Ein Brownz-Manifest zwischen Hype, Wahrheit und den unsichtbaren Kosten.

Prolog: Warum diese Zeilen brennen
KI-Kunst ist das Schlagwort der Stunde. Jeder hat eine Meinung, jeder hat ein Tool, jeder kennt angeblich „das Geheimnis“. Doch mitten im Lärm verschwinden die hässlichen Wahrheiten. Über Kosten, über Ethik, über Abhängigkeiten. Dieser Text ist keine Anti-KI-Predigt – sondern ein Deep Dive.
These: KI-Kunst ist weder Rettung noch Untergang. Sie ist ein Werkzeug. Doch die Leute belügen dich darüber, was sie wirklich kann, was sie nie können wird – und was es dich kostet.
1. Die Lügen, die man dir verkauft
1.1 „KI ist demokratisch“
Jeder könne jetzt Kunst machen, heißt es. Realität: Wer Budget für High-End-Hardware, Premium-Modelle und Nachbearbeitung hat, produziert Welten. Der Rest spielt im Sandkasten. Demokratisch? Nein – kapitalistisch.
1.2 „KI ersetzt Künstler“
Lüge aus Angst oder Marketing. KI ersetzt Fließband-Arbeit, nicht Identität. Stil, Haltung, Auswahl – das bleibt menschlich. Wer sagt, KI tötet Kunst, will dich einschüchtern. Wer sagt, KI macht dich überflüssig, will dich verkaufen.
1.3 „Prompting ist alles“
Falsch. Prompting ist der Türöffner. Kunst entsteht durch Selektion, Kuratieren, Bearbeiten, Kontextherstellung. Prompt ohne Nacharbeit ist Fast Food.
1.4 „Kostenlos und unbegrenzt“
Viele Tools locken gratis. Doch Limits, Credits, Abos, GPU-Kosten und Stromverbrauch addieren sich. KI ist kein Geschenk, es ist ein Abo-Modell auf Steroiden.
1.5 „Alles gehört dir“
Falsch. Trainingsdaten sind rechtlich unsicher. Content Credentials kommen. Plattformen behalten oft Nutzungsrechte. Wer von „deiner Kunst“ spricht, verschweigt den rechtlichen Grauschleier.
2. Die unsichtbaren Kosten
2.1 Zeit
Wer glaubt, KI spart Arbeit, irrt. 100 Variationen generieren = 100 Entscheidungen. KI spart Handwerk, nicht Denken.
2.2 Energie
Serverfarmen fressen Strom. Nachhaltigkeit ist kein Verkaufsargument, sondern ein verschwiegenes Opfer.
2.3 Abhängigkeit
Ein Klick auf „Terms updated“ – und dein Workflow zerbricht. Proprietäre Tools = Leine am Hals.
2.4 Kulturelle Erosion
Wenn alles generiert werden kann, verliert das Einmalige an Gewicht. KI produziert Masse, nicht Aura.
3. Psychologie der Täuschung
3.1 Der Hype-Magnet
Menschen überschätzen Neues. KI ist glänzend, schnell, laut. Das blendet über Mängel hinweg.
3.2 Vergleichsvergiftung
Instagram-Feeds voller „KI-Meisterwerke“ erzeugen Druck: „Warum sieht mein Output nicht so aus?“ Antwort: Budget, Modelle, Nacharbeit. Nicht Magie.
3.3 Die Angstkeule
„Lern KI oder stirb!“ – klassisches Verkaufsnarrativ. Wahrheit: Wer Haltung hat, nutzt Tools. Wer keine hat, wird von Tools benutzt.
4. Was KI wirklich kann
- Prototypen: Konzepte, Moodboards, Varianten.
- Texturen & Hintergründe: Ergänzungen für echte Fotografie.
- Outpainting/Inpainting: Reparaturen, Erweiterungen, Ideenräume.
- Stiltransfer: Experimente, Inspirationsschleifen.
Aber: KI ist kein Ersatz für Kontext, Story, Haltung.
5. Die Rolle des Künstlers im KI-Zeitalter
5.1 Vom Handwerker zum Dirigenten
Künstler arbeiten weniger mit Werkzeug, mehr mit Auswahl. Sie kuratieren statt hämmern.
5.2 Story als Differenz
KI kann Bilder produzieren – keine Narrative. Deine Stimme, dein Warum, dein Kontext: unersetzbar.
5.3 Hybrid-Workflows
Beste Kunst entsteht da, wo Fotografie, Malerei, KI und Nachbearbeitung ineinander greifen. Synthografie, Mixed Media, Collagen – nicht Entweder-Oder, sondern Sowohl-als-auch.
6. Praxis: 10 versteckte Fallen im KI-Workflow
- Overprompting: Mehr Text ≠ besser. KI reagiert chaotisch.
- Unklare Seeds: Ohne Seed keine Reproduzierbarkeit.
- Low-Res-Basis: Hochskalieren kaschiert keine schwache Idee.
- KI-Skin: Haut wirkt künstlich, wenn du sie nicht manuell nachbearbeitest.
- Anatomie-Fehler: Finger, Ohren, Perspektiven – KIs hassen Biologie.
- Stil-Kopie: Übernutzung von „in the style of“ = Klagepotenzial.
- KI als Selbstzweck: Bild schön, Aussage null.
- Export-Chaos: Unterschiedliche Plattformen komprimieren – Qualität weg.
- Falsches Farbmanagement: Viele Modelle arbeiten in sRGB – für Print fatal.
- Rechtliche Blindheit: CC, Copyright, Trainingsdaten – alles Grauzone.
7. Ethik: Was dir keiner sagt
- Datenklau: Viele KI-Modelle sind auf urheberrechtlich geschützter Kunst trainiert.
- Unsichtbare Arbeiter: Billigkräfte taggen Daten, filtern Inhalte.
- Kultureller Kolonialismus: Westliche Plattformen bestimmen, was „Kunst“ wird.
- Transparenz: Ohne Kennzeichnung verschwimmt Grenze zwischen echt & generiert.
8. Brownz-Strategien für ehrliche KI-Kunst
- Transparenz: Sag, wo KI drinsteckt. Spart Diskussionen.
- Hybrid-Workflow: Foto + KI + Photoshop. KI nie allein regieren lassen.
- Offene Formate: Speichere in TIFF/PNG, nicht nur Plattform-Export.
- Archiv-Disziplin: Seeds, Prompts, Versionen dokumentieren.
- Ethikfilter: Keine Körperlügen, keine Manipulation ohne Kontext.
- Langzeit-Denken: Tools wechseln, Haltung bleibt.
- Lokale Modelle: Wenn möglich, eigene KI-Instanzen trainieren – Kontrolle zurückholen.
9. Zukunft: Was wirklich kommt
- Rechtliche Klärung: Urheberrecht + C2PA-Standards.
- Verschmelzung: KI wird unsichtbar in Adobe, Capture One, Blender integriert.
- Personalisierung: Eigene Modelle, trainiert auf deinen Stil.
- Gegenbewegungen: Authentizität & „real photography“ als Premium.
Fazit: Die Wahrheit statt der Lügen
KI-Kunst ist nicht Teufel, nicht Gott. Sie ist ein Hammer. Mit ihr kannst du bauen oder zerstören. Doch lass dir nicht erzählen, dass alles kostenlos, fair, demokratisch oder automatisch genial ist. Die Leute belügen dich über KI-Kunst.
Deine Aufgabe: Erkenne die Lügen, nutze die Wahrheit, finde deinen Ton. Dann ist KI nicht das Ende der Kunst – sondern ein neues Kapitel, das du mitschreibst.
Entdecke mehr von Der BROWNZ Blog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.











