Porträtretusche in Lightroom Classic und Photoshop

Praxis-Handbuch für Anfänger – aktuell geprüft für Adobe-Programme 2026


Stand: Mai 2026

Workshop-Ziel: Nach diesem Dokument kann ein Anfänger ein Porträt technisch sauber vorbereiten, natürlich retuschieren, Hautstruktur erhalten, Augen und Zähne glaubwürdig verbessern und das fertige Bild für Web oder Print exportieren. Kein Plastik, kein Preset-Matsch, kein Beauty-Filter-Beton.


BROWNZ Art

1. Kurzfassung für Ungeduldige

Porträtretusche ist keine Hautvernichtung. Gute Retusche entfernt Ablenkung und erhält Charakter. Der Mensch soll nachher besser wirken, nicht aus der KI-Wachsfabrik entlaufen aussehen.

  • Lightroom Classic ist die Vorstufe: RAW entwickeln, Weißabgleich, Objektivkorrektur, Zuschnitt, erste lokale Masken, Entrauschen bei Bedarf.
  • Photoshop ist die Retusche-Bühne: Ebenen, Masken, Reparaturwerkzeuge, Dodge & Burn, Frequenztrennung nur gezielt, finale Detailarbeit.
  • Plugins sind Assistenten: Sie sparen Zeit, ersetzen aber kein Auge. Alles, was automatisch passiert, wird auf separater Ebene geprüft und maskiert.
  • Die goldene Regel: Wenn man die Retusche sofort sieht, ist sie meist zu stark.

Praktischer Merksatz: Lightroom sortiert und entwickelt. Photoshop operiert. Exportiert wird erst, wenn Haut, Augen, Zähne, Farbe und Schärfe bei 100 Prozent und in Bildschirmgröße glaubwürdig sind.

2. Aktualitätsstand: Adobe-Versionen und Arbeitsumgebung

Dieser Stand ist wichtig, weil sich Adobe-Werkzeuge, KI-Funktionen und Plugin-Kompatibilität regelmäßig ändern. Die folgende Tabelle ist als Faktenanker für den Workshop gedacht.

ProgrammGeprüfter StandBedeutung für den Workshop
Adobe Photoshop DesktopMai 2026: Version 27.7 laut Adobe-NeuerungenFür den Workshop relevant wegen Entfernen-Werkzeug, On-Device/Cloud-Optionen und aktueller Oberfläche.
Adobe Lightroom ClassicApril 2026: Version 15.3 laut Adobe-VersionshinweisenFür RAW-Entwicklung, Masken, Katalog, Übergabe an Photoshop und Export.
Adobe Lightroom Desktop/CloudAktuell 9.3 laut Adobe-Seite „Lightroom aktuell halten“Nur ergänzend. Für diesen Workshop wird primär Lightroom Classic verwendet.
Adobe Camera Raw2026-Stand über Adobe Camera Raw/Lightroom-ÖkosystemRelevant, wenn RAW direkt über Photoshop/Camera Raw geöffnet wird.

Für Anfänger empfehle ich Lightroom Classic plus Photoshop Desktop. Das ist der stabilste Lehrpfad: ein Katalog, klare Übergabe an Photoshop, danach Rückkehr in Lightroom. Wer nur Lightroom Desktop nutzt, kann vieles vorbereiten, verliert aber den klassischen Photoshop-Retuscheworkflow mit voller Ebenenkontrolle.

Hardware-Hinweis: Moderne Photoshop- und Lightroom-Funktionen sind GPU-lastig. Adobe nennt für Photoshop unter anderem DirectX-12-GPU, ausreichend Grafikspeicher, SSD-Speicher und Internetzugang für Aktivierung und Online-Dienste. Für Entrauschen/Super Resolution in Lightroom wird ebenfalls eine starke GPU empfohlen.

3. Die Retusche-Ethik: Was weg darf und was bleiben muss

Anfänger machen oft den gleichen Fehler: Sie verwechseln Retusche mit Glättung. Dabei ist Haut nicht das Problem. Ablenkung ist das Problem.

BereichKlare Entscheidung
Darf meistens wegPickel, Kratzer, Staub, Fussel, Make-up-Brösel, Sensorflecken, einzelne störende Haare, rote Äderchen, temporäre Hautunruhe.
Soll meistens bleibenPoren, natürliche Hautstruktur, kleine Linien, Muttermale, Gesichtszüge, echte Schatten, Charakter, Alter, Mimik.
Nur nach Auftrag ändernGesichtsform, Körperform, Muttermale, Narben, Zähne stark verändern, Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe massiv verschieben.
Nie blind machenAutomatische Hautglättung, KI-Gesichtskorrektur, starke Zahnaufhellung, Iris-Glow, pauschale Beauty-Aktionen.

