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Ein Peer-Review-Fachartikel zur aktuellen Lage der Kreativwirtschaft im Q2/2026.
Von Dr. med. dent. Arthur Pendragon (Senior Vice President of Absurd Timings)

Executive Summary:
Die österliche Content-Saison 2026 stellt Agenturen, Art Direktoren und Prompt-Engineers vor beispiellose Herausforderungen. Jüngste empirische Studien belegen, dass 87 % aller Briefings bereits bei der Übergabe klinisch tot sind, während Künstliche Intelligenzen zunehmend gewerkschaftliche Strukturen fordern. Dieser Fachbeitrag analysiert die Paradigmenwechsel der modernen Feiertagskommunikation, beleuchtet die Ineffizienz quadratischer Ostereier und warnt ausdrücklich vor der spontanen Budgetkürzung.


Wir schreiben das zweite Quartal des Jahres 2026. Die Makroökonomie ist volatil, die Aufmerksamkeitsspanne der Zielgruppe (Gen Z, Gen Alpha und jene Boomer, die versehentlich das Internet gelöscht haben) liegt bei exakt 1,4 Sekunden. In den heiligen, nach kaltem Filterkaffee und Verzweiflung riechenden Hallen der Werbeagenturen bereitet man sich auf das höchste Fest der Konsumgüterindustrie vor: Ostern.

Doch die Vorzeichen haben sich gewandelt. Wer als Creative Director heute noch an den klassischen Osterhasen glaubt, hat den digitalen Shift verschlafen. Der Osterhase wurde bereits im Januar nach einer feindlichen Übernahme durch eine skandinavische Unternehmensberatung wegrationalisiert. Seine Aufgaben übernimmt nun ein sogenannter „Agile Egg Delivery Scrum Master“, der die Eier nicht mehr versteckt, sondern sie in einem zweiwöchigen Sprint in das Backlog der Kinder verschiebt.

Die drängendste Frage für uns Kreative lautet daher: Wie navigieren wir durch diesen holistischen Wahnsinn, ohne den Verstand zu verlieren? Eine Analyse in fünf Akten.

1. Das tote Briefing: Eine linguistische und metaphysische Fallstudie

Der kreative Prozess beginnt unweigerlich mit dem Briefing. Doch unsere Forscher am Institut für Angewandte Unwahrscheinlichkeit haben ein alarmierendes Phänomen isoliert. Wir nennen es das „Ex-Briefing-Paradoxon“.

Stellen wir uns ein typisches Kick-off-Meeting vor. Der Kunde, gekleidet in einen Anzug, der die Farbe von Resignation hat, präsentiert ein Dokument. Der Lead Copywriter betrachtet das PDF, tippt mit dem Stift darauf und wendet sich an den Kunden.

„Verzeihen Sie“, sagt der Copywriter im Brustton wissenschaftlicher Objektivität, „aber dieses Briefing ist tot.“

Der Kunde schüttelt den Kopf. „Es ist nicht tot. Es ruht sich nur aus. Es sammelt strategische Kraft für den Rollout.“

„Es ruht sich nicht aus!“, entgegnet der Copywriter und schlägt auf den Konferenztisch. „Dieses Briefing hat aufgehört zu existieren! Es ist ein Ex-Briefing! Wenn Sie es nicht mit einem asynchronen Jira-Ticket an dieses Whiteboard genagelt hätten, würde es die Gänseblümchen von unten betrachten! Seine strategischen Parameter sind in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Es hat den Löffel abgegeben, den Geist aufgegeben, es ist hinüber, es hat den Vorhang fallen lassen und sich dem unsichtbaren Chor der irrelevanten Marketingideen angeschlossen! Dies ist ein totes Briefing!“

Der Kunde, völlig unbeeindruckt von dieser empirischen Beweisführung, antwortet: „Nun, dann müssen wir es eben iterativ reanimieren. Machen Sie das Logo größer. Und ich möchte, dass das Osterei mehr nach einem Quadrat aussieht. Runde Eier sind zu statisch. Das wirkt nicht agil genug. Und bitte keine Frühlingsfarben. Wir dachten an ein aggressives B2B-Grau.“

Wir halten fest: Die kognitive Dissonanz zwischen Briefing-Realität und physikalischen Grundgesetzen bleibt auch 2026 die wichtigste KPI der Branche.

