von Adobe Firefly in Photoshop hat die Bildbearbeitung revolutioniert. Generative Fill ist 2025 aus keinem professionellen Workflow mehr wegzudenken.
Was Du damit erreichen kannst:
- Objekte entfernen: Selektiere unerwünschte Elemente und lass sie verschwinden
- Inhalte hinzufügen: Beschreibe per Text, was eingefügt werden soll
- Bilder erweitern: Generiere nahtlose Erweiterungen über die ursprünglichen Bildgrenzen hinaus
- Hintergründe ersetzen: Erschaffe komplett neue Szenerien
Wann besonders wertvoll? Bei Compositing-Arbeiten, Produktfotografie und überall dort, wo Du schnelle, überzeugende Ergebnisse brauchst. Für präzise Kontrolle empfehle ich, mehrere Varianten zu generieren und die beste auszuwählen.
3. Camera Raw Filter – Der unverwüstliche Klassiker
Wo Du ihn findest: Filter → Camera Raw-Filter (Strg/Cmd + Shift + A)
Manchmal sind die bewährtesten Tools die besten. Der Camera Raw Filter bleibt auch 2025 mein erster Anlaufpunkt für globale Bildanpassungen.
Was ihn unverzichtbar macht:
- Maskierung: Automatische Erkennung von Personen, Himmel, Motiv und Hintergrund mit präzisen Maskenoptionen
- HDR-Unterstützung: Erweiterte Dynamikbearbeitung für anspruchsvolle Lichtsituationen
- Objektivkorrekturen: Automatische Profilkorrekturen für hunderte Objektive
- AI Denoise: Rauschreduzierung, die Details bewahrt – mittlerweile der Industriestandard
Mein Workflow: Ich wende Camera Raw als ersten Filter auf jedes Bild an. Globale Korrekturen gehören hierhin – nicht in dutzende Einstellungsebenen.
4. Verflüssigen (Liquify) – Präziser denn je
Wo Du ihn findest: Filter → Verflüssigen (Strg/Cmd + Shift + X)
Verflüssigen hat durch kontinuierliche Updates massive Verbesserungen erfahren, ohne seine klassischen Stärken zu verlieren.
Die wichtigsten Features:
- Gesichtserkennung: Automatisches Erkennen von Gesichtszügen mit separaten Reglern für Augen, Nase, Mund und Gesichtsform
- Mitziehen-Werkzeug: Für organische Verformungen
- Aufblasen/Zusammenziehen: Lokale Größenanpassungen
- Glätten-Werkzeug: Feine Korrekturen ohne harte Kanten
- Maske fixieren: Schütze Bereiche vor Veränderung
Wichtig: Aktiviere „Mesh speichern“, wenn Du an Serien arbeitest. So kannst Du identische Anpassungen konsistent anwenden.
5. Weichzeichnergalerie – Kreative Tiefe
Wo Du ihn findest: Filter → Weichzeichnergalerie
Die Weichzeichnergalerie vereint mehrere spezialisierte Blur-Filter, die Du kennen musst:
Feld-Weichzeichner
Setze mehrere Punkte mit unterschiedlichen Blur-Intensitäten. Perfekt für selektive Tiefeneffekte ohne Masken.
Iris-Weichzeichner
Simuliert Objektivunschärfe mit elliptischen oder polygonalen Formen. Der Klassiker für Porträt-Nachbearbeitung.
Tilt-Shift
Erzeugt den beliebten Miniatur-Effekt mit präziser Übergangssteuerung.
Pfad-Weichzeichner
Bewegungsunschärfe entlang definierter Pfade. Unverzichtbar für dynamische Composings.
Kreisförmiger Weichzeichner
Simuliert Rotationsbewegung – ideal für Sportfotografie und Action-Shots.
Profi-Tipp: Alle Filter der Weichzeichnergalerie bieten Bokeh-Optionen. Experimentiere mit den Lichteffekten für realistischere Ergebnisse.
6. Hochpass-Filter – Das unterschätzte Schärfungswunder
Wo Du ihn findest: Filter → Sonstige Filter → Hochpass
Der Hochpass-Filter ist technisch simpel – und genau deshalb so mächtig. Er ist meine bevorzugte Methode für kontrollierte Schärfung.
Die Technik:
- Dupliziere Deine Ebene
- Wende Hochpass an (Radius: 1-5 Pixel, je nach Auflösung)
- Setze den Ebenenmodus auf „Weiches Licht“ oder „Ineinanderkopieren“
- Reguliere die Deckkraft nach Bedarf
Warum besser als „Unscharf Maskieren“?
Du hast volle Kontrolle. Du kannst den Effekt maskieren, die Intensität stufenlos anpassen und siehst genau, was geschärft wird.
Profi-Variante: Kombiniere Hochpass mit Frequenztrennung für getrennte Schärfung von Textur- und Farbinformationen.