Professionell heißt nicht perfekt. Professionell heißt kontrolliert. Haut darf lebendig sein. Menschen sind keine Rendering-Demos.

4. Vorbereitung: Datei, Arbeitsplatz und Sicherheitsnetz

4.1 Bildauswahl

Starte nicht mit dem kaputtesten Bild. Für einen Einsteiger-Workshop brauchst du ein gutes, klar belichtetes Porträt. Schlechte Fotos kann man zwar retten, aber Lernen funktioniert besser mit sauberem Material.

  • RAW-Datei bevorzugen, weil Weißabgleich, Lichter und Schatten flexibler bleiben.
  • Gesicht sollte scharf sein. Unscharfe Augen sind kein Retuscheproblem, sondern ein Aufnahmeproblem.
  • Licht sollte erkennbar aus einer Richtung kommen. Flaches Mischlicht macht Hautkorrektur schwerer.
  • Hintergrund nicht zu wild, sonst lernen Anfänger zuerst Chaosbekämpfung statt Porträtretusche.

4.2 Nicht-destruktives Arbeiten

In Lightroom sind Entwicklungsschritte grundsätzlich nicht-destruktiv: Die Originaldatei wird nicht dauerhaft überschrieben. In Photoshop musst du selbst dafür sorgen, dass du nicht auf dem Original herumoperierst.

1. Originalbild niemals direkt retuschieren.

2. In Photoshop auf leeren Ebenen arbeiten, wenn das Werkzeug „Alle Ebenen aufnehmen“ unterstützt.

3. Einstellungsebenen statt direkter Korrekturen verwenden.

4. Masken verwenden, nicht radieren.

5. Zwischendurch als PSD oder TIFF mit Ebenen speichern.

6. Vorher/Nachher regelmäßig prüfen.

5. Lightroom Classic: Der saubere Start vor Photoshop

Lightroom ist die Dunkelkammer. Hier wird das Bild vorbereitet, nicht chirurgisch zerlegt. Wer in Lightroom sauber arbeitet, muss in Photoshop weniger retten.

5.1 Import und Auswahl

1. Importiere die RAW-Dateien in Lightroom Classic.

2. Wähle zuerst die beste Aufnahme: scharfe Augen, gute Mimik, saubere Körperhaltung.

3. Markiere Ausschuss konsequent. Retuschezeit ist teuer – auch wenn man sie sich selbst klaut.

4. Lege eine virtuelle Kopie an, wenn du unterschiedliche Looks testen willst.

5.2 Profil, Objektivkorrektur und Zuschnitt

1. Öffne das Bild im Entwickeln-Modul.

2. Aktiviere unter Optik/Objektivkorrekturen die Profilkorrektur, wenn ein passendes Profil vorhanden ist.

3. Entferne chromatische Aberration.

4. Richte das Bild gerade aus. Bei Porträts stören schiefe Vertikalen stärker, als man denkt.

5. Schneide erst grob, nicht endgültig. Lasse genug Luft für spätere Web- und Printformate.

5.3 Weißabgleich und Grundbelichtung

Haut entscheidet über den Weißabgleich. Nicht Wand, nicht Kleidung, nicht irgendeine weiße Ecke im Bild. Prüfe, ob Haut gelb, grün, rot oder magenta kippt.

1. Stelle Belichtung so ein, dass das Gesicht glaubwürdig hell wirkt.

2. Ziehe Lichter zurück, wenn Stirn, Nase oder Wangen ausfressen.

3. Öffne Tiefen nur so weit, dass die Lichtstimmung erhalten bleibt.

4. Setze Weiß- und Schwarzpunkt vorsichtig. Zu viel Kontrast macht Haut fleckig.

5. Nutze die Gradationskurve erst, wenn die Basis stimmt.

5.4 Entrauschen, Raw-Details und Super Resolution

Lightroom Classic bietet über die Funktion „Verbessern“ Entrauschen, Raw-Details und Super Resolution. Adobe beschreibt Entrauschen als KI-gestützte Rauschreduzierung, Raw-Details für bessere Detail- und Farbwiedergabe und Super Resolution für doppelte lineare Auflösung.

