Ich sag dir was: Wenn jemand zu mir kommt und sagt „Ich kann Photoshop und Lightroom“, dann nick ich und denke mir – ja, schön. Das können viele. Das ist die Grundausstattung. Das ist wie ein Koch, der sagt, er hat ein Messer und einen Herd.

Die Frage ist: Was hast du sonst noch?

Weil Adobe allein reicht nicht. Nicht 2026, nicht wenn du wirklich professionell arbeiten willst. Nicht wenn du Aufträge annimmst, mit Kunden kommunizierst, Projekte managst, Sachen präsentierst und am Ende des Monats auch noch Geld verdienen willst.

Ich hab über zwanzig Jahre gebraucht, um das zu kapieren. Am Anfang dachte ich, es geht nur ums Bild. Um die Retusche, den Look, die Technik. Und klar, das ist wichtig. Aber irgendwann merkst du: Das Bild ist vielleicht dreißig Prozent deines Jobs. Der Rest ist alles drumherum.

Und für dieses Drumherum brauchst du Werkzeuge, die Adobe nicht abdeckt. Oder nicht gut genug abdeckt. Oder die einfach besser sind, weil sie genau dafür gebaut wurden.

Hier sind die fünf, auf die ich nicht mehr verzichten kann. Nicht die hippen, nicht die trendigen – die, die ich jeden Tag benutze und ohne die ich aufgeschmissen wäre.


1. Capture One

Ja, ich fang damit an. Und ja, ich weiß, Lightroom-Fans werden jetzt die Augen verdrehen.

Aber hör mir kurz zu.

Ich hab jahrelang in Lightroom gearbeitet. Und Lightroom ist gut. Für viele Sachen sogar super. Aber irgendwann bin ich an einen Punkt gekommen, wo ich gemerkt hab: Die Farben stimmen nicht so, wie ich sie haben will. Die Hauttöne, die Feinabstimmung, diese letzte Nuance – da fehlt mir was.

Dann hab ich Capture One ausprobiert. Und das war so ein Moment, wo du merkst: Ah, das geht also auch anders.

Die Farbwerkzeuge in Capture One sind auf einem anderen Level. Du kannst Farben so präzise steuern, dass du dich fragst, warum du vorher mit weniger zufrieden warst. Der Color Editor allein ist den Umstieg wert. Du klickst auf einen Farbton im Bild und kannst genau diesen Ton verschieben, ohne dass der Rest sich mitbewegt. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber wenn du Hauttöne bearbeitest oder Produktfarben exakt treffen musst, ist das ein Gamechanger.

Die Tethered-Capture-Funktion ist auch besser als alles, was Lightroom bietet. Wenn du im Studio arbeitest und die Kamera direkt an den Rechner hängst, ist Capture One schneller, stabiler und zeigt dir das Ergebnis sofort in der Qualität, die du brauchst.

Und dann die Ebenen. Ja, Capture One hat Ebenen. Mit Masken. In einem RAW-Entwickler. Du kannst verschiedene Bearbeitungen auf verschiedene Bereiche legen, ohne das Bild jemals nach Photoshop schicken zu müssen. Für achtzig Prozent meiner Bilder reicht das komplett aus.

Kostet Geld, ja. Nicht wenig sogar. Aber wenn du professionell fotografierst – vor allem People, Fashion, Produkt – dann ist das eine Investition, die sich auszahlt. Weil du schneller bist, weil die Ergebnisse besser sind, und weil deine Kunden den Unterschied sehen, auch wenn sie nicht sagen können, was genau anders ist.


2. Affinity Suite (Photo, Designer, Publisher)

Die Affinity-Programme sind so ein Ding, das ich jedem empfehle, der mich fragt. Egal ob Fotograf, Designer, Illustrator oder irgendwas dazwischen.

Warum? Weil sie drei Sachen machen, die Adobe nicht macht: Sie kosten einmal Geld und dann nie wieder. Sie laufen ohne Internet. Und sie sind verdammt gut.

Affinity Photo ist keine Photoshop-Kopie. Es ist ein eigenständiges Programm, das vieles kann, was Photoshop kann, und manches sogar eleganter löst. Die HDR-Zusammenführung, das Stitching, die RAW-Entwicklung – alles solide. Nicht ganz auf Photoshop-Niveau bei den ganz speziellen Sachen, aber für neunzig Prozent der Arbeit mehr als ausreichend.

Affinity Designer ist mein Illustrator-Ersatz. Vektorgrafik, Logodesign, Layouts – alles drin. Und es kann nahtlos zwischen Vektor und Pixel wechseln, was in der Praxis unglaublich praktisch ist.

