Photoshop ist wie ein neues Auto. Du steigst ein, es funktioniert – aber der Sitz passt nicht, die Spiegel stehen falsch, und das Navi redet zu viel. Technisch fährt es. Aber bequem? Effizient? Nein.

Genauso ist es mit Photoshop. Die Standardeinstellungen sind okay für den Anfang. Aber wenn du ernsthaft damit arbeiten willst – ob für Fotografie, Design oder digitale Kunst – dann solltest du ein paar Schrauben drehen, bevor du richtig loslegst.

Ich arbeite seit über fünfzehn Jahren mit Photoshop. Und jedes Mal, wenn ich es auf einem neuen Rechner installiere, mache ich als erstes diese zehn Einstellungen. Nicht weil ich pingelig bin, sondern weil sie mir Zeit sparen, Abstürze verhindern und das Arbeiten einfach angenehmer machen.

Hier sind sie – ohne Fachchinesisch, mit praktischen Erklärungen.


1. Arbeitsspeicher richtig zuweisen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Leistung

Photoshop ist hungrig. Es will RAM, und zwar viel davon. In den Standardeinstellungen bekommt es oft nur 70 Prozent deines verfügbaren Arbeitsspeichers. Das klingt fair, kann aber zum Problem werden, wenn du mit großen Dateien arbeitest.

Meine Empfehlung: Wenn du während der Arbeit hauptsächlich Photoshop nutzt und nicht nebenbei zehn andere Programme laufen hast, schieb den Regler ruhig auf 80 bis 85 Prozent. Photoshop wird spürbar flüssiger, besonders bei Dateien mit vielen Ebenen oder hoher Auflösung.

Aber Vorsicht: Wenn du gleichzeitig Lightroom, einen Browser und Spotify offen hast, lass etwas Puffer. Sonst wird dein ganzes System träge.


2. Arbeitsvolumen auf eine schnelle Festplatte legen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Arbeitsvolumen

Das Arbeitsvolumen ist der Ort, an dem Photoshop temporäre Daten ablegt, wenn der RAM voll ist. Standardmäßig ist das oft die Systemfestplatte – also dieselbe, auf der Windows oder macOS läuft.

Das ist keine gute Idee.

Wenn du eine zweite Festplatte hast, idealerweise eine SSD, dann leg das Arbeitsvolumen dorthin. Photoshop wird schneller, und du vermeidest Konflikte mit dem Betriebssystem. Falls du nur eine Festplatte hast, ist das okay – aber dann achte darauf, dass genug freier Speicher vorhanden ist. Mindestens 50 Gigabyte, besser mehr.


3. Verlaufsprotokoll-Zustände erhöhen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Leistung

Standardmäßig speichert Photoshop die letzten 50 Arbeitsschritte. Das klingt viel, ist es aber nicht. Wenn du viel mit Pinsel arbeitest oder experimentierst, sind 50 Schritte schneller weg, als du denkst.

Ich stelle das auf 100 bis 150. Mehr geht auch, aber dann steigt der RAM-Verbrauch deutlich. Für die meisten Arbeiten ist 100 ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Performance.

Der Vorteil: Du kannst weiter zurückgehen, wenn etwas schiefläuft. Und glaub mir – irgendwas läuft immer schief.


4. Automatisches Speichern aktivieren und Intervall anpassen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Dateihandhabung

Photoshop hat eine automatische Speicherfunktion. Aber in der Standardeinstellung ist das Intervall oft zu lang – manchmal 30 Minuten oder mehr. Das bedeutet: Wenn das Programm abstürzt, verlierst du eine halbe Stunde Arbeit.

Stell das Intervall auf 5 bis 10 Minuten. Ja, das bedeutet, dass Photoshop öfter kurz pausiert, um zu speichern. Aber dieser Moment ist nichts im Vergleich zu dem Gefühl, wenn du merkst, dass deine letzte Sicherung von vor einer Stunde ist.

Kleiner Tipp: Das automatische Speichern ersetzt nicht das manuelle. Gewöhn dir trotzdem an, regelmäßig Strg+S (oder Cmd+S auf dem Mac) zu drücken. Alte Gewohnheiten sind manchmal die besten.


5. Farbeinstellungen überprüfen

Wo: Bearbeiten → Farbeinstellungen

Das ist einer der Punkte, die viele Leute ignorieren – und sich dann wundern, warum ihre Farben auf dem Bildschirm anders aussehen als im Druck oder im Web.

Für die meisten Arbeiten empfehle ich:

  • RGB-Arbeitsfarbraum: sRGB, wenn du hauptsächlich für Bildschirme arbeitest (Web, Social Media). Adobe RGB, wenn du auch für Druck arbeitest und einen kalibrierten Monitor hast.
  • CMYK-Arbeitsfarbraum: Lass das auf der Standardeinstellung, es sei denn, deine Druckerei gibt dir ein spezifisches Profil.
  • Farbmanagement-Richtlinien: Stell sie auf „Eingebettete Profile beibehalten“ und aktiviere die Warnungen bei Profilabweichungen.

Klingt kompliziert, ist aber wichtig. Farben sind Vertrauenssache. Wenn du nicht weißt, in welchem Farbraum du arbeitest, arbeitest du blind.


6. Standardeinheit auf Pixel setzen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Einheiten und Lineale

Photoshop zeigt Maße manchmal in Zentimetern oder Zoll an. Das ist verwirrend, wenn du eigentlich in Pixeln denkst – was bei digitaler Arbeit fast immer der Fall ist.