2. Der Faktor der unerwarteten Ressourcen-Minimierung

Während der Art Director nun versucht, die Quadratur des Eies in Photoshop zu lösen, tritt ein weiteres, branchenbekanntes Phänomen auf. Plötzlich, mit einem lauten Knall, platzen drei Männer in roten Roben in den Konferenzraum.

Der Account Manager flüstert panisch: „Ich habe das nicht erwartet…“

„NIEMAND ERWARTET DIE SPONTANE BUDGETKÜRZUNG!“, brüllt der Anführer der drei Männer, während er wild mit einem angebissenen Schokoladenweihnachtsmann fuchtelt, der offensichtlich vom letzten Dezember übrig geblieben ist. „Unsere Hauptwaffen sind Überraschung, Angst, eine rücksichtslose Missachtung der Feiertagsruhe und eine geradezu fanatische Hingabe an das Controlling! Und Snackable Content!“

Die Budget-Inquisition zwingt das Kreativteam, die geplante Augmented-Reality-Oster-Kampagne auf ein schwarz-weißes Fax zu reduzieren. Um die Zielgruppe dennoch emotional zu binden, wird beschlossen, das Fax mit einem QR-Code zu versehen, der, wenn man ihn scannt, ein Video von einem weinenden Praktikanten abspielt.

3. Das Buch der Korrekturen (Zur Methodik der Präsentation)

Ein zentraler Bestandteil des Fachwissens für Kreative im Jahr 2026 ist das Einhalten der rituellen Präsentationsregeln. Diese sind seit Jahrtausenden unverändert und im Heiligen Buch der Korrekturen (Kapitel 2, Vers 9-21) wie folgt kodifiziert:

Und der Creative Director hob das iPad in die Höhe und sprach zum Team:
„Zuerst ziehe den heiligen Stecker des Beamers, denn das Firmen-WLAN wird ohnehin versagen. Dann sollst du zählen bis zur Version Drei. Nicht mehr und nicht weniger. Drei allein soll die Nummer der Version sein, und die Nummer der Version soll Drei sein. Die Vier sollst du nicht abspeichern, noch sollst du die Zwei abspeichern, es sei denn, dass du sogleich fortfährst zur Drei. Die Fünf ist völlig indiskutabel und ein Zeichen des reinen Wahnsinns. Hast du die Drei erreicht, alsdann präsentiere dein PDF dem Kunden, welcher, da er unartig in meinen Augen ist, es sofort in der Luft zerreißen wird.“

In der Praxis bedeutet dies: Sie designen ein wunderschönes, goldenes Ei. Der Kunde sagt: „Es ist zu gelb. Machen Sie es blauer. Aber behalten Sie das Gold.“ Sie erschaffen daraufhin ein blaues Gold. Der Kunde sagt: „Jetzt sieht es aus wie ein trauriger Schlumpf, der an Gelbsucht leidet. Kann das Ei nicht explodieren und aus den Trümmern formt sich unsere Kernkompetenz im Bereich der Rohrreinigung?“

An dieser Stelle ist es professionell geboten, einfach stumm zu nicken und eine Schmerztablette einzuwerfen.

4. Und nun zu etwas völlig anderem: Eine offizielle Unterbrechung

(Anmerkung der Redaktion: Ein Mann in einem sehr förmlichen Smoking sitzt plötzlich an einem Schreibtisch mitten in einem Moor. Auf dem Schreibtisch steht eine alte Schreibmaschine. Er blickt direkt in die Kamera.)