  • Wann Entrauschen? Bei hohen ISO-Werten, dunklen Schatten, verrauschter Haut oder starkem Crop.
  • Wann nicht? Nicht als Hautglättung missbrauchen. Rauschreduzierung ist keine Retusche.
  • Reihenfolge: Entrauschen vor KI-Masken und inhaltsbasiertem Entfernen anwenden, weil eine verbesserte DNG-Datei erzeugt wird.
  • Super Resolution: Nur wenn wirklich mehr Ausgabegröße gebraucht wird. Nicht jedes Social-Media-Bild aufblasen wie einen Jahrmarktballon.

5.5 Personenmasken richtig nutzen

Lightroom Classic kann Personen automatisch erkennen. Laut Adobe lassen sich Personen und bestimmte Körperbereiche auswählen, zum Beispiel Gesicht, Kleidung oder Gesichtsbehaarung. Das ist für Anfänger stark, solange man die Regler nicht in die Katastrophe zieht.

MaskeVorsichtiger StartwertAnfänger-Hinweis
GesichtshautTextur -5 bis -15, Klarheit 0 bis -8, Sättigung selten ändernNur beruhigen, nicht glätten. Poren müssen bleiben.
Augen/IrisBelichtung +0,05 bis +0,20, Struktur +5 bis +15Augen dürfen klarer werden, aber nicht leuchten wie Cyber-Katzen.
AugenweißSättigung minimal runter, Belichtung minimal raufAugenweiß ist nie Reinweiß. Blaues Augenweiß sieht sofort künstlich aus.
ZähneGelb-Sättigung -5 bis -20, Belichtung +0,05 bis +0,15Keine Waschmittelwerbung. Natürlichkeit gewinnt.
KleidungStruktur/Klarheit leicht erhöhen, Fussel später in Photoshop entfernenStoff soll Stoff bleiben, nicht Plastik.
HintergrundBelichtung minimal senken, Struktur/Klarheit reduzierenMotiv trennen, aber keinen Fake-Bokeh-Matsch erzeugen.

Regel: Wenn die Haut plötzlich „schön glatt“ aussieht, bist du wahrscheinlich schon zu weit. Gute Lightroom-Masken sind wie leise Musik im Hintergrund – sie tragen, aber sie schreien nicht.

5.6 Kleine Störungen in Lightroom entfernen

Lightroom Classic besitzt Reparatur-/Entfernen-Werkzeuge und Generative Remove. Adobe beschreibt Generative Remove auf Firefly-Basis als Möglichkeit, unerwünschte Objekte zu entfernen und einzublenden. Für Porträts ist das praktisch bei Hintergrundflecken, Sensorstaub, Kabeln oder kleinen Ablenkungen.

1. Nutze Lightroom für kleine, einfache Störungen im Hintergrund.

2. Nutze Photoshop für Haut, Haare, Kanten und komplexe Retusche.

3. Prüfe nach jedem Entfernen auf Wiederholungsmuster und matschige Stellen.

4. Bei Hautunreinheiten lieber Photoshop verwenden, weil du dort kontrollierter auf Ebenen arbeitest.

5.7 Übergabe an Photoshop

Der saubere Weg: Foto in Lightroom Classic auswählen, dann „Foto > Bearbeiten in > In Adobe Photoshop bearbeiten“. Adobe weist darauf hin, dass Lightroom nach dem Speichern in Photoshop die neue bearbeitete Datei automatisch wieder in den Katalog importiert.

1. Bild in Lightroom fertig vorbereiten.

2. Rechtsklick oder Menü: Bearbeiten in Photoshop.

3. Bei RAW-Dateien direkt bearbeiten oder als Smartobjekt öffnen, wenn maximale Flexibilität gewünscht ist.

4. In Photoshop retuschieren.

5. Datei speichern, nicht „Speichern unter“ irgendwo ins digitale Nirwana.

6. Zurück in Lightroom prüfen, ob die bearbeitete PSD/TIFF-Version neben dem Original liegt.

6. Photoshop: Retusche-Grundaufbau für Anfänger

Photoshop ist mächtig, aber am Anfang muss es nicht kompliziert sein. Du brauchst vor allem Ordnung. Ohne Ordnung wird Retusche zur Ebenen-Suppe.

6.1 Empfohlene Ebenenstruktur

Ebene/GruppeZweck
00 OriginalUnberührt lassen. Nur zur Sicherheit.
01 CleanupPickel, Fussel, Staub, kleine Störungen. Auf leerer Ebene arbeiten.
02 Micro Dodge & BurnKleine Helligkeitsflecken in der Haut ausgleichen.
03 Global Dodge & BurnLichtform im Gesicht und Körper subtil verbessern.
04 Augen / Zähne / LippenDetails getrennt kontrollieren.
05 Haare / KleidungFliegende Haare, Fussel, Stoffkanten.
06 Farbe / LookFinale Farbstimmung nach der Retusche.
07 Schärfung / ExportNur für Ausgabe, nicht destruktiv übertreiben.
08 Check-LayerSchwarzweiß-, Kontrast- und Artefaktkontrolle.