Stell die Einheiten für Lineale auf Pixel. Bei Schrift kannst du auf Punkt lassen, das ist Standard. Aber für alles andere: Pixel machen das Leben einfacher.


7. GPU-Beschleunigung aktivieren und prüfen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Leistung

Moderne Grafikkarten können Photoshop massiv beschleunigen – bei Zoom, Drehen, Filtern und vielen anderen Funktionen. Aber manchmal erkennt Photoshop die Grafikkarte nicht richtig, oder die Beschleunigung ist deaktiviert.

Schau in den Leistungseinstellungen nach, ob deine GPU erkannt wird und ob „Grafikprozessor verwenden“ aktiviert ist. Wenn ja, klick auf „Erweiterte Einstellungen“ und stell den Modus auf „Erweitert“ – das nutzt die volle Power deiner Karte.

Falls Photoshop Probleme macht (Grafikfehler, Abstürze), kannst du den Modus auf „Normal“ oder „Einfach“ zurücksetzen. Aber versuch erstmal die volle Stufe.


8. Benutzeroberfläche anpassen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Benutzeroberfläche

Hier geht es nicht um Schönheit, sondern um Augen. Die Standardoberfläche von Photoshop ist ziemlich dunkel. Manche lieben das, andere finden es anstrengend.

Du kannst zwischen vier Helligkeitsstufen wählen. Ich persönlich arbeite mit der zweithellsten Stufe – dunkel genug, um nicht vom Bild abzulenken, aber hell genug, um die Werkzeuge gut zu erkennen.

Außerdem: Stell die Schriftgröße der Benutzeroberfläche auf „Mittel“ oder „Groß“, wenn du auf einem hochauflösenden Monitor arbeitest. Sonst brauchst du irgendwann eine Lupe für die Menüs.


9. Interpolationsmethode für Bildgrößenänderung festlegen

Wo: Bearbeiten → Voreinstellungen → Allgemein

Wenn du Bilder verkleinerst oder vergrößerst, muss Photoshop neue Pixel berechnen. Wie es das macht, hängt von der Interpolationsmethode ab.

Die Standardeinstellung „Bikubisch automatisch“ ist meistens in Ordnung. Aber wenn du weißt, was du tust, kannst du hier feiner steuern:

  • Bikubisch glatter: Besser für Vergrößerungen
  • Bikubisch schärfer: Besser für Verkleinerungen
  • Details erhalten 2.0: Für extreme Vergrößerungen mit KI-Unterstützung (neu in den letzten Versionen)

Für den Alltag lass es auf „Automatisch“. Aber gut zu wissen, dass du hier Kontrolle hast.


10. Eigenen Arbeitsbereich einrichten und speichern

Wo: Fenster → Arbeitsbereich → Neuer Arbeitsbereich

Das ist keine Einstellung im klassischen Sinn, aber vielleicht die wichtigste Sache auf dieser Liste.

Photoshop hat verschiedene vorgefertigte Arbeitsbereiche – für Fotografie, Design, 3D und so weiter. Aber keiner davon passt wirklich zu deiner Art zu arbeiten. Die Panels stehen falsch, manche fehlen, andere sind im Weg.

Nimm dir zehn Minuten Zeit und richte dir einen eigenen Arbeitsbereich ein:

  • Welche Panels brauchst du wirklich? (Ebenen, Eigenschaften, Farbe, vielleicht Protokoll)
  • Wo sollen sie stehen?
  • Was kann weg?

Wenn du fertig bist, speichere den Arbeitsbereich unter einem eigenen Namen. So kannst du ihn jederzeit wiederherstellen, wenn Photoshop mal durcheinander kommt – was es gelegentlich tut.


Bonus-Tipp: Einstellungsordner manuell sichern

Wenn du all diese Einstellungen gemacht hast, lohnt es sich, den Einstellungsordner von Photoshop manuell zu sichern. Leider gibt es keine eingebaute Export-Funktion für die Voreinstellungen – du musst den Ordner selbst kopieren.

So findest du ihn:

  • Windows: C:\Users[Dein Benutzername]\AppData\Roaming\Adobe\Adobe Photoshop 2025\Adobe Photoshop 2025 Settings
  • Mac: ~/Library/Preferences/Adobe Photoshop 2025 Settings

Kopiere diesen Ordner auf eine externe Festplatte oder in die Cloud. Falls du Photoshop neu installieren musst oder auf einen anderen Rechner wechselst, kannst du den Ordner einfach wieder an die gleiche Stelle kopieren – und alle deine Einstellungen sind zurück.

Ja, das ist umständlicher als ein einfacher Klick auf „Exportieren“. Aber es funktioniert, und es spart dir im Ernstfall viel Zeit.


Fazit: Einmal einrichten, lange profitieren

Diese zehn Einstellungen dauern vielleicht zwanzig Minuten. Aber sie machen einen echten Unterschied – nicht nur in der Performance, sondern auch im Gefühl. Photoshop fühlt sich danach weniger wie ein Fremdkörper an und mehr wie ein Werkzeug, das zu dir passt.

Und das ist letztlich der Punkt: Gute Werkzeuge verschwinden in der Hand. Du denkst nicht mehr über sie nach, du arbeitest einfach. Wenn Photoshop ständig ruckelt, abstürzt oder dich mit merkwürdigen Farbproblemen nervt, dann arbeitet es gegen dich. Nach diesen Einstellungen arbeitet es mit dir.

Probier es aus. Und wenn du Fragen hast oder andere Tipps kennst, die hier fehlen – schreib mir. Ich lerne auch nach fünfzehn Jahren noch dazu.