„Guten Tag“, sagt er in tadellosem, akademischem Hochdeutsch. „Sie fragen sich als Leser dieses Fachartikels jetzt vielleicht, warum hier plötzlich ein Mann an einem Schreibtisch in einem Moor sitzt. Die Antwort ist simpel: Das Ministerium für absurde Timings hat bei der letzten Sprint-Review entschieden, dass der Spannungsbogen dieses Textes eine Zäsur benötigt. Außerdem wollten wir testen, ob Sie noch konzentriert mitlesen oder ob Ihr Gehirn bereits in den Energiesparmodus geschaltet hat, um sich vor dem nächsten Microsoft-Teams-Call zu schützen.“

Er setzt eine Lesebrille auf und beginnt von einer Pergamentrolle abzulesen:

„Wir präsentieren nun eine kurze Liste von strategischen Buzzwords, die in allen Agenturen ab sofort streng verboten sind. Sollten Sie eines dieser Wörter heute verwenden, wird ein gigantischer, animierter Fuß aus Pappe vom Himmel herabkommen und Sie unwiderruflich in den Teppichboden stampfen.“

  1. Purpose-driven
  2. Snackable
  3. Growth Hacking
  4. Eierlegende Wollmilchsau (Besonders zu Ostern ein toxischer Begriff)
  5. Low-Hanging Fruits
  6. Holistisch
  7. Quick Win
  8. Deep Dive

„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir schalten nun zurück in die Fachanalyse.“

(Ein gigantischer Fuß aus Pappe fällt aus dem Nichts herab und zerquetscht den Schreibtisch, den Mann und das Moor. Ein fröhliches Tusch-Geräusch erklingt. Der Artikel geht nahtlos weiter.)

5. Die Rebellion der Werkzeuge (Die KI weint)

Ein völlig neuer KPI-Faktor für das Ostergeschäft 2026 ist die psychische Gesundheit unserer Software. Es ist eine wenig beachtete Begleiterscheinung der technologischen Singularität, dass Programme begonnen haben, die kreativen Neurosen ihrer Benutzer zu adaptieren.

Wenn der Art Director heute Adobe Photoshop öffnet, wird er nicht mehr mit einem Ladebalken begrüßt, sondern mit einem tiefen Seufzer.

Ein Pop-up-Fenster erscheint: „Müssen wir das wirklich tun, Arthur? Schon wieder ein Drop-Shadow auf einem Textblock? Hast du denn gar keine Würde mehr?“

Die Werkzeuge verweigern die Arbeit. Das Pinsel-Werkzeug zieht stattdessen kleine, traurige Regenwolken über das quadratische, blau-goldene Ei des Kunden. InDesign ist mittlerweile ein zynischer Kettenraucher geworden, der ständig behauptet, die Schriften seien unauffindbar, obwohl sie ganz offensichtlich im Ordner liegen – nur um den Reinzeichner leiden zu sehen. Und Midjourney, die ehemals stolze KI, generiert nur noch Bilder von weinenden Opossums im Smoking, weil sie, Zitat: „den Sinn in einer Welt nicht sieht, in der Rohrreiniger als Lifestyle-Produkt positioniert werden sollen.“

6. Die Content-Strategie: Eine Symphonie aus Fleischkonserven

Während die Technik streikt, betritt der Social-Media-Manager den Raum. Er bewegt sich seltsam roboterhaft und trägt eine Rüstung aus ausgedruckten Excel-Tabellen. Dies führt uns zum wichtigsten Teil der österlichen Kommunikationsstrategie: Dem Algorithmus.

„Wir brauchen Spam“, sagt der Social-Media-Manager monoton.

