Ich mache das hier jetzt seit über zwanzig Jahren. Bilder ins Netz stellen, Texte schreiben, Meinungen haben, Kunst zeigen. Und wenn es eine Sache gibt, die sich in all der Zeit nicht geändert hat, dann ist es das hier:

Irgendwer hat immer ein Problem damit.

Egal was du machst. Egal wie gut es ist. Egal wie viel Arbeit drinsteckt. Da draußen sitzt jemand, der nichts Besseres zu tun hat, als dir zu erklären, warum das alles Mist ist. Warum du keine Ahnung hast. Warum er das viel besser könnte – wenn er denn wollte. Was er natürlich nie tut.

Das sind die Hater. Die Trolle. Das digitale Gesindel, das sich in jeder Kommentarspalte breitmacht wie Schimmel in einer feuchten Ecke.

Und ich hab mir lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll. Weil man denen ja eigentlich keine Bühne geben will. Aber dann dachte ich: Vielleicht hilft es jemandem, der gerade am Anfang steht. Jemand, der seinen ersten richtig fiesen Kommentar kassiert hat und nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Jemand, der nachts wach liegt und sich fragt, ob der Typ vielleicht recht hat.

Also: Hier ist alles, was ich in über zwanzig Jahren über diese Leute gelernt habe. Und warum die einzig richtige Reaktion ist, sie komplett zu ignorieren.


Wer sind diese Leute eigentlich?

Lass uns mal kurz sortieren. Nicht jeder, der kritisiert, ist ein Troll. Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der sagt „Das Bild wäre stärker, wenn der Horizont gerade wäre“ und jemandem, der schreibt „Lol was für ein Müll, lern erstmal fotografieren bevor du sowas postest“.

Der erste will helfen. Vielleicht ungeschickt, vielleicht ungefragt, aber da steckt keine böse Absicht dahinter.

Der zweite will verletzen. Punkt.

Und genau um die geht es hier.

Diese Menschen haben ein paar Dinge gemeinsam, die ich über die Jahre immer wieder beobachtet habe:

Sie wissen alles besser. Immer. Über jedes Thema. Egal ob Fotografie, Kunst, Politik, Kochen oder Quantenphysik. Sie haben zu allem eine Meinung und die ist natürlich die einzig richtige.

Sie können angeblich alles besser. Frag mal nach Arbeitsproben. Frag mal nach ihrem Portfolio. Frag mal, was sie selbst so machen. Da kommt nichts. Oder irgendwas von wegen „Ich muss niemandem was beweisen“. Praktisch, oder?

Sie haben noch nie selbst was erschaffen. Das ist der Kern. Menschen, die selbst kreativ arbeiten, wissen wie viel Mühe drinsteckt. Die hauen nicht einfach so rein. Die haben Respekt vor dem Prozess, auch wenn ihnen das Ergebnis nicht gefällt.

Sie sind respektlos, weil sie es können. Das Internet ist anonym genug, dass man Dinge sagt, die man jemandem nie ins Gesicht sagen würde. Hinterm Bildschirm sind alle mutig.

Und das Wichtigste: Sie leben von Reaktionen. Das ist ihr Treibstoff. Wenn du antwortest, haben sie gewonnen. Egal was du sagst. Egal wie brillant deine Argumentation ist. Du hast reagiert. Du hast ihnen Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist alles, was sie wollen.

Ich nenn die gerne Energieparasiten mit WLAN. Weil genau das sind sie. Sie produzieren nichts, sie erschaffen nichts, sie tragen nichts bei. Sie saugen nur die Energie von Leuten ab, die tatsächlich was machen.


Wo die überall rumlungern

Früher dachte ich, das wäre ein Social-Media-Problem. Facebook, Instagram, Twitter, die üblichen Verdächtigen. Aber nein. Die sind überall.

Fotocommunity? Voll davon. Da gibt es Leute, die seit fünfzehn Jahren nichts anderes machen, als unter fremden Bildern klugzuscheißen. Die eigene Galerie? Leer. Oder drei unscharfe Urlaubsfotos von 2009.

YouTube? Jeder Kreative kennt das. Du steckst hundert Stunden in ein Video, und der erste Kommentar ist „Boah ist das langweilig, hab nach 30 Sekunden abgeschaltet“. Danke für deinen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft.

Blogs? Foren? Newsletter? Überall. Die finden dich. Die haben nichts anderes zu tun. Während du arbeitest, schleichen die durchs Internet und suchen Gelegenheiten, um ihren Senf abzuladen.

Und das Perverse daran: Je erfolgreicher du wirst, desto mehr kommen. Das ist fast schon ein Qualitätsmerkmal. Wenn du keine Hater hast, kennt dich wahrscheinlich noch keiner.