7. Adaptive Weitwinkelkorrektur
Wo Du ihn findest: Filter → Adaptive Weitwinkelkorrektur
Unterschätzt und übersehen – dabei ist dieser Filter Gold wert für Architektur, Immobilien und Landschaftsfotografie.
Was er kann:
- Tonnenförmige und kissenförmige Verzeichnungen korrigieren
- Stürzende Linien begradigen
- Fisheye-Aufnahmen entzerren
- Panorama-Verzerrungen ausgleichen
Mein Tipp: Arbeite mit Hilfslinien. Ziehe Linien entlang von Kanten, die gerade sein sollten – der Filter berechnet den Rest. Je mehr Hilfslinien Du setzt, desto präziser das Ergebnis.
8. Color Lookup (LUTs) – Cineastische Looks in Sekunden
Wo Du ihn findest: Filter → Color Lookup (oder als Einstellungsebene)
LUTs (Look-Up Tables) sind der schnellste Weg zu konsistenten Farbstilen. Photoshop liefert eine solide Grundausstattung, aber die wahre Stärke liegt in externen LUTs.
Was Du wissen musst:
- 3DLUT-Dateien: Die präziseste Option für Farbgrade
- Abstract: Kreativere, oft extreme Looks
- Device Link: Für Farbkonvertierungen zwischen Profilen
Externe LUT-Quellen:
- Film-Emulationen für analoge Looks
- Cineastische LUTs aus der Filmbranche
- Eigene LUTs aus DaVinci Resolve oder Capture One exportieren
Mein Workflow: Ich nutze LUTs nie bei 100%. Zwischen 30-60% entstehen die natürlichsten Ergebnisse. Wende sie als Einstellungsebene an – so bleibst Du flexibel.
9. Perspective Warp
Wo Du ihn findest: Bearbeiten → Perspektivische Verformung
Ein Filter, den viele übersehen – aber sobald Du ihn verstehst, willst Du ihn nicht mehr missen.
Anwendungsbereiche:
- Perspektivische Anpassung von Compositing-Elementen
- Mehrere Perspektiven in einem Bild harmonisieren
- Produktfotos korrigieren
- Architekturaufnahmen perfektionieren
So funktioniert’s:
- Layout-Modus: Ziehe Raster über die perspektivischen Flächen
- Verbinde angrenzende Raster für intelligente Verknüpfung
- Warp-Modus: Ziehe an den Eckpunkten, um die Perspektive anzupassen
Profi-Tipp: Halte die Shift-Taste gedrückt, während Du an einer Kante ziehst – sie wird automatisch vertikal oder horizontal ausgerichtet.
10. Unscharf maskieren & Selektiver Scharfzeichner
Wo Du ihn findest: Filter → Scharfzeichnungsfilter
Die klassischen Scharfzeichnungsfilter bleiben unverzichtbar – besonders für die finale Ausgabeschärfung.
Unscharf maskieren:
- Stärke: Intensität der Schärfung (150-200% für Web, 50-100% für Print)
- Radius: Größe des Effektbereichs (0,5-2 Pixel typisch)
- Schwellenwert: Schützt glatte Bereiche vor Überschärfung
Selektiver Scharfzeichner:
- Bietet mehr Kontrolle als Unscharf maskieren
- Separates Entfernen von Bewegungs- oder Objektivunschärfe
- Tiefen- und Lichter-Regler für gezielte Anwendung
Meine Empfehlung: Nutze Unscharf maskieren für schnelle Ergebnisse, den Selektiven Scharfzeichner für kritische Arbeiten – und Hochpass (siehe Punkt 6) für maximale Kontrolle.
Ehrenvolle Erwähnung: Filter, die Du kennen solltest
Objektivkorrektur
Filter → Objektivkorrektur
Korrigiert Verzeichnung, chromatische Aberration und Vignettierung. Die automatische Profilerkennung funktioniert mit den meisten gängigen Objektiven zuverlässig.
Staub und Kratzer
Filter → Rauschfilter → Staub und Kratzer
Oft unterschätzt – perfekt für die schnelle Bereinigung von eingescannten Fotos oder Texturen.
Ölfarbe
Filter → Stilisierungsfilter → Ölfarbe
Wenn Du malerische Effekte suchst, ist dieser GPU-beschleunigte Filter überraschend überzeugend.
Mein Fazit
Photoshop 2025 ist mächtiger als je zuvor – aber auch komplexer. Die Kunst liegt nicht darin, jeden Filter zu kennen, sondern die richtigen Filter im richtigen Moment einzusetzen.
Meine Empfehlung: Nimm Dir diese Woche einen Filter vor. Experimentiere. Verstehe ihn wirklich. Dann den nächsten.
Nach 20 Jahren mit Photoshop lerne ich immer noch täglich dazu. Das ist das Schöne an diesem Programm – es wächst mit Dir.
Welchen Filter nutzt Du am häufigsten? Schreib es in die Kommentare – ich bin gespannt auf Deinen Workflow!
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