6.2 Cleanup: Pickel, Staub und Fussel entfernen

Cleanup ist der erste echte Retusche-Schritt. Du entfernst nur Dinge, die stören und nicht zur Person gehören. Hautstruktur bleibt unangetastet.

WerkzeugGut fürVorsicht
Bereichsreparatur-PinselSehr kleine Pickel, Staub, FusselSchnell, aber bei Kanten und Mustern vorsichtig.
Reparatur-PinselHautfehler mit eigener QuellstelleAlt/Wahltaste für Quelle, besser kontrollierbar.
KopierstempelKanten, Haare, harte Übergänge, schwierige TexturenMehr Kontrolle, aber auch mehr Risiko für Kopiermuster.
Entfernen-WerkzeugObjekte und Ablenkungen, auch HintergrundIn Photoshop 2026 mit Optionen für generative KI, Cloud oder Gerät. Ergebnis prüfen.
Ausbessern-WerkzeugGrößere Flächen mit ähnlicher UmgebungGut für Hintergrund, nicht blind auf Gesicht verwenden.

1. Neue leere Ebene „Cleanup“ anlegen.

2. Werkzeug auf „Alle Ebenen aufnehmen“ stellen, sofern verfügbar.

3. Bei 100 Prozent Ansicht arbeiten.

4. Pinsel nur minimal größer als der Makel wählen.

5. Jeden entfernten Bereich kurz prüfen.

6. Nach 5 bis 10 Minuten rauszoomen und prüfen, ob die Haut noch natürlich wirkt.

Anfängerfehler: Alles entfernen, was sichtbar ist. Profi-Entscheidung: Nur entfernen, was ablenkt. Ein Gesicht ohne jede Spur wirkt schnell unecht.

6.3 Dodge & Burn: Die wichtigste natürliche Hauttechnik

Dodge & Burn ist das gezielte Aufhellen und Abdunkeln. Bei Hautretusche gleicht man kleine Helligkeitsunterschiede aus, ohne Poren und Textur zu zerstören. Das ist langsamer als ein Weichzeichner, aber deutlich hochwertiger.

1. Erstelle eine Gradationskurve „Dodge“ und helle sie leicht auf.

2. Invertiere die Maske der Kurve auf Schwarz: Strg+I / Cmd+I.

3. Erstelle eine zweite Gradationskurve „Burn“ und dunkle sie leicht ab.

4. Invertiere auch diese Maske auf Schwarz.

5. Male mit weichem weißen Pinsel auf den Masken. Deckkraft oder Fluss: 1 bis 5 Prozent.

6. Dunkle kleine Flecken auf der Dodge-Maske leicht aufhellen.

7. Helle kleine Flecken auf der Burn-Maske leicht abdunkeln.

8. Nicht die Poren bearbeiten, sondern die Helligkeitsflecken.

Dodge & Burn ist Geduld mit Pinsel. Kein Drama, kein Nebel, keine Beauty-Atombombe. Kleine Bewegungen. Wenig Deckkraft. Regelmäßig Pause.

6.4 Frequenztrennung: Stark, aber nicht als erster Hammer

Adobe beschreibt Frequenztrennung als Technik, bei der Farbinformationen von Details getrennt werden. Hochfrequenz enthält feine Details wie Haare, Textur, Poren und Linien; Niedrigfrequenz enthält Schatten, Ton und Farbe. Das ist nützlich – aber Anfänger können damit Haut sehr schnell zerstören.

  • Sinnvoll bei: fleckiger Hautfarbe, Make-up-Problemen, unruhigen Tonwerten, Beauty- und Fashion-Retusche.
  • Gefährlich bei: zu starkem Weichzeichnen, Texturverschiebung, falscher Ebenenarbeit, pauschaler Hautglättung.
  • Workshop-Empfehlung: Erst Cleanup und Dodge & Burn lernen. Frequenztrennung nur als Zusatzmodul zeigen.
  • Kontrollregel: Nach Frequenztrennung muss die Hautstruktur noch zum Licht, Alter und Foto passen.