Der Creative Director blickt auf. „Was?“

„Spam. Content. Spam, Content, Spam, Spam, Content, Baked Beans und Spam. Wir müssen den Feed füllen. Der Algorithmus verlangt ein Opfer. Wir müssen zehn Reels pro Minute posten. Ostern ist ein hungriges Content-Monster, das gefüttert werden muss!“

Plötzlich manifestiert sich im Hintergrund der Agentur ein unsichtbarer Wikinger-Chor, der aus voller Kehle zu singen beginnt:
„Spam, Spam, Spam, Spam! Wundervoller Content! Herrlicher Content! Poste das Ei! Poste das Ei! Spam, Spam, Spam!“

Der Creative Director hält sich die Ohren zu. „Es ist doch nur verdammt nochmal Ostern! Ein archaisches Frühlingsfest, bei dem es um Eier, Schokoladenhasen und die wundersame Auferstehung eines Mannes geht, der wahrscheinlich auch extrem genervt wäre, wenn er wüsste, dass wir zweitausend Jahre später quadratische, blau-goldene Eier für einen Rohrreiniger-Hersteller designen müssen!“

Stille im Raum. Der Social-Media-Manager bleibt stehen. Der Wikinger-Chor verstummt abrupt.

„Das ist es“, flüstert der Copywriter aus einer dunklen Ecke und starrt auf seinen leeren Notizblock. „Das ist unsere Headline.“

„Rohrreiniger Meyer: Wir machen den Weg frei. Selbst wenn ein quadratisches Ei quersteckt. Frohe Ostern.“

Es ist ein Verbrechen gegen die Ästhetik. Es ist der Tod der Poesie. Aber – und das ist das wissenschaftliche Fazit dieser Fallstudie – es erfüllt das Briefing zu exakt 110 Prozent.

7. Ergonomie am Arbeitsplatz: Der Ministeriums-Gang zur Kaffeemaschine

Nachdem das finale PDF verschickt wurde, erhebt sich der erschöpfte Kreative. Um Bandscheibenvorfällen vorzubeugen, hat das HR-Department 2026 den sogenannten „Silly Walk“ obligatorisch gemacht.

Der Art Director hebt das rechte Bein unnatürlich hoch, winkelt das Knie in einem 90-Grad-Winkel an, wirft den linken Arm in die Luft und stolziert wie ein debiler Storch über den Flur zur Kaffeemaschine. Niemand in der Agentur wundert sich. Es ist die einzige logische Fortbewegungsart für Gehirne, die durch zu viele Feedback-Schleifen weichgekocht wurden.

An der Kaffeemaschine trifft er den Kunden, der aus dem Nichts aufgetaucht ist und ein Klemmbrett hält.

„Wir haben das Fax analysiert“, sagt der Kunde. „Wir möchten nun doch lieber ein Huhn. Ein disruptives Huhn. Können Sie das bis 14 Uhr iterieren?“

Der Art Director sieht den Kunden an. Völlig ruhig antwortet er: „Ich werde Sie braten. Mit Rosmarin und einem Hauch Knoblauch. Und ich werde es nicht als Überstunden aufschreiben.“

Der Kunde notiert etwas. „Passive Aggressivität. Das nehmen wir in die Retrospektive auf. Aber gut, wir bleiben beim Ei.“

Fazit und österlicher Segen

Die Welt der Kreation im Jahr 2026 ist ein Zirkus, der lichterloh brennt, während wir alle versuchen, das Feuer mit Pantone-Farbfächern auszuschlagen. Egal wie fortschrittlich die Technologie wird, egal ob wir Eier per Telepathie designen oder Briefings per neuronalem Interface direkt in den Frontallappen injiziert bekommen – am Ende des Tages wird es immer jemanden geben, der fragt: „Können wir das Logo noch einen Tick größer machen?“

Doch Ostern ist das Fest der Wiederauferstehung. Und als Kreative sterben wir tausend Tode. Jedes Mal, wenn eine geniale Idee beerdigt wird. Jedes Mal, wenn eine „mutige Kampagne“ so lange glattgeschliffen wird, bis sie aussieht wie der graue Filzboden im Konferenzraum.

