Kling v3 ist draußen und mein Feed explodiert. Überall Videos, die vor ein paar Monaten noch unmöglich gewesen wären. Leute, die vorher nie was mit Bewegtbild gemacht haben, posten plötzlich Clips, die aussehen wie aus einem Kinotrailer.

Das ist großartig. Wirklich. Aber ich seh auch die andere Seite. Die Frustration, wenn es nicht klappt. Die Verwirrung, weil Video-KI eben nicht funktioniert wie Bild-KI. Die Enttäuschung, wenn das Ergebnis zwar technisch beeindruckend ist, aber irgendwie… leblos wirkt.

Also dachte ich mir: Schreib mal auf, was du gelernt hast. Nicht als Anleitung für Kling speziell – die Technik ändert sich eh alle paar Monate – sondern als Grundlagen-Ding. Sachen, die du wissen solltest, bevor du anfängst. Fehler, die du nicht machen musst, weil ich sie schon gemacht hab.

Hier ist alles, was ich Einsteigern erzählen würde.


Vergiss erstmal alles, was du über Bild-KI weißt

Okay, nicht alles. Aber vieles.

Wenn du mit Midjourney oder Stable Diffusion gearbeitet hast, denkst du vielleicht: Video ist ja nur bewegtes Bild. Kann so anders nicht sein.

Doch. Ist es.

Bei Bildern geht es um einen Moment. Eine Komposition. Ein Gefühl, eingefroren in der Zeit. Du kannst stundenlang am Prompt feilen, verschiedene Seeds ausprobieren, am Ende wählst du das beste Bild aus und fertig.

Bei Video geht es um Bewegung. Um Zeit. Um das, was zwischen den Frames passiert. Und da wird es kompliziert.

Denn die KI muss nicht nur verstehen, wie etwas aussieht, sondern auch, wie es sich bewegt. Wie Stoff fällt. Wie Haare wehen. Wie ein Gesicht sich verzieht, wenn jemand lächelt. Das sind komplett andere Probleme.

Und deshalb funktionieren Prompts, die bei Bildern super klappen, bei Video oft gar nicht. Weil du jetzt nicht nur beschreibst, was zu sehen ist, sondern auch, was passiert.


Denk in Szenen, nicht in Bildern

Der größte Fehler, den ich am Anfang gemacht hab: Ich hab versucht, komplexe Bilder in Bewegung zu setzen.

Ein episches Fantasy-Bild mit zwanzig Details, Magie, Explosionen, fliegenden Objekten – und dann wundern, warum das Video aussieht wie ein Albtraum auf Drogen.

Video-KI kann noch nicht alles gleichzeitig. Je mehr du reinpackst, desto wahrscheinlicher geht irgendwas schief. Gesichter verformen sich. Objekte verschmelzen. Physik hört auf zu existieren.

Was funktioniert: Einfache Szenen mit klarer Handlung.

Eine Person, die langsam den Kopf dreht. Rauch, der aufsteigt. Wasser, das fließt. Blätter, die fallen. Kamerafahrt durch eine Landschaft.

Je simpler die Bewegung, desto besser das Ergebnis. Das klingt langweilig, aber es ist die Wahrheit. Die beeindruckendsten Clips, die ich gesehen hab, sind oft die einfachsten.

Komplexität kannst du später im Schnitt aufbauen. Aber das einzelne Video-KI-Segment sollte eine Sache gut machen, nicht zehn Sachen mittelmäßig.


Länge ist dein Feind

Noch so eine Lektion, die wehgetan hat.

Kling v3 und ähnliche Tools können mittlerweile längere Clips generieren. Zehn Sekunden, manchmal mehr. Und die Versuchung ist groß, das auch zu nutzen. Mehr ist besser, oder?

Nee.

Je länger der Clip, desto mehr Möglichkeiten hat die KI, Fehler zu machen. Am Anfang sieht alles super aus, und nach fünf Sekunden fängt plötzlich das Gesicht an zu mutieren. Oder die Physik macht Feierabend. Oder irgendwas Seltsames passiert, das du nicht beschreiben kannst, aber das definitiv falsch ist.

Mein Tipp: Generiere kürzere Clips. Drei bis fünf Sekunden. Die sind stabiler. Und wenn du längere Sequenzen brauchst, schneidest du mehrere kurze zusammen.

Das klingt nach mehr Arbeit, ist es auch. Aber das Ergebnis ist tausendmal besser, als einen langen Clip zu haben, der zur Hälfte unbrauchbar ist.


Kamera-Bewegungen verstehen

Das ist ein Punkt, den viele unterschätzen.