6.5 Neural Filter: Hautglättung nur kontrolliert einsetzen

Photoshop enthält den Neural Filter „Skin Smoothing“. Adobe beschreibt, dass der Filter über Filter > Neural Filters geöffnet, bei Bedarf aus der Cloud geladen und mit Reglern eingestellt werden kann. Als Ausgabe sind unter anderem neue Ebene, duplizierte Ebene oder Smart Filter möglich.

1. Ebene duplizieren oder Smartobjekt verwenden.

2. Filter > Neural Filters öffnen.

3. Skin Smoothing aktivieren oder zuerst laden.

4. Regler sehr niedrig einstellen.

5. Ausgabe auf neue Ebene, duplizierte Ebene maskiert oder Smart Filter stellen.

6. Effekt maskieren: nur auf problematische Hautzonen, nicht auf Augen, Haare, Lippen oder Kleidung.

7. Deckkraft reduzieren, bis der Effekt fast unsichtbar wird.

Neural Filter ist ein Assistent, kein Retusche-Meister. Sobald die Haut nach Smartphone-Beautyfilter aussieht, zurück auf Anfang.

7. Details: Augen, Zähne, Lippen, Haare, Kleidung

7.1 Augen

Augen brauchen Klarheit, aber keine Explosion. Zu helle Augen sind der schnellste Weg in den Fake-Look.

1. Neue Gruppe „Augen“ erstellen.

2. Kurve leicht aufhellen und Maske invertieren.

3. Mit kleinem weichem Pinsel nur Iris und dunkle Schatten minimal aufhellen.

4. Rote Äderchen mit Reparatur-Pinsel sehr vorsichtig reduzieren.

5. Iris und Wimpern selektiv leicht schärfen.

6. Deckkraft der ganzen Gruppe reduzieren, bis es glaubwürdig wirkt.

7.2 Zähne

Zähne werden nicht weiß gemalt. Gute Zahnretusche reduziert Gelb und hebt Helligkeit minimal an.

1. Zähne grob auswählen oder maskieren.

2. Farbton/Sättigung: Gelbtöne leicht reduzieren.

3. Kurve oder Belichtung minimal anheben.

4. Maske weichzeichnen, damit keine harten Kanten entstehen.

5. Bei 50 Prozent und 100 Prozent prüfen.

7.3 Lippen und Hautkanten

  • Trockene Stellen entfernen, aber natürliche Struktur behalten.
  • Lippenfarbe nur harmonisieren, nicht neu lackieren.
  • Mundwinkel und Kontur nicht künstlich überzeichnen.
  • Nasenflügel, Augenränder und Kinnkante nicht weichzeichnen – dort lebt die Form.

7.4 Haare und Kleidung

  • Einzelne störende Haare über Augen, Mund oder Nase entfernen.
  • Haaransatz nicht glattbügeln.
  • Fussel auf Kleidung entfernen.
  • Falten reduzieren, aber Stoff nicht in Plastik verwandeln.
  • Kleidungsstruktur erhalten, vor allem bei Print und High-End-Look.

8. Farbe, Look, Schärfung und Export

8.1 Farblook erst nach der Retusche

Der Look kommt am Ende. Wenn du zuerst einen starken Look baust, retuschierst du gegen Kontrast, Farbstich und Sättigung an. Das ist unnötiger Kampf mit dem eigenen Bild.

1. Technische Retusche abschließen.

2. Haut und Details prüfen.

3. Dann globale Farbe über Gradationskurven, Farbbalance, Selektive Farbkorrektur oder Camera Raw Filter setzen.

4. Hauttöne prüfen: nicht orange, nicht grün, nicht magenta.

5. Look-Gruppe auf 60 bis 80 Prozent testen. Oft ist weniger besser.

8.2 Softproof für Print

Für Druck reicht Bildschirmgefühl nicht. Photoshop kann über Ansicht > Proof einrichten und Ansicht > Farbproof simulieren, wie Farben unter bestimmten Ausgabebedingungen wirken. Adobe beschreibt dafür Digitalproofs und benutzerdefinierte Proof-Einstellungen mit Geräte-/Papierprofilen.

1. ICC-Profil vom Druckdienstleister besorgen.

2. In Photoshop Ansicht > Proof einrichten > Benutzerdefiniert wählen.

3. Passendes Profil auswählen.

4. Farbproof aktivieren.

5. Bild in neuem Fenster vergleichen: Originalansicht gegen Proofansicht.

6. Nicht blind nachregeln, sondern gezielt: Tiefen, Sättigung, Hauttöne.

8.3 Schärfung

Schärfung ist Ausgabevorbereitung, kein Rettungsanker. Unscharfe Augen werden durch Schärfung nicht wirklich scharf, nur kantiger.