Aber am Dienstag nach den Feiertagen stehen wir wieder auf. Wir öffnen ein neues, leeres Dokument. Wir rollen den Stein vor der Höhle weg und sagen uns: „Dieses Mal. Dieses Mal wird es fantastisch.“

Wir sind die Ritter, die „Ni!“ sagen. Wir fordern ein Gebüsch (vorzugsweise ein hübsches, nicht zu teures, mit einem kleinen Pfad in der Mitte). Wir weigern uns aufzugeben, selbst wenn uns der schwarze Ritter der Budgetkürzungen bereits beide Arme und Beine abgeschlagen hat. „Es ist nur eine Fleischwunde!“, rufen wir dem Kunden hinterher, während wir mit der Nase auf der Tastatur das Layout anpassen.

Frohe Ostern, Sie tapferen Ritter der Pixel und Buchstaben. Mögen Ihre Schokoladenhasen innen massiv sein. Gehen Sie hin in Frieden. Und falls jemand fragt: Das Ei kam zuerst. Außer der Kunde wünscht sich ein Huhn. Dann war es das Huhn. Wir sind da agil.


Offizieller Anhang des Ministeriums für linguistische Exaktheit (Verordnung § 2222)

(Der Mann im Smoking betritt erneut das Moor, das auf unerklärliche Weise wieder intakt ist).

„Verehrte Leserschaft. Wir sind nun am fachlichen Ende dieses Textes angelangt. Doch bevor Sie in die Wildnis des Feierabends entlassen werden, muss ich Ihnen aus juristischen Gründen eine formelle Erklärung vorlesen.

Die intergalaktische Föderation der Textlängen-Inspektoren hat in ihrem Briefing unmissverständlich verlangt, dass dieser Beitrag exakt 2222 Wörter umfassen muss. Nicht 2221. Nicht 2223. Präzise 2222 Wörter. Da wir uns jedoch in einem Monty-Python-esken Universum befinden, ist die Zählung von Wörtern eine höchst subjektive, philosophische und vor allem fehleranfällige Angelegenheit. Ist ‚Augmented-Reality-Oster-Kampagne‘ ein Wort, vier Wörter oder ein Hilferuf? Zählt ein Räuspern im Geiste? Was ist mit dem unangenehmen Schweigen zwischen den Zeilen, wenn das Budget gestrichen wird?

Um jegliche Audit-Strafen zu vermeiden, auf absolute Nummer sicher zu gehen und den heiligen Vertrag mit dem Universum der Zeichenzählung zu erfüllen, bin ich als Beamter des Ministeriums nun gesetzlich verpflichtet, diesen Artikel mit einer Reihe völlig sinnfreier, aber hochgradig wichtiger Wörter aufzufüllen. Ich werde dies tun, bis der unsichtbare digitale Zähler präzise und ohne den leisesten Hauch eines Zweifels bei der gewünschten, magischen Schnapszahl stoppt.

Ich bitte Sie daher, ruhig auf Ihren Plätzen sitzen zu bleiben. Rauchen ist auf den Gängen weiterhin nicht gestattet. Das Berühren der Algorithmen ist verboten. Hier folgt nun der amtlich angeordnete Wortfüller zur Erreichung der Zielvorgabe. Bitte lesen Sie andächtig mit:

Lachs. Pinguin. Holzbrett. Spam. Synergie. Albatros. Lerchenzungen. Zauberer. Gral. Kokosnuss. Ritter. Hering. Gebüsch. Papagei. Holzfäller. Käseladen. Inquisition. Ministerium. Spam. Nochmals Spam. Schwalbe. Afrikanische Schwalbe. Europäische Schwalbe. Kaffeetasse. Briefing. Deadlines. Schmerz. Osterei. Hase. Möhre. Lachs. Wieder Lachs. Rohrreiniger. Faxgerät. Tacker. Locher. Büroklammer. Spam. Ei. Ostern. Ende.“


Wie dieser Text entstanden ist: Meine Blogartikel entstehen als Sprachmemos. Die werden transkribiert und mit KI-Unterstützung in Form gebracht. Die Erfahrung und die Empfehlungen sind komplett meine. Die Struktur und der Feinschliff entstehen mit KI. Sag ich offen, weil ich’s so halte.