Video-KI kann nicht nur Objekte bewegen, sondern auch die Kamera. Zoom, Pan, Tilt, Dolly – all das lässt sich steuern, je nachdem welches Tool du nutzt.

Aber hier passieren die meisten Anfängerfehler.

Zu viel Bewegung auf einmal. Zoom während die Kamera schwenkt während das Objekt sich bewegt. Das Ergebnis ist Chaos. Visuelles Erbrechen.

Oder das Gegenteil: Gar keine Kamerabewegung, und der Clip wirkt statisch wie eine Diashow.

Die Wahrheit liegt in der Mitte. Eine kontrollierte, langsame Bewegung pro Clip. Entweder die Kamera bewegt sich, oder das Motiv bewegt sich. Selten beides gleichzeitig.

Guck dir mal Filme an und achte drauf, wie wenig oft passiert. Wie langsam Kamerafahrten sind. Wie viel Ruhe in guten Szenen steckt. Das ist kein Zufall.


Sound ist die halbe Miete

Jetzt kommen wir zu dem Teil, den die meisten völlig ignorieren. Und genau deshalb sehen ihre Videos aus wie… KI-Demos.

Ein Video ohne Sound ist kein Video. Es ist ein bewegtes Bild. Der Ton macht den Unterschied zwischen „ganz nett“ und „wow“.

Und ich rede nicht nur von Musik. Ich rede von allem.

Atmosphäre. Umgebungsgeräusche. Wind. Schritte. Das Rascheln von Stoff. Das Knistern von Feuer. All diese kleinen Dinge, die dein Gehirn erwartet, auch wenn du nicht bewusst drauf achtest.

Wenn du ein Video von einem Wald hast und es ist komplett still – irgendwas fühlt sich falsch an. Dein Gehirn weiß, dass Wälder nicht still sind. Da sind Vögel, Wind, Blätter, irgendwas.

Also: Nimm dir Zeit für Sound. Mindestens genauso viel wie für das Video selbst.


Wo du Sounds herbekommst

Es gibt Tonnen von Ressourcen. Kostenlose und bezahlte.

Freesound.org ist ein Klassiker. Riesige Bibliothek, alles Creative Commons, du musst nur aufpassen wegen der verschiedenen Lizenzen.

Epidemic Sound und Artlist sind bezahlt, aber dafür professionelle Qualität und klare Lizenzen. Wenn du das kommerziell nutzen willst, lohnt sich das.

Für Ambient-Sounds und Atmosphären gibt es auch KI-Tools mittlerweile. ElevenLabs macht Sound Effects, Udio und Suno machen Musik. Die sind noch nicht perfekt, aber für Hintergrund-Zeug oft gut genug.

Mein Workflow: Ich leg erstmal das Video hin, dann such ich passende Atmosphäre, dann Soundeffekte für spezifische Momente, und ganz am Ende Musik – falls überhaupt nötig.


Musik – weniger ist mehr

Apropos Musik.

Die meisten Anfänger-Videos haben zu viel davon. Oder die falsche. Oder beides.

Musik ist nicht dazu da, Stille zu füllen. Musik ist dazu da, Emotion zu verstärken. Wenn die Musik nichts verstärkt, lenkt sie nur ab.

Und diese epischen Trailer-Tracks, die alle benutzen – die funktionieren nur, wenn das Video auch episch ist. Wenn du eine ruhige Szene hast mit sanfter Bewegung und drunterlegst Hans-Zimmer-Gedröhne, dann passt das nicht. Dann kämpft die Musik gegen das Bild.

Mein Tipp: Probier erstmal, wie das Video ohne Musik wirkt. Nur mit Soundeffekten und Atmosphäre. Oft ist das besser.

Und wenn du Musik brauchst, dann wähle sie bewusst. Nicht das erstbeste Epic-Ding, das du findest. Sondern was, das zum Tempo passt, zur Stimmung, zum Inhalt.

Das dauert. Das nervt manchmal. Aber es macht den Unterschied.


Schnitt ist, wo die Magie passiert

Hier ist ein Geheimnis, das die wenigsten kapieren: Die besten Video-KI-Arbeiten sind nicht die mit dem besten generierten Material. Es sind die mit dem besten Schnitt.

Du kannst mittelmäßige Clips nehmen und durch guten Schnitt was Großartiges draus machen. Und du kannst fantastische Clips durch schlechten Schnitt ruinieren.

Schnitt ist eine eigene Kunstform. Da könnte ich stundenlang drüber reden. Aber hier die Basics:

Rhythmus. Schnitte sollten einem Rhythmus folgen. Nicht zufällig, nicht wenn dir danach ist, sondern bewusst. Ob zur Musik oder zu einem inneren Beat – irgendwas sollte den Takt vorgeben.