  • Selektiv schärfen: Augen, Wimpern, Augenbrauen, Lippenkontur, Schmuck, wichtige Haarbereiche.
  • Nicht brutal schärfen: Hautflächen, Schattenrauschen, Hintergrund, bereits verrauschte Bereiche.
  • Smart Sharpen: Als Smart Filter oder duplizierte Ebene einsetzen und maskieren.
  • 100-Prozent-Regel: Schärfung immer bei 100 Prozent kontrollieren.

8.4 Export für Web und Print

Lightroom Classic bietet beim Export Dateieinstellungen, Bildgröße, Metadaten, Wasserzeichen und Ausgabeschärfung. Adobe beschreibt eine adaptive Ausgabeschärfung für Bildschirm, mattes Papier oder glänzendes Papier.

ZielEmpfohlene EinstellungenHinweis
Instagram / WebJPEG, sRGB, Qualität ca. 80-90, lange Kante passend zur Plattform, Ausgabe schärfen: Bildschirm / StandardDateigröße und Wirkung am Smartphone prüfen.
Website / PortfolioJPEG oder WebP über Website-Workflow, sRGB, moderat komprimiertNicht überschärfen; Bilder sollen edel wirken, nicht knuspern.
Fine-Art-PrintTIFF oder hochwertiges JPEG nach Druckdienstleister, ICC-Profil beachten, Softproof nutzenPapier, Profil und gewünschte Größe entscheiden über finale Schärfung.
ArchivPSD/TIFF mit Ebenen plus exportierte EndversionBearbeitbare Datei behalten. Export ist nicht das Masterfile.

9. Photoshop-Aktionen und Plugins: sinnvoll, aber ohne Zaubermärchen

Aktionen und Plugins können Zeit sparen. Sie können aber keine Bildbeurteilung ersetzen. Gute Automatisierung erstellt eine saubere Arbeitsstruktur. Schlechte Automatisierung erzeugt billige Effekte.

9.1 Eigene Photoshop-Aktionen für Anfänger

Adobe definiert Aktionen als aufgezeichnete Aufgabenfolgen, die auf eine oder mehrere Dateien angewendet werden können. Für Einsteiger sind Aktionen ideal, um immer dieselbe saubere Retusche-Struktur anzulegen.

AktionWas sie machtBewertung
Retusche-SetupLegt Cleanup, Dodge, Burn, Augen, Farbe, Schärfung und Check-Layer an.Sehr empfehlenswert. Spart Chaos.
Dodge-&-Burn-SetupErstellt helle und dunkle Kurve mit schwarzer Maske.Sehr empfehlenswert. Lernt man einmal, nutzt man ständig.
Frequenztrennung-SetupErstellt Low- und High-Frequency-Ebenen.Nur verwenden, wenn die Technik verstanden ist.
Export-SetupSkaliert, konvertiert, schärft Ausgabeversionen.Gut, aber nicht auf Masterdatei anwenden.
Beauty-One-ClickMacht Haut, Augen, Zähne, Glow automatisch.Meist gefährlich. Sieht schnell billig aus.

9.2 Plugin-Empfehlungen mit klarer Einordnung

ToolWas es kannEhrliche Bewertung
Retouch4meModulare KI-Retusche; u. a. Heal, Dodge & Burn, Skin Tone, Eye Vessels, Clean Backdrop.Gut für Zeitersparnis. Auf Ebenen prüfen. Module können teuer werden. Demo nutzen.
Retouching Academy Beauty Retouch Panel v5Photoshop-Panel für Fotografen/Retuscheure; laut Anbieter ab Photoshop 2021, KI-Funktionen ab Photoshop 2024 v25.3.Sehr workflow-orientiert. Für Anfänger erst sinnvoll, wenn Ebenen und Masken sitzen.
Imagenomic Portraiture / Photo SuiteKlassischer Hautretusche-Ansatz. Downloadseite nennt u. a. Portraiture 4.5 und Photo Suite.Kompatibilität genau prüfen: einzelne Portraiture-Downloads nennen Photoshop 2022-2024; Photo Suite nennt Photoshop 2025+. Vor Kauf testen.
ON1 Portrait AI / ON1 PluginsAutomatische Gesichtserkennung, individuelle Kontrollen, nicht-destruktive Bearbeitung; ON1-Plugins arbeiten auch mit Lightroom/Photoshop.Gut für schnelle Serien. Für High-End-Finish weiter Photoshop-Handarbeit nutzen.