Affinity Publisher ist das InDesign-Pendant. Für Fotobücher, Portfolios, Drucksachen. Und es hat eine Funktion, die Adobe bis heute nicht hinbekommen hat: Du kannst die anderen Affinity-Programme direkt in Publisher einbetten. Also mitten in deinem Layout mal eben ein Bild bearbeiten oder ein Logo anpassen, ohne das Programm zu wechseln.

Der eigentliche Punkt ist aber ein anderer: Unabhängigkeit.

Adobe kann morgen die Preise erhöhen. Kann Features streichen. Kann das Abo-Modell ändern. Du bist denen ausgeliefert. Mit Affinity hast du ein Backup. Eine Alternative. Einen Plan B, der funktioniert.

Und als Kreativer solltest du immer einen Plan B haben. Immer.


3. DaVinci Resolve

Wenn du 2026 als Kreativer kein Video machst, lebst du hinter dem Mond.

Ich sag das nicht, um Fotografen zu ärgern. Ich sag das, weil es die Realität ist. Kunden wollen Bewegtbild. Social Media will Bewegtbild. Selbst wenn du reiner Fotograf bist – irgendwann kommt der Moment, wo jemand fragt: Kannst du auch ein kurzes Video machen?

Und dann willst du nicht dastehen und sagen: Nee, kann ich nicht.

DaVinci Resolve ist kostenlos. Ja, wirklich. Die Gratisversion reicht für alles, was du am Anfang brauchst, und für vieles darüber hinaus. Hollywood-Filme werden damit geschnitten. Das ist kein Spielzeug.

Was mich überzeugt hat: Die Farbkorrektur ist die beste, die es gibt. Punkt. Kein anderes Programm kommt da ran. Wenn du als Fotograf verstehst, wie Farbe funktioniert, wirst du dich in DaVinci sofort zu Hause fühlen. Die Logik ist ähnlich – nur halt in Bewegung.

Der Schnitt ist professionell. Die Audiobearbeitung mit Fairlight ist eingebaut. Du brauchst kein zweites Programm für Sound. Und seit ein paar Versionen gibt es auch Fusion für visuelle Effekte und Motion Graphics.

Die Lernkurve ist steil, das geb ich zu. Am Anfang sitzt du davor und denkst: Was zur Hölle. Es gibt tausend Buttons und du weißt nicht, wo du anfangen sollst.

Aber das war bei Photoshop auch so. Erinnerst du dich?

Fang klein an. Schneid ein paar Clips zusammen. Mach eine Farbkorrektur. Lern die Basics. Der Rest kommt mit der Zeit.

Und wenn du dann irgendwann einen Kunden hast, der auch ein Video will, sagst du: Klar, kein Problem. Statt: Dafür müssten wir jemand anderen beauftragen.

Das ist der Unterschied zwischen einem Kreativen und einem, der nur Fotos macht.


4. Notion

Jetzt kommt was, das auf den ersten Blick nicht nach Kreativ-Tool aussieht. Notion. Ein Organisationstool. Ein Notizbuch. Eine Datenbank. Alles gleichzeitig und nichts davon ganz genau.

Warum steht das auf einer Liste mit Programmen für Kreative?

Weil Organisation der Punkt ist, an dem die meisten Kreativen scheitern.

Nicht am Können. Nicht an der Technik. Nicht am Talent. An der Organisation.

Wer macht was bis wann? Wo liegt die Datei? Was hat der Kunde gesagt? Welche Rechnung ist offen? Wann war das Shooting? Welches Model hat welchen Vertrag unterschrieben? Wo sind die Releases?

Wenn du das alles im Kopf hast oder in irgendwelchen Zetteln und Mails verteilt, dann funktioniert das bei drei Projekten. Bei zehn nicht mehr. Bei zwanzig bist du erledigt.

Notion löst das. Nicht perfekt, aber besser als alles andere, was ich ausprobiert hab.

Ich hab da meine komplette Projektverwaltung drin. Jedes Shooting, jeder Kunde, jeder Auftrag. Mit Status, Deadlines, Notizen, Links zu den Dateien. Alles an einem Ort.

Ich hab da meine Content-Planung drin. Welcher Blogpost kommt wann? Welches Bild poste ich auf welcher Plattform? Was muss ich noch vorbereiten?

Ich hab da meine Finanzen drin. Nicht die Buchhaltung – dafür gibt es andere Tools – aber den Überblick. Was kommt rein, was geht raus, wer schuldet mir noch Geld.

Und das Beste: Ich kann das alles so bauen, wie es für mich funktioniert. Notion ist kein starres System. Es ist ein Baukasten. Du baust dir deine eigene Struktur, so wie du denkst und arbeitest.