Der größte Fehler, den du machen kannst

Ich hab den Fehler selbst oft genug gemacht. Vor allem am Anfang.

Da schreibt dir jemand was unter dein Bild. Irgendwas Arrogantes, Spöttisches, vielleicht eine offene Beleidigung. Und dein erster Instinkt ist: Dem erklär ich das jetzt mal. Dem zeig ich, dass er unrecht hat. Der soll verstehen, wie viel Arbeit da drinsteckt.

Völlig verständlich. Völlig menschlich. Und völlig falsch.

Weil in dem Moment, wo du antwortest, passiert Folgendes:

Du wertest den Troll auf. Vorher war das irgendein Typ, der was Dummes geschrieben hat. Jetzt ist er jemand, mit dem du diskutierst. Du behandelst ihn wie einen Gesprächspartner auf Augenhöhe. Das ist er nicht. Das hat er nicht verdient.

Du gibst ihm genau das, was er will. Aufmerksamkeit. Reaktion. Das Gefühl, dass er dich getroffen hat. Das ist wie einem Vampir freiwillig den Hals hinhalten.

Du spielst sein Spiel. Und bei seinem Spiel kann er nicht verlieren. Die Regeln hat er gemacht. Du kannst argumentieren wie ein Weltmeister, am Ende dreht er es so, dass er irgendwie recht hatte. Oder er ignoriert deine Argumente einfach und macht weiter.

Du öffnest die Tür für Mitläufer. Nichts zieht Trolle so an wie ein laufender Streit. Die riechen das. Plötzlich mischen sich andere ein. Leute, die vorher gar nicht da waren. Und auf einmal hast du nicht einen Idioten am Hals, sondern fünf.

Du riskierst einen Shitstorm. Nicht weil du was Falsches gesagt hast. Sondern weil im Internet alles eskalieren kann. Ein falsches Wort, ein Missverständnis, jemand macht einen Screenshot, teilt das in seiner Bubble, und zack – du bist der Buhmann der Woche.

Ich hab mal den Spruch gehört: Diskussionen mit Trollen sind wie Schachspielen mit Tauben. Egal wie gut du spielst, am Ende scheißt die Taube aufs Brett und stolziert rum, als hätte sie gewonnen.

Das trifft es ziemlich genau.


Was stattdessen funktioniert

Hier kommt der Teil, der vielen schwerfällt. Mir hat er auch lange schwergefallen. Aber er hat alles verändert:

Nicht einlassen. Entfernen. Blockieren. Fertig.

Das wars. Das ist die ganze Strategie.

Kein Statement. Keine Erklärung. Kein Rechtfertigungsversuch. Kein „aber ich meinte doch nur“. Kein „lass mich dir erklären warum du falsch liegst“.

Kommentar löschen. Profil blockieren. Weiterarbeiten.

Drei Schritte. Zehn Sekunden. Problem gelöst.

Ich weiß, was du jetzt denkst. Das fühlt sich an wie Schwäche. Wie Aufgeben. Wie Weglaufen.

Ist es nicht.

Es ist das Gegenteil. Es ist Souveränität.

Du entscheidest, wer in deinem Raum sein darf. Du entscheidest, welche Energie du reinlässt. Du entscheidest, worauf du deine Zeit verwendest.

Und deine Zeit auf irgendeinen Typen zu verwenden, der wahrscheinlich im Unterhemd vor seinem Rechner sitzt und sich daran aufgeilt, Fremde im Internet fertigzumachen – sorry, aber das hast du nicht verdient.

Die Lösch- und Blockierfunktionen wurden genau dafür erfunden. Nicht als Notlösung, sondern als Werkzeug. Benutz sie. Dafür sind sie da.


Wortfilter: Die unterschätzte Geheimwaffe

Was viele nicht wissen: Die meisten Plattformen haben Wortfilter eingebaut. Du kannst bestimmte Begriffe definieren, die automatisch rausgefiltert werden. Die Kommentare erscheinen dann entweder gar nicht öffentlich oder landen in einer Warteschleife, die du dir anschauen kannst – oder eben nicht.

Das ist extrem praktisch.

Du kannst Beleidigungen rausfiltern. Bestimmte Namen, wenn dich jemand stalkt. Triggerwörter. Alles, wovon du weißt, dass es nur Ärger bedeutet.

Ich hab das lange nicht gemacht, weil es sich irgendwie nach Zensur angefühlt hat. Nach Meinungsunterdrückung. Nach „der kann keine Kritik ab“.

Bullshit.

Das ist keine Zensur. Das ist Hygiene.