Kaufregel: Kein Plugin kaufen, bevor die Testversion mit deiner aktuellen Photoshop-/Lightroom-Version sauber läuft. Kompatibilität ist keine Meinung, sondern ein Installations-Test.

10. Der komplette Workshop-Ablauf in 90 Minuten, 3 Stunden und 1 Tag

10.1 Kurzworkshop: 90 Minuten

1. 10 Minuten: Was ist natürliche Retusche?

2. 15 Minuten: Lightroom-Grundentwicklung.

3. 20 Minuten: Personenmasken in Lightroom.

4. 25 Minuten: Photoshop-Cleanup.

5. 15 Minuten: Dodge & Burn Grundidee.

6. 5 Minuten: Export und Fehlercheck.

10.2 Halbtagsworkshop: 3 Stunden

1. 30 Minuten: RAW-Entwicklung und Bildauswahl.

2. 30 Minuten: Masken in Lightroom.

3. 40 Minuten: Photoshop-Cleanup.

4. 45 Minuten: Dodge & Burn praktisch.

5. 20 Minuten: Augen/Zähne/Haare.

6. 15 Minuten: Export, Schärfung und Vorher/Nachher-Kritik.

10.3 Tagesworkshop: 5 bis 6 Stunden

1. Einführung: Retusche-Ethik, Dateisicherheit, Ebenenlogik.

2. Lightroom: RAW, Masken, Entrauschen, Übergabe.

3. Photoshop: Cleanup und Reparaturwerkzeuge.

4. Haut: Dodge & Burn, Frequenztrennung, Neural Filter kritisch.

5. Details: Augen, Zähne, Lippen, Haare, Kleidung.

6. Look: Farbkorrektur, Softproof, Schärfung.

7. Export: Web, Portfolio, Print, Archiv.

8. Abschluss: gemeinsamer Fehlercheck und Verbesserungsliste.

11. Übungsaufgaben für Anfänger

AufgabeZielKontrolle
Übung 1: Nur CleanupEntferne 15 kleine Störungen, ohne Haut weichzuzeichnen.Hautstruktur bleibt vollständig erhalten.
Übung 2: Dodge & BurnGleiche 10 kleine Helligkeitsflecken aus.Vorher/Nachher kaum sichtbar, aber Gesicht wirkt ruhiger.
Übung 3: Augen natürlichAugen minimal klären und schärfen.Keine überhellten Augen, keine Neon-Iris.
Übung 4: Zähne glaubwürdigGelbstich leicht reduzieren.Zähne bleiben natürlich und passen zur Lichtsituation.
Übung 5: Web/Print ExportExportiere eine Web- und eine Printversion.Farbe, Schärfe und Dateigröße passen zum Zweck.

12. Finale Qualitätskontrolle

Vor dem Export wird das Bild in drei Ansichten geprüft: 100 Prozent, Bildschirmfüllend und klein wie am Smartphone. Erst dann ist es fertig.

  • Ist die Haut noch echte Haut?
  • Sind Poren und natürliche Struktur erhalten?
  • Gibt es Kopierstempel-Muster oder matschige Stellen?
  • Sind Augen klar, aber nicht künstlich?
  • Sind Zähne heller, aber nicht weiß lackiert?
  • Sind Hauttöne glaubwürdig?
  • Sind Haare und Kleidung sauber, aber nicht steril?
  • Passt die Schärfung zur Ausgabe?
  • Stimmt der Farbraum: sRGB für Web, Druckprofil/Absprache für Print?
  • Ist die bearbeitbare Masterdatei gespeichert?

13. Die häufigsten Anfängerfehler – und die klare Gegenmedizin

FehlerWarum schlechtBesser
Haut weichzeichnenPoren verschwinden, Gesicht wirkt billig.Cleanup plus Dodge & Burn verwenden.
Augen überhellenFake-Blick, unnatürlicher Fokus.Augen-Gruppe auf niedrige Deckkraft setzen.
Zähne weiß machenZahnpasta-Werbung statt Porträt.Gelb reduzieren, Helligkeit nur minimal anheben.
Frequenztrennung missbrauchenPlastikhaut und falsche Textur.Nur gezielt und mit Kontrolle.
Plugins blind anwendenEinheitslook, Artefakte, kaputte Details.Auf Ebenen anwenden, maskieren, Deckkraft reduzieren.
Kein Vorher/NachherMan merkt nicht, wann es zu viel ist.Alle 10 Minuten Vergleich prüfen.
Keine Link-/VersionsprüfungVeraltete Tutorials, kaputte Plugins.Offizielle Quellen und Testversionen nutzen.