Dauer. Nicht jeder Clip muss gleich lang sein. Manche Momente brauchen Zeit. Andere sind in einer Sekunde vorbei. Lern zu spüren, wann ein Clip lang genug war.

Kontinuität. Wenn du Clips zusammenschneidest, müssen sie zusammenpassen. Ähnliche Lichtstimmung, ähnliche Farbtemperatur, ähnliche Bewegungsrichtung. Sonst ruckelt es im Kopf des Zuschauers.

Übergänge. Nicht jeder Schnitt braucht einen Übergang. Harter Schnitt ist meistens besser als irgendeine Blende. Fade to Black geht manchmal. Dieser Star-Wars-Wipe aus den 70ern – bitte nicht.


Welche Software du brauchst

Für den Anfang brauchst du nicht viel.

DaVinci Resolve ist kostenlos und professionell. Damit schneiden Leute Hollywood-Filme. Die Lernkurve ist steil, aber es gibt tausend Tutorials.

CapCut ist einfacher und auch kostenlos. Gut für schnelle Sachen, vor allem wenn du für Social Media produzierst.

Premiere Pro und Final Cut sind die Klassiker, kosten aber Geld.

Für Audio-Bearbeitung ist Audacity kostenlos und tut was es soll. Für mehr Kontrolle gibt es Fairlight in DaVinci Resolve oder separate DAWs wie Reaper.

Was ich nicht empfehle: Alles auf dem Handy machen. Geht, ist aber limitiert. Sobald du ernsthafter arbeitest, willst du einen richtigen Bildschirm und vernünftige Software.


Der größte Fehler von allen

Weißt du, was ich am häufigsten sehe bei Leuten, die mit Video-KI anfangen?

Sie posten alles sofort.

Jeder generierte Clip wird geteilt. Jedes Experiment wird hochgeladen. Alles muss raus, sofort, guck mal was ich gemacht hab.

Ich versteh das. Es ist aufregend. Es fühlt sich an wie Magie. Man will es zeigen.

Aber dadurch sieht man halt auch den ganzen Müll. Die Clips, wo das Gesicht verrutscht. Die Experimente, die nicht funktioniert haben. Die Sachen, die technisch interessant sind, aber sonst nichts.

Mein Rat: Halte dich zurück. Sammle Material. Kuratiere.

Nicht alles, was du generierst, muss die Welt sehen. Such dir die besten Clips raus. Arbeite daran. Mach was draus. Und dann zeig das.

Ein gutes fertiges Video ist hundertmal mehr wert als zwanzig rohe Clips.


Geduld, Geduld, Geduld

Der letzte Punkt, und vielleicht der wichtigste.

Video-KI ist noch nicht da, wo Bild-KI ist. Die Kontrolle ist geringer. Die Ergebnisse sind unvorhersehbarer. Du wirst mehr Fehlversuche haben als Treffer.

Das ist normal. Das ist der Stand der Technik.

In einem Jahr wird das anders aussehen. In zwei Jahren wird es wahrscheinlich unglaublich sein. Aber jetzt, heute, ist es noch rau.

Also: Hab Geduld. Mit der Technik und mit dir selbst.

Lern die Grenzen kennen, statt gegen sie anzukämpfen. Arbeite mit dem, was funktioniert. Akzeptiere, dass nicht alles geht.

Und wenn was Tolles entsteht – und das wird es – dann genieß den Moment. Weil du weißt, wie viel Arbeit drinsteckt.


Fazit

Video-KI ist nicht Bild-KI plus Bewegung. Es ist ein eigenes Medium mit eigenen Regeln.

Denk in einfachen Szenen. Halte Clips kurz. Kontrolliere die Kamera. Nimm Sound ernst. Schnitt ist alles. Kuratiere, was du zeigst.

Und vor allem: Mach. Experimentiere. Scheitere. Lerne.

Das ist der einzige Weg.

Kling v3 ist ein Werkzeug. Ein verdammt gutes momentan. Aber das Werkzeug macht noch keinen Künstler. Das machst du selbst.

Also ran.


Wie dieser Text entstanden ist

Meine Blogartikel entstehen meistens, wenn ich Gedanken ins Handy quatsche. Sprachmemos, ziemlich chaotisch, alles durcheinander. Das wird transkribiert und mit KI aufgeräumt. Die Erfahrung und die Tipps sind meine. Die Struktur entsteht mit Tools. Finde ich fair so.


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