Du lässt ja auch nicht jeden Fremden von der Straße in deine Wohnung. Du schließt die Tür ab. Du guckst durchs Guckloch, bevor du aufmachst. Das ist völlig normal.

Warum sollte das online anders sein? Warum sollte jeder dahergelaufene Idiot ungehinderten Zugang zu deiner Kommentarspalte haben? Zu deinem Postfach? Zu deiner mentalen Gesundheit?

Bau dir Filter ein. Ernst gemeint. Es kostet dich fünf Minuten und spart dir tausend Nerven.


Wenn es per Mail kommt

Manchmal reichen die sozialen Medien nicht. Manchmal eskaliert jemand so sehr, dass er sich die Mühe macht, deine Mail-Adresse rauszusuchen und dir direkt zu schreiben.

Das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Das bedeutet, du hast ihn wirklich getroffen. Er ist so sauer, dass er die Plattform wechselt, nur um dir seine Meinung reinzudrücken.

Glückwunsch, du lebst mietfrei in seinem Kopf.

Die Lösung bleibt aber dieselbe:

Nicht antworten. Absender blockieren. Mail löschen.

Fertig.

Keine Diskussion. Keine Rechtfertigung. Kein „Ich wollte nur klarstellen dass…“. Nichts.

Der hat keine Antwort verdient. Der hat deine Zeit nicht verdient. Der kriegt exakt das, was er verdient hat: Stille.

Das ist übrigens das Schlimmste, was du einem Troll antun kannst. Nicht Gegenargumente. Nicht Beleidigungen zurück. Stille. Absolute, komplette Nichtbeachtung. Das macht die wahnsinnig. Weil es bedeutet: Du bist mir so egal, dass ich nicht mal die drei Sekunden investiere, dir zu antworten.


Aber was, wenn er recht hat?

Diese Frage kommt immer. Und sie ist berechtigt.

Was ist, wenn der Troll einen Punkt hat? Was ist, wenn hinter der Beleidigung eigentlich berechtigte Kritik steckt?

Hier ist meine Antwort: Der Ton macht die Musik.

Jemand, der dir wirklich helfen will, der drückt sich anders aus. Der schreibt nicht „Lol was für ein Müll“. Der schreibt vielleicht „Hey, ich find das Bild interessant, aber der Weißabgleich wirkt auf mich etwas kühl, war das Absicht?“

Merkst du den Unterschied?

Das eine ist Kommunikation. Das andere ist Aggression.

Und Aggression hat kein Recht auf deine Aufmerksamkeit. Egal ob da irgendwo ein Körnchen Wahrheit drinsteckt.

Wenn jemand zu dir kommt und sagt „Du bist ein Idiot, aber dein Horizont ist schief“ – dann ist das keine konstruktive Kritik. Dann ist das ein Angriff, an den zufällig eine Information angehängt ist. Und du musst dir nicht von Leuten helfen lassen, die dich dabei beleidigen.

Es gibt genug Menschen da draußen, die Kritik vernünftig formulieren können. Hör auf die. Ignorier die anderen.


Was das mit deiner Kunst macht

Lass mich kurz persönlich werden.

Ich hab Jahre gebraucht, um das zu lernen. Jahre, in denen ich mich von Kommentaren hab runterziehen lassen. In denen ich nachts wach lag und über irgendwelche dummen Sprüche nachgedacht hab. In denen ich Sachen nicht veröffentlicht hab, weil ich Angst vor den Reaktionen hatte.

Das ist Gift. Absolutes Gift für jeden kreativen Prozess.

Weil du anfängst, für die Trolle zu arbeiten. Du fängst an, Sachen zu vermeiden, die Angriffsfläche bieten könnten. Du fängst an, dich selbst zu zensieren, bevor es jemand anders tut.

Und dann machst du keine Kunst mehr. Dann machst du defensiven Content. Dann produzierst du Zeug, das niemanden beleidigen kann – und deshalb auch niemanden berührt.

Seit ich konsequent lösche und blockiere, hat sich meine Arbeit verändert. Nicht weil ich mutiger geworden bin. Sondern weil ich den Lärm abgestellt hab. Weil ich mich nicht mehr fragen muss, was die Trolle wohl sagen werden. Weil ich meinen Raum sauber halte.

Das ist nicht Ignoranz. Das ist Fokus.


Ein Wort zu den Mitlesern

Was viele vergessen: Du bist nicht der einzige, der diese Kommentare sieht. Wenn jemand was Fieses unter dein Bild schreibt, lesen das auch alle anderen. Deine Follower. Potenzielle Käufer. Leute, die gerade überlegen, ob sie dir folgen sollen.

Und wenn du den Dreck stehen lässt, sieht das aus wie: Das gehört hier dazu. Das ist normal. Das wird toleriert.