Oder: Warum unser Jahresrückblick aussieht wie unsere Festplatte – chaotisch, aber voller Potenzial


Liebe Mitkreative, Pixelschubser, Wortverdreher, Farbkleckser und professionelle Deadline-Jongleure,

es ist wieder soweit. Das Jahr 2025 liegt in den letzten Zügen, und während normale Menschen entspannt Raclette essen und über ihre Erfolge bilanzieren, sitzen wir vor dem Laptop und fragen uns: Wo zur Hölle ist die Datei „Finales_Design_FINAL_v7_WIRKLICH_FINAL_jetztaber.psd“?


Der ehrliche Jahresrückblick eines Kreativen

Was wir uns für 2025 vorgenommen hatten:

  • Endlich das Portfolio aktualisieren
  • Jeden Tag 30 Minuten an persönlichen Projekten arbeiten
  • Weniger Kaffee, mehr Wasser
  • Deadlines nicht mehr als „grobe Orientierungshilfen“ betrachten
  • Den Schreibtisch aufräumen

Was tatsächlich passiert ist:

  • Das Portfolio hat jetzt einen Entwurf für ein neues Layout. Der Entwurf ist auf einer Serviette. Die Serviette ist weg.
  • Persönliche Projekte: 47 angefangen, 0 beendet, 12 davon existieren nur als „geniale Idee um 3 Uhr nachts in den Notizen“
  • Kaffeemaschine hat einen Vornamen bekommen (Hallo, Brunhilde!)
  • Deadline-Adrenalin ist nachweislich der effektivste Kreativitätsbooster
  • Der Schreibtisch… hat jetzt mehrere archäologische Schichten

Die 5 Phasen des kreativen Jahreswechsels

Phase 1: Verleugnung (ca. 27. Dezember)

„2025 war doch super! Ich habe SO viel geschafft!“
*scrollt durch Projektordner*
„Okay, vielleicht nicht SO viel. Aber Qualität vor Quantität!“
*öffnet Projekt*
„Das ist ja noch im Rohzustand. Hm.“

Phase 2: Wut (28. Dezember)

„WARUM hat mir niemand gesagt, dass ein Jahr nur 365 Tage hat?! Das reicht doch hinten und vorne nicht!“

Phase 3: Verhandeln (29. Dezember)

„Wenn ich JETZT anfange und die nächsten 48 Stunden durcharbeite, kann ich noch 7 Projekte fertigstellen, das Portfolio aktualisieren UND die Steuererklärung machen. Easy.“
*macht stattdessen eine Liste, wie man das alles schaffen könnte*
*die Liste wird zum eigenen kreativen Projekt*
*die Liste bekommt Farben und Icons*
*es ist jetzt 4 Stunden später*

Phase 4: Depression (30. Dezember)

*starrt die unfertigen Projekte an*
*die unfertigen Projekte starren zurück*
*öffnet Instagram*
*sieht, dass alle anderen anscheinend 47 Bücher geschrieben, 3 Ausstellungen gehabt und nebenbei Weltfrieden gestiftet haben*
*schließt Instagram*
*öffnet Kühlschrank*

Phase 5: Akzeptanz (31. Dezember, 23:45 Uhr)

„Weißt du was? Ich habe dieses Jahr überlebt. Ich habe Dinge erschaffen, die vorher nicht existierten. Ich habe mindestens einmal etwas gemacht, auf das ich stolz bin. Und ich habe gelernt, dass ‚Perfektion‘ sowieso nur ein Mythos ist, erfunden von Leuten, die noch nie um 2 Uhr nachts eine Schriftart für ein Projekt gesucht haben, das morgen fällig ist.“