14. Faktencheck und Linkcheck

Die folgenden Punkte wurden am 26. Mai 2026 gegen offizielle Adobe-Quellen und Herstellerseiten geprüft. Die Links waren beim Abruf erreichbar. Preise, Funktionen und Plugin-Kompatibilität können sich ändern; deshalb ist bei Kauf- oder Installationsentscheidungen immer die aktuelle Herstellerseite und eine Testinstallation maßgeblich.

PrüfpunktErgebnisQuelle
Photoshop 2026Adobe nennt im Bereich „What’s new“ für Mai 2026 die Version 27.7.Adobe HelpX
Lightroom ClassicAdobe nennt in den Versionshinweisen April 2026 die Version 15.3.Adobe HelpX
Lightroom aktuell haltenAdobe nennt Lightroom Classic 15.3 und Lightroom 9.3 als aktuelle Versionen.Adobe HelpX
Lightroom MaskierenMaskieren ist nicht-destruktiv und enthält automatische Masken für Motiv, Hintergrund, Personen usw.Adobe HelpX DE
Lightroom VerbessernEntrauschen, Raw-Details und Super Resolution sind als Bildqualitätsfunktionen dokumentiert.Adobe HelpX DE
Lightroom > PhotoshopBeim Speichern aus Photoshop wird die neue Datei automatisch in den Lightroom-Katalog importiert.Adobe HelpX DE
Photoshop Entfernen-WerkzeugAdobe dokumentiert Modi für generative KI, Cloud/Device-Verarbeitung und Objektentfernung.Adobe HelpX
Reparatur-PinselAdobe dokumentiert das Aufnehmen von Quellpixeln per Alt/Wahltaste und Angleichung an Zielpixel.Adobe HelpX AT
AktionenAdobe beschreibt Aktionen als Sequenzen aufgezeichneter Aufgaben.Adobe HelpX AT
FrequenztrennungAdobe beschreibt Trennung von Farbinformation/Ton und feinen Details.Adobe.com
Skin Smoothing Neural FilterAdobe dokumentiert Filter > Neural Filters, Download aus Cloud und Ausgabeoptionen.Adobe HelpX
SoftproofAdobe dokumentiert Ansicht > Proof einrichten und Ansicht > Farbproof.Adobe HelpX DE
Lightroom ExportAdobe dokumentiert Ausgabeschärfung für Bildschirm, mattes Papier und glänzendes Papier.Adobe HelpX
PluginsRetouch4me, Retouching Academy, Imagenomic und ON1-Seiten waren erreichbar; Kompatibilität je Tool geprüft, aber vor Kauf erneut testen.Herstellerseiten

15. Geprüfte Linkliste

Alle Links in dieser Liste wurden beim Erstellen des Dokuments abgerufen. Für Schulungsunterlagen bitte vor Druck/Versand noch einmal anklicken, weil Herstellerseiten sich ändern können.

16. Schlusswort

Ein gutes Porträt wird nicht dadurch stark, dass alle Spuren von Menschlichkeit verschwinden. Es wird stark, wenn Licht, Haut, Blick und Ausdruck klarer werden. Die Technik ist nur das Skalpell. Das Auge führt die Hand.

Für Anfänger gilt: Erst sauber entwickeln, dann aufräumen, dann Dodge & Burn lernen, dann Details, dann Look, dann Export. Wer diese Reihenfolge beherrscht, braucht keine billigen Zauberfilter mehr. Der Rest ist Übung – und ein bisschen gnadenlose Ehrlichkeit vor dem eigenen Bild.

17. Ein-Seiten-Spickzettel für den Workshop

SchrittMerksatz
1Lightroom: RAW öffnen, bestes Bild wählen, Objektivkorrektur, Weißabgleich, Grundbelichtung.
2Bei Bedarf Entrauschen/Verbessern vor KI-Masken und Entfernen anwenden.
3Personenmasken nur dezent: Haut beruhigen, Augen/Zähne minimal verbessern.
4In Photoshop öffnen und sofort Ebenenstruktur anlegen.
5Cleanup auf leerer Ebene: Pickel, Staub, Fussel, kleine Ablenkungen.
6Dodge & Burn mit Kurven und schwarzen Masken: 1-5 Prozent Fluss.
7Frequenztrennung und Neural Filter nur gezielt, nie pauschal.
8Augen, Zähne, Lippen, Haare und Kleidung getrennt feinjustieren.
9Farblook am Ende, Hauttöne prüfen.
10Selektiv schärfen, passend exportieren, Masterdatei mit Ebenen behalten.

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