Klar, man kann auch Trello nehmen. Oder Asana. Oder Evernote. Oder irgendwas anderes. Aber Notion hat für mich die beste Balance zwischen Flexibilität und Struktur.

Und es ist in der Basisversion kostenlos.

Kein Kreativer sollte ohne ein vernünftiges Organisationstool arbeiten. Das ist nicht sexy, das ist nicht aufregend, aber es ist der Unterschied zwischen Hobby und Beruf.


5. Blender

Jetzt hör ich schon die Einwände: Blender? Das 3D-Programm? Was soll ich als Fotograf mit 3D?

Mehr als du denkst.

Blender ist kostenlos. Komplett. Open Source. Und es ist mittlerweile so gut, dass Studios damit Filme machen. Das ist kein Anfänger-Spielzeug. Das ist ein vollwertiges 3D-Programm, das mit Cinema 4D und Maya mithalten kann.

Aber warum sollte ein Fotograf oder Designer das lernen?

Weil die Grenzen zwischen Fotografie, Design und 3D verschwimmen. Immer mehr. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Produktvisualisierung. Mockups. Hintergründe, die es nicht gibt. Objekte, die du nicht fotografieren kannst, weil sie noch nicht existieren. Lichtszenarien durchspielen, bevor du ins Studio gehst. Szenen bauen, die in der Realität unmöglich wären.

Ich hab letztens ein Projekt gemacht, da brauchte der Kunde ein Produktbild. Das Produkt gab es aber noch nicht physisch. Früher hätte ich gesagt: Geht nicht, warten wir auf den Prototyp. Jetzt hab ich das Ding in Blender gebaut, beleuchtet, gerendert und der Kunde hatte sein Bild. In zwei Tagen statt in zwei Monaten.

Du musst kein Blender-Experte werden. Du musst nicht Pixar-Level erreichen. Aber die Basics verstehen – wie 3D-Raum funktioniert, wie Licht und Material zusammenspielen, wie man ein einfaches Objekt baut und rendert – das gibt dir Möglichkeiten, die andere Kreative nicht haben.

Und Möglichkeiten sind Aufträge. Und Aufträge sind Geld.

Außerdem: Blender hat eine der besten Communities im Netz. Tutorials ohne Ende, alles kostenlos, und die Leute sind hilfsbereit. Die Lernkurve ist brutal am Anfang, das stimmt. Aber die Community fängt dich auf.


Was auffällt: Es geht nicht nur um Bilder

Guck dir die Liste nochmal an.

Capture One – bessere Bilder.
Affinity – Unabhängigkeit und Vielseitigkeit.
DaVinci Resolve – Video.
Notion – Organisation.
Blender – 3D.

Nur eines davon ist ein reines Bildbearbeitungsprogramm. Der Rest ist drumherum. Und genau das ist der Punkt.

Erfolgreiche Kreative sind nicht die, die am besten retuschieren können. Es sind die, die das Gesamtpaket beherrschen. Die ein Projekt von Anfang bis Ende durchziehen können. Die nicht bei jeder Sache, die nicht Fotografie oder Bildbearbeitung ist, jemand anderen fragen müssen.

Je mehr du selbst kannst, desto wertvoller bist du. Nicht weil du alles allein machen sollst – Zusammenarbeit ist wichtig – sondern weil du verstehst, wie die einzelnen Teile zusammenhängen. Weil du mitreden kannst. Weil du Lösungen anbieten kannst, an die andere nicht denken.

Das ist der Unterschied.


Muss ich das alles sofort können?

Nein. Bitte nicht.

Nimm dir eins davon vor. Das, wo du den größten Bedarf siehst. Lern es. Nicht alles auf einmal, sondern die Basics. Bau darauf auf. Und wenn du dich sicher fühlst, nimm das nächste.

Ich hab Jahre gebraucht, bis ich all diese Programme halbwegs verstanden hab. Manche benutze ich jeden Tag, manche nur bei bestimmten Projekten. Aber zu wissen, dass ich sie habe und einsetzen kann – das gibt eine Sicherheit, die unbezahlbar ist.

Du musst nicht alles können. Aber du solltest mehr können als nur Adobe.


Wie dieser Text entstanden ist

Meine Blogartikel entstehen aus Sprachmemos – meistens wenn mir gerade ein Thema durch den Kopf geht. Wird transkribiert und mit KI in Form gebracht. Die Erfahrungen und Empfehlungen sind meine eigenen, gesammelt über mehr als zwanzig Jahre im Kreativbereich. Das Aufräumen und Strukturieren mach ich mit Tools. Transparenz gehört dazu.


Entdecke mehr von Der BROWNZ Blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.