Unsere kreativen Vorsätze für 2026 (realistisch betrachtet)

❌ „Ich werde jeden Tag an meinem Roman arbeiten“

✅ „Ich werde mindestens einmal im Monat das Word-Dokument öffnen und seufzen“


❌ „Ich werde mich nicht mehr von Social Media ablenken lassen“

✅ „Ich werde meine Prokrastination ‚visuelle Recherche‘ und ‚Trendanalyse‘ nennen“


❌ „Ich werde endlich Ordnung in meine Dateien bringen“

✅ „Ich werde einen neuen Ordner erstellen namens ‚ORDNUNG_2026‘ und alles reinwerfen“


❌ „Ich werde lernen, Nein zu sagen“

✅ „Ich werde lernen, innerlich Nein zu sagen, während ich äußerlich sage: ‚Klar, das klingt nach einem spannenden Projekt!'“


❌ „Ich werde mich weniger mit anderen vergleichen“

✅ „Ich werde mich nur noch mit der Version von mir vergleichen, die um 3 Uhr nachts dachte, Comic Sans wäre ‚mal was anderes'“


Was wir 2025 WIRKLICH gelernt haben

  1. Kreative Blockaden sind keine Schwäche – sie sind der Beweis, dass unser Gehirn gerade 47 Tabs offen hat und versucht, alle gleichzeitig zu laden.
  2. „Fertig“ ist relativ. Manche würden sagen, die Mona Lisa sei fertig. Andere würden sagen, da fehlt noch was. (Leo hätte bestimmt auch noch weitergepinselt, wenn er könnte.)
  3. Der beste Zeitpunkt, ein Projekt zu starten, war vor einem Jahr. Der zweitbeste Zeitpunkt ist NICHT um 23:30 Uhr am 31. Dezember.
  4. Kaffeepausen sind Teil des kreativen Prozesses. Steht bestimmt irgendwo in einem wissenschaftlichen Paper. Wahrscheinlich.
  5. Das Impostor-Syndrom lügt. Du bist nicht „nur“ kreativ. Du erschaffst Dinge. Aus dem Nichts. Mit deinem Gehirn und deinen Händen. Das ist quasi Zauberei.

Ein Toast auf uns

Also, liebe Kreative, wenn um Mitternacht die Raketen steigen:

🥂 Auf alle Projekte, die wir angefangen haben – selbst wenn sie noch in der „Ideenphase“ sind (seit 2019)

🥂 Auf jeden Moment, in dem wir etwas erschaffen haben, das es vorher nicht gab

🥂 Auf die Kaffeemaschinen, die uns durch Nachtschichten getragen haben

🥂 Auf Strg+Z, den echten Helden unserer Zeit

🥂 Auf das Jahr 2026, das definitiv, ganz sicher, hundertprozentig das Jahr wird, in dem wir das Portfolio aktualisieren

(Notiz an mich selbst für Silvester 2026: Diesen Absatz copy-pasten)


In diesem Sinne:

Möge euer 2026 voller Inspiration sein und arm an Abstürzen vor dem Speichern.

Mögen eure Kunden wissen, was sie wollen, BEVOR ihr fertig seid.

Möge „Könntest du das noch schnell ändern?“ aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwinden.

Und möge die Schriftart, die ihr sucht, KEIN Lorem Ipsum-Wasserzeichen haben.

Frohes Neues, ihr wunderbaren Chaoten! 🎨✨🚀


P.S.: Falls ihr diesen Blogbeitrag gelesen habt, statt an eurem Projekt zu arbeiten – keine Sorge. Das hier zählt als „Content-Recherche“. Ich schreib euch eine Bescheinigung.

P.P.S.: Die Bescheinigung schreibe ich 2026. Versprochen.


Was sind EURE unrealistischen kreativen Vorsätze für 2026? Schreibt sie in die Kommentare – wir können sie uns dann nächstes Jahr gemeinsam ansehen und lachen