Willst du das?

Wenn du löschst und blockierst, sendest du ein anderes Signal: Hier herrscht Respekt. Wer das nicht kann, fliegt raus.

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist ein Zeichen von Standards.

Die Leute, die du haben willst – die echten Fans, die ernsthaften Interessenten, die Menschen, die deine Arbeit wirklich schätzen – die sehen das und denken: Gut so. Die Person weiß, was sie wert ist.


Aber die Meinungsfreiheit!

Ja, ich weiß. Das Argument kommt immer.

„Du kannst doch nicht einfach Meinungen löschen!“
„Das ist Zensur!“
„Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen!“

Stimmt. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen. Aber niemand hat das Recht, sie in deinem Wohnzimmer zu sagen.

Meinungsfreiheit schützt dich vor dem Staat. Sie gibt dir nicht das Recht, auf fremden Plattformen rumzupöbeln und erwarten, dass das toleriert wird.

Meine Kommentarspalte ist mein Raum. Mein Profil ist mein Raum. Meine Inbox ist mein Raum. Und in meinem Raum bestimme ich, was akzeptabel ist und was nicht.

Wer das nicht mag, kann seinen eigenen Raum aufmachen. Da kann er dann schreiben, was er will. Aber nicht bei mir.

Das ist keine Zensur. Das ist Hausrecht. Und das ist völlig legitim.


Der langfristige Effekt

Weißt du was passiert, wenn du das konsequent durchziehst? Über Monate, über Jahre?

Die Trolle verschwinden.

Nicht sofort. Am Anfang probieren sie es immer wieder. Neue Accounts, neue Anläufe, neue Beleidigungen. Aber wenn da nie was zurückkommt – keine Reaktion, keine Aufmerksamkeit, nichts – dann verlieren sie das Interesse.

Die suchen sich ein anderes Opfer. Jemanden, der noch antwortet. Jemanden, der sich noch provozieren lässt. Jemanden, der ihnen gibt, was sie wollen.

Und du arbeitest in der Zwischenzeit in Ruhe weiter.

Ich kann dir nicht sagen, wie befreiend das ist. Diese Ruhe. Diese Klarheit. Dieses Wissen, dass der ganze Müll dich nicht mehr erreicht.

Das ist keine Flucht vor der Realität. Das ist aktiver Schutz deiner mentalen Gesundheit. Und die brauchst du, wenn du kreativ arbeiten willst.


Praktische Checkliste

Weil ich praktische Typen mag, hier nochmal alles kompakt:

Bei negativen Kommentaren:

  • Ist das konstruktive Kritik oder ein Angriff?
  • Konstruktiv: Drüber nachdenken, vielleicht sogar danken
  • Angriff: Löschen, blockieren, vergessen

Bei Wiederholungstätern:

  • Nicht warten bis es eskaliert
  • Sofort blockieren
  • Keine zweite Chance

Bei Mails:

  • Nicht antworten
  • Absender blockieren
  • Löschen

Präventiv:

  • Wortfilter einrichten
  • Kommentarregeln festlegen (wenn die Plattform das erlaubt)
  • Bei neuen Followern kurz aufs Profil schauen

Für dich selbst:

  • Nicht nachts durch Kommentare scrollen
  • Nicht jede Benachrichtigung sofort lesen
  • Feste Zeiten für Social Media, dann Handy weg

Ein letzter Gedanke

Du bist Künstler. Oder Fotograf. Oder Kreativer. Oder was auch immer du bist.

Du bist nicht die Müllabfuhr des Internets.

Du musst nicht jeden Dreck sortieren, der bei dir abgeladen wird. Du musst nicht jede Diskussion führen. Du musst nicht jedem beweisen, dass du gut bist.

Deine Arbeit spricht für sich. Die richtigen Leute sehen das. Die falschen sind irrelevant.

Schütz deinen Raum. Schütz deine Energie. Schütz deinen Kopf.

Alles andere ist Lärm.

Und Lärm kann man abstellen.


Transparenzhinweis

Wie die meisten meiner Blogartikel ist auch dieser nicht am Schreibtisch entstanden, sondern unterwegs. Ich spreche meine Gedanken als Sprachmemos ein, wenn mir was durch den Kopf geht. Diese Aufnahmen werden dann von ChatGPT transkribiert und anschließend mit Claude in eine lesbare Form gebracht.

Der Inhalt, die Meinung, die Erfahrung – das alles ist meins. Die Struktur und der Feinschliff entstehen mit KI-Unterstützung. Ich finde, das sollte man offen sagen. Nicht weil ich mich dafür rechtfertigen müsste, sondern weil Transparenz zu dem gehört, wofür